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Andrea Komlosy, Christof Parnreiter, Irene Stacher, Susan Zimmermann

Der informelle Sektor: Konzepte, Widersprüche und Debatten

Quelle: HSK 11: Ungeregelt und unterbezahlt. Der informelle Sektor in der Weltwirtschaft. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1997 (Historische Sozialkunde 11). Herausgegeben von Andrea Komlosy, Christof Parnreiter, Irene Stacher, Susan Zimmermann. S. 9 - 30.

Die Unterscheidung zwischen formellen und informellen Wirtschaftssektoren entwickelte sich in den Sozialwissenschaften seit den 1950er Jahren. Sie stand im Zusammenhang mit der Diskussion über jene gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Phänomene, die von verschiedenen Seiten als 'Unvollständigkeit' von Modernisierungsprozessen in der Dritten Welt bezeichnet worden sind. Der Begriff des 'informellen Sektors' selbst wurde vor rund einem Vierteljahrhundert, Anfang der 1970er Jahre, im Umfeld der International Labour Organisation (ILO) im Zusammenhang mit Studien zu Kenya und Ghana geprägt (ILO 1972; Hart 1973). Zahlreiche Dritte-Welt-ForscherInnen bezogen Überlegungen in ihre Arbeit ein, in deren Mittelpunkt der sogenannte informelle Sektor stand. Die ILO in Genf, die wohl wichtigste internationale Organisation, die sich mit Fragen der Erwerbsarbeit und des Arbeitsmarktes weltweit beschäftigt, hatte erheblichen Anteil an dieser Verbreitung und Popularisierung der Beschäftigung mit dem informellen Sektor. Geortet wird seine Entstehung und Ausbreitung in der Dritten Welt vor allem für die Zeit nach 1945 bzw. auch schon für die Zeit nach der Weltwirtschaftskrise von 1929/1933, insbesondere für urbane Zonen. Darüber, daß seine wirtschaftliche und soziale Bedeutung seit den 1980er Jahren noch zunimmt, sind sich die meisten ForscherInnen einig.
Doch auch für die entwickelten Industrieländer erlangt das Konzept der informellen Arbeitsbeziehungen mit den aktuellen Umstrukturierungen der Weltwirtschaft seit dem Ende des fordistischen Nachkriegsmodells zunehmende Bedeutung. Es steht hier in engem Zusammenhang mit der Diskussion über eine "Neue internationale Arbeitsteilung", in deren Rahmen als Antwort auf fallende Profitraten Rationalisierung, Flexibilisierung sowie eine Globalisierung der Standortwahl multinationaler Konzerne vorangetrieben wurden. Die "Wiederkehr der Informalität in den Zentren" beschäftigt längst eine zunehmende Zahl von ForscherInnen (Portes/Sassen-Koob 1987). Auch von offizieller Seite wird dem wachsenden Beitrag informalisierter Tätigkeiten zum Sozialprodukt mittlerweile immer mehr Beachtung geschenkt. Im Zusammenhang mit dem Um- bzw. Abbau sozial- und wohlfahrtsstaatlicher Einrichtungen werden informelle Tätigkeiten auch in ihrer reproduktiven Bedeutung wahrgenommen - meist bleibt dabei jedoch ausgeklammert, daß die Auslagerung sozialer Absicherung in den häuslichen Bereich eine Strategie der Lohnkostenminimierung darstellt, die hauptsächlich den Unternehmern zugute kommt.
In den Ländern des ehemaligen 'Ostblocks' sind die Arbeitsverhältnisse spätestens seit dem Systemwechsel einer starken Entrechtlichung und Zurückdrängung sozialer Sicherungsmechanismen unterworfen. Die informelle 'zweite' Wirtschaft, die nicht erst seit 1989 blüht und gedeiht, ist dazu berufen, zumindest einen Teil der Verarmten und Ausgestoßenen wenigstens einigermaßen aufzufangen. Mit alledem sind in globaler Sicht spätestens seit den 1980er Jahren die regulierten, sozialrechtlich abgesicherten Arbeitsverhältnisse weltweit so gut wie überall neuerlich im Rückzug begriffen.
Hinter dem teilweise heftig umstrittenen Begriff des informellen Sektors versammelt sich also eine bunte Mischung sozialer Phänomene. Zugleich lassen sich hinter der Beschäftigung mit diesen Erscheinungen sehr unterschiedliche Forschungskonzepte und Erkenntnisinteressen ausmachen. Wirklich gemeinsam hatten und haben alle diese Ansätze letztlich nicht viel mehr, als daß sie ihr Augenmerk auf einen bestimmten Bereich menschlicher Arbeit richten: Sie beschäftigen sich mit jenen Formen menschlicher Arbeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes oder auch des puren Überlebens, die mit den gewöhnlichen Kategorien der geregelten, in den offiziellen Statistiken verzeichneten Erwerbsarbeit nicht oder nur teilweise zu erfassen sind.
Damit allerdings greift die Diskussion um den informellen Sektor ein Problem auf, das für jene, die die soziale Welt zu erkunden trachten, schon seit rund zwei Jahrhunderten existiert. Seit diesem Zeitpunkt nämlich könnte bezüglich der Arbeitsverhältnisse in den Ländern des Zentrums über so etwas wie die schrittweise Entstehung eines bedeutenden formellen Sektors gesprochen werden. Und seit damals konnten Beobachter ihre Position an der Spitze der Pyramide einnehmen und von dort, also vom formellen Sektor aus, ihre Blicke nach 'unten' und nach 'draußen' schweifen lassen. Von hier aus gesehen erscheinen seit damals und bis heute alle Arbeitsverhältnisse, die den Weg an diese Spitze, also in den formellen Sektor, nicht gefunden hatten, als informell. Freilich erhielt die damit ins Leben getretene Spaltung im Laufe der Jahrzehnte und von verschiedenen Seiten eine ganze Menge unterschiedlicher Namen und nahm viele abweichende Formen an. Einer dieser Namen, und in bezug auf die Länder der Dritten Welt ist dies heute ganz gewiß der geläufigste, lautet eben informeller Sektor.
Doch bereits in der Manufakturperiode bzw. im Zeitalter der Protoindustrie fragten sich so manche Beobachter der Arbeitsverhältnisse, wie wohl die Lohnarbeit ihrer damaligen Gegenwart mit der Hausindustrie verbunden war. Beginnend mit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kam es in den Ländern des Zentrums zu einer deutlich zunehmenden sozial- und arbeitsrechtlichen Regulierung formeller Lohnarbeit, was sich in verschiedener Hinsicht materiell und sozial eindeutig zugunsten der Arbeitnehmer auswirkte. Angesichts solcher Fortschritte konnten es sich z.B. sozialistische oder liberale Theoretiker im frühen 20. Jahrhundert nicht erklären, wieso die an den Rand gedrängte kleine Haus- und Bauernwirtschaft, für die es 'eigentlich' kein Überleben gab, doch nicht sterben wollte. Wenn auch in deutlich geringerem Umfang, so war dann im Laufe des 20. Jahrhunderts in einer wachsenden Gruppe von Ländern der Peripherie und Semiperipherie ebenfalls die Entstehung und Ausdehnung formeller Lohnarbeit zu verzeichnen. Unmittelbar daran knüpft auch die neuere Debatte um den informellen Sektor in der Dritten Welt an. Keineswegs alle AutorInnen verwenden allerdings bei der Beschäftigung mit den dabei gemeinten Phänomenen den Begriff des informellen Sektors, ja manche lehnen ihn sogar rundweg ab. In der feministischen Entwicklungsforschung z.B. wird in der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen in der Dritten Welt und ihren Zusammenhängen und Widersprüchen häufig der Begriff der Subsistenzwirtschaft benutzt. Dies wird damit begründet, daß die Arbeit in den wenig formalisierten oder informellen Wirtschaftssektoren häufig in einem sehr engen und besonders ausbeuterischen Zusammenhang mit nicht-marktförmig organisierten Tätigkeiten steht, die häufig von Frauen ausgeübt werden (Jacobi/Nieß 1980).
Angesichts des nur allzu reichhaltigen, historischen und aktuellen Anschauungsmaterials, auf das mit alledem verwiesen ist, dreht sich heute die wissenschaftliche und politische Debatte nicht mehr um die Frage, ob all die Erscheinungen, die als informeller Sektor bezeichnet werden können, sozioökonomisch auch wirklich von Bedeutung sind. Vielmehr geht es in allererster Linie um den Charakter der existierenden Spaltung zwischen formell und informell, um das Verhältnis zwischen 'drinnen' und 'draußen': Ist der informelle Sektor unabhängig, ja, überhaupt Teil der kapitalistischen Produktionsweise? Oder ist er der eigentliche verborgene Lieferant jenes Mehrwerts, der nur scheinbar von den Arbeitern in den Fabriken produziert wird? Stellt der informelle Sektor eher ein Überbleibsel vorkapitalistischer Verhältnisse oder aber, wie es in jüngster Zeit manchmal heißt, ein Element der heraufziehenden postindustriellen Gesellschaft dar? Oder muß er als ständiger und grundlegender Bestandteil einer auch heute fortbestehenden kapitalistischen Produktionsweise betrachtet werden? Sobald man im Hinblick auf diese Fragen davon ausgeht, daß die im informellen Sektor produzierten Werte ein notwendiger Bestandteil des kapitalistischen Akkumulationsprozesses sind, ergibt sich eine weitere Frage, deren Beantwortung für ein angemessenes Verständnis heutiger Entwicklungen vielleicht am bedeutsamsten ist: Handelt es sich beim wellenförmigen Wachstum und Rückzug des formellen wie des informellen Sektors um ein einfaches Hin und Her, oder liegt dahinter ein säkularer Trend verborgen, der langfristig auf eine endgültige Erschöpfung der Regenerationsmechanismen der kapitalistischen Wirtschaftsweise weltweit hinausläuft?
Die von seiten der HerausgeberInnen als Diskussionsgrundlage an die AutorInnen des Bandes herangetragene Sichtweise der mit diesen Fragen angeschnittenen Probleme wird im zweiten Unterkapitel kurz vorgestellt. Das hier folgende erste Unterkapitel hingegen präsentiert zunächst wichtige Definitionen und Angaben zum möglichen Umfang des informellen Sektors sowie die bedeutendsten Konzepte zur Erklärung der damit angeschnittenen Phänomene.

1. Definitionen, Fakten, Konzeptionen: Der informelle Sektor in der Entwicklungsforschung seit 1945

Trotz der Geläufigkeit des Begriffes informeller Sektor gibt es bislang weder eine einheitliche Definition noch ein allgemein anerkanntes Konzept für dessen theoretische und empirische Erfassung. Wenn von Informalität die Rede ist, meinen die verschiedenen Beobachter sicherlich den ambulanten Straßenhändler mit seinen selbstgemachten Speisen in São Paulo; die Heimstrickerin in Istanbul; den Tagelöhner auf Tokyos Baustellen; die MüllsammlerInnen in Cali, den Mechaniker in einer KFZ-Werkstätte in Moskau; die Kinder, die in Buenos Aires Scheiben waschen und kleine Kunststücke aufführen; die jamaikanische Putzfrau in einem noblen Londoner Vorort; den Chauffeur und Besitzer eines Taxis in Bombay; die Arbeiterin in einer kleinen TV-Werkstätte in Mexico City; den Schuhputzer in Nairobi; die ErbauerInnen von Squatter-Siedlungen in Lima; den Schuster in Valencia; die Chinesin in New York, die Designer-Kleidung zuschneidet ... Sie alle und noch viele mehr gehören, insofern sie in ungeregelten Arbeitsverhältnissen tätig sind, zum informellen Sektor.
Die begrifflichen Bestimmungen, die dem informellen Sektor seit den 1970er Jahren gegeben wurden, sind nicht weniger uneinheitlich als die genannten Tätigkeiten. Keith Hart sieht das wesentlichste Merkmal des informellen Sektors in der unternehmerischen Selbständigkeit (self-employment) der dort Tätigen, während im formellen Sektor Lohnarbeit dominiert (Hart 1973:68 f). Die ILO stellt demgegenüber vor allem den unbürokratischen und einfachen Zugang zum informellen Sektor in den Vordergrund, nicht das Faktum der Selbständigkeit an sich. Der informelle Sektor basiert in dieser Sicht auf einheimischem Kapital und lokalen Ressourcen, Familienarbeit, arbeitsintensiver, angepaßter, aber wenig produktiver Technologie und beruflichen Fertigkeiten, die außerhalb des formellen Schulsystems erworben werden. Informelle Betriebe sind klein (weniger als fünf Beschäftigte), agieren am Rande der Legalität und ohne arbeitsrechtliche Regelungen, und sie sind von den dynamischen Bereichen des formellen Sektors weitgehend losgelöst (ILO 1972:6; Klein/Tokman 1988:206 f).
Eine andere Möglichkeit, den informellen Sektor zu definieren, ergibt sich, wenn sein Verhältnis zum Staat bzw. die Frage der Regulierung der Arbeitsbeziehungen in den Blick genommen wird. Für Hernando de Soto, der mit einer Arbeit über den informellen Sektor in Peru großen Einfluß auf die Debatte der späten 1980er und der frühen 1990er Jahre gewann, umfaßt der informelle Sektor an sich legale wirtschaftliche Tätigkeiten, deren Ausübung aber auf Grund eines protektionistischen rechtlichen Systems nur durch die Umgehung oder Verletzung der Gesetze möglich ist (de Soto 1992:18). Strukturalistisch-weltsystemische Ansätze schließlich fassen den informellen Sektor als einen Bereich, in dem Tätigkeiten zur Einkommensgewinnung keiner formalen Regulierung unterliegen, obwohl die gleichen Aktivitäten in der betreffenden Gesellschaft durchaus institutionell und gesetzlich reguliert werden (Castells/Portes 1989:12).
Eine Bestimmung der Größe oder des Umfangs des informellen Sektors ist naturgemäß schwierig, da Informalität ja dadurch charakterisiert ist, daß sie ganz oder teilweise jenseits des offiziell und statistisch erfaßten Bereiches der Arbeitsbeziehungen vor sich geht. Probleme der Quantifizierung werden durch die methodologisch und theoretisch motivierten Unterschiede in der Definition des informellen Sektors noch vergrößert. Die folgenden Daten sind daher nur äußerst bedingt vergleichbar und können auch keine exakte Bestimmung vom Ausmaß des informellen Sektors geben. Sie sollen vielmehr einen Eindruck davon vermitteln, daß der informelle Sektor in vielen Ländern und/oder Wirtschaftsbranchen eine bedeutende Größe darstellt. Beispielsweise waren in Lateinamerika im Jahr 1980 zwischen und 42 und 56% (je nach Untersuchungsmethode) der gesamten wirtschaftlich aktiven Bevölkerung im informellen Sektor tätig (Portes 1995:111,132 f), und seither wächst der informelle Sektor etwa doppelt so schnell wie der formelle (Pérez Sáinz 1991:61 f). Besonders dramatisch hat der Anteil der informell Beschäftigten in Mexiko zugenommen. Zwischen 1982 und 1994 verdreifachte er sich und liegt nun - nach vorsichtigen Schätzungen - bei über 60% (Wannöffel 1995:14 f). Bedeutsam ist der informelle Sektor auch bezüglich seiner produktiven Leistung. Beispielsweise wurden in der peruanischen Hauptstadt Lima 1985 43% aller Wohnungen, 83% aller auf dem Markt angebotenen Waren und 91% des öffentlichen Verkehrs durch informelle Aktivitäten bereitgestellt (de Soto 1992:44 f, 84, 113). In Mexiko ent-sprangen im selben Jahr - wiederum je nach angewandter Untersuchungsmethode - zwischen 25 und 38% der Wirtschaftsleistung dem informellen Sektor, was einer Verdreifachung seit 1970 entspricht (Portes 1995:140).
Für Afrika ist im allgemeinen davon auszugehen, daß 40-50% der urbanen Arbeitsplätze dem informellen Sektor zuzurechnen sind. In Extremfällen wie in Burkina Fasu und Sierra Leone kann dieser Anteil sogar auf rund 75% ansteigen. Für einige Länder liegen zudem Schätzungen darüber vor, in welchem Maße die nicht dem Agrarsektor zuzurechnende Bevölkerung insgesamt im und vom informellen Sektor lebt. In Mali zum Beispiel beträgt dieser Anteil 70%, in der Côte dŽIvoire 48% und in Burundi und Niger 66 bzw. 58% (Weltbank 1995).
Auch in den Industriestaaten kommt dem informellen Sektor eine große - und wachsende - Bedeutung zu. In den USA wurden in den 1970er und 1980er Jahren zwischen 4 und 33% der nationalen Wirtschaftsleistung informell erbracht, und 15% aller Ausgaben privater Haushalte flossen in den informellen Sektor. Die Zahl der Kleinstunternehmen, die eine große Neigung zu informeller Produktion aufweisen, nimmt vor allem in Branchen wie der Bauwirtschaft, der Bekleidungs- oder der Elektroindustrie zu (Portes 1995:212-218; Portes/Sassen-Koob 1987:42-45). In Ländern der Europäischen Union betrug der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt in den 1980er Jahren zwischen 4 (Irland) und 30% (Griechenland), wobei Länder wie die BRD, die Niederlande oder Frankreich im mittleren Bereich (rund 10%) lagen (Williams/Windebank 1995:25). In den neuen Industriestaaten Ostasiens basiert die Ausweitung der Produktion und der Exporte entweder überhaupt zu einem erheblichen und steigenden Anteil auf Klein- und Kleinstbetrieben (Hong Kong und Taiwan), oder aber solche Kleinunternehmen breiten sich seit den 1980er Jahren wieder verstärkt aus (Cheng/Gereffi 1994). In den Ländern Osteuropas ist die Umwandlung der sozial abgesicherten Vollbeschäftigungsgesellschaften in Marktgesellschaften, wo der Arbeitsmarkt durch Kapitalinteressen, Angebot und Nachfrage gestaltet wird, noch nicht abgeschlossen. Dabei sind sowohl die offene Arbeitslosigkeit wie auch Formen der neuen Selbständigkeit und der informellen Beschäftigung, die sich am Rande oder außerhalb des im Umbau begriffenen Arbeits- und Sozialrechts bewegen, rasch im Zunehmen begriffen. Schätzungen über den Umfang des informellen Sektors sind in dieser Periode des totalen Umbruchs besonders schwierig. Sie reichen von 8 bis 15% der Erwerbsbevölkerung in Tschechien und 20% in Polen bis hin zu Annahmen, daß in Rußland und der Ukraine, Rumänien, Bulgarien und Polen inzwischen mehr als ein Drittel der Bevölkerung ohne informelle Erwerbstätigkeit kein Auskommen mehr finden könne (Weltbank 1995; Paukert 1995).
All diese Definitionen und quantitativen Angaben zum möglichen Umfang des informellen Sektors bieten aber noch keine Antwort auf die Frage, warum und wie diese spezielle Form der Organisierung und Gestaltung von Arbeitsverhältnisssen zustande kommt, und sie erklären auch noch nicht, welche Funktion dieser Sektor im Rahmen aller wirtschaftlichen Aktivitäten insgesamt einnimmt. Hinsichtlich der Antworten auf diese Fragen scheiden sich natürlich die Geister. Die verschiedenen Forschungsrichtungen und Theorieansätze entwickeln sehr unterschiedliche Perspektiven zur Erklärung des Phänomens informeller Sektor. Vier grundsätzliche, wenn auch in sich keineswegs einheitliche Gruppen solcher Interpretationen sollen daher im folgenden kurz vorgestellt werden.

Modernisierungs- und Dependenztheorien
Eine erste Gruppe von Ansätzen zur Beschreibung und Untersuchung des informellen Sektors entwickelte sich in der Auseinandersetzung zwischen den klassischen modernisierungstheoretischen Entwicklungtheorien und den klassischen Dependenztheorien (Theorien der Abhängigkeit und Unterentwicklung). Seit den 1950er und 1960er Jahren erkannten sehr unterschiedlich orientierte Entwicklungs- und Dependenztheoretiker, daß die Dritte Welt nicht (oder, wie die Modernisierungstheoretiker meinten: nicht zur Gänze) dem Rostowschen Modernisierungsmodell folgte. Dieses hatte für die Entwicklungsländer eine zeitverschobene Neuauflage des Phasenmodells der westeuropäischen Wirtschaftsgeschichte vorausgesagt. In Wirklichkeit zerfalle die Volkswirtschaft in den Ländern der Dritten Welt stattdessen in einen 'modernen' und einen 'traditionellen' oder 'zurückgebliebenen' Sektor, wobei letzterer von zahlreichen Merkmalen der Informalität gekennzeichnet sei. Diese Spaltung der Volkswirtschaften in der Dritten Welt wurde als zentrale Erscheinungsform von fehlender Entwicklung gekennzeichnet.
Über Wurzeln, Funktionen und Möglichkeiten der Überwindung dieser Spaltung entbrannte alsbald eine heftige Debatte. In den Augen modernisierungstheoretisch orientierter Entwicklungsforscher standen einander in den Volkswirtschaften der Dritten Welt die 'modernen' und die 'zurückgebliebenen' Sektoren unvermittelt und unverbunden gegenüber. Die Ursachen dieses Dualismus suchten sie in erster Linie in internen Problemen der in Entwicklung begriffenen Wirtschaften. Überwinden wollte man ihn durch geeignete wirtschafts- bzw. entwicklungspolitische Maßnahmen vor Ort.
Von seiten der Dependenztheoretiker, die die Abhängigkeit der Länder der Dritten Welt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückten, wurden solche Sichtweisen bald massiv in Frage gestellt. Zwar gingen auch sie von der Existenz zweier Sektoren aus, doch sahen sie beide Sektoren, den sogenannten entwickelten ebenso wie den sogenannten zurückgebliebenen, als Ergebnis der abhängigen Einbindung der Länder der Dritten Welt in ein hierarchisches internationales Wirtschaftssystem an. Die Heterogenität der Wirtschaftssektoren in der Dritten Welt sei kein vorübergehendes Stadium auf dem Weg in die Moderne, sondern ein strukturelles Merkmal der Abhängigkeit dieser Länder. Durch weitere entwicklungspolitische Förderung der modernen Sektoren würde sich diese "strukturelle Heterogenität" eher noch verschärfen (Martinelli 1972:361-373; Sunkel 1972:274). Ein wirklicher Ausweg aus diesen Verhältnissen war in den Augen der Dependenztheorie - anders als für die Modernisierungstheorie - nur auf der Basis grundlegender globaler Veränderungen der Wirtschaftsweise, durch eine Überwindung kapitalistischer Abhängigkeitsbeziehungen vorstellbar.
Der Dependenztheorie ging es somit in erster Linie um eine neue, von weltwirtschaftlichen Beziehungen her argumentierende Erklärung für die Ursachen der Existenz von formellen und informellen Sektoren in der Dritten Welt. Nur wenige der klassischen dependenztheoretischen Analysen beschäftigten sich dagegen eingehend mit den funktionalen Beziehungen zwischen den beiden Sektoren, so z.B. mit der Rolle, die die Existenz des informellen Sektors für die Niedrighaltung der Löhne im formellen Sektor hatte (Cardoso 1974:211).
Seit Ende der 1960er Jahre fanden von der Dependenztheorie beeinflußte Erkenntnisse über die vom europäischen Modell abweichende Entwicklung der Beschäftigungsverhältnisse in der Dritten Welt in verwässerter Form auch in die offizielle Entwicklungspolitik für diese Länder Eingang. Zum einflußreichsten internationalen beschäftigungspolitischen Konzept, das mit den Debatten der klassischen Entwicklungstheorien und Dependenztheorien in engem Zusammenhang stand, sollte schließlich das Beschäftigungsprogramm für Lateinamerika PREALC (Programa de Empleo para America Latina y el Caribe) werden, das von der ILO entwickelt wurde.
Schon 1969 war als Reaktion auf das Scheitern der kolonialen und nachkolonialen Modernisierungspolitik im Rahmen der International Labour Conference das ILO World Employment Programme beschlossen worden. Ziel war es, die Ursachen von Landflucht, Verstädterung und Slumbildung, von zunehmender Arbeitslosigkeit und Bevölkerungswachstum zu untersuchen, um entsprechende Empfehlungen für die Schaffung produktiver Arbeitsplätze und Maßnahmen gegen Marginalisierung zu formulieren. Nun wurde von seiten der offiziellen Entwicklungspolitik dem informellen Sektor erstmals ein ökonomisches und soziales Potential zur Arbeitsplatzbeschaffung und zur Entwicklung von unternehmerischer Dynamik und Wachstumschancen beigemessen. Obwohl sie den informellen Sektor noch immer als unproduktiv und zurückgeblieben betrachtete, ging eine ILO-Studie über Kenya zum ersten Mal davon aus, daß der informelle Sektor einem großen Teil der Bevölkerung Einkommensmöglichkeiten bieten und eine ganze Reihe von billigen, arbeitsintensiven Gütern und Dienstleistungen produzieren würde (ILO 1972). Die entwicklungspolitische Empfehlung lautete daher, den informellen Sektor anzuerkennen und in die staatlichen wirtschaftspolitischen Bestrebungen zu integrieren, da die beschäftigungspolitischen Maßnahmen im formellen Sektor bis dahin keine befriedigenden Ergebnisse gebracht hatten. Eine Förderung des informellen Sektors würde, wie es hieß, weder das Konfliktpotential noch die Zuwanderungsraten drastisch erhöhen. Die ILO empfahl daher seine Berücksichtigung beim Lizenzvergabesystem für Kleinunternehmer und im Handel, Verbesserungen beim Zugang zu Krediten und zur städtischen Infrastruktur, Abschaffung der Diskriminierung bei der Beschaffung von Rohstoffen sowie beim Absatz von informell hergestellten Produkten, verstärkte Unterstützung bei der Ausbildung, zusätzliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit zur Förderung der Produkte des informellen Sektors und Unterlassung der mutwilligen Zerstörung der Slum-Siedlungen. Es ging also darum, den informellen Sektor gezielt und Schritt für Schritt an die offizielle Wirtschaft anzubinden, anstelle wie bisher davon auszugehen, daß er sich durch forcierte Modernisierungsbemühungen und eine bald alle Bereiche erfassende Dynamik in der formellen Wirtschaft 'von selbst' auflösen werde.
Im lateinamerikanischen PREALC wurde die Auseinandersetzung mit dem informellen Sektor dann stärker in den Kontext der Entwicklungs- und Abhängigkeitsdebatten gestellt (Pries 1996:8). Der informelle Sektor wurde als Ergebnis von Unterentwicklung bzw. fehlender Entwicklung betrachtet. Informalität resultiere aus dem Mißverhältnis zwischen einem zu großen Arbeitskräfteangebot in den urbanen Agglomerationen, das durch Zuwanderung vom Land immer neu gespeist werde, und der zu geringen Kapazität des modernen Industriesektors, ausreichend bezahlte Jobs zu schaffen. In Ermangelung von Arbeitsplätzen im modernen Sektor seien die Armen und die Zuwandernden im Rahmen ihrer individuellen Überlebensstrategien gezwungen, sich selbst Beschäftigung in informellen Bereichen zu schaffen. Im Zentrum der theoretischen Überlegungen stan-den damit allerdings weder Fragen der abhängigen Position der betroffenen Länder im internationalen Wirtschaftssystem, noch die Beziehungen zwischen den formellen und den informellen Sektoren, sondern die unterschiedlichen Produktionsweisen in beiden. Die Beschäftigung im formellen Sektor sei durch die Logik der Kapitalakkumulation und den Marktmechanismus bestimmt, die im informellen Sektor durch die Logik der Reproduktionssicherung und der Subsistenz (Pries 1996:11). Die informellen Arbeitskräfte gehören nach alledem zu einem anderen Arbeitsmarkt als die formellen. Zudem wird Informalität in modernisierungstheoretischer Perspektive weiterhin als ein Übergangsphänomen im Wandel von einer ländlich-agrarischen zu einer städtisch-industriellen Gesellschaft betrachtet (Klein/Tokman 1988:206-208; PREALC 1990:7-9).

Das neoliberale Konzept
Seit den 1980er Jahren haben sich auch neoliberale Theoretiker und solche, die derartigen Ansätzen nahestehen, der Frage der 'informellen Wirtschaft' angenommen. Ähnlich wie die klassische Entwicklungs- und Modernisierungstheorie interessieren sich auch diese Autoren wenig für mögliche innere Zusammenhänge zwischen formellen und informellen Sektoren. Allerdings verkehren sie die Perspektive dieser klassischen Konzepte radikal in ihr Gegenteil: Die meisten 'Klassiker' nämlich sahen den Endzweck aller Modernisierung in der Integration möglichst vieler Menschen und Arbeitsverhältnisse in den formellen Sektor - ganz nach dem Bild, das der industrialisierte Westen über so viele Jahrzehnte hinweg kaum hinterfragt von sich selbst zu zeichnen wußte. Für neoliberale Theoretiker dagegen stellt die 'deregulierte' Wirtschaft und damit eben auch der informelle Sektor ganz und gar nichts Negatives dar und schon gar nicht eine Produktionsform, die es mit der Zeit zu überwinden gelte. Im Gegenteil: Deregulierung ist das Ziel ihrer Wünsche und stellt ihrer Meinung nach die einzig denkbare Perspektive zur Überwindung von wirtschaftlichen Problemen allgemein und der derzeitigen Krise im besonderen dar. Daher werden nunmehr die staatlichen Regelungen des formellen Sektors, anstatt herbeigesehnt zu werden, massiv unter Beschuß genommen. Gerade die Formalisierung und Regulierung von Arbeitsverhältnissen seien es, die in der Dritten Welt Entwicklung behindere. Der Neoliberalismus, der ja auch in den entwickelten Industrieländern die Deregulierung von Beschäftigungsverhältnissen und den Abbau sozialer Leistungen vorangetrieben sehen möchte, entwickelt daher Konzepte, die die Notwendigkeit des Abbaus von Formalität auch in den Ländern der Dritten Welt begründen sollen.
Ganz in diesem theoretischen Zusammenhang steht die Studie des früheren peruanischen Geschäftsmanns und Verwaltungsbeamten Hernando de Soto, die im Zeichen des allgemeinen Vormarches neoliberaler Ideologien bald nach ihrem Erscheinen im Jahr 1986 zum Bestseller werden sollte. De Soto geht davon aus, daß der informelle Sektor als Reaktion auf ein Rechtssystem entsteht, das der Mehrheit der Menschen staatlichen Schutz und Unterstützung verwehrt und ihnen zudem für die legale Realisierung ihrer wirtschaftlichen oder sozialen Tätigkeiten einen unbezahlbaren Preis abverlangt. Die in vielen Ländern der Dritten Welt in den 1980er Jahren noch dominierenden Formen des Gewerbe-, Arbeits- und Sozialrechts - de Soto bezeichnet sie als "merkantilistisch" - garantierten den Firmen im modernen Sektor monopolistische Privilegien. Für die meisten Menschen machen sie nach de Soto den Zugang zur legalen, rechtlich gesicherten Beschäftigung oder Unternehmensgründung unerschwinglich, da sie diesen mit einem extrem hohen Zeit- und Geldaufwand verbinden. All jene Unternehmungen, die diesen "monopolistischen" Regelungen nicht entsprechen können, würden konsequenterweise am Rande oder jenseits des Gesetzes durchgeführt (de Soto 1992:44-50).
Diese Situation 'legaler Apartheid' betrifft insbesondere die vom Land in die Städte Zuwandernden, die deshalb auch die wichtigsten Träger der informellen Wirtschaft darstellen (de Soto 1992:81). De Soto sucht seine Perspektive immer wieder mit Beispielen zu untermauern. So erscheinen etwa Landbesetzungen und die illegale Errichtung von Squatter-Siedlungen in Lima als Folge der 'Überregulierung' des legalen Wohnungsbaus. Eine durchschnittliche Zuwandererfamilie benötige in der peruanischen Hauptstadt sechs Jahre und elf Monate an Behördengängen und Wartefristen bzw. 56 Monatslöhne, bis sie eine legal errichtete Behausung beziehen könne. Analog argumentiert de Soto, daß Handels- und Produktionsbetriebe informell eröffnet werden, weil Bewilligungen zuviel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Ähnliches gelte auch für die Kosten des Verbleibes in der Legalität. Wenn Steuern, vor allem aber die Erfüllung bürokratischer Anforderungen sowie arbeits- und sozialrechtliche Verpflichtungen gegenüber den Arbeitenden zu teuer seien, dann bestehe eben ein Antrieb zu informellem Wirtschaften am Rande oder jenseits der Gesetze.
Die Ungesetzlichkeit des informellen Sektors ist für de Soto damit eine erzwungene und von kriminellen oder asozialen Tätigkeiten (wie beispielsweise Drogenhandel oder Raub) klar zu unterscheiden. Der informelle Sektor sei auch weder chaotisch noch anarchistisch. Vielmehr würden die im informellen Sektor tätigen Menschen und Betriebe 'extralegalen' Normen folgen, die sich aus Gewohnheitsrechten und Bestandteilen des formellen Rechtes ableiten. Darüber hinaus strebten die meisten ungeschützt Tätigen eine Legalisierung ihrer Verhältnisse an, was sie im Laufe der Jahre und über verschiedene Etappen zum Teil auch erreichen. Denn auch die Informalität ist mit hohen Kosten verbunden. Unternehmen müßten, um nicht entdeckt zu werden, klein bleiben, was das Ausnützen der Vorteile der Produktion im großen Stil verhindert. Bestechungsgelder sind zu bezahlen, Investitionen und Rationalisierungen bleiben ob der unsicheren Lage bzw. Rechtslage des Betriebes aus, und das staatliche Recht kann weder bei Vertragsbruch durch einen Geschäftspartner noch zur Gründung einer risikovermindernden Geschäftskonstruktion in Anspruch genommen werden.
Hernando de Soto empfiehlt, staatliche Regulierungen zu vereinfachen, zu dezentralisieren und schließlich zu beseitigen. Nur so könnten die 'Informellen' ihre unternehmerischen Energien voll entfalten und an den bestehenden Gesetzen vorbei der Marktwirtschaft zum Durchbruch verhelfen (de Soto 1992:18-23, 43-50, 69-80, 153-199, 294-307).
Es ist nicht überraschend, daß im neoliberalen Klima internationale Organisationen und auch private Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) der Entwicklungszusammenarbeit de Sotos Anregungen aufgegriffen haben und fortan die Unterstützung von Klein(st)unternehmern zu einem entwicklungspolitischen Ziel erklärten. Schließlich hatte ja auch schon die ILO ähnliche Maßnahmen vorgeschlagen, ohne allerdings vom grundsätzlichen Ziel klassischer Entwicklungspolitik, der letztendlichen Verbreitung der Arbeits- und Lebensweise der entwickelten westlichen Industriestaaten in den Jahrzehnten nach 1945, prinzipiell abzurücken. Das radikal Neue an der neoliberalen Perspektive ist demgegenüber zum einen, daß sie mit ihrer Interpretation des informellen Sektors die hergebrachte Sichtweise, daß Informalität Ausdruck und Ergebnis von Marginalität und Unterentwicklung sei, in ihr Gegenteil verkehrte. Entwicklungsprobleme werden demnach von der Überregulierung im formellen Sektor erzeugt und hängen nicht etwa mit fehlenden Arbeitsplätzen oder mit dem Vorhandensein einer überproportional großen industriellen Reservearmee zusammen. Dementsprechend erscheinen bei de Soto die 'Informellen' als konkurrenzbewußte und initiative Kleinstunternehmer, die die moderne Marktwirtschaft von unten aufbauen, und der informelle Sektor mutiert zu einem Weg der Entwicklung (de Soto 1992:22-24). Zum zweiten weiß dieser neoliberale Blick auf den informellen Sektor zentrale Versatzstücke der dazugehörigen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Ideologien in Entwicklungstheorie und -politik einzuführen: Nicht nur soll der informelle Sektor als neues Liebkind der Entwicklungspolitik gefördert werden, sondern die bestehenden Regulierungen und mit ihnen der (im Gefolge dieser Regelungen entstandene) formelle Sektor sollen abgebaut werden. Der Unternehmerangriff auf erworbene soziale Besitzstände breiter Arbeiterschichten, die in den Industrieländern mittlerweile als 'Standortnachteile' und 'zu hohe Arbeitskosten' gebrandmarkt werden, hat mit der Forderung nach Abschaffung der 'monopolistischen Privilegien' des formellen Sektors seinen Weg in die Entwicklungstheorie gefunden.

Anthropologische Ansätze
Mit ganz anderen Erkenntnisinteressen gehen jene Forschungen an die Problematik des informellen Sektors heran, die verschiedenen anthropologischen Fragestellungen verpflichtet sind. Hier tritt insbesondere die Untersuchung jener sozialen Beziehungen und Netzwerke ins Zentrum der Analyse, die Grundlage der Organisation von Arbeit und Leben im informellen Sektor sind. Mit Hilfe von kulturwissenschaftlichen und ethnographischen Methoden wird danach gefragt, wie der informelle Sektor durch das alltägliche Handeln der einzelnen Menschen, durch ihre Bedürfnisse, kulturellen Traditionen und gemeinsam entwickelte und anerkannte soziale Normen und Kultur geformt wird. Sichtbar gemacht werden kann auf diesem Wege unter anderem, ob und inwiefern das Leben der Menschen im informellen Sektor einer anderen, vielleicht auch widerständigen Logik folgt, als von den herrschenden Normen und Handlungsmustern in der formellen Wirtschaft und Gesellschaft vorgegeben wird.
Die meisten anthropologisch orientierten ForscherInnen gehen davon aus, daß soziale Beziehungen für das Entstehen und Funktionieren des informellen Sektors zentral sind. Eingebettet in soziale Netzwerke müssen menschliche Fertigkeiten und Beziehungen das Fehlen staatlich vermittelter und garantierter Sicherheiten ausgleichen. Soziale Beziehungen regulieren dort, wo die Menschen und die Tätigkeiten ohne staatliche Gesetzgebung auskommen (müssen), Zusammenleben und Wirtschaftsabläufe, so z.B. den Zugang zu Arbeits- und Wohnmärkten, die Mobilisierung von Ressourcen etc. (Pérez Sáinz 1991:69). Dieses Ineinandergreifen von sozialen und ökonomischen Kräften führt zu einem Paradoxon. Informalität scheint, da staatliche Regulierungen fehlen, zwar einerseits dem puren Marktmodell zu entsprechen, andererseits aber ist sie durch ihre soziale Einbettung zu einem erheblichen Teil auf der Grundlage nicht marktförmiger Elemente organisiert (Portes 1995:179-192). Nicht von ungefähr findet sich daher im informellen Sektor auch so häufig die Gemeinsamkeit oder unmittelbare Nachbarschaft von Wohnsitzen und Erwerb, die unmittelbare Nähe und Verquickung von Produktions- und Reproduktionssphäre. Schließlich stellen so gesehen soziale Beziehungen auch den wichtigsten Konkurrenzvorteil der informellen gegenüber der formellen Wirtschaft dar (Schamp 1989:8; Lomnitz 1992:427 f).
In der Praxis steht zumeist die Frage im Mittelpunkt anthropologischer Untersuchungen von Informalität, wie die Marginalisierten der urbanen Zonen - in erster Linie Zugewanderte vom Land - in den städtischen Slums angesichts des Fehlens staatlicher Infrastruktur und Fürsorge ihre Existenz sichern können. Die Antwort der mexikanischen Anthropologin Larissa Lomnitz lautet, daß die BewohnerInnen der Barackenviertel überleben, weil sie eine soziale Organisation hervorbringen, in der ökonomische und soziale Absicherung durch informelle Austauschbeziehungen gewährleistet wird (Lomnitz 1977). Da die Marginalisierten und Zugewanderten auf den städtischen Märkten weder Eigentum noch Ausbildung anbieten können, müssen sie Ressourcen jenseits der Gesetze des Marktes mobilisieren. Jede/r BewohnerIn eines Barackenviertels ist in ein soziales Netzwerk integriert, über das Wohnungen, Jobs, Papiere usw. beschafft und Zugang zu Ressourcen des formellen Bereiches erlangt werden können, die auf formalem Wege unerreichbar bleiben müßten. Umgekehrt breiten sich informelle Aktivitäten in den 'Zwischenräumen' des formellen Systems aus. Dieses nämlich wird mit zunehmender Bürokratisierung und Regulierung immer unfähiger, sozialen Erfordernissen auch tatsächlich Genüge zu tun und tendiert dazu, in den so entstandenen Lücken informelle Mechanismen zur Bedürfnisbefriedigung selbst mit hervorzubringen.
All diese sozialen Netzwerke werden in erster Linie auf der Basis von verwandtschaftlichen Verbindungen geknüpft und zudem häufig durch fiktive Verwandte (compadre) und Freunde erweitert. Die Beziehungen können gesellschaftlich eher horizontal oder aber vertikal aufgebaut sein. Der erstere Typus beruht stark auf gegenseitiger Hilfe, der letztere auf den Systemen der patronage, die in vielen Ländern der Dritten Welt weitverbreitet sind. Der Transfer von Waren, Dienstleistungen und Informationen innerhalb dieser Beziehungs-Netzwerke knüpft daran an, daß Ressourcen knapp sind, deshalb Bedarf an den zu tauschenden Objekten besteht, und daß der Austausch nicht primär Marktdynamiken folgt. Informelle Aktivitäten und Beziehungen gehorchen stattdessen einer symbolisch-kulturellen Logik, die sich sowohl von der im formellen Sektor vorherrschenden ökonomischen Rationalität als auch von der offiziellen Staatsideologie abhebt. Eine solche kulturelle Norm ist die confianza (Vertrauen). In ethnographischer Perspektive definiert Lomnitz diese confianza einerseits als Fähigkeit und Bereitschaft zum Austausch von Gefälligkeiten und Informationen und andererseits als Maßstab für diese Bereitschaft. Die Ausgestaltung dieses Systems wird von sozio-kulturellen und physischen Aspekten bestimmt, so insbesondere von den Generationen- und Verwandtschaftsbeziehungen, sozialer und räumlicher Nähe oder Häufigkeit des Austausches. Confianza wird geleitet vom Prinzip der Gegenseitigkeit, wodurch ein System wechselweiser Hilfe geschaffen wird. Im Falle von asymmetrischen oder Patron-Klienten-Beziehungen wird der Zusammenhalt des Netzwerkes nicht durch Vertrauen und Gegenseitigkeit gestiftet, sondern durch den Tausch von Gefälligkeit und Unterstützung gegen Loyalität (Lomnitz 1992; Semsek 1986).
Sozialwissenschaftlich angeleitetes Verstehen und das Interesse für das 'Wie?' stehen also bei den anthropologischen Ansätzen insgesamt stärker im Vordergrund als die Frage nach dem 'Warum?', mit deren Hilfe strukturalistische oder funktionalistische Ansätze Entstehung und Rolle des informellen Sektors im Rahmen übergreifender Strukturen und Prozesse begreiflich machen wollen. Allerdings schließen die anthropologischen Ansätze die letztere Fragestellung keineswegs aus und können sich von daher mit den einigermaßen differenzierten strukturalistischen Konzepten gut vertragen bzw. ergänzen. Wo allerdings über die Beschäftigung mit den Subjekten die Frage nach Bedingungen und Beschränktheiten ihres Handelns aus dem Blick gerät, der Subjektbegriff also unzulässig verkürzt wird, kann auch das sozialwissenschaftliche Bemühen um ein Verstehen sozialer Verhältnisse in eine Sackgasse geraten.

Weltsystem- und Subsistenztheorien
Für die damit bereits genannten strukturalistisch-weltsystemisch-subsistenztheoretischen (im folgenden kurz weltsystemisch genannten) Ansätze steht dagegen gerade die Frage nach Ausbeutungsverhältnissen, die sich in Existenz, Funktionen und Entwicklung des informellen Sektors verbergen, im Mittelpunkt des Interesses. Diese Konzepte gehen davon aus, daß enge ökonomische Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Arbeitsverhältnissen auf lokaler, regionaler und weltweiter Ebene bestehen, auch wenn dies häufig auf den ersten Blick nicht so deutlich hervortritt. Wissenschaftsgeschichtlich haben die weltsystemischen Ansätze ihre Wurzeln in erster Linie im Dunstkreis der dependenztheoretischen Debatten über Abhängigkeit und Unterentwicklung. In diesem Kontext wurde von Weltsystemtheoretikern die Marginalisierung, also die Ausgrenzung der Mehrheitsbevölkerung aus stabilen Arbeits- und Lebensverhältnissen erstmals als "die eigentliche Bedingung" für das materielle und soziale Wohlergehen einer Minorität der Weltbevölkerung ausgemacht. Erst die Marginalisierung der Mehrheit weltweit garantiere ein "wachsendes Einkommen dieser Minderheit" (Amin 1974:80).
In der weltsystemischen Perspektive wird also gerade über die ungleichen und asymmetrischen Verzahnungen unterschiedlicher Arbeitsverhältnisse Wertschöpfung für die einen und Ausbeutung der anderen organisiert. Den heute so bezeichneten informellen Arbeitsverhältnissen kommt dabei in historischer wie aktueller Sicht ein besonders wichtiger Stellenwert zu. Sie werden von daher weder als Ausdruck fehlender Entwicklung, als 'Überbleibsel vorkapitalistischer Produktionsweisen' betrachtet, noch werden sie zum wünschenswerten, oder doch zumindest notwendigen Ziel von Entwicklung oder zu einem selbständigen, unabhängigen Sektor der Produktion erklärt. Stattdessen betrachten die weltsystemischen TheoretikerInnen die Informalität als Element sowie als Produkt und Ergebnis ungleicher Entwicklung. Zugleich gehen sie davon aus, daß diese ungleiche Entwicklung in immer neuen Formen weitergeht und sich damit auch Erscheinungsbilder und Strukturmuster, Umfang und geographische Verteilung von informellen Arbeitsverhältnissen immer wieder ändern (Hopkins/Wallerstein 1982; Wallerstein 1984; 1986; Bennholdt-Thomsen 1980; Werlhof u.a.. 1983; Werlhof 1985; Portes/Sassen-Koob 1987; Portes/Castells/Benton 1989)
Mit alledem bieten die weltsystemischen Ansätze nicht nur theoretische Grundlagen und Ansatzpunkte zur Kritik weltweiter Ausbeutungsverhältnisse. Sie liefern auch wohlbegründete Argumente, die Unzulänglichkeiten der bisher kritisch eingeordneten Ansätze systematisch hervortreten lassen oder deren Perspektiven grundsätzlich hinterfragen. Zumindest einige Grundthesen der strukturalistisch-weltsystemisch-subsistenztheoretischen Ansätze verdienen es daher, im folgenden ein wenig eingehender vorgestellt zu werden.

2. Informalität als Element ungleicher Entwicklung und als Quelle der Akkumulation

Konzepte, die den informellen Sektor als Bestandteil von asymmetrischer Arbeitsteilung und ungleicher Entwicklung erfassen wollen, definieren und umschreiben Informalität zunächst ganz allgemein als eine spezifische Form, die Produktion von Gütern und Dienstleistungen und die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit zu organisieren. Diese zeichnet sich zum einen durch das Fehlen etablierter, allgemeingültiger, institutioneller und zumeist staatlich garantierter Regulierungen aus. (Dies ist allerdings keineswegs mit Illegalität der Produktion gleichzusetzen, wenn auch die informelle Produktion in bestimmten Phasen und Regionen oder in bestimmter Hinsicht durchaus illegale Züge aufweisen kann.) Während Regulierung nur für eine bestimmte Phase kapitalistischer Entwicklung und nur in ganz bestimmten Regionen 'typisch' war bzw. (noch) ist, sind seit der Entstehung des Kapitalismus und global gesehen die nicht oder kaum regulierten Arbeitsverhältnisse insgesamt die sehr viel 'typischeren'. Dieser Mangel an Regulierungen betraf und betrifft den Status der Arbeitskraft und die Arbeitsbedingungen (Arbeitsrecht, Arbeitszeitbestimmungen, Versicherungspflichten und soziale Rechte, gewerkschaftliche Organisierung etc.) sowie die volkswirtschaftliche Einbettung des Unternehmens (Steuern, Umweltauflagen etc.). Der Blick richtet sich also auf den Produktionsprozeß und sein sozialpolitisches und rechtliches Umfeld und nicht auf das Produkt selbst. Im informellen Sektor werden, so gesehen, ansonsten ganz normale Güter oder Dienstleistungen auf eine spezifische Weise hergestellt. Solche informelle Produktion fand und findet historisch nicht nur in abgegrenzten Bereichen statt, sondern räumlich wie sektoral in bunter Vermischung mit formeller Produktion.
Aus diesen Organisationsformen resultieren zum zweiten Möglichkeiten, im Vergleich zum formellen Sektor billiger und flexibler zu produzieren. Die besondere Flexibilität der Produktion im informellen Sektor ergibt sich unter anderem aus dem Fehlen einschränkender arbeits- und sozialrechtlicher Bestimmungen. Die Arbeitskräfte stehen in der informellen Produktion jederzeit, aber eben auch nur dann, wenn sie wirklich gebraucht werden, zur Verfügung. Verpflichtungen zu regelmäßiger Beschäftigung gibt es nicht.
Die geringere Höhe von Arbeitskosten und Löhnen im Vergleich zum formellen Sektor steht damit in Zusammenhang, daß Regulierung für den Unternehmer einen Kostenfaktor darstellt, den er durch Produktion im informellen Sektor umgehen oder doch zumindest weitgehend reduzieren kann. So wird z.B. auf Kranken- oder Pensionsversicherung verzichtet. Sofern die Beschäftigten ihre soziale Absicherung gerade durch die Existenz der sozialen und verwandtschaftlichen Netzwerke im informellen Sektor im häuslichen Bereich finden, führt dies kaum zu offenen Konflikten. Die spezifischen Lebensverhältnisse der Beschäftigten im informellen Sektor dienen also nicht nur diesen selbst zur Überlebenssicherung trotz niedriger Löhne, fehlender Regulierungen und Sicherheiten. Vielmehr machen sie indirekt, durch die große Menge an unbezahlter Tätigkeit, die hier verrichtet wird, billigere Marktproduktion möglich, ohne daß dies unmittelbar zu gesellschaftlicher Destabilisierung führt. Somit stellt das Verhältnis von bezahlter und unbezahlter Arbeit einen theoretischen Schlüssel für Verständnis und Interpretation des jeweiligen Ausmaßes an Formalität von Arbeitsstrukturen dar. Je größer der Teil der Reproduktionsbedürfnisse, die jenseits der Lohnarbeit abgedeckt werden können, desto kostengünstiger erscheinen die hergestellten Produkte auf dem Markt. Der informelle Sektor kann als ein Bindeglied angesehen werden, in welchem bezahlte und unbezahlte Tätigkeiten ins eins fließen und so das hier vorherrschende niedrigere Lohnniveau bedingen.
Informelle Produktionsverhältnisse sind, was ihre Ausbreitung sowie ihre gesellschaftlichen und ökonomischen Funktionen betrifft, sowohl von historischer als auch von globaler Bedeutung. Zum ersten ist informelle Produktion eine Erscheinung, die sich zusammen mit den kapitalistischen Produktionsverhältnissen herausgebildet hat. Ihre Entwicklung ist damit parallel zur Ausbreitung und in engem und unauflöslichem Zusammenhang mit der Entwicklung der formellen kapitalistischen Arbeitsorganisation zu analysieren. Obwohl sich auch vorindustrielle Gesellschaften durch unterschiedliche Formen der Arbeitsorganisation und der Entlohnung der Arbeitskraft auszeichneten, sind diese mit den Begriffen formell - informell nicht faßbar. Die Unterscheidung und Verbindung zwischen formeller und informeller Produktion ist gemeinsam mit der (langsamen) Herausbildung kapitalistischer Produktionsverhältnisse entstanden. Sie koexistierten daher lange Zeit mit Formen der Arbeitsorganisation, die aus vorindustrieller Zeit herrührten, so z.B. mit zünftischen oder haus- und subsistenzwirtschaftlichen Produktionsformen. In zahlreichen modernisierungs- und entwicklungstheoretischen Ansätzen wird das Entstehen von (sozialrechtlich abgesicherten) Formen moderner Lohnarbeit als ein Prozeß gesehen, der sukzessive zur beherrschenden Form der Arbeitsorganisation wurde. Wo unfreie, nicht entlohnte bzw. ungeregelte Formen auftraten oder beharrlich fortexistierten, wurden bzw. werden diese als Folge mangelnder Modernisierung angesehen. Demgegenüber lassen allein die weltweiten Veränderungen der Arbeitsorganisation seit den 1980er Jahren offenkundig werden, daß moderne kapitalistische Produktion gleichermaßen bezahlte und geregelte, sogenannte 'freie' Lohnarbeit wie auch unbezahlte Formen der Arbeit hervorgebracht hat und immer wieder neu hervorbringt (so z.B. unterbezahlte Arbeit in informellen Sektoren, sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse etwa in der internationalen Sexindustrie oder auch die unbezahlte häusliche Arbeit einer wachsenden Zahl alleinstehender Mütter). Dabei wechseln sich Phasen der verstärkten Ausbreitung von "freier" Lohnarbeit mit Phasen der neuerlichen Informalisierung vieler Tätigkeiten ab (Portes/Sassen-Koob 1987; Castells/Portes 1989; Werlhof 1985; Bennholdt-Thomsen/Mies/Werlhof 1983).
Dennoch ist es 'aus der Vogelperspektive' unverkennbar, daß weltweit und insgesamt gesehen der Grad der Kommerzialisierung aller Lebensbereiche langfristig zunimmt. Wenn die Unternehmer daher heute wieder vermehrt und massiv auf Informalisierung setzen, so haben die Beschäftigten, global gesehen, insgesamt weniger Möglichkeiten, den Einkommensausfall durch unbezahlte Tätigkeiten auszugleichen. Dies schlägt sich nicht zuletzt in der wachsenden Bedrohlichkeit der sozialen Konflikte und Auseinandersetzungen rund um den Erdball nieder (Wallerstein 1984; 1995).
Zum zweiten waren und sind formelle und informelle Sektoren (in verschiedenen Phasen kapitalistischer Produktion) ungleich auf die verschiedenen Weltregionen bzw. Wirtschaftszweige verteilt. Eine regelrechte Ausnahme stellte der hohe Grad formeller Beschäftigung und sozialpolitischer Absicherung in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg in den westeuropäischen Industrieländern dar. Insbesondere diese Erscheinung war dazu angetan, zumindest kurzfristig die falsche Vorstellung zu nähren, daß kapitalistische Entwicklung generell mit der Proletarisierung bzw. Formalisierung der Arbeitsverhältnisse einhergehe. In Wirklichkeit ist gerade das Nebeneinander und die sichtbare oder unsichtbare Verzahnung von unterschiedlich entlohnter und unterschiedlich abgesicherter Arbeit für alle Weltregionen konstitutiv, die der kapitalistischen Produktionsweise unterworfen sind.
Generell gilt dabei, daß der Anteil informeller Tätigkeit in den sogenannten weniger entwickelten Regionen bzw. Produktionszweigen höher ist als in den entwickelten. In den heutigen Entwicklungsländern hat spätestens seit dem 19. Jahrhundert mit zunehmender Einbindung in die weltmarktorientierte Produktion die Polarisierung der Produktionsprozesse in Form von formellen und informellen Sektoren eingesetzt. Die bis dahin vorherrschende Subsistenzwirtschaft, die primär der Eigenversorgung und in geringem Maß dem Verkauf auf zumeist lokalen Märkten diente, mußte mit der Herausbildung kapitalistischer Produktionsverhältnisse teilweise anderen, mehr oder weniger regulierten Arbeits- und Produktionsformen Platz machen. Sie konnte ihre Bedeutung jedoch lange Zeit sowohl gegenüber den formellen als auch den informellen Sektoren aufrechterhalten.
Zum dritten stellt Informalisierung einen Weg dar, die aktuelle Krise des Kapitalismus zu meistern. In Krisenregionen, Krisensektoren und Krisenzeiten weist die Beschäftigung im informellen Sektor eine steigende Tendenz auf. In den entwickelten Industrieländern bedeutet Informalisierung heute die Verlagerung von Produktionen, die vormals in bestimmte sozial- und gesellschaftspolitische Mechanismen ('Fordismus', 'keynesianischer Wohlfahrtsstaat' etc.) eingebettet waren, in ein unreguliertes Umfeld. Informalisierung ist damit eine Strategie, vom Proletariat "fordistischer" Prägung Abschied zu nehmen und zu einer Neuregelung der Arbeitsorganisation zu gelangen, wobei der soziale Kompromiß zu Lasten der Arbeitenden verschoben wird (Portes/Sassen-Koob 1987).
Funktionen und Strukturen des informellen Sektors im globalen Wirtschaftssystem sind ebenso komplexer wie grundlegender Bestandteil dieses Systems und untrennbar mit diesem verwoben. Unübersehbar ist es jedenfalls, daß Informalität für sich selbst sowie durch ihre Verzahnung mit formeller Lohnarbeit einerseits und unbezahlter Arbeit andererseits für die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise unverzichtbar ist. Sie macht die Geringhaltung bzw. Reduktion von Arbeitskosten und damit die Steigerung von Profiten möglich. Der informelle Sektor ist damit funktional für das System als solches, für einzelne Firmen und Arbeitskräfte im formellen Bereich, und für die informellen Arbeitskräfte selbst. Den Arbeitskräften des formellen Sektors wird durch das Angebot von Produkten und Dienstleistungen, die im informellen Sektor billiger erzeugt werden, ein verbesserter Zugang zu Konsum ermöglicht, während Unternehmen im formellen Sektor durch das Zurückgreifen auf Arbeitskräfte im informellen Sektor sozialstaatliche Erfordernisse umgehen und damit ihre Verfügungsmacht über die Arbeit steigern können. Beide Aspekte laufen auf eine Subventionierung des formellen Sektors durch den informellen hinaus. Die Verbindung zwischen den formellen und den informellen Sektoren kann dabei direkt, durch die Auslagerung von Produktionen in den informellen Sektor, oder vermittelt erfolgen, z.B. über einen Subunternehmer, der Aufträge in den informellen Sektor weiterreicht. Beide Formen sind häufig kombiniert vorzufinden. Die informelle Arbeiterschaft ist genaugenommen ein Semiproletariat, da die Einkommen aus Lohnarbeit mit zusätzlichen Einkommensquellen und auch Subsistenzwirtschaft kombiniert werden müssen. Die Geldeinkommen aus der informellen Tätigkeit liegen häufig unter den offiziellen Mindestlöhnen. Kleinunternehmer des informellen Sektors können dagegen oft durchaus besser gestellt sein als die formelle Arbeiterschaft (Evers/Elwert/Wilkens 1983; Portes/Schauffler 1993:48-50; Portes 1995).
Der informelle Sektor zeichnet sich durch Netzwerke von Klein- und Subunternehmern aus. Die Arbeitsteilung ist weit fortgeschritten. Nicht der Großkonzern, sondern eine Vielzahl kleiner, spezialisierter Betriebe, die in ein streng hierarchisches System integriert sind, stellten die optimale Organisationsform der Produktion dar. Auch gegenüber den Arbeitskräften innerhalb der großen Betriebe wird die individuelle, quasi-unternehmerische Leistungsbeurteilung ausgebaut.
Ein herausragendes Beispiel für die aufeinanderbezogene Genese von Erwerbsarbeit im formellen und informellen Sektor ist das protoindustrielle Verlagswesen von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa. Während an Manufakturstandorten Lohnarbeitsverhältnisse entstanden, die von zünftischen Restriktionen befreit waren, bildete sich im Rahmen der protoindustriellen Produktionsweise gleichzeitig ein breites Umfeld von Arbeitskräften heraus, die im 'Verlag' beschäftigt waren. Diese in ihrer überwiegenden Zahl mit der Erzeugung von Textilien Beschäftigten wurden geringer entlohnt als ihre proletarisierten und als ihre zünftischen KollegInnen. Sie verrichteten die Auftragsarbeit für die Manufakturen innerhalb des ländlichen Haushalts, wo ein anderer Teil ihrer Tätigkeit der Selbstversorgung und unmittelbaren Überlebenssicherung gewidmet war. Diese Tätigkeiten subventionierten die manufakturell-kapitalistischen Unternehmen, die durch die Beschäftigung von - im Vergleich zu zünftischen Handwerkern und Fabrikslohnarbeitern unterbezahlten - ProtoproduzentInnen jene Profite realisieren konnten, die eine expansive Kapitalakkumulation ermöglichten.
Zwar wurde im Verlauf der voranschreitenden Proletarisierung und der Entwicklung der Sozialgesetzgebung während des 19. Jahrhunderts informelle Tätigkeit in den Industrieländern in den Hintergrund gedrängt. Doch selbst in den fortgeschrittensten Industrieländern entwickelten sich neben der Lohnarbeit Arbeitsverhältnisse, die dem informellen Sektor zuzurechnen waren. Diese Arbeiten wurden und werden vorwiegend von Zugewanderten, Taglöhnern und Heimarbeitern, agrarisch Gebundenen und Frauen in verlagsmäßig ausgelagerten Zuliefersektoren und im Dienstleistungssektor verrichtet.
In Ländern der Semiperipherie und der Peripherie ist der informelle Sektor von besonders großer Bedeutung. Dadurch, daß ein großer Teil der Produktion in diesem Bereich mittelbar und unmittelbar den formellen Sektor subventioniert, wird dessen Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt verbessert. Vor allem in Lateinamerika und Asien stellt die Auslagerung der Produktion in Subunternehmen des informellen Sektors eine weit verbreitete Strategie des Kapitals dar, die Kosten zu senken. Dieses Phänomen fehlt weitgehend in den industriell weniger entwickelten Ländern Afrikas. Dennoch hat der informelle Sektor auch in Afrika, und zwar vor allem in den urbanen Zentren, große Bedeutung. Er ist auch hier äußerst differenziert organisiert und umfaßt die Produktion und Vermarktung von Gütern sowie den Dienstleistungssektor. Die Interaktion zwischen dem formellen und dem informellen Sektor ist sowohl eine der Ausbeutung, so zum Beispiel durch die Reproduktion der Arbeitskräfte des formellen Sektors durch informell tätige Freunde und Verwandte als auch der Ergänzung, da der informelle Sektor Teile der volkswirtschaftlichen Mängel abzudecken vermag und sozialpolitische Institutionen ersetzt. Durch die Netzwerkfunktion des informellen Sektors werden wesentliche Bereiche des wirtschaftlichen und sozialen Lebens parallel zum öffentlichen Sektor und gleichzeitig zu dessen Entlastung organisiert. In vielen Städten Afrikas hat sich aufgrund des Mangels an Arbeitsmöglichkeiten im formellen Sektor ein Netzwerk sozioökonomischen Handelns im informellen Bereich entwickelt, das von nicht-staatlich geregelten gesellschaftlichen und kulturellen Organisationsformen geprägt ist. Trotz dieser Form der Abkoppelung bleibt der informelle Sektor von staatlichen Regelungen abhängig und ist gezielten Eingriffen ausgesetzt.
In den 'alten' Industrieländern wird die neuerliche Ausbreitung der Informalität im Kontext des heutigen Umbruches der Weltwirtschaft und ihrer Reorganisation begreiflich. Mit Schützenhilfe der Regierungen gewinnen hier Unternehmensstrategien die Oberhand, die auf informalisierte Arbeitsverhältnisse zurückgreifen, um der Produktivitätskrise im industriellen Sektor und der immer intensiveren globalen Konkurrenz Herr zu werden. Informalisierung soll Konkurrenzfähigkeit sowie Profite selbst bei stagnierenden oder nur langsam wachsenden Produktivitätsgewinnen sichern. Dabei nehmen allerdings nicht nur die sozialen Konflikte zu, sondern auch die Masseneinkommen ab. Je stärker sich im Gefolge dessen die soziale Schere in den Industrieländern öffnet, desto mehr gewinnt die 'individualisierte' Produktion für die gehobenen Mittel- und Oberschichten gegenüber der 'uniformen' Serien- und Massenproduktion der sechziger und siebziger Jahre an Gewicht. Die alten fordistischen Produktionsformen sind dafür ungeeignet. Informelle Produktion stellt auch eine Möglichkeit dar, Dienstleistungen und Waren, deren Produktion arbeitsintensiv und nur teilweise kostensparend auslagerbar ist, billig anzubieten. Insgesamt dient Informalisierung in Industrieländern dazu, Stammbelegschaften auf ein Minimum zu reduzieren und darum herum einen flexibleren, billigeren Kranz instabiler, irregulärer, diskontinuierlicher Beschäftigungsverhältnisse aufzubauen.
Nach alledem kann schließlich auch noch festgehalten werden, was der informelle Sektor nicht ist. Informalität ist kein Euphemismus für Armut. Das Konzept des informellen Sektors bezieht sich auf Produktionsverhältnisse, das Problem der Armut hingegen auf Verteilungsfragen und das Maß materieller Versorgung einzelner Bevölkerungsgruppen. Auch ist kriminelles Handeln keineswegs konstitutiv für den informellen Sektor. Im informellen Sektor angesiedelte Bereiche krimineller Aktivitäten (z.B. Drogen, Waffen) werden im vorliegenden Band nicht behandelt, geht es hier doch in erster Linie um die Auseinandersetzung mit Formen der Organisation des Produktionsprozesses und seines sozialpolitischen und rechtlichen Umfeldes, nicht um spezifische Produkte.
Die Existenz von Informalität kann auch nicht durch soziale Erscheinungen wie Zuwanderung, d.h. internationale oder Binnenmigration erklärt werden. Der informelle Sektor kann auch ohne ImmigrantInnen auskommen. Allerdings stellen ImmigrantInnen heute eine bevorzugte Quelle dar, informelle Arbeitsmärkte zu speisen. Der informelle Sektor ist kein Übergangsstadium, vorzufinden etwa in "traditionellen" Gesellschaften, die sich auf den Weg der Modernisierung gemacht haben, sondern ein historischer und aktueller, integraler Bestandteil des kapitalistischen Akkumulationsprozesses, der sich heute weltweit auf dem Vormarsch befindet.

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Die Beiträge des vorliegenden Bandes sind in zwei thematische Blöcke gegliedert. Der erste versammelt Studien zu historischen und globalen Dimensionen der Ungesichertheit und Ungeregeltheit von Arbeitsverhältnissen in der kapitalistischen Weltwirtschaft und Weltgesellschaft. Franz Delapina gibt in seinem Beitrag einen Überblick über den Zusammenhang zwischen globaler kapitalistischer Entwicklung und informellen Arbeitsverhältnissen und stellt deren Genese und Wandel in den Ländern der späteren Dritten Welt im Verlauf der Jahrhunderte in diesen Kontext. Der anschließende Beitrag beschreibt die Geschichte der Plantagenwirtschaft in der Karibik als Beispiel für solche Prozesse (Claus Füllberg-Stolberg). Die folgende Auseinandersetzung mit der Protoindustrialisierung (Andrea Komlosy) läßt deutlich werden, in welch entscheidender Weise der frühe Kapitalismus im europäischen Zentrum ungleiche Arbeitsverhältnisse gezielt kombinierte und für seine Profitinteressen nutzbar machte. Susan Zimmermann beschäftigt sich dann mit der schrittweisen Entstehung von sozial gesicherten Arbeitsverhältnissen und den verschiedenen Interessen, die für die dabei entstehenden Grenzziehungen zwischen Formalität und Informalität verantwortlich waren. Den Abschluß des ersten Blocks bildet der Aufsatz von Brigitte Holzer. Hier werden gängige Theorien über den Zusammenhang von Erwerbsverhältnissen und gesellschaftlicher Arbeitsteilung hinterfragt und die Subsistenztätigkeiten insbesondere von Frauen sowie die Rolle von Haushalten in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zum Ausgangspunkt der Analyse gemacht.
Der zweite Themenblock umfaßt mehrere Analysen von aktuellen und regionalen Entwicklungen, die den weltweiten Trend zur verstärkten oder neuen Informalisierung in den Zusammenhang des tiefgreifenden weltwirtschaftlichen Umbruchs der jüngsten Zeit stellen. Den Auftakt bilden die Beiträge zu Indonesien (Hans-Dieter Evers), Afrika (Irene Stacher), Lateinamerika (Alexander Schubert) und Osteuropa (Hannes Hofbauer). Sie werden gefolgt von einem Aufsatz, der die Rückkehr der Informalität in die entwickelten Industrieländer als Element des Übergangs von der sogenannten Wohlstandsgesellschaft in eine neue, heterogenisierte Weltgesellschaft begreiflich macht (Christof Parnreiter). Die beiden folgenden Beiträge stellen ihre Analysen ganz spezifischer aktueller Entwicklungen, die auch in der öffentlichen Diskussion breite Resonanz gefunden haben, ebenfalls in den Kontext des weltwirtschaftlichen Umbruchs, der in den 1970er Jahren einsetzte und bis heute nicht abgeschlossen ist. Herbert Langthaler beschreibt den aktuellen Wandel von Konzernstrategien am Beispiel der Bekleidungsindustrie und fragt nach dessen Auswirkungen auf die Strukturierung von Arbeitsverhältnissen. Saskia Sassen untersucht den Gestalt- und Funktionswandel der Weltstädte und ihrer Arbeitsmärkte und Reproduktionsstrukturen insbesondere am Beispiel von New York.

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