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Andrea Komlosy

Textiles Verlagswesen, Hausindustrie und Heimarbeit
Prototypen des informellen Sektors im 18. und 19. Jahrhundert

Quelle: HSK 11: Ungeregelt und unterbezahlt. Der informelle Sektor in der Weltwirtschaft. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1997 (Historische Sozialkunde 11). Herausgegeben von Andrea Komlosy, Christof Parnreiter, Irene Stacher, Susan Zimmermann. S. 63 - 86.

Vorbemerkung

Zur Charakterisierung des informellen Sektors als ein Phänomen, das seit Ende der 1970er Jahre geregelte und sozialrechtlich abgesicherte Arbeitsplätze gegenüber ungesicherten und unterbezahlten Formen der Beschäftigung zurückdrängte, wird immer wieder der Vergleich mit den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg herangezogen. Während in den Jahren des Wiederaufbaus die Beschäftigung expandierte und die Löhne sowie die gesellschaftlichen Transferleistungen so beschaffen waren, daß sich die Arbeiterschaft der westlichen Industrieländer am Konsum beteiligen konnte, der Fordismus in der Massenproduktion also sein Gegenstück im Konsum-, Beteiligungs- und Wohlfahrtsstaat fand, bewirkten die sich zu einer regelrechten Weltwirtschaftskrise zuspitzenden, verschärften Konkurrenzbedingungen in den 1970er Jahren eine Trendwende. Rationalisierung und 'Neue Internationale Arbeitsteilung' brachten neue Modelle von Produktion und Konsum mit sich. Um international konkurrenzfähig zu sein, wurde es für das einzelne Unternehmen zunehmend notwendig, Standorte so auf der Welt zu verteilen, daß eine möglichst kostengünstige Kombination von Qualifikation, Entlohnung, Umwelt-, Sozial- und Steuerrecht erzielt wurde. Die mit der Globalisierung verbundene Reorganisation der Arbeit im Weltmaßstab brachte die Ausdehnung ungeregelter und ungesicherter Arbeitsverhältnisse mit sich. Bald stellte sich heraus, daß die Informalisierung keineswegs auf Länder der Dritten Welt beschränkt blieb, sondern auch in den Zentren der Weltwirtschaft Einzug hielt.
In der Diskussion über die Informalisierung wurde von Anbeginn an ausgeklammert, daß Einführung und schließlich Ablöse des fordistischen Partizipationsmodells für große Teile der Dritten Welt keine Gültigkeit besaßen. Zwar fand auch dort vor allem in den Städten eine Ausweitung formeller Lohnarbeitsverhältnisse statt, sodaß der Eindruck entstehen konnte, das Gleichziehen mit dem Vorbild der entwickelten Industrieländer sei nur eine Frage der Zeit. Der modernisierungstheoretischen Auffassung einer langsamen, durch Entwicklungspolitik immerhin beschleunigbaren Diffusion westlicher Arbeitsorganisation - dem sogenannten trickle-down, wenn nicht gar einem spill-over aus den modernen Entwicklungsenklaven in das rückständige Umfeld - wurde schon damals heftig widersprochen. Als Hauptargument gegen die Übertragbarkeit westlicher Wachstumsmodelle auf Länder der Dritten Welt wurde von den Vertretern der Dependenztheorie die historische Genese von Unterentwicklung ins Treffen geführt, die nicht das Resultat mangelnder Modernisierung, sondern Ergebnis der abhängigen Integration der (ehemaligen) Kolonien ins System ungleicher internationaler Arbeitsteilung sei.
Ein weiterer blinder Fleck der Informalisierungsdebatte besteht darin, daß auch in den Industrieländern die Ausnahme zur Norm erklärt wird. Was in den USA unter den Stichworten von Fordismus und New Deal in der Zwischenkriegszeit seinen Anfang nahm und nach dem Krieg in Westeuropa unter keynesianisch-sozialdemokratischen und in Osteuropa unter realsozialistisch-entwicklungsdiktatorischen Vorzeichen perfektioniert wurde, ist historisch gesehen eine außergewöhnliche Erscheinung. Erklärungsbedürftig sind weniger ihre Auflösungs- als ihre Existenzbedingungen. Vor 1950 stellten dauerhafte geregelte Erwerbsarbeit, Massenkaufkraft und garantierte soziale Absicherung weder in den westlichen Industrieländern - und schon gar nicht in Osteuropa - ein Modell dar, das für die Mehrheit der Bevölkerung Gültigkeit besaß.
Modernisierungstheoretische Annahmen über den Fortschritt in der Geschichte begreifen das Vordringen moderner Lohnarbeit als einen Prozeß, der vorindustrielle Arbeitsformen sukzessive verdrängen und schließlich vollständig ersetzen würde. Diese Einschätzung hat lange Zeit den Blick auf die Frage verschlossen, ob es nicht gerade die fortschreitende Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise sei, die stets neue Allianzen scheinbar traditioneller, un- und unterbezahlter Formen von Arbeit mit geregelter Lohnarbeit hervorbringe. Dabei war es in diesem Zusammenhang ohne Belang, ob der Fortschrittsoptimismus in bürgerlichem oder in marxistischem Gewande auftrat. Auch die Kritiker des Modernisierungsansatzes, die als Dependenz-, Polarisations-, Weltsystem- oder SubsistenztheoretikerInnen darauf verwiesen, daß Entwicklung und Unterentwicklung, Zentrenbildung und Peripherisierung, Proletarisierung und Hausfrauisierung lediglich zwei Seiten ein- und derselben Entwicklung darstellten, waren und sind weltanschaulich den verschiedensten Lagern zuzurechnen. Nimmt man ihre Einwände gegen das "eherne Gesetz des Fortschritts" ernst, muß auch das Verhältnis von bezahlter-unterbezahlter-unbezahlter Arbeit, von Regulierung und Deregulierung, von unterschiedlichen Formen sozialer Verantwortung und Sicherheit neu unter die Lupe genommen werden.
Gehen wir davon aus, daß 'informeller Sektor' für Tätigkeiten steht, die außerhalb gesellschaftlich vorherrschender Regelungen des Produktions- und Arbeitsprozesses in Hinblick auf Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung und Wettbewerbsregeln, Ausbildung und Produktqualität stattfinden. Ein Nicht-Beachten der Regeln bietet gegenüber jenen, die sie einhalten, Kosteneinsparungen. Für die abhängigen ProduzentInnen bedeuten die Einsparungen im Bereich der Arbeitskosten einen Druck auf Löhne und Einkommen, den sie dadurch ausgleichen, daß sie ihr Überleben auf mehrere Erwerbsstandbeine stellen und niedriges Geldeinkommen durch ein Mehr an Arbeitseinsatz und Selbstversorgungsleistungen kompensieren. Legen wir dem informellen Sektor diese Definition zugrunde, können wir feststellen, daß wir es mit einer Grundkonstante kapitalistischer Rationalität zu tun haben. In den westlichen Industrieländern setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch allmählich ein Prozeß ein, der die informelle zugunsten der formellen, abgesicherten Lohnarbeit aus dem Blick geraten ließ. Nicht erkannt wurde, daß ungesicherte, prekäre, unterbezahlte Arbeitsverhältnisse keineswegs weniger, sondern lediglich in Weltregionen abgeschoben wurden, die als billige Rohstofflieferanten in die internationale Arbeitsteilung eingebunden waren. Der ungleiche Tausch ermöglichte, einen privilegierten Kern von Arbeitern in den Industrieländern am Konsum - und mit ihm auch an der gesellschaftlichen Mitbestimmung - zu beteiligen. Der Lohnarbeiter wurde damit nicht nur zum Objekt der 'Abpressung' von Mehrwert, sondern er wurde auch als Triebfeder der Nachfrage in den Prozeß der Kapitalakkumulation eingebaut. Wenn die Proletarisierung so an Terrain gewann, galt sie selbst in den Zentren der Weltwirtschaft niemals für alle Menschen. Ungeregelte Arbeit beschränkte sich jedoch zunehmend auf jene Tätigkeiten, die im Haus als unbezahlte Überlebensarbeit geleistet, von der Öffentlichkeit aber immer weniger als gesellschaftlich notwendige Arbeit anerkannt wurden. In Krisenzeiten stellten sie sich allerdings als unverzichtbare Bestandteile der Überlebenssicherung heraus.
Besonders gut kommt die zentrale und konstitutive Bedeutung des informellen Sektors für den Funktionsmechanismus des Kapitalismus zum Ausdruck, wenn wir uns mit den Anfängen dieser Produktionsweise im Bereich der gewerblichen Warenproduktion befassen. Diese wurde nicht in der zentralisierten Fabrik begründet, in der Proletarier Maschinen bedienten, sondern in den familienwirtschaftlichen Haushalten vorwiegend ländlicher Gewerberegionen, deren Mitglieder im Auftrag von Händlern oder Manufakturen Waren für den sich herausbildenden Weltmarkt produzierten. Dabei zeigt sich, daß ohne die legale und illegale Umgehung vorkapitalistischer Regelsysteme niemals jene Enklaven kapitalistischer Produktion entstehen hätten können, deren Logik in der Folge die gesamte Weltwirtschaft beherrschen sollte.
Dieser Prozeß, der in der neueren geschichtswissenschaftlichen Debatte auch als "Protoindustrialisierung" bezeichnet wird (Kriedte/Medick/Schlumbohm 1977, 1983), nahm seine Anfänge im 16. Jahrhundert und reichte in vielen Gegenden bis ins 19. Jahrhundert. Trotz großer Unterschiede in Intensität und Ausprägung, die in den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Strukturen der einzelnen Länder begründet liegen, waren im wesentlichen alle Teile Europas davon erfaßt. Gleichwohl stellte die Protoindustrie eine Form der kapitalistischen Warenproduktion dar, die auf bestimmte Regionen und hier wiederum auf bestimmte Wirtschaftszweige und Gruppen von Arbeitskräften beschränkt war. Es handelte sich somit um einen allgemeinen Trend, der nach Region und zeitlichem Einsetzen spezifische Formen annahm und seine Entfaltung erst in der ungleichen interregionalen und internationalen Arbeitsteilung fand, die eine Voraussetzung für die Kapitalakkumulation in den Zentren der Weltwirtschaft bildete.
Die Beispiele, die im vorliegenden Beitrag zur Untermauerung der allgemeinen Tendenzen und Charakteristika herangezogen werden, stammen vorwiegend aus ländlichen Gewerberegionen in der österreichischen Monarchie; insbesondere aus den Zentren des Textilverlags in Böhmen, Mähren und Schlesien, in Ober- und Niederösterreich sowie in Vorarlberg. Ein Schwergewicht liegt in der Blütezeit des textilen Manufaktur- und Verlagswesens im 18. Jahrhundert, ein zweites in der Art und Weise, wie hausindustrielle Produktion in Form von Heimarbeit auch nach erfolgter Mechanisierung im 19. Jahrhundert als Ergänzung zur Fertigung in der Fabrik beibehalten wurde. Auf die unterschiedlichen Ausprägungen, die die protoindustrielle Familienwirtschaft in Fällen schwächerer grundherrschaftlicher Bindungen in Westeuropa oder unter den Bedingungen gutsherrschaftlicher Erbuntertänigkeit in Osteuropa genommen hat, kann hier nicht näher eingegangen werden (vgl. dazu Cerman/Ogilvie 1994).

Vorindustrielle Regelwerke

In modernen Systemen gesellschaftlicher Regulierung geht es stets um das Ausmaß, in dem parlamentarische Körperschaften und staatliche Verwaltungen auf jenen Bereich des sozialen Lebens Einfluß nehmen können, der in der parlamentarischen Demokratie per definitionem von der Mitbestimmung ausgeschlossen ist: die Warenproduktion. Der Ruf nach mehr Regulierung ist gleichbedeutung mit einer Ausweitung der Staatskompetenzen. Vorindustrielle Gesellschaften, in denen zentralstaatliche Funktionen wenig ausgeprägt waren, könnten demgemäß als 'regellos' gelten.
Tatsächlich waren das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in vorindustrieller Zeit weitgehend reglementiert und formalisiert. Neben der ständischen Gliederung der Gesellschaft, die soziale Rechte und Pflichten für einzelne Personengruppen von der Geburt und dem Verhältnis zur Grundobrigkeit abhängig machte, war der Zugang zu Familien-, Stellen- und Unternehmensgründung auch von den Interessenverbänden jener bestimmt, die bereits Bürger, Bauern, Gewerbetreibende oder Händler waren. Zustimmung zur Heirat bekam ein junges Paar nur dann, wenn die selbständige Existenzgrundlage der Familie gewährleistet, also Boden oder ein Gewerbe vorhanden war. Um der Lebensfähigkeit der bäuerlichen Wirtschaften willen verhinderten in vielen europäischen Regionen Erbrecht und Erbsitte die Teilung und damit die Zahl jener, die Bauer und Bäuerin werden konnten. In der gewerblichen Produktion wachten die Zünfte nicht nur streng über die Zahl der Meister, die an einem bestimmten Ort ihr Handwerk ausüben durften, sondern auch darüber, mit wieviel Rohmaterial, Gesellen und Lehrlingen produziert werden durfte; sie legten Ausbildung und Arbeitsbedingungen, Mengen, Preise und Qualität der Produkte fest und sorgten dafür, daß weder unerwünschte Konkurrenten noch allzu große Unterschiede in den Betriebsgrößen das Auskommen der Zunftmitglieder in Gefahr brachten (Ennen 1971). Ähnliche Zugangs- und Wettbewerbsbeschränkungen herrschten auch im Handel. Zur Exklusivität der Fernhandelsprivilegien traten die Regeln, die den Händlern Reiserouten, Marktzeiten und Marktorte sowie das Feilbieten der Ware in den am Weg gelegenen Märkten vorschrieben.
Trotz eines detaillierten Regelwerks, das Zutritt und Spielregeln gewerblicher und kommerzieller Tätigkeit genau vorschrieb, blieben eine Reihe von Kategorisierungen, die aus heutiger Perspektive eindeutig zu treffen wären, offen. Eine davon war beispielsweise die Trennlinie zwischen Arbeiten, die für Geld, und solchen, die unbezahlt geleistet wurden. Desgleichen existierte weder im Gewerbe geschweige denn in der bäuerlichen Wirtschaft eine klare Grenze zwischen Markt- und Eigenbedarfsproduktion; allenfalls ließ sich die Robotarbeit für die Herrschaft zeitlich eingrenzen, was allerdings schwerfiel, wenn die Rente nicht in Form von Arbeitsquanten, sondern in Naturalien oder Geld entrichtet wurde. Die vorindustrielle Produktionseinheit war der Haushalt, und in diesem flossen Produktion und Reproduktion in eins.
Ein weiterer Unterschied zwischen vorindustriellen und kapitalistischen Marktordnungen bestand in ihrem Geltungsbereich und in ihrer Einhaltung. Selbst wenn vorindustrielle Regeln allgemein formuliert waren, trafen sie immer nur auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen, Berufe bzw. Regionen zu. Ein für alle BürgerInnen gültiges Ordnungssystem gab es in einer ständischen, nur mit eingeschränkter Zentralgewalt ausgestatteten Gesellschaft nicht. Der unterschiedliche Gültigkeitsbereich der Gesetze brachte es auch mit sich, daß ihre Einhaltung nur schwer überwachbar war. Regelübertretungen erfolgten häufig mit Billigung oder auf Initiative einer konkurrierenden Macht. So geschah es immer wieder, daß über die bäuerlichen Lehen hinaus Häuslerstellen an Familien vergeben wurden, die im Interesse der Gemeinde oder der Herrschaft als Viehhüter, Abdecker, Gerichtsdiener oder Taglöhner ihr Dasein fristeten und durch ihre mangelnde Ausstattung mit Land das Prinzip der bäuerlichen Erbfolge durchbrachen. Auch die Zünfte mußten unter Protest zur Kenntnis nehmen, daß ambulante Handwerker ohne ihre Zustimmung außerhalb der Städte Aufträge von Bauern entgegennahmen. Neben diesen sogenannten "Störern", die eigentlich illegal tätig waren, gab es auch hofbefreite oder klösterliche Handwerker - also solche, die die zünftischen Auflagen mit landesfürstlicher Genehmigung umgingen. Auch im Handel sollte es nicht verwundern, wenn trotz allerhöchster Verbote des Hausierens immer wieder Wanderhändler auftauchten, die Waren im Umherziehen anboten; sie mochten eine Ausnahmegenehmigung ihrer Obrigkeit besitzen, was allerdings noch lange nicht gewährleistete, daß diese auch andernorts anerkannt wurde; oder sie übertraten bewußt oder unbewußt die Gesetze, ohne deshalb automatisch Gefahr zu laufen, verhaftet oder bestraft zu werden. Das Recht war zwar willkürlich, die Gerechtigkeit hatte jedoch keinen langen Arm.
Alles in allem eröffneten die vorindustriellen Regelwerke zahlreiche Schlupflöcher, wirkten aber deutlich dem Anwachsen von Produktionsmengen, Betriebsgrößen und Größenunterschieden entgegen. Ökonomischem Wachstum waren auf diese Art und Weise klare Schranken gesetzt. Dennoch wurden zahlreiche technische und soziale Innovationen getätigt. Unter der Kontrolle der Zünfte fanden im Hoch- und Spätmittelalter entscheidende Erfindungen und Verbesserungen in nahezu sämtlichen Gewerbesparten statt; eine Umsetzung der innovativen Dynamik in eine vom lokalen Markt abgekoppelte Expansionsbewegung blieb indes - abgesehen von wenigen Exportgewerberegionen - aus. Es verwundert daher keineswegs, daß seit dem 17. Jahrhundert nicht nur erfindungsreiche Umgehungen der Technologieverbote, sondern auch vielfältige Bemühungen zur Aufhebung der zünftischen Regeln selbst einsetzten, die von nichtzünftischen Produzenten, investitionsbereitem Kaufmannskapital und staatlichen Stellen getragen waren. Am stärksten trugen zur Aufweichung der beherrschenden Stellung der Zünfte die Ausnahmegenehmigungen in Form von sogenannten Privilegien an Unternehmer bei, die fortan unter Umgehung von Mengen- und Arbeitskräftebeschränkungen großbetriebliche Formen der Produktion eröffnen durften.
Die entscheidende Wende von der zünftischen zur staatlichen Wirtschaftspolitik brachte das 18. Jahrhundert. Je mehr nichtzünftische Unternehmen an die Seite der zünftischen traten und auf der Kostenseite unter Druck setzten, taten sich die korporatistischen Vereinigungen immer schwerer, ihre Regeln durchzusetzen. Es mehrten sich einerseits Ausnahmebestimmungen und staatliche Manufaktur- und Fabriksprivilegien, die die Umgehung der Zunftregeln gestatteten, andererseits gab es ganze Gewerbesparten, für die der Zunftzwang überhaupt aufgehoben wurde. Der Bedeutungsverlust der Zünfte kam in Österreich schließlich 1754 in der Schaffung zweier staatlicher Behörden zum Ausdruck, von denen die eine für die zünftischen, bezeichnenderweise Polizeigewerbe genannten Betriebe, die andere für die nichtzünftischen Kommerzialgewerbe zuständig war.

Protoindustrialisierung als Deregulierung

Heute wird die Ausweitung des informellen Sektors oft als Strategie angesehen, soziale, gewerberechtliche und steuerliche Auflagen zu umgehen, um Produktionskosten einzusparen. Das gleiche gilt, auch wenn man sich damals einer anderen Ausdrucksweise bedient hat, für das Verlagswesen des 18. Jahrhunderts (vgl. Matis 1981; Hokr 1994). Da zünftisches Wirtschaften durch Größen- und Mengenbeschränkungen für den Bezug von Rohmaterialien, die Zahl der Arbeitskräfte und die Menge der erzeugten Ware gekennzeichnet war, erforderte jede Expansionsstrategie eine Umgehung dieser Beschränkungen.
Vorgegebene Betriebsgrößen, Rechtsformen und Zunftordnungen ließen sich umgehen, wenn es gelang, eine staatliche Ausnahmegenehmigung für die Gründung eines Großbetriebs zu erhalten, der unbegrenzte Mengen von Rohstoffen erwerben, gelernte und ungelernte Arbeitskräfte beschäftigen und den Absatz seiner Produkte selbst bewerkstelligen durfte. Da einzelne Handwerksmeister kaum über das notwendige Kapital für eine solche Investition verfügten, waren die ersten Manufakturen entweder im Besitz von Adeligen oder von Personengesellschaften. Häufig hatten die Gesellschafter schon zuvor als Großhändler Erfahrung und Geschäftskontakte gewonnen und entschlossen sich erst in einem zweiten Schritt, neben dem Handel auch in die Produktion einzusteigen. Wenn es ihnen gelang, Waren kostengünstiger herstellen zu lassen als jene, die sie bisher von Handwerkermeistern bezogen, konnten sie nicht nur die Handelsspannen erhöhen, sondern auch im Produktionsbereich selbst Gewinne erzielen. So waren es also in der Regel Personen, die der Kategorie des Handelskapitals zuzuordnen waren, die durch ihr Engagement in der Erzeugung das zünftische Regelsystem zu unterlaufen begannen.
Am schwierigsten war dies dort zu bewerkstelligen, wo die Zünfte selbst mächtig waren: in den Städten. Dazu kam, daß in den Städten, in denen das Gewerbe bisher konzentriert war, die Lohnkosten relativ hoch und zudem kaum überschüssige Arbeitskräfte verfügbar waren. Was lag also näher, als dem Einfluß der Zünfte zu entgehen und die Produktion dort anzusiedeln, wo Arbeitskräfte billig und - vor allem dann, wenn ein gutes Verhältnis zur jeweiligen Grundobrigkeit hergestellt werden konnte - leicht mobilisierbar waren. Der Aufstieg einer neuen Klasse von Unternehmern, die nicht am standesgemäßen Auskommen, sondern am Prinzip des modernen Wirtschaftswachstums orientiert waren, brachte also eine Dezentralisierung der Standorte mit sich, eine Verlagerung der Produktion von den Städten aufs damals so genannte flache Land. Wollten sie die LandbewohnerInnen als Arbeitskräfte gewinnen, waren sie im Falle grund- oder gutsherrschaftlicher Verfügungsgewalt über die Untertanen darauf angewiesen, die Zustimmung von deren Herrschaft zu gewinnen; dies erklärt, warum in vielen Fällen adelige Grundbesitzer selbst in die gewerbliche Produktion einstiegen. Auch das Konkurrenzverhältnis zu den Zünften konnte manchmal dadurch entschärft werden, daß Handwerkermeister selbst Aufträge oder Faktorenaufgaben übernahmen.
Produktionssteigerungen erforderten nicht nur eine enorme Ausweitung des Arbeitskräftepotentials; sie konnten nur erfolgen, wenn Rohstoffe in ausreichendem Ausmaß verfügbar und Absatzmärkte gesichert waren. Die neue Produktionsweise, die mit der Erschließung ländlicher Räume als Produktionsstandorte einherging, war also ohne die gleichzeitige Globalisierung von Beschaffung und Absatz nicht denkbar. Dies galt vor allem dort, wo heimische Rohstoffe mit der Steigerung der Warenmenge nicht mithalten konnten und die großbetriebliche Produktion daher auf den Import von Rohstoffen angewiesen war. Das wohl bedeutendste Beispiel für das notwendige Zusammenspiel von Manufakturgründungen mit dem Kolonialwarenhandel ist die Baumwollwarenerzeugung. Da Baumwolle in zentraleuropäischen Breiten nicht gedeiht, war es notwendig, die Verarbeitungsgebiete mit den Anbaugebieten für Baumwolle zu verbinden. Der Weltmarktzusammenhang der protoindustriellen Produktionsweise war hergestellt.
Aus all dem geht hervor, daß der Übergang von einer bedarfs- auf eine wachstumsorientierte Produktionsweise ohne massive staatliche Weichenstellungen niemals in Gang kommen konnte. Das wirtschaftspolitische Instrumentarium dazu stellte der Merkantilismus bereit (vgl. für Österreich Matis 1981). Dies gilt nicht nur für die Habsburgermonarchie oder andere Staaten des europäischen Kontinents, die im 18. Jahrhundert von der Konkurrenz englischer Industriewaren unter Zugzwang gesetzt wurden, ihren Industriebetrieben besondere Förderungen angedeihen zu lassen, sondern auch für das Musterland der Industriellen Revolution selbst. Ohne gesetzliche Voraussetzungen, die die Mobilität von Kapital, Waren und Arbeitskräften ermöglichten, ohne die Förderungen von Forschung und Entwicklung, Unternehmensgründung und Marktschutz war Kapitalakkumulation durch Industrialisierung nicht denkbar. Gewerbeordnung, Wirtschafts- und Arbeitsmarkt mußten den Bedingungen der industriellen Produktionsweise angepaßt werden. Auf der Arbeitsmarktseite hieß das, die Verfügungsgewalt der adeligen Herrschaften über ihre Untertanen einzuschränken, um sie für die Industrie verfügbar zu machen. Die Schollenbindung wurde also aufgehoben und nicht nur die Mobilität, sondern auch die Familien- und Hausstandsgründung der ländlichen Unterschichten erleichtert.
Die Lockerung des Untertänigkeitsverhältnisses brachte freilich auch einen radikalen Wandel in der Existenzsicherung ländlicher Unterschichten mit sich. Sie waren in zunehmendem Maße auf Geldeinkommen angewiesen. Geregelte Lohnarbeit im Manufakturwesen stand im 18. Jahrhundert nur für eine Minderheit zur Debatte. Wer seine Heimat verließ und sich auf die Suche nach einem besseren Leben machte, endete vielfach bettelnd und vazierend auf der Straße. Vor allem in Regionen, die für eine Kommerzialisierung der Landwirtschaft schlecht geeignet waren, eröffnete das Verlagswesen für ländliche Unterschichten eine Überlebensalternative.
Die ersten Schritte in Richtung einer auf Wachstum und Kapitalakkumulation gerichteten Wirtschaftsweise wurden zu einem Zeitpunkt gesetzt, als weder der Stand der Technik noch das Ausmaß der Urbanisierung jene Form der zentralisierten, mechanisierten Produktion in der Fabrik ermöglicht hätten, die gemeinhin für den industriellen Kapitalismus als charakteristisch gilt. Vielmehr bestand der Großbetrieb des 17. und vor allem des 18. Jahrhunderts in den meisten Fällen aus einer Manufakturzentrale, in der Management, Vertrieb und bestimmte Vorgänge der Arbeitsvorbereitung angesiedelt waren, und einem weitverzweigten System von Zulieferern und Auftragnehmern, die die eigentliche gewerbliche Arbeit im Rahmen des sogenannten Verlagswesens verrichteten. Als Arbeitsstätten für die Verlagsarbeit dienten die Häuser der ProduzentInnen, gearbeitet wurde - oft im Nebenerwerb - in familienwirtschaftlicher Kooperation.
Eine große Schwachstelle der manufakturellen Produktionsweise stellte der Mangel an Arbeitskräften dar. Jede Steigerung der Produktion erforderte die Mobilisierung zusätzlicher Menschen für die gewerblich-industrielle Lohnarbeit. Die staatlichen Reformen zielten daher darauf ab, die ländliche Bevölkerung zur Annahme von Verlagsarbeiten zu animieren. Dies erfolgte einerseits über ein System von Anreizen, das etwa die Familiengründung für ländliche TextilproduzentInnen erleichterte oder Qualifizierungsmaßnahmen anbot, wie z.B. durch das österreichische Spinnschulpatent von 1765. Andererseits wurden all jene Land- und Besitzlosen, die sich dem Appell zu regelmäßiger Industriearbeit widersetzten, als Müßiggänger gebrandmarkt und mit Hilfe von staatlicher Gewalt in Zwangsarbeitshäuser eingeliefert, wodurch ein weiteres Arbeitskräftereservoir entstand, das der Staat den Manufakturen zugänglich machte. Ein wesentlicher Impuls zur Bereitstellung von Arbeitskräften ging von den agrarpolitischen Reformen aus, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gesetzt wurden. Sie förderten bzw. verordneten die Parzellierung von herrschaftlichem Eigenland, den Dominikalgründen, und den von der Dorfgemeinde gemeinschaftlich genutzten Allmendeflächen; statt dessen sollten Kleinhäuslerstellen gegründet werden, deren Inhaber mangels sonstiger Existenzgrundlagen als Verlagsarbeitskräfte zur Verfügung stehen würden. Dies erfolgte etwa durch die Erweiterung bestehender Siedlungskerne durch Weberzeilen, die eigens für TextilarbeiterInnenfamilien errichtet wurden. In zahlreichen Fällen kam es auch zur Gründung eigener TextilarbeiterInnendörfer, zum Beispiel im Textilverlagsgebiet des Oberen Waldviertels, wo in den Jahren 1786 bis 1803 23 neue Siedlungen mit 3.468 Häusern gegründet wurden. Dieser Häuserzuwachs war der höchste in ganz Niederösterreich (Komlosy 1988:36). Der Arbeitskräftebedarf der Manufakturen eröffnete ländlichen Unterschichten also nicht nur zusätzliches Einkommen, sondern auch die Möglichkeit sozialen Aufstiegs. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Häuser der ländlichen VerlagsproduzentInnen mit Garten- und Ackerland ausgestattet waren: bei weitem zu wenig, um landwirtschaftliche Produkte für den Markt anbieten zu können, doch ausreichend, um die familiäre Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten.

Haushalte als Subjekte im Produktionsprozeß

Wer Fabriksproduktion und Proletariat als konstitutive Merkmale des industriellen Kapitalismus erachtet, hat mit der Einordnung von ländlichen VerlagsarbeiterInnen, die die gewerbliche Heimarbeit für die Manufakturen neben ihrer sonstigen Tätigkeit für Eigenbedarf, Grundobrigkeit und lokale Märkte verrichteten, seine liebe Not. Wenn Kapitalismus aber hier als ein System begriffen wird, in dem unterschiedliche Formen der Organisation von Produktion und Arbeit jeweils so miteinander kombiniert werden, daß aus ihrer Verbindung ein Höchstmaß an Wertschöpfung resultiert, so wird Manufaktur- und Verlagswesen unschwer als charakteristische kapitalistische Produktionsweise identifiziert werden können. Betrachten wir diese Zusammenhänge am Beispiel der Baumwollwarenerzeugung im Rahmen des verlagsmäßig organisierten Großbetriebs. Die Menschen, die in der Manufakturzentrale oder am Großhandelssitz als Bürokräfte, in der Produktionsvor- und -nachbereitung sowie im Vertrieb tätig waren, können als LohnarbeiterInnen betrachtet werden; gegenüber den in Heimarbeit tätigen VerlagsarbeiterInnen, die von Mittelsmännern - den sogenannten Verlegern oder Faktoren - mit Rohmaterial versorgt wurden, befanden sie sich in der Minderzahl. Diese waren entweder auf eigene Rechnung oder als dislozierte Arbeitskräfte des Unternehmens tätig. Wichtig ist dabei, daß die ländlichen ProduzentInnen niemals ausschließlich für den Auftraggeber arbeiteten, sondern als Bauern- und Kleinhäuslerfamilien über eine Reihe weiterer wirtschaftlicher Standbeine verfügten: eines davon war stets die Arbeit für die Selbstversorgung mit Lebensmitteln, die Subsistenz. Arbeit in einen ländlichen Haushalt zu verlegen, bedeutete für den Unternehmer also nicht nur die Möglichkeit zur Erschließung von Arbeitskraftpotentialen zu niedrigen Kosten. Da die Haushalte nur teilweise für die Manufaktur arbeiteten, konnten sie Auftragsschwankungen ertragen, waren also flexibel nutzbar. Indem sie in ihren eigenen vier Wänden produzierten, trugen sie die Raumkosten, oft stellten sie auch eigene Arbeitsgeräte bei. Die Zeit, in der sie für den Auftraggeber tätig waren, ließ sich von der sonstigen Arbeit schwer isolieren; selbst wenn sie meßbar war, schloß die Entlohnung niemals jene Tätigkeiten mit ein, die im Bereich der Selbstversorgung die Grundlage dafür schufen, daß niedrig entlohnte Nebenerwerbstätigkeiten überhaupt aufgenommen werden konnten. Mit anderen Worten: die Auslagerung von Arbeiten in einen semiproletarischen Haushalt verbilligte die Produktionskosten; über die Vergabe von Lohnarbeit eignete sich der Abnehmer bzw. Auftraggeber Werte an, die in der Subsistenztätigkeit geschaffen wurden; da diese die Reproduktion der VerlagsproduzentInnen gewährleisteten, stellten sie eine Subvention der semiproletarischen Familienwirtschaft an das Manufakturunternehmen dar; dadurch war es dem Unternehmen möglich, Profite zu realisieren, die bei der (alleinigen) Beschäftigung von Proletarisierten nicht möglich waren (Kriedte/Medick/Schlumbohm 1977:112). Claude Meillassoux und Claudia von Werlhof bezeichnen diesen Teil des Profits als "Arbeitsrente" (Meillassoux 1976:130; Werlhof 1978:25). "Damit der Kapitalismus in den Besitz der Arbeitsrente kommen kann, muß er ein Mittel finden, sie zu gewinnen, ohne die Selbstversorgungswirtschaft und die häuslichen Produktionsverhältnisse zu zerstören, welche die Produktion dieser Rente ermöglichen." (Meillassoux 1976:130)
Da sich die Niederlagen der Großhändler und die Standorte der Manufakturen in den Städten befanden, die Verlagsaktivitäten jedoch vornehmlich im ländlichen Raum vergeben wurden, spiegelt die räumliche Anordnung der Arbeitsprozesse auch die regionale Disparität der unterschiedlichen Regulationsformen zwischen Stadt und Land wider: Zentren waren durch ein höheres Maß an formeller, Peripherien durch das Vorherrschen informeller Arbeitsverhältnisse gekennzeichnet. Die Profite, die aufgrund der spezifischen Verschränkung familienwirtschaftlich-gebrauchswertorientierter mit großbetrieblich-gewinnorientierten Formen der Produktion erzielt wurden, flossen dorthin, wo Handels- und Finanzaktivitäten konzentriert waren: in die Großstädte und Zentralräume, deren wirtschaftliche Entwicklung ohne den Werttransfer aus den ländlichen Zuliefergebieten nicht erklärbar ist (vgl. Komlosy 1988).
Die Eingliederung der traditionellen Familienwirtschaften in den Prozeß von Wirtschaftswachstum und Kapitalakkumulation stellt darüber hinaus ein Moment der Dynamisierung traditioneller Gesellschaften dar. Es unterwarf Tätigkeiten, die der Kapitalverwertung bislang nicht zugänglich waren, dem kapitalistischen Zugriff; dies erfolgte nicht durch ihre Zerstörung, sondern ihre Konservierung. Indem Subsistenztätigkeit in den Dienst der Warenproduktion gestellt wird, verändert sie allerdings ihren Charakter: von einer Produktionsweise, die das Überleben sichert, verwandelt sie sich in eine Tätigkeit, die es erlaubt, das niedrige Lohnniveau im Verlagswesen zu verkraften.
In dem Maße, wie die Angewiesenheit des Haushalts auf das Einkommen aus gewerblicher Tätigkeit zunahm, wuchs auch der Zugriff, den das Kapital auf die unbezahlte Überlebensarbeit gewann. Die Kapitalakkumulation speiste sich somit aus mehreren Quellen: dem Mehrwert, der aus der Beschäftigung von Lohnarbeit gezogen wird; dem Werttransfer, den jede/r Lohnarbeitende im Bereich der Subsistenzarbeit in Gang setzte und der dem Kapital durch die Lohnzahlung zufloß. Am größten war dieser Profit im Fall der informellen semiproletarischen VerlagsproduzentInnen, deren niedrige Lohnkosten durch die unbezahlten Leistungen des Familienhaushalts im Bereich der Überlebensarbeit ausgeglichen wurden. Und letztlich steckte natürlich in jedem importierten Ballen Rohbaumwolle, je nachdem, unter welchen Verhältnissen er hergestellt wurde, eine Kombination aus Lohn-, Subsistenz- und Zwangsarbeit.
Die Produktionsform des Verlagswesens oder der dezentralen Manufaktur wurde in Wirtschaftszweigen eingeführt, in denen Massenerzeugung und Massennachfrage zu einem Zeitpunkt einsetzten, als die Mechanisierung der jeweiligen Arbeitsvorgänge noch nicht zur Disposition stand. Zentralisierte Manufakturen, wie sie vielerorts eingerichtet wurden, erlaubten durch die Anwendung des Prinzips der Zerlegung der Arbeit zwar eine Effektivierung der Arbeitsorganisation, waren hinsichtlich der Betriebsgröße jedoch durch die Begrenztheit der vor Ort verfügbaren Arbeitskräfte beschränkt. Einzig die Organisation des Verlags über Distanzen von mehreren Hundert Kilometern bot die Möglichkeit der Erschließung zusätzlicher Arbeitskraftreserven. Prädestiniert für das Verlagswesen waren sämtliche Sparten der Textilerzeugung, nach deren Produkten die Ausrüstung der stehenden Heere, die Aufhebung der Kleiderordnungen und das Aufbrechen der traditionellen Selbstversorgung lokale und überregionale Nachfrage entstehen hat lassen. Im Vordergrund des textilen Verlagswesens, das sich vorwiegend in Regionen ausbreitete, in denen es an hausgewerbliche Traditionen anschließen konnte, standen das Spinnen und Weben. Aber auch beim Spitzenklöppeln, Sticken, Stricken oder Strumpfwirken gab es Verlagsarbeit.
Als zweiter großer Produktionsbereich, in dem die Dezentralisierung der Standorte unter zentraler Leitung von Bedeutung war, ist die Kleineisenerzeugung zu nennen, die sich im Einzugsbereich von Montanregionen entwickelte. Anders als bei der Textilarbeit, bei der Wohn- und Arbeitsbereich untrennbar ineinander übergingen, erforderte die Verlagsarbeit in den Metallgewerben das Vorhandensein einer Werkstatt; häufig wurden solche Werkstätten auch von mehreren Produzenten gemeinsam genutzt. Weitere Gewerbesparten, in die das Verlagswesen Einzug hielt, waren Holz- und Lederverarbeitung, Flechtwarenerzeugung und Glasverarbeitung.

Baumwollmanufaktur und informelle Arbeit

Als Beispiel für die Kombination unterschiedlicher Arbeitsformen innerhalb eines Großunternehmens sei die Schwechater Baumwollmanufaktur herausgegriffen (Hofmann 1926; Matis 1981; Komlosy 1991; Hokr 1994). Gegründet im Jahr 1724 vom gleichen Konsortium, das fünf Jahre zuvor die Orientalische Handelskompagnie ins Leben gerufen hatte, bestand sie aus einer Zentrale in Schwechat bei Wien, in der neben zwölf Personen in der Verwaltung 483 weitere mit Materialvorbereitung, Bleichen, Drucken, Färben und Produktkontrolle beschäftigt waren (Stand um 1750). Sie leisteten ihre Arbeit in der Fabrik, waren also - um eine heute übliche Terminologie zu verwenden - Angehörige des formellen Sektors. Gleichzeitig wiesen die Geschäftsbücher rund 25.000 Personen auf, die durch Faktoren mit Wolle bzw. Garn versorgt wurden, die sie im Auftrag der Manufaktur in ihren Häusern spannen und webten. Zum überwiegenden Anteil wurde die Verlagsarbeit im Oberen Waldviertel angesiedelt, Faktoreien existierten auch im südmährischen Telç und Daçice. Als ein Zwischenzentrum diente Waidhofen an der Thaya, wo die Manufaktur ein eigenes Werkamt errichten hatte lassen, von dem aus der Textilverlag im Waldviertel abgewickelt wurde.
Die Waldviertler SpinnerInnen und WeberInnen waren in unterschiedlichem Ausmaß für die Manufaktur tätig; dieses richtete sich nach der Größe ihres landwirtschaftlichen Betriebes und ihrer Stellung im Familienverband und unterlag jahreszeitlichen Schwankungen; umgekehrt waren Auftragslage und die Höhe des ausbezahlten Stücklohns dafür ausschlaggebend, wieviel für die Manufaktur gearbeitet wurde. Es handelte sich also - wiederum im heutigen Jargon - um informelle Arbeitsverhältnisse, die allen Kriterien des Begriffs Genüge taten: dezentral, dereguliert, ungesichert, flexibel und für den Auftraggeber kostengünstiger als Anstellungsverhältnisse in der Zentrale oder der Bezug von gleichwertigen Leistungen bei zünftischen Handwerkern. Es ist daher keineswegs verwunderlich, wenn die Angaben über die Zahl der Arbeitskräfte stark voneinander abweichen. Viktor Hofmann schätzt, daß die Schwechater Baumwollmanufaktur um die Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu 60.000 Personen ernährt habe (Hoffmann 1926:122).
Auch die Linzer Wollzeugfabrik, 1672 gegründet und seit 1722 ebenfalls im Besitz der Orientalischen Handelskompagnie, "verlegte" - wie es in der zeitgenössischen Sprache hieß - in den 1760er Jahren an die 50.000 Personen mit dem Spinnen von Schafwolle (Hofmann 1919:200). Weitere Zentren des Textilverlags in Österreich, die jedoch weniger von Großmanufakturen, sondern von kleineren Betrieben, Händlern bzw. Verlegern beherrscht waren, bestanden in den böhmischen Ländern sowie in Vorarlberg, wo die örtlichen Produzenten vielfach für Verleger aus der Ostschweiz tätig waren. Bei ihrer Gründung wurden die Großmanufakturen in Linz und Schwechat mit kaiserlichen Monopolen für den Handel und die Verarbeitung ihrer Produktgattungen ausgestattet; Abnahmeverpflichtungen und Schutzzölle garantierten den Absatz. In der Erzeugung von Baumwollwaren fiel das Monopol der Schwechater Kompagnie erst 1762 und machte der Gründung einer Reihe weiterer Manufakturbetriebe Platz, die nach dem gleichen Prinzip arbeiteten wie die Schwechater.
Über die Verlagsarbeit trat das Unternehmen auch mit jenen Tätigkeiten der Haushaltsmitglieder in Verbindung, die nicht der gewerblichen Warenproduktion gewidmet waren, sondern dem unmittelbaren Überleben dienten. Aus Verträgen, die die Manufakturunternehmen mit einzelnen Auftragnehmern abgeschlossen haben, wissen wir, daß der Haushaltsvorstand sämtliche Familienmitglieder zur Verlagsarbeit verpflichten mußte. Voraussetzung war die Zustimmung der Grundherrschaft. Während "sich die k. k. Fabrik einerseits anheischig macht, gegen den gewöhnlichen Spinnerlohn diese der Fabrik sich freiwillig gewidmete Spinner samt ihrem Hausgesinde auf 8 Jahre ununterbrochen mit genugsamer Wolle zu versehen, und hierdurch in einem beständigen Nahrungs- und Nahrungsbeihilfsverdienste zu erhalten", hatten sich "dagegen andernteils nachfolgende Spinner als Hausväter mit ihrem sammentlichen Hausgesinde dahin (zu) verbinden, (...) jene Zeit, welche ihm ausser seinen Häuslichen- und Feldbaugeschäften, und der Flachsspinnerei übrig verbleibet und zum Spinnen gewidmet ist, der kais. königl. Fabrikspinnerei widmen wolle." (Spinnkontrakt der Linzer Wollzeugfabrik, 1787, zit. in: Hofmann 1919:208) Angaben über die Zahl der Verlegten sagen also nicht unbedingt aus, wieviele Personen tatsächlich für das Unternehmen tätig waren. Noch weniger kann aus ihnen geschlossen werden, wieviele Familienarbeitskräfte vermittelt über die Verrichtung von Subsistenztätigkeit Werte schufen, die indirekt der Manufaktur zugute kamen. Auch wenn sie sich in vielen Fällen stofflich nicht von jenen unterschieden, die im Auftrag der Manufaktur verrichtet wurden, können diese Subsistenztätigkeiten nicht dem Bereich der informellen Arbeit zugerechnet werden. Arbeit, die dem unmittelbaren Überleben diente, stellt nach der hier verwendeten Begriffsbestimmung auch dann, wenn dieses Überleben ohne die Verbindung zu einem Geldeinkommen nicht gewährleistet war, keinen Bestandteil des informellen Sektors dar. Als 'informell' werden lediglich jene Tätigkeitsbereiche aufgefaßt, die im häuslichen Rahmen gegen Entgelt für Verleger und Manufakturen verrichtet wurden. Im System des Manufaktur- und Verlagswesens machten sie das Gros der anfallenden Arbeiten aus. Das Spezifikum des informellen Sektors in der Form des textilen Verlagswesens bestand also in seiner Verbindungsfunktion zwischen dem zentralisierten Bereich des Unternehmens, in dem Arbeit über Anstellungsverhältnisse von LohnarbeiterInnen geregelt war, und der Subsistenztätigkeit der Mitglieder des ländlichen Haushaltes. Letztere schufen die materielle Grundlage dafür, daß diese Form der Arbeitsorganisation für den Auftraggeber so 'kostengünstig' war.
Kostenaufstellungen der Schwechater Baumwollmanufaktur machen deutlich, daß um die Mitte des 18. Jahrhunderts 57 % der Produktionskosten auf Löhne entfielen; dazu kamen 29 % für Betriebsmittel, 10 % für Rohstoffe, der Rest für Gebäudeerhaltung und Instandsetzung (Hofmann 1926:35,144). Nach einer vom Hofkommerzienrat (der mit der Reform des Handels befaßten staatlichen Behörde) aufgestellten Kalkulation betrugen die Erzeugungskosten für einen Zentner Baumwollstoff 202 Gulden: davon entfielen auf die Baumwolle 40 fl, den Streicherlohn 6 fl 40 kr, den Spinnerlohn 50 fl, auf Faktorenprovision 3 fl 20 kr, den Weberlohn 36 fl, den Bleicherlohn 6 fl, den Druckerlohn 36 fl und auf Farbwaren 24 fl (Matis 1981:424). Das größte Einsparungspotential lag also in der Senkung der Arbeitskosten; die Verlagerung der Arbeitsvorgänge in ländliche Hauhalte, in denen geringere Kosten als in der Manufaktur anfielen, diente diesem Ziel. Die Zeitgenossen waren sich über die Bedeutung dieser Kostenersparnis sehr wohl im klaren, wie aus einem Bericht eines vom Hof entsandten Fabriken-Inspektors deutlich hervorgeht: "Es hat der Graf von Schallenberg (Grundherr von Rosenau, der 1760 auf seiner Herrschaft eine Bandmanufaktur einrichtete, A.K.) den alleinigen Weg, mit dem Fabricatio auf einen guten Preis zu kommen, eingeschlagen, da er sowohl zu der Harras- als Bändelfabricatur lediglich das Bauernvolk und Kinder gebrauchet, so sich mit einer geringen Nahrung begnügt, folglich dem Händler und Kaufmann die auf den Arbeitslohn machende Ersparung zugute kommen kann." (Hokr 1989:126) Im Waldviertler Verlagsgebiet wurde für das Spinnen von einem Schneller Baumwollgarn um drei Pfennig weniger bezahlt als im Viertel unter dem Wienerwald. "Sotaner Unterschied ist an sich nicht wenig beträchtlich", bemerkte der Kommerzienrat im Jahr 1764, "indem jede Person, welche täglich zwei Schneller spinnt, dabei einen Einbuß von 1 1/2 Kreuzer sehr hart empfindet und in der That so viel verlieret, als der tägliche Aufwand an Brot betraget." (Hofmann 1926:136)
Der Arbeitskräftebedarf der Manufakturen hatte in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts eine explosionsartige Ausweitung der industriell-gewerblichen Beschäftigung ausgelöst. Zwischen 1775 und 1790 stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Niederösterreich von 36.000 auf 182.000 Personen. Diese Zunahme geht zum überwiegenden Anteil, nämlich 103.000 Personen, auf das Konto der SpinnerInnen, die in den zeitgenössischen Manufakturtabellen als eigenständige Kategorie ausgewiesen wurden (Berkner 1973:154). Hierbei handelt es sich so gut wie ausschließlich um ländliche VerlagsarbeiterInnen. Da zu dieser Zeit 8 -12 Personen erforderlich waren, um einen Weber mit Garn zu versorgen, bedeutete jede Ausweitung der Produktion eine exponentielle Zunahme der Zahl der HandspinnerInnen (Komlosy 1991:119). Dies änderte sich, als in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts auch in der Habsburgermonarchie die in England schon eine geraume Zeit lang gebräuchliche Mechanisierung des Spinnens eingeführt wurde. Ausschlaggebend dafür waren sowohl der Preis des billigeren englischen Maschinengarns als auch die mit der Ausweitung der Produktion anwachsenden Schwierigkeiten beim Transport, in der Kommunikation und in der Kontrolle der hausindustriellen Produzenten. Mit der Errichtung zentralisierter Spinnfabriken an den Flußläufen des südöstlichen Niederösterreich nahm der Spinnverlag ein jähes Ende. Von 1790 bis 1811 fiel die Zahl der niederösterreichischen HandspinnerInnen von 120.000 auf 15.000 (Berkner 1973:154). Ersetzt wurden sie durch SpinnereiarbeiterInnen, die in den ersten Jahrzehnten des Fabrikssystems gnadenloser Ausbeutung und extrem raschem Verschleiß ausgesetzt waren. Die industrielle Lohnarbeit kannte zu diesem Zeitpunkt bloß eine Regel: den totalen Zugriff auf Leib und Leben der Person. Ein Arbeitstag von 14 bis 16 Stunden gehörte ebenso zum Fabriksalltag wie primitivste Formen der Unterbringung in Arbeitsräumen und Schlafsälen. Über ein Drittel der Spinnereiarbeiter stellten Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren, oft waren sie noch jünger. Diese erdrückenden Bedingungen, denen Friedrich Engels zur gleichen Zeit in den mechanischen Textilfabriken Englands begegnete, lieferten den Anstoß für die Anklageschrift "Zur Lage der arbeitenden Klasse in England" (1845). Vier Jahre zuvor hatte der österreichische Kinderarzt Ludwig Mauthner aufgrund seiner Nachforschungen in den niederösterreichischen Baumwollfabriken ein ähnliches Dokument vorgelegt, der NÖ. Gewerbeverein wußte dessen Veröffentlichung allerdings zu verhindern (Firnberg/Otruba/Rutschka 1957:233 ff).
Verlagsarbeit verschob sich im Gefolge der Mechanisierung des Spinnens in jene Bereiche des textilindustriellen Fertigungsprozesses, die noch nicht mechanisiert waren. Dies betraf in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts insbesondere das Weben, das weiterhin am Handwebstuhl erfolgte, sowie die arbeitsintensive Webvorbereitung. Als seit der Mitte des 19. Jahrhunderts der mechanische Webstuhl in die Fabriken Einzug hielt, war die Handweberei einem massiven Verdrängungswettbewerb ausgesetzt. Heimarbeit verlagerte sich in Bereiche, die weiterhin ein hohes Ausmaß an Handarbeit erforderten, wie das Knüpfen von Fransen, das Besticken oder Aufnähen von Borten. Auch in den bereits mechanisierten Sparten hielt sich Heimarbeit jedoch als ein flexibler Puffer, der erstens billiger kam als die nunmehr bereits verschiedenen gesetzlichen Regulationen und sozialpolitischen Auflagen unterliegende Fabriksarbeit und zweitens problemlos bei Bedarf aktiviert oder stillgelegt werden konnte. Ein neuer Einsatzbereich für Heimarbeiter entstand auch dort, wo die Arbeit auf kleinen Maschinen verrichtet werden konnte, wie etwa die Strickmaschine, die in vielen Heimweberhaushalten den Webstuhl ablöste, oder die Nähmaschine, die am Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in den Großstädten das wichtigste Arbeitsgerät der Heimarbeiterinnen darstellte. So läßt sich das paradox anmutende Phänomen beobachten, daß Heimarbeit unter dem Druck der Mechanisierung einerseits verdrängt wurde, andererseits gerade die Ausweitung der mechanischen Produktion neue Tätigkeitsbereiche für HeimarbeiterInnen eröffnete (Komlosy 1988:124). Heimarbeit hat damit freilich ihren Charakter geändert. Der Spielraum, über den die semiproletarischen VerlagsarbeiterInnen in der Periode des Manufakturwesens - insbesondere bei guter Auftragslage - in der Gestaltung und Organisation der Produktion verfügten, war den HeimarbeiterInnen des 19. Jahrhunderts abhanden gekommen; durch die durchgängige Mechanisierung waren sie zum bloßen Anhängsel der Großindustrie geworden, dieser auf Gedeih und Verderben ausgeliefert, nach Belieben an- und abkoppelbar. Was als sozialer Aufstieg begonnen hatte, führte unter veränderten ökonomischen und technologischen Rahmenbedingungen zur besonderen Verwundbarkeit der Heimarbeit.

Informelle Netze

Aus der Sicht des Kapitals herrscht über die Nützlichkeit des Verlagswesens, das als informeller Sektor Anlagekapital und Lohnkosten einsparen half, kein Zweifel. Nicht minder attraktiv erschien Verlagsarbeit für Bauern- und Kleinhäuslerfamilien. Den einen bot sie zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, für die anderen stellte sie oft überhaupt die Voraussetzung dar, der rechtlosen Stellung als Knecht, Magd oder Inwohner zu entkommen, zu heiraten und einen selbständigen Haushalt zu gründen. VerlagsproduzentInnen standen stets auf mehreren Beinen, zu denen neben der Arbeit für eine Manufaktur die agrarische und die hausgewerbliche Produktion sowie landwirtschaftliche oder gewerbliche Lohnarbeit zählten. Der Haushalt begriff sich als Lebens- und Produktionsgemeinschaft. Die Aufteilung der Arbeiten auf die Familienmitglieder erfolgte nach dem Prinzip des Zusammenwirkens der Kräfte, das auch der traditionellen Form des "ganzen Hauses" zugrunde lag (Kriedte/Medick/Schlumbohm 1977:97 ff). Konventionen der geschlechtsspezifischen Zuordnung von Aufgaben konnten unter den veränderten Anforderungen des Verlagswesens allerdings schon einmal in Bewegung geraten; etwa dann, wenn Spinn- oder Stickaufträge die Frauen eines Hauses so sehr in Beschlag nahmen, daß Männer in anderen unerläßlichen Frauentätigkeiten einspringen mußten.
Das Beispiel zeigt, daß die Logik der ländlichen Familienwirtschaft einer individuellen Betrachtungsweise nicht stand hält. Wenn eine/r für den Verleger tätig wurde und damit Geld ins Haus brachte, sprang der oder die andere dort ein, wo gerade Not am Manne oder an der Frau war. Erträge aus Lohn- und Subsistenztätigkeiten wurden ebensowenig voneinander getrennt wie die Zeiten, die für die eine oder andere Arbeit aufgewendet wurden. Wie das Aufeinanderprallen dieser Überlebenslogik mit der Profitlogik des Handels- und Manufakturkapitals Werte aus den ländlichen Haushalten abzog, wurde bereits weiter oben beschrieben. Während auf der Unternehmerseite dadurch besonders hohe Profite anfielen, die die Kapitalakkumulation speisten, unterminierte der Wertabfluß aus den Haushalten deren Fähigkeit zur Subsistenz. Dies galt in besonderem Maße für Kleinhäuslerfamilien, die nur über wenig oder gar kein Land für die Selbstversorgung verfügten. Um dennoch überleben zu können, mußte in zunehmendem Maße für Geld gearbeitet werden. Solange es die Auftragslage der Manufakturen und Verleger erlaubte, wurde dies im Rahmen der häuslichen Verlagsarbeit getan; sinkende Löhne kompensierte man durch eine Ausweitung der Arbeitszeit oder die Aufnahme von Krediten. Blieben die Aufträge jedoch aus, was regional und sektoral zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Intensität einsetzte, mußte verstärkt außerhäusliche Lohnarbeit aufgenommen werden: im informellen Bereich der Gelegenheitsarbeit, des Bettelns und der Saisonarbeit in der Land- und Bauwirtschaft, im formellen Bereich des häuslichen Dienstes oder der Fabriksarbeit.
Auch wenn die räumliche Trennung die ländlichen Familienwirtschaften starken Belastungsproben aussetzte, widersetzten sie sich dem Zerfall. Denn solange es ihnen gelang, das Zusammenwirken der Kräfte in Form eines income-poolings aufrechtzuerhalten, verfügten sie über ein soziales Netz, das außerhäuslich tätige Mitglieder in Zeiten ohne Einkommen, bei Krankheit und im Alter auffing. Ländliche Unterschichtfamilien entwickelten daher nicht nur Zähigkeit, Ausdauer und Beharrung, wenn es darum ging, ihre prekäre Existenz zu behaupten (vgl. Komlosy 1993:117). Sie legten auch ein Ausmaß an Erfindungsreichtum und Flexibilität in der Kombination verschiedener Erwerbsarten an den Tag, wie sie auch heute in den Elendsvierteln der modernen Megastädte unter dem Stichwort 'Kultur der Armut' zu beobachten ist.
Nicht übersehen werden darf freilich die Kehrseite der informellen Netze, die - sobald sie sich einer neuen Situation angepaßt hatten - erneut der Auszehrung preisgegeben waren. Diese Unsicherheit verschärfte sich in dem Maße, wie mit der Ausweitung sozialer Regel- und Sicherheitssysteme für immer größere Teile der lohnabhängig Beschäftigten eine Marginalisierung der Heim-, Saison- und Gelegenheitsarbeit einsetzte. Dem informellen Sektor wurde der Spiegel der sozialpolitischen Regulierung vorgehalten, vor dem er besonders kümmerlich erscheinen mußte.

Heimarbeit im Diskurs der Jahrhundertwende

Heimarbeit existierte am Ende des 19. Jahrhunderts als ein ländliches und ein städtisches Phänomen. Am Land trat sie vor allem in peripheren Regionen in Form der hausindustriellen Erzeugung von Textilien, Holz-, Leder-, Flecht- und Glaswaren auf. Ihre Selbständigkeit hatten die ProduzentInnen in den meisten Fällen verloren; auch die Ausstattung mit Boden- und Hausbesitz war aufgrund von Verarmung und Verschuldung, in die viele ländliche ProduzentInnen durch niedrige Löhne und unregelmäßige Auftragslage geraten waren, nicht mehr durchgängig gegeben. Dazu kam, daß trotz des generellen Rückgangs der Hausindustrie Heimarbeit für den Industriebetrieb in bestimmten ländlichen Industriegebieten aufgrund ihrer niedrigen Kosten und flexiblen Einsatzmöglichkeit zunahm. Arbeitsuchenden peripherer ländlicher Regionen, die durch den Niedergang der Hausindustrien und des lokalen Gewerbes oder durch Rationalisierungen in der Landwirtschaft ihr Einkommen verloren hatten, erschien die Annahme von Heimarbeiten, auch wenn sie schlecht bezahlt waren, als eine Alternative zur Abwanderung. Ihre Verfügbarkeit leistete gleichwohl der Konservierung veralteter Formen der Technik und Arbeitsorganisation in der Textilindustrie Vorschub. Verfechtern einer industrie- wie sozialpolitischen Modernisierung erschienen die Heimarbeiter als unerwünschte Lohndrücker und daher als ein Stein des Anstoßes. So klagte Hugo Herz, Professor an der Technischen Hochschule in Brünn, in seiner Untersuchung über den "Notstand der Heimarbeiter in der mährischen Textilindustrie": "Die große Reservearmee der hausindustriellen Arbeiter des mährischen Flachlandes wird noch vermehrt durch all jene Personen, welche nicht mehr in der Landwirtschaft ihre Arbeitskraft verwerten können, sowie durch das aus den Städten rückströmende Proletariat, das infolge Alter, Krankheit, Gebrechlichkeit aus dem Großbetriebe entfernt wird und mangels einer Armenversorgung zu spulen und, wenn die Kräfte noch reichen, auch zu weben beginnt." (Herz 1904:12) In der Stadt, wo Bekleidungsgewerbe und Schuherzeugung expandierende Sparten heimgewerblicher Tätigkeit darstellten, verfügten die ProduzentInnen über gar keine materielle Subsistenzbasis mehr. Subsistenz war zu einem Synonym für die Verwaltung des Elends geworden, welche sich je armseliger, desto arbeitsintensiver gestaltete.
Der zeitgenössische Diskurs war von der Dämonisierung der Heimarbeit bestimmt. "Das Haus des Hausindustriellen (...) ist durchwegs eine enge, niedere, sanitätswidrige, überfüllte Spelunke (...). Und in diesen Hütten vegetirt eine physisch, oft moralisch degenerirte Population, bei Hunger und Elend preisgegeben jeder Willkür der sogenannten Arbeitgeber oder Brodherrn." (Vogelsang 1883:67) Diese Einschätzung, die Karl von Vogelsang, Begründer der Christlichsozialen Partei, aus einer Untersuchung über "Die materielle Lage des Arbeiterstandes" in der österreichischen Textil- und Bekleidungsindustrie gewann, unterscheidet sich kaum von der Sichtweise sozialdemokratischer Beobachter. Max Winter, Sozialreporter der Wiener Arbeiter-Zeitung, zeichnete in den Jahren 1899 bis 1902 ein tristes Bild der sozialen Lage in den Heimweberei-Regionen Mährens, Schlesiens und des Waldviertels. In eigenen Berechnungen stellte er den Arbeitslöhnen der Heimarbeiter jene Kosten gegenüber, die durch Bereitstellung von Arbeitslokal, Betriebsmitteln und Arbeitsgerät entstanden, und kam so auf einen Stundenlohn von 3,35 Kreuzer. "Die Wienerberger Ziegelarbeiter traten in ihren letzten Streik, weil sie ihre Stundenlöhne von 5 auf 7 Kreuzer erhöht haben wollten, und ein Schrei der Entrüstung ging durch die gesittete Welt, als diese Ziffern bekannt wurden", empörte sich Winter über die Benachteiligung der ländlichen HeimarbeiterInnen (Winter, in: AZ 5.3.1899). Schützenhilfe fand Winter beim sozialdemokratischen Theoretiker Karl Kautsky, der in seinem Werk "Die Agrarfrage" anmerkte, die "kapitalistisch ausgebeutete Hausindustrie" erzeuge die "empörendsten Verhältnisse, die unsere Produktionsweise überhaupt aufweisen kann. Alle Versuche einer kleinbäuerlichen Bevölkerung, die durch rein landwirtschaftliche Arbeit ihre Existenz nicht mehr zu fristen vermag, durch die Einbürgerung einer Hausindustrie aufzuhelfen, müssen nach einem kurzen, sehr problematischen Aufschwung den Absturz ins tiefste und hoffnungsloseste Elend zur Folge haben. Sie sind daher auf das Entschiedenste zu bekämpfen." (Kautsky 1899:181) Quer durch die politischen Lager ging die Überzeugung, Heimarbeit und Hausindustrie würden durch das Vordringen der industriellen Großproduktion rasch verdrängt werden.
Dies zu verhindern, hat sich der Böhmerwälder Lehrer Josef Blau mit seiner umfassenden Dokumentation hausgewerblicher Vielfalt zum Ziel gesetzt. "Wer planmäßig die deutsche Hausindustrie fördert, erfüllt völkische Pflicht, da er beiträgt, bedrängte Volksgenossen auf ihrem ererbten Grund und Boden zu erhalten (...). Stück um Stück deutsche Erde geht im volkswirtschaftlichen Kampfe, wie es die Abwanderer verlassen, mit diesem verloren." (Blau 1917/18:22) Das Bild der Hausindustrie, das Blau vor Augen hat, unterscheidet sich freilich maßgeblich von jenem der Kritiker. Er betrachtete die verschiedenen Nebengewerbe der BöhmerwaldbewohnerInnen, die er in einem Handbuch dokumentierte, als Voraussetzungen, die der Bevölkerung einer peripheren Region Einkommen verschafften und damit das Verbleiben im ländlichen Raum ermöglichten. Blau unterschied sich in dieser Sichtweise nicht von seinen tschechischen Kontrahenten, die in der Pflege von Kunstgewerbe und Heimindustrie ebenfalls eine Strategie zur Aufrechterhaltung der Siedlung in einer von Abwanderung bedrohten Region sahen (Ko"alka 1995:268). Hausindustrie erschien aus der Perspektive der regionalen Wirtschafts- und Kulturpolitik durchaus als eine Erwerbs- und Lebensform, die es zu erhalten galt.
Auf die Brisanz der hausindustriellen Frage weist die große Zahl an Untersuchungen hin, die die Probleme erheben und Lösungsvorschläge ausarbeiten sollten. Besondere Bedeutung kommt dabei der 1902 in Österreich durchgeführten "Gewerblichen Betriebszählung" zu, die sich um eine Übersicht über die Verbreitung der Heimarbeit bemühte. Mit eigenen Erhebungsformularen, den sogenannten Heimarbeiterkarten, wurden in den Erzeugungsgewerben all jene Personen erfaßt, "die nicht auf dem Werkplatze, in der Werkstätte oder Wohnung eines Arbeitgebers, sondern in den eigenen Räumlichkeiten gewerbliche Arbeiten für ein fremdes Geschäft verrichten, bzw. in den eigenen Räumlichkeiten Waren herstellen, ohne eine besondere behördliche Bescheinigung oder Bewilligung hiezu zu besitzen. (...) Die Heimarbeit kann sowohl den ausschließlichen Beruf wie einen bloßen Nebenerwerb (z.B. bei verheirateten Frauen) bilden." (Gewerbliche Betriebszählung 1902:1. Heft:LXIV) Im Durchschnitt der österreichischen Reichshälfte fanden, bezogen auf die Zahl der Betriebe 40 %, bezogen auf die Zahl der tätigen Personen 15 % der industriell-gewerblichen Produktion in Heimarbeit statt. In Galizien, in den böhmischen Ländern, in Vorarlberg und in Triest lag die Zahl der mit Heimarbeiterkarten erhobenen Betriebe über dem Reichsdurchschnitt. In Niederösterreich, dem industriellen Kernland der Monarchie, spielte Heimarbeit hingegen eine vergleichsweise geringe Rolle: nur 30 % der Betriebe und 8 % der Beschäftigten entfielen auf diese Kategorie.
Regional und sektoral gab es jedoch auch hier eine Häufung von Heimarbeitsverhältnissen. Im Reichsdurchschnitt entfielen fast 46 % der HeimarbeiterInnen auf die Textilindustrie und 33 % auf die Bekleidungsindustrie; weitere 14 % waren in der Holz- und Flecht-, Stein- und Glasbranche tätig. Niederösterreich wich von dieser Verteilung stark ab. Während in allen anderen Kronländern die Großstädte nur einen minimalen Heimarbeits-Anteil aufwiesen, entfielen in Niederösterreich fast drei Viertel aller mit Heimarbeiterkarten gezählten Betriebe und eine ebensogroße Quote bei den Beschäftigten auf Wien (Gewerbliche Betriebszählung 1902:1. Heft, LXVI). Wien und das ländliche Niederösterreich wiederum unterschieden sich ganz beträchtlich in bezug auf die Branchenstruktur der Heimarbeit (Gewerbliche Betriebszählung 1902:3. Heft). In NÖ-Land nahm die Textilindustrie mit 39 % die führende Stellung unter den Heimarbeiterkarten-Betrieben ein, gefolgt von 36 % in den Bekleidungsgewerben und 14% in der Holz- und Flechtindustrie. 85 % der Textilbetriebe stellten solche Heimarbeits-Betriebe dar; der Großteil davon arbeitete bloß mit ein oder zwei Arbeitskräften. Bezogen auf die Beschäftigten in der Textilindustrie lag der Anteil der Heimarbeiter daher mit 18 % bedeutend niedriger. Noch deutlicher tritt die dominierende Stellung der Heimarbeit in der Textilindustrie zutage, wenn wir die Textilregion Oberes Waldviertel betrachten: hier entfielen bei Betrieben wie tätigen Personen 90 % der Heimarbeit auf diese eine Branche, auf Bekleidung hingegen bloße 3 %. Wien stellte demgegenüber eine Hochburg der Bekleidungsgewerbe dar, in denen Heimarbeit ein herausragender Stellenwert zukam: während auf die Textilindustrie mit 7 % der Betriebe bzw. Beschäftigten kaum ein höherer Anteil als auf Holzwarenerzeugung, namentlich die Knopfdrechslerei, entfiel, dominierte die Bekleidungsindustrie mit über 80 % der zum industriell-gewerblichen Sektor gehörigen Heimarbeitsbetriebe ebenso wie bei deren Beschäftigten. Von den 4.265 Webern, die bei der Zählung in Niederösterreich (inkl. Wien) mit Heimarbeiterkarten erhoben wurden, waren 2.697 in NÖ-Land ansässig; umgekehrt verhielt es sich bei den Damen- und Herrenschneidern sowie den in der Wäschekonfektion Beschäftigten: von 13.229 in ganz Niederösterreich tätigen Personen arbeiteten 11.243 oder 85 % in Wien; noch ausgeprägter stellte sich die Konzentration auf die Hauptstadt bei den als Sitzgesellen oder verlegten Meistern tätigen Schuhmachern dar.
Die umfassende quantitative Erfassung der Heimarbeit in den Ergebnissen der Gewerblichen Betriebszählung täuscht über die Unsicherheit hinweg, die bei der Beurteilung des Charakters häuslicher Beschäftigung herrschte. In den Erhebungsbögen wurde bei sämtlichen, also nicht nur bei den mit Heimarbeiterkarten erfaßten Betrieben genau danach gefragt, ob unmittelbar für eigene Privatkunden oder im Auftrag von Händlern, Faktoren, Fabrikanten oder Wiederverkäufern gearbeitet wurde. Erhoben wurde auch, ob der Betrieb Rohstoffe, Arbeitsmaterialien bzw. Halbfabrikate selbst einkaufe oder ob diese von einem Auftraggeber zur weiteren Verarbeitung beigestellt würden. Die Antworten fielen so unterschiedlich aus, daß man am Ende trotzdem nicht wußte, "ob und in welchem Maße die industriellen Kleinbetriebe noch das alte selbständige Handwerk repräsentieren (oder) in welchem Maße sie von anderen Händlern oder Produzenten wirtschaftlich abhängig geworden, verlegt sind, also zur Hausindustrie zu zählen sind." (Gewerbliche Betriebszählung 1902:1. Heft:LXVII)
Die Frage, ob man den Inhaber eines mit Heimarbeiterkarte erhobenen Betriebes als selbständigen Gewerbetreibenden oder vielmehr als abhängig Beschäftigten ansehen sollte, war auch von zentraler sozialpolitischer Bedeutung (vgl. Zimmermann in diesem Band). Ging man von der Selbständigkeit aus, wozu liberale Kreise tendierten, war der Inhaber als Arbeitgeber nach dem 1888 erlassenen Gesetz genau genommen verpflichtet, für seine Gehilfen Krankenversicherungsbeiträge zu bezahlen. War er als verlegter Hausindustrieller jedoch für unselbständig zu halten, was insbesondere Sozialdemokraten und Christlichsoziale wie auch das Gewerbeinspektorat nahelegten, war sein Auftraggeber für die Versicherung zuständig. Zum Kreis der Krankenversicherten zu gehören, kann jedenfalls als eines der Merkmale gelten, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Österreich einen formellen, geregelten Arbeitsplatz ausmachten. Der Streit, der um die Versicherungspflicht entbrannte, spiegelt so gesehen die Veränderung in der Zusammensetzung formeller und informeller Arbeitsverhältnisse wider.
Die Praxis war vielschichtig und widersprüchlich. "Die Zwitterstellung zwischen Unternehmer und Lohnarbeiter, in welche die Heimarbeiterschaft gedrängt wurde, hat dazu geführt, daß eine einheitliche Durchführung der Kranken- und Unfallversicherung bezüglich derselben unmöglich gemacht wurde", beklagte Herz in seiner Untersuchung über Mähren (Herz 1904:44). Die wohl umfassendste empirische Studie stellt der Bericht der k. k. Gewerbe-Inspektoren über die Heimarbeit in Österreich dar (Bericht 1900/01). Auch hier wurde das "Fehlen einer präcisen Definition des Begriffes 'Heimarbeit'" beklagt sowie, "daß die Grenzen zwischen selbstständigen und unselbstständigen (verlegten) Kleinmeistern, dann zwischen gewerblicher und nationaler hausindustrieller Thätigkeit, ferner zwischen dieser und der häuslichen, sowie land- bzw. forstwirthschaftlicher Nebenbeschäftigung oft verwischt, vielfach kaum erkennbar sind." (Bericht 1900/01:Bd.1:VI) Der Bericht bemühte sich daher um eine detaillierte Zustandsschilderung sämtlicher Gewerbesparten, in denen Heimarbeit zum Einsatz kam. Der Bogen spannt sich von der Ton-, Glas- und Steinindustrie und der Metallverarbeitung über die Holz-, Flecht- und Schnitzindustrie, die Textil- und Bekleidungsgewerbe zur Papier-, Druck-, Nahrungs- und Genußmittelindustrie. Heimarbeit tritt darin in einer breiten Palette von Arbeitsverhältnissen zutage, die sich regional und branchenweise sowie hinsichtlich Selbständigkeit und Grad der Abhängigkeit von einem Auftraggeber, Regelmäßigkeit der Beschäftigung, Höhe und Form der Bezahlung sowie im Umgang mit der Versicherungspflicht stark voneinander unterschieden. Auch den Arbeits-, Wohn- und Familienverhältnissen, der technischen Ausstattung der Betriebe, Ausbildung und Ernährung der Heimarbeiterfamilien widmeten die Gewerbe-Inspektoren ihre Aufmerksamkeit. Je niedriger die Löhne und je größer die Auftragsschwankungen, umso wichtiger erwies sich die Verbindung der Heimarbeit mit anderen bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten, die die Mitwirkung sämtlicher verfügbarer Familienmitglieder erforderte.
Besondere Verdienste um Analyse und Kritik der Heimarbeit in der Textilindustrie hat sich der an der Technischen Hochschule in Brünn lehrende Hugo Herz erworben. Das traditionelle, in die bäuerliche Familienwirtschaft eingebettete Hausgewerbe, so eine zentrale These seiner Untersuchung, habe sich mit der Entwicklung der mechanischen Weberei aufgelöst. "Dagegen zeigt sich die Heimweberei als Begleiterscheinung des Großbetriebes mit der Tendenz, längere Zeit noch sich zu erhalten." (Herz 1904:14) Die Ursache für diesen "Rückschritt zur Heimarbeit", einer "Betriebsform, welcher die technische Inferiorität im höchsten Grade anhaftet", leitete Herz aus Elastizität, niedrigem Lohnniveau und der "Möglichkeit der Regieüberwälzung vom Unternehmer auf den Heimarbeiter" ab. So können die "Begleiterscheinungen des großindustriellen Betriebs, Konkurrenzkampf, Absatzstockungen und Handelskrisen (...), welche ihnen die periodisch regelmäßigen Schwankungen der Saisonkonjunktur zufügten", ausgeglichen werden (11 f). Wenn sich Herz auch bemühte, Heimarbeit als Resultat modernster Entwicklungen darzustellen, war er gleichwohl von ihrem Übergangscharakter überzeugt. "Bis auch hier der rastlos dahinstürmende technische Fortschritt sie über den Haufen rennt" (14), empfahl er staatliche Migrations-, Umschulungs- und Arbeitsbeschaffungspolitik - in der Hoffnung, "die tüchtigen Elemente unter ihnen könnten im Wege des gewollten Berufswechsels bald die aufsteigende Klassenbewegung mitmachen (73).
Auch Karl Kautsky, obwohl glühender Verfechter einer Proletarisierung und wie Herz von der baldigen Überwindung der Heimarbeit überzeugt, arbeitete in seiner Studie zur Agrarfrage heraus, daß die Konkurrenz der maschinellen Produktion zunächst nicht das Ende, sondern die verstärkte Ausbeutung der Heimarbeit bewirke. Die Ursachen für die Profitabilität der Hausindustrie ortete er in ihrer Verbindung mit den unbezahlten Sektoren der Familienarbeit, auf die der Auftraggeber durch die Vergabe von Aufträgen in Heimarbeit Zugriff erhielt. In Kautskys Worten: "Daß der Hausindustrielle das hoffnungslose Wettrennen so lange aushält, ist seiner Landwirtschaft zuzuschreiben. (...) Sie ist es, die den Todeskampf der Hausindustrie ins Endlose verlängert, die den Handweber, der schon vor einem halben Jahrhundert nicht mehr leben konnte, immer noch nicht sterben läßt." (Kautsky 1899:181) Kautsky ermöglichte auf diese Art und Weise, ebenso wie übrigens Rosa Luxemburg in "Die Akkumulation des Kapitals" (1912), entgegen dem ihm eigenen Fortschrittsdeterminismus, die Denkoption, daß Kapitalismus ohne die ständige Zugriffsmöglichkeit auf Produktionsverhältnisse, die nicht auf geregelter Lohnarbeit basieren, nicht funktionsfähig sei.
Große Parallelen zum heutigen Diskurs über das Zusammenspiel von Formalisierung und Informalisierung weist eine Äußerung des Christlichsozialen Karl von Vogelsang auf. Vor dem Hintergrund der sich anbahnenden Arbeiterschutzgesetzgebung der Ära Taaffe befürchtete er, daß die Unternehmungen das neue Kontroll- und Regelsystem durch das Ausweichen in den ungeregelten Bereich der Heimarbeit umgehen würden: "Die Großindustrie muß es sich gefallen lassen, obrigkeitlich - zur Zeit noch statistisch-bureaukratisch, künftig gesellschaftlich - organisirt, regulirt, kontrollirt und inspizirt zu werden, das Kleingewerbe nicht minder. (...) Je mehr aber diese Unternehmungen kontrollirt und je mehr sie an einer gesellschaftsschädlichen und staatsgefährdenden Ausbeutung der Arbeit verhindert werden, umso mehr treibt das Eigeninteresse die Unternehmer an, die Arbeiten, so weit das technisch möglich ist, nicht in Fabrikslokalen, sondern als Hausindustrie, frei von aller Beobachtung, vollziehen zu lassen. So gewinnt die Hausindustrie eine immer weitere und intensivere Verbreitung." (Vogelsang 1883:64, 66) Vogelsangs Prognose sollte sich in Österreich indes nicht bewahrheiten. Zwar entstanden vor allem in der Textil-, Bekleidungs- und Lederbranche im Umfeld des industriellen Großbetriebs eine Reihe von Tätigkeiten, die in Heimarbeit ausgelagert wurden. Der parallel dazu stattfindende Niedergang protoindustrieller familienwirtschaftlicher Arbeitsfelder wurde dadurch jedoch quantitativ bei weitem nicht ausgeglichen.

Protoindustrie: Übergangsphänomen oder vollendete Form?

Seit das Verlagswesen unter dem Schlagwort der "flexiblen Spezialisierung" in den letzten Jahren erneut Einzug in europäische Industrieregionen gehalten hat, erhält die Frage nach dem Stellenwert heimgewerblicher Familienwirtschaft im Kapitalismus wieder Aktualität. Handelt es sich bei der ländlichen Hausindustrie des 18. und der Heimarbeit des 19. Jahrhunderts nun um ein Übergangsphänomen oder ein permanent-konstitutives Produktionsverhältnis im Rahmen der kapitalistischen Warenproduktion?
Die alte Debatte um die Verlags-, Haus- und Heimindustrie hat in den 1970er Jahren durch das Konzept der "Protoindustrialisierung" neue Impulse erfahren. Der Begriff, der 1969 von Franklin Mendels geprägt und von den Göttinger Sozialhistorikern Peter Kriedte, Hans Medick und Jürgen Schlumbohm weiterentwickelt wurde, bezieht sich auf die unter Kontrolle des Handelskapitals in familienwirtschaftlicher Kooperation stattfindende, weltmarktorientierte Warenproduktion des 17. und 18. Jahrhunderts. Protoindustrialisierung wird als eine "besondere historische Gesellschaftsformation" im Rahmen des Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus begriffen, "in welcher die historischen Auflösungserscheinungen der alten, vorkapitalistischen Gesellschaftsformationen zu einem wesentlichen, in mancher Hinsicht strukturellen Bestandteil des entstehenden Kapitalismus wurden" (Kriedte/Medick/Schlumbohm 1977:32).
Den Protoindustrialisierungs-HistorikerInnen ist es treffend gelungen, die Verbindung traditioneller Familienwirtschaft mit den Erfordernissen der Rekrutierung und Billighaltung von Arbeitskräften im Dienste einer auf Expansion ausgerichteten gewerblichen Massenproduktion herauszuarbeiten. Allerdings wird Protoindustrialisierung, ähnlich dem Marxschen Konzept der "ursprünglichen Akkumulation", in den meisten Fällen bloß als Auslösungs- und Überleitungsmechanismus in Richtung der - erklärtermaßen langsamen wie diskontinuierlich stattfindenden - Durchsetzung der industriellen Produktionsweise betrachtet. Da zahlreiche Regionalstudien ergaben, daß dieser Übergang zum eigentlichen Kapitalismus keineswegs zwangsläufig und schon gar nicht in sämtlichen ländlichen Gewerberegionen erfolgte, zogen manche AutorInnen die im ursprünglichen Konzept angelegte Tendenz der kapitalistischen Entwicklung zur Verallgemeinerung proletarisierter Lohnarbeit in Zweifel (Zeitlhofer 1993:10; vgl. auch die Auseinandersetzung mit Kritik am Protoindustrialisierungskonzept bei Kriedte/Medick/Schlumbohm 1983; Schlumbohm 1994:32 f). Sie beziehen sich dabei auch auf Überlegungen, die im Rahmen von Weltsystem-, Produktionsweisen- und Subsistenztheorie (stellvertretend Meillassoux 1976; Werlhof 1978, Wallerstein 1986) angestellt wurden. Gestützt auf historische Untersuchungen in verschiedenen Regionen des kapitalistischen Weltsystems, allerdings ohne im Detail auf die Spezifika europäischer Verlagsregionen einzugehen, stellen diese Ansätze die zentrale Bedeutung der Kombination von Arbeitsverhältnissen unterschiedlicher Bezahlung, rechtlicher und sozialer Absicherung für das Funktionieren kapitalistischer Akkumulation in den Mittelpunkt ihrer Analyse.
Protoindustrialisierung ist also nur insofern als eine Übergangsform zu begreifen, als die Verlagerung gewerblicher Lohnarbeit in ländliche Haushalte, deren vorindustrielle, lokale Orientierung aufbrach und sie in Weltmarkt-Produktionsstätten verwandelte. Keineswegs stellt diese Produktionsweise lediglich eine Vorform vor dem eigentlichen, dem industriellen, durch fabriksmäßige Erzeugung geprägten Kapitalismus dar.
Wenn wir die Verschränkung von geregelter Erwerbsarbeit im formellen Sektor mit unregulierten Arbeitsverhältnissen im informellen und unbezahlten Tätigkeiten im Subsistenzbereich als permanente Voraussetzung und unabdingbares Charakteristikum für die kapitalistische Produktionsweise betrachten: Wie erklären wir dann das Phänomen, daß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in West- und Zentraleuropa häusliche Familienwirtschaft, bezahlt und unbezahlt, gegenüber der individualisierten, geregelten und zunehmend gesetzlich und sozial abgesicherten Lohnarbeit immer stärker zurücktrat?
Auflösen läßt sich dieser scheinbare Widerspruch erstens durch die Globalisierung der Betrachtung. Die verstärkte imperialistische Durchdringung der Dritten Welt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte zur Folge, daß un- und unterbezahlte Arbeit nunmehr primär in Weltgegenden geleistet wurde, wo Produzenten nicht gleichzeitig auch Konsumenten waren. Die billigen Vorprodukte, die aus den Agrarkolonien importiert wurden, trugen dazu bei, daß in den Industrieländern der Zugang zum regulierten Arbeitsmarkt verbreitert, Löhne und indirekte Lohnbestandteile erhöht und so die Nachfrage der proletarisierten Lohnarbeitschaft in einen Motor des Wachstums verwandelt werden konnte. Dies bedeutete freilich keineswegs, daß Verlags- und Heimarbeitsregionen durchwegs zu modernen Industriestandorten wurden; viel häufiger trat der Fall ein, daß ländliche Gewerberegionen gegenüber den Produkten der Zentralräume die Konkurrenzfähigkeit einbüßten. Die Folge bestand meist in der Deindustrialisierung, die den Rückzug in die landwirtschaftliche Selbstversorgung oder die Spezialisierung auf kommerzielle Landwirtschaft bewirken konnte, oder in der Übernahme einer verlängerten Werkbankfunktion für die im Zentralraum angesiedelten Industriebetriebe (vgl. Kriedte/Medick/Schlumbohm 1977:307 f). Zweitens verlagerte sich in den Industrieländern mit der Trennung der Arbeiterfamilien von der agrarischen Subsistenz unbezahlte Überlebensarbeit in Bereiche, die weniger die nackte Existenz als die soziale Integration sicherten: Liebes-, Beziehungs- und Erziehungsarbeit stellten nunmehr zentrale Aufgabenbereiche der modernen Hausarbeit in entwickelten kapitalistischen Gesellschaften dar, während die Befriedigung der materiellen Grundbedürfnisse zunehmend durch den Warenkonsum erfolgte. Ein dritter Erklärungsansatz liegt darin, daß die Art, wie sich Arbeitsverhältnisse, Löhne und Formen sozialer Absicherung lokal, regional und global zusammensetzen, kurzfristigen konjunkturellen und langfristigen zyklischen Schwankungen unterworfen ist. Generell zeichnen sich Krisen durch ein Mehr an un- und unterbezahlter Arbeit aus. Die aktuellen Umstrukturierungen der Weltwirtschaft gehen indes über bisherige Krisentheorien hinaus: sie führen zu einer Neuordnung von Zentren und Peripherien und damit zur einer Rückkehr des Informellen in die Zentren der Weltwirtschaft.

Literatur

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