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Walter Schicho

Die Bergbaugebiete Katangas 1900-1980. Koloniale Verwaltung, koloniale Wirtschaft und Mission machen aus Bauern Arbeiter

Quelle: HSK 13: Wie aus Bauern Arbeiter wurden. Wiederkehrende Prozesse des gesellschaftlichen Wandels im Norden und im Süden einer Welt. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1998 (Historische Sozialkunde 13). Herausgegeben von Olaf Bockhorn, Ingeborg Grau, Walter Schicho. S. 127 - 152.

"Der große König fuhr mit der Hand in den weißen Bart, blickte auf die Karte und sprach zu seinen Ratgebern. Der König fragte: 'Welchen Fortschritt machen die Minen in Katanga und Kasai.' Herr Robert Droogmans antwortete: '...in Katanga haben die Prospektoren des Comité Spécial du Katanga große Mengen Erz gefunden.' Und dann, nach langer Beratung, wurde beschlossen: 1. Die Union Minière du Haut Katanga zu gründen, am 28 Oktober 1906; 2. die Compagnie du Chemin du Fer du Bas-Congo au Katanga zu gründen, und zwar im Jahr 1906, am 31 Oktober; 3. Die Société Internationale Forestière na Minière du Congo zu gründen, am 6. November 1906.
Und um das Geld für alle drei Gesellschaften zu bekommen, suchte der König Hilfe bei der Großen Gesellschaft, und bei einzelnen Weißen, und bei anderen Gesellschaften ... die Entscheidung, die drei Gesellschaften zu gründen, erwies sich als sehr einträglich für die Regierung ...
Um es deutlich zu sagen, wir, die Hausangestellten oder Boys, wir erlebten alles Mögliche mit diesen belgischen Männern. ... Wie mühsam es war kann niemand verstehen, der es nicht erlebt hat."

André Yav, "Vocabulaire de ville de Elisabethville" (in: Fabian 1990:67ff)

"Wie aus Bauern Arbeiter wurden" ist Teil eines komplexen historischen Prozesses, der in Afrika die Strukturen der kolonialen und der neokolonialen Gesellschaft wesentlich bestimmt hat. Die Formulierung verdeckt allerdings mehr vom Charakter dieses Prozesses als sie offen legt. Bevor wir die Geschichte wieder aufnehmen, die André Yav Anfang des Zweiten Weltkriegs in seinem Text festhielt, gilt es daher die Akteure zu benennen und die Szenarios zu beschreiben, die für die Entstehung der Bergwerksstadt Elisabethville-Lubumbashi und für die tiefgreifenden Veränderungen der einheimischen Gesellschaft in Katanga (und darüber hinaus) relevant sind.
Die folgende Fallstudie geht von der im Grunde banalen Feststellung aus, daß Ursache und Verursacher im Prozeß "Aus Bauern Arbeiter machen" im aggressiven Expansionsprozeß des Kapitals des industrialisierten Nordens zu finden sind. Die Schaffung einer beständigen gesellschaftlichen Gruppe von Arbeitern ist also ein Phänomen, das - so wie es geschah - durch die Kolonisierung Afrikas bedingt ist. Das bedeutet allerdings keineswegs, daß die Asymmetrie der unterschiedlichen Beziehungen der Macht einfach und ausschließlich im Sinne des Titels zu verstehen ist: "Koloniale Verwaltung, koloniale Wirtschaft und Mission machen aus Bauern Arbeiter". Die "unheilige Dreieinigkeit" - wie die drei Akteure in der Kolonialgeschichtsschreibung des belgischen Kongo verbreitet genannt werden - hat die gesellschaftlichen Vorgänge wohl in ihrem Interesse geplant und gesteuert, doch sind ihre Planung und ihr Vorgehen in mehr als einer Hinsicht durch Brüche, Reformulierungen und Widersprüche gekennzeichnet.
Zum ersten gab es keine einheitlichen Konzepte und Ziele des Kapitals - und das schon gar nicht in der Frühphase der Kolonisierung. Unterschiedliche Gruppen und Wirtschaftsbereiche konkurrenzierten einander im Wettbewerb um den wichtigsten Faktor der Produktion, die Arbeitskraft. Die Mission und die Verwaltung waren einerseits Mittler und Instrumente, also Helfershelfer der Kolonialgesellschaften, andererseits traten sie ebenfalls als Bewerber auf diesem "Arbeitsmarkt" auf, waren also Konkurrenten des Kapitals. Das Wissen über die Ressourcen, die Einschätzung der Kosten kolonialen Wirtschaftens und das Bild der kolonisierten (oder zu kolonisierenden) einheimischen Gesellschaften veränderten sich rasch und hatten bei den unterschiedlichen Akteuren auch durchaus unterschiedliche Ausprägungen. Es läßt sich bis in die Gegenwart an zahlreichen Beispielen zeigen, daß Entscheidungen in der Wirtschaft (wie gegenwärtig auch in der Entwicklungszusammenarbeit) auf sehr dürftigen und unzuverlässigen Informationen beruhen; Vorurteile, unzulängliche Grundlagenforschung, Mythen und gezielte Falschinformation hatten und haben zur Folge, daß ein vorgeblich rationales und planbewußtes Verhalten der kolonialen (und neokolonialen) Unternehmen einen stark irrationalen Charakter aufweist.
Zum zweiten waren die jeweils aktuellen Strategien das Ergebnis aus einem Zusammenspiel der kolonialen Triade, der unterschiedlichen afrikanischen Vertreter und der Aktionäre bzw. Kapitalgeber in Europa. Das dynamische Kräftemessen dieser Teilhaber am Prozeß, das kommunikative Netzwerk aus Handlungen und Gegenhandlungen, realisiert sich als Prozeß der Interaktion, in dem aufgrund der räumlichen wie der kulturellen Distanz immer wieder Verzögerungen und Mißverständnisse auftreten; in dieser Interaktion öffnen sich für die unterschiedlichen Teilnehmer aber auch immer wieder Nischen, die den Bedrohten Schutz gewähren oder den Ausgebeuteten die Möglichkeit, sich an den Ausbeutern schadlos zu halten. Je weiter die Institutionenbildung voranschreitet und je dichter die Kommunikation wird, desto weniger sichtbar wird die Gewalt, desto geringer werden aber auch die Möglichkeiten, verdeckt zu handeln oder sich an schützende Orte zurückzuziehen. Die "Deinstitutionalisierung", die sich seit der Unabhängigkeit ständig beschleunigt, führt aber wieder zu einer Zunahme der Gewalt und zugleich zur Lockerung der Kontrolle und zur "Nischenbildung".
Zum dritten liegt Katanga im Überschneidungsbereich verschiedener wirtschaftlicher und kolonialer Mächte: Großbritannien, die Südafrikanische Union (bzw. Republik), Belgien und Portugal, zugleich südafrikanisches, belgisches, französisches, englisches, US-amerikanisches oder italienisches Kapital vertreten unterschiedliche Interessen, haben unterschiedliche Methoden und Bedingungen und kennen den Markt auf jeweils eigene Weise. Die englischen Kolonien wirtschafteten über lange Zeit mit einem harten Pfund, während der belgische Francs immer weniger wert wurde. Dazu hatte Portugal seine Kolonien über eine eigene Kolonialwährung an den Escudo der Metropole gebunden. Kleine und große Unternehmen und Unternehmer - Portugiesen, Griechen, Inder, die British South African Company, die parastaatliche Bourse du Travail, die Tanganyika Concession Ltd, etc. - nutzten ebenso wie die durch die Rekrutierung von Arbeitskraft betroffenen einheimischen Gesellschaften die Möglichkeiten, die sich aus diesem Nebeneinander (und Gegeneinander) ergaben.
Der komplexe Prozeß "Aus Bauern Arbeiter machen" muß jedoch nicht nur in Bezug auf Akteure und Szenarios genauer dargestellt werden; es gibt auch ein Problem mit der Begrifflichkeit. Die passiven Subjekte "Bauer" und "Arbeiter" sind bei dieser sozio-ökonomischen Transformation im Grunde nur am Rande involviert. Dies belegen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes anhand unterschiedlicher Weltregionen überzeugend; als Ausgangsgruppe fungieren vor allem Personen, die nicht mehr, oder noch nicht, oder noch nie Bauern waren und aus ihnen werden nur "im besten Fall" Arbeiter, zumeist aber ein wirtschaftlich und sozial sehr unterschiedlich gestaltetes Potential an lohnabhängiger oder "freier" Arbeitskraft. Eine neue Formulierung des Themas könnte also heißen: "die Vereinnahmung unterschiedlich (un)abhängiger Arbeitskraft durch das Kapital". Die Betroffenen kommen primär aus der ländlichen Bevölkerung, mit zunehmender Dauer aber auch aus einer immer größer werdenden sozialen Randgruppe der "Destabilisierten".
Es gibt, grob formuliert, drei Positionen, die mit wechselnder Intensität ihren Status bestimmen: Lohnarbeit, vom Kapital unabhängige Agrarproduktion und "Selbstbeschäftigung", wie sie im informellen Sektor derzeit große Beachtung findet. Volkmar Blum (in diesem Band) spricht in diesem Zusammenhang von "Legierungen". Josef Ehmer schrieb in seiner Tischvorlage zur gleichnamigen Ringvorlesung im Sommersemester 1989: "Aus der Sicht der europäischen Sozialgeschichte erscheint der Übergang von einer vorkapitalistischen und vorindustriellen Produktions- und Lebensweise zu einer kapitalistischen und industriellen als langwieriger Prozeß, der in vielfältigen Mischungsverhältnissen, 'Ungleichzeitigkeiten' oder 'Gemengelagen' seinen Ausdruck fand. Die Verträglichkeit einer zunehmend kapitalistisch orientierten Ökonomie mit traditionellen Lebensformen bildet die Grundlage für eine hohe Beharrungskraft überlieferter sozialer Strukturen und Verhaltensweisen. Erst langsam und zu verschiedenen Zeitpunkten traten in den einzelnen Lebensbereichen Brüche auf, die zur Herausbildung neuer sozialer Beziehungen und Orientierungen führten." Dieses Modell der "Ungleichzeitigkeiten" oder "Gemengelagen" gibt auch in den komplexen kolonialen und postkolonialen Gesellschaften Afrikas, in denen einzelne Mitglieder je nach ihren Fähigkeiten, ihrem Geschick und ihrem Schicksal von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, von Ort zu Ort und von Status zu Status wechseln, den Charakter des "Vom Bauern zum Arbeiter werden" besser wieder als die Vorstellung vom "legierten", in der Presse des peripheren Kapitalismus neu erzeugten Menschen.

Arbeitskraft für den Bergbau Katangas

Im Gegensatz zu Europa, ja auch im Vergleich zu anderen Regionen des Südens, vollzog sich die grundlegende Umgestaltung der Gesellschaft im Kupfergürtel Zentralafrikas in einer sehr kurzen Zeit und in einer Art und Weise, die extreme regionale und soziale Gegensätze erzeugte. Bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts waren die Europäer im Osten des Kongo der Konkurrenz arabischer Händler ausgesetzt, die sowohl von der Kenntnis des Marktes wie von der Kapitalausstattung den meisten Europäern überlegen waren. Sie wurden ohne jede Rücksichtnahme ausgeschaltet, mit dem Argument, es sei notwendig, den Sklavenhandel zu bekämpfen. Späteren Schätzungen zufolge kostete diese Auseinandersetzung mehreren Zehntausend Menschen das Leben. Als nächsten Schritt setzte die koloniale Wirtschaft die gewaltsame Destabilisierung der Völker in ihrem Einflußbereich fort - die Anwerbung von Arbeitskraft unterschied sich in ihrer Zerstörungskraft nicht von der Aufbringung von Sklaven.
Voraussetzung für ein beständiges Reservoir an verfügbarer Arbeitskraft war mittel- und langfristig die Schaffung einer ausreichend großen Gruppe innerhalb der ländlichen Bevölkerung, die keine oder eine nicht mehr ausreichende Verfügung über Grund und Boden hatte bzw. die ihre Verpflichtungen gegenüber der neuen Macht nicht mehr aus selbständiger Arbeit abdecken konnte. Nur dort, wo keine Möglichkeit gegeben war, durch Produktion agrarischer Exportgüter oder durch den Verkauf von Vieh oder Nahrungsmitteln für den lokalen Konsum die von der Kolonialmacht geforderten Steuern aufzutreiben, war billige Arbeitskraft in großem Maße verfügbar und bot sich zunehmend auch selber an. Die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre war genau jene Zeit, zu der das "Angebot" an Arbeitskraft die "Nachfrage" zu übersteigen begann; die Tätigkeit der Rekrutierungsgesellschaften wurde damit überflüssig.
Eine weitere mittelfristige Strategie zur Umgestaltung der Ausgangsgesellschaft war die Einbindung der bäuerlichen Produzenten in eine durch das Kapital gesteuerte und den Bedürfnissen des Kapitals unterworfene Gesellschaft von Verbrauchern. Bauern waren, auch in Afrika, nie so weit autark, daß sie nicht gewisse Produktionsmittel, aber auch Konsumgüter (wie etwa Salz) zukaufen mußten. Nach der Zerstörung des einheimischen Handwerks ersetzte der koloniale Handel lokale durch importierte oder zumindest durch über die Geldwirtschaft vermittelte Produkte. Weiters kontrollierte die staatliche Verwaltung Umfang, Art und Rentabilität der bäuerlichen Arbeit direkt, durch Verpflichtung zum Zwangsanbau - vor allem Baumwolle - und durch die Festsetzung von Arbeitsleistungen und Preisen, sowie indirekt durch die Subvention von Importen (wie Lebensmittel). In späterer Zeit kommt zu diesen Steuerungsmaßnahmen auch noch die Kontrolle und Verteilung von Entwicklungs- und Katastrophenhilfe der Geber des Nordens.

Ausgehend von diesen Überlegungen beschäftigen sich die folgenden Kapitel mit mehreren Phasen bzw. Handlungsräumen der Schaffung und Kontrolle von Arbeitskraft in Katanga:

Ich nehme als Ergebnis meiner Darstellung vorweg, daß dieser Prozeß "Wie aus Bauern Arbeiter wurden" nach einem Jahrhundert zu einem absurden Ende geführt wurde: Angesichts eines Überangebots an Arbeitskraft versuchen die maßgeblichen Kräfte von heute genau die gegenteilige Entwicklung in die Wege zu leiten, nämlich aus verelendeten Arbeitslosen selbständige Kleinunternehmer oder marktorientierte landwirtschaftliche Produzenten zu machen. Genau diese Entwicklung zu marktorientierten unabhängigen Produzenten zeichnete sich zu Beginn der Kolonisierung ab, und das Kapital des Nordens tat damals alles, um sie zu verhindern. Gibt es einen besseren Beweis für die Irrationalität wirtschaftlichen Handelns?

Die afrikanischen Gesellschaften

Unsere Geschichte spielt in den Minenstädten Katangas, wie Elisabethville/Lubumbashi oder Jadotville/Likasi, und in jenem Umfeld, aus dem die Bergwerks- und Eisenbahngesellschaften ihre Arbeiter rekrutierten. Das Hochland Katangas mit seinen wenig ertragreichen Böden war im 19. Jahrhundert dünn besiedelt. Die großen Zentren, wie Bunkeya, die Hauptstadt der Nyamwezi mit etwa 10.000 Einwohnern, lagen in den fruchtbaren Flußtälern weiter im Norden oder im Westen.
Die Daten, die wir über die Anwerbung von Arbeitern und über die Beschaffung von Lebensmitteln für die Minenindustrie in Katanga - nebst den Eisenbahngesellschaften und anderen Unternehmen, die mit ihr verbunden waren - haben, zeigen einen unmittelbaren Einfluß auf eine Zone zwischen dem Äquator und dem 18. südlichen Breitengrad (also bis südlich der Hauptstadt Zimbabwes, Harare) einerseits, von der Küste des Indischen Ozeans in Moçambique bis zum 18. Längengrad in Angola und im Kongo andererseits: ein Gebiet von der Dimension Europas ohne die Nachfolgestaaten der UdSSR. Die mit unterschiedlichen Mitteln betriebene Rekrutierung von Arbeitern hatte Auswirkungen auf zahlreiche Völker der heutigen Staaten Angola, Zambia, Zimbabwe, Moçambique, Rwanda, Burundi und vor allem der Demokratischen Republik Kongo (Perrings 1979:149). Nach Higginson (1989:5) waren vor dem Zweiten Weltkrieg zwischen 8 und 15% der Bevölkerung Katangas und der umliegenden Kolonien und Regionen von dem Prozeß, in dessen Mittelpunkt die Minenindustrie Katangas - vor allem die Union Minière du Haute Katanga, UMHK - stand, betroffen.
Rund 50 verschiedene afrikanische Sprachen fanden und finden im Zentralraum Lubumbashi Verwendung. Diese Zahl kann zwar keineswegs gleichgesetzt werden mit der Zahl der Völker oder vorkolonialen Staaten, die von der Entwicklung der kolonialen Wirtschaft im Kupfergürtel betroffen waren, sie ist aber ein Indiz dafür, daß wir es mit einer großen Zahl von Gesellschaften zu tun haben und mit recht verschiedenartigen gesellschaftlichen Strukturen. Wir finden darunter Dorfstaaten mit "demokratischer" oder "oligarchischer" Regierungsform, mehr oder minder abhängige "Fürstentümer" und große, zentral regierte Staaten mit einer komplizierten, in manchem dem europäischen Feudalsystem ähnlichen Organisation. Im Raum Katanga hatten im 19. Jahrhundert die Yeke, ein aus dem heutigen Tanzania eingewandertes Volk der Nyamwezi, die Fürsten der Lunda als Herrschende über die Region abgelöst. Sie hatten von ihnen auch die Kontrolle des Kupferabbaus übernommen, der im Kupfergürtel seit dem 5. Jahrhundert betrieben wurde (Perrings 1979:7f).
Die Veränderung der ökonomischen Makrostruktur in Zentralafrika im Verlauf des 19. Jahrhunderts brachte allerdings einen Niedergang der Kupferindustrie, während der Handel mit Sklaven und Elfenbein an Bedeutung zunahm. In den komplexer strukturierten Gesellschaften wurde dadurch die Herausbildung sozio-ökonomischer Gegensätze beschleunigt. Militärische Überlegenheit, traditionelle oder neue Privilegien, Profite aus dem Handel und Zölle führten zur Akkumulation von Kapital in den Händen weniger, wobei die Form, die dieses Kapital annahm, von der uns vertrauten verschieden war: Vieh, Waffen und andere militärische Ausrüstungsgegenstände, Frauen, Kupferbarren, Elfenbein u.a.
Von der Organisationsform der einzelnen Gesellschaften hing es nun ab, welche ihrer Mitglieder primär von der Expansion der kolonialen Wirtschaft betroffen waren. Es ist in diesem Zusammenhang wichtig darauf hinzuweisen, daß das ideologische Konstrukt einer "idealen kommunalistischen Gesellschaft" als Opfer des Kolonialismus zwar seine Funktion im Rahmen des antikolonialen Diskurses hatte, aber weit entfernt von der historischen Realität ist. Nach den Vorstellungen der extremen Kommunalisten gibt es in diesen Gesellschaften kein, oder nahezu kein arbeitsfreies Einkommen, sieht man davon ab, daß die Gesellschaft die noch nicht arbeitsfähigen bzw. die arbeitsunfähig gewordenen Mitglieder zu erhalten hat. Bei gemäßigten Kommunalisten, wie etwa Nyerere, findet sich bereits der Hinweis darauf, daß in den vorkolonialen Gesellschaften zumindest zwei Gruppen eindeutig Opfer ausbeuterischer Beziehungen waren: Frauen und männliche Jugendliche, die die Hauptlast der Arbeit tragen mußten, aber kaum ein Verfügungsrecht über Produktionsmittel und über das Produkt hatten. Während die Ausgangsgesellschaften der Arbeitsmigration Frauen (als "Reproduktionsmittel") nur in besonderen Fällen freigaben, waren männliche Jugendliche, unverheiratete Männer und Marginalisierte (Verbrecher, Schuldner, freigelassene Sklaven) die ersten Opfer einer mehr oder minder erzwungenen Verpflichtung zur Arbeit außerhalb der eigenen Gemeinschaft.
Neben der Frage, welche Mitglieder der afrikanischen Gesellschaften zu Arbeitern gemacht wurden, ist im Sinne des Themas noch offen, inwieweit dies Bauern waren. Nun gab es, und gibt es, in den Sozialwissenschaften eine breite Diskussion darüber, was denn nun überhaupt ein Bauer sei. Nach Saul/Woods (1973:407) sind "Bauern ... all jene, deren wichtigste Absicherung und Lebensunterhalt darin besteht, daß sie bestimmte Rechte an Grund und Boden und an der Arbeit der Familienangehörigen auf diesem Land haben, die aber, über Rechte und Pflichten, in ein größeres ökonomisches System eingebettet sind, das auch Nicht-Bauern einschließt." Fehlt die Einbettung in das "größere ökonomische System", so haben wir es mit "einfachen Bodenbauern" zu tun, fehlt die Einschränkung auf den Boden und die Arbeitskraft der Familienmitglieder, handelt es sich um "kapitalistische Bauern". Saul/Woods sehen die Herausbildung eines afrikanischen Bauerntums eng mit der Ausbreitung des internationalen kapitalistischen Wirtschaftssystems verbunden, doch haben lokale Prozesse der wirtschaftlichen Entwicklung im vorkolonialen Afrika sicher mehr als nur eine "Proto-Peasantry" hervorgebracht, und unter bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen sogar etwas Ähnliches wie "kapitalistische Bauern". (Vgl. dazu die "Kenya-Debatte", die allerdings erst Jahre nach der Abfassung des Beitrags von Saul und Woods einsetzte.) Unter "Hausleute" sind jene Personen zu verstehen, die innerhalb einer Wirtschaftseinheit, eines Gehöfts oder Hofs, leben, im Gegensatz zu Sklaven oder Familienangehörigen aber in einem Vertrag auf Gegenseitigkeit, wie etwa Adoption, Mitgiftleistung oder Lehrvertrag, einen Teil ihrer Arbeitskraft dem Familienvorstand abgetreten haben.
In der "alten Gesellschaft" waren Sklaven, einfache Bodenbauer, Hausleute, Bauern und Handwerker in einem beträchtlichen oder sogar überwiegenden Ausmaß mit der Bearbeitung des Bodens befaßt. Das Fehlen statistischer Quellen macht es uns unmöglich zu zeigen, welchen Anteil die einzelnen Gruppen an den jeweiligen Gesellschaften hatten. Sie stellten jedoch zweifellos die überwiegende Mehrheit - und sie waren in dieser Reihenfolge auch die Zielgruppen für eine Rekrutierung von Arbeitskraft. Ihnen gegenüber standen die traditionellen Autoritäten, die "Ältesten", die "Chefs", kurz die religiöse, politische und wirtschaftliche Macht in den vorkolonialen Staaten. Sie lebten vom Mehrwert, den die Gesellschaft zur Erhaltung des Überbaus produzierte, und spielten in Zusammenhang mit der Beschaffung von Arbeitskraft (wie zuvor beim Sklavenhandel) eine oft doppeldeutige Rolle: einerseits sicherten sie Reichtum, Produktivität und Erneuerung der eigenen Gesellschaft gegenüber Einflüssen von Außen ab, andererseits zogen sie aus der Zusammenarbeit mit Sklavenjägern, Händlern und Anwerbern von Arbeitskraft ein zusätzliches Einkommen. Dadurch beschleunigte sich die Bildung eines einheimischen Kapitals, und die traditionellen Autoritäten wurden zur Aufrechterhaltung ihrer Macht zunehmend unabhängig von der Zustimmung ihrer "Untertanen".
Zwischen 1907 und 1917 setzten sich die Chefs der Yeke und die Lundafürsten Kabongo und Kasongo Nyemo in Aufständen gegen den Prozeß der kolonialen Vereinnahmung zur Wehr. Andere Gruppen der Bevölkerung flohen vor der Rekrutierung von Arbeitskraft und ließen sich in aufständischen Gebieten nieder oder jenseits der kolonialen Grenze in Angola. Wieder andere, wie Chef Sakadi und seine Leute, begaben sich freiwillig unter die Kontrolle der belgischen Verwaltung, doch "die Lage in der Region wurde nach der Rückkehr Sakadis noch turbulenter. Die landwirtschaftliche Produktion, oder genauer, was die einheimische Bevölkerung der Verwaltung abliefern sollte, blieb weit hinter den Quoten zurück" (Higginson 1989:21). Der Widerstand noch intakter Gesellschaften gegen die Rekrutierung konnte also recht unterschiedliche Formen annehmen und hatte letztlich zur Folge, daß die Anwerbung von Arbeitskräften weitab von Katanga verstärkt wurde. So beklagte sich der Werber H.G. Robins in einem Brief an Sir Robert Williams im Jahr 1910: "Ich glaube, daß die Luba jetzt in der Grube 'Etoile' 10 Shillings pro Monat und das Essen bekommen. Die Arbeitskraft kommt also ebenso teuer, oder sogar teurer, wenn wir die Qualifikation mit einbeziehen, wie die Arbeitskraft, die ich in Rhodesien bekomme. Ich höre auch, daß eine Reihe privater Gummihändler und andere unverantwortliche Personen zwischen der Etoile und dem Kasaifluss unterwegs sind, und ich nehme an, daß die Einheimischen voll ausgelastet sind und sehr schnell verdorben werden durch diese Griechen, Dagos (pejorativ für Portugiesen, W.S.) und ähnliche Typen" (nach Higginson 1989:22).

Der doppelte Zwang der Kolonisierung

Es würde zu weit führen, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Europas zu beschreiben, die die Voraussetzung für die Kolonisierung Afrikas wurde. Folgen wir aber Gann/Duignan (1979) in ihrer Darstellung der belgischen Metropole, so hatte das kleine Land seit seiner Entstehung im Jahr 1831 eine unglaubliche bevölkerungsmäßige und wirtschaftliche Expansion durchgemacht und stieß im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Europa auf Grenzen, die ihm keine weitere Ausdehnung mehr erlaubten. Eine Reihe interner Gegensätze konnten aufbrechen, sollte das Tempo der Expansion einmal langsamer werden: Wallonen gegen Flamen, Liberale gegen Katholiken. Eine neue Bourgeoisie, "hartgekochte Unternehmer, die es gewohnt waren grob mit eingesessenen Facharbeitern umzuspringen und noch grober mit Wanderarbeitern" und self-made men vom Typ eines Ernest Solvay war in einem der dichtest besiedelten Staaten der Welt konfrontiert mit einer Arbeiterschaft, deren Angehörige in Westeuropa zu den ärmsten und schlechtest gebildeten gehörten (Gann/Duignan 1979:6ff). Im Gegensatz zur Wirtschaft klagte die Armee über unzureichende Beschäftigung und mangelndes Ansehen. König Leopold II., selbst ein "hartgekochter Unternehmer", sah in überseeischen Unternehmen die geeignete Fortsetzung einer dynamischen Entwicklung. Die Einkünfte aus einer Kolonie könnten "der Regierung eines Tages erlauben, dem Beispiel der Niederlande folgend, die Steuersätze im Mutterland zu senken. ..." Die Kolonisierung würde allen etwas bieten: "unserer Mittelklasse die Beschäftigung, die sie suchen, unserer Armee ein wenig Aktivität, und Belgien als ganzes die Gelegenheit der Welt zu beweisen, daß es auch eine souveräne Nation sei, fähig andere zu beherrschen und zu erleuchten". Das Land würde "aus allen Nähten platzen" und bräuchte "ein Ventil für seine Menschen, Produkte und Ideen" - so der König nach Gann/Duignan (1979:30).
Humanitäre Erwägungen fanden in dieser Kaufmannsrechnung des belgischen Kapitals, das mit Hilfe einer bunt zusammengewürfelten Armee und einer bereitwilligen katholischen Mission zur Eroberung des Kongo aufbrach, keinen Platz; die Kolonisierung nahm keine Rücksicht auf Menschen; das galt für Europäer - fast 40% der für die "Force Publique" angeworbenen weißen Söldner kamen nicht mehr nach Europa zurück - und mehr noch für Afrikaner.
Im Raum Katanga trafen die Belgier auf die Konkurrenz britisch-südafrikanischen Kapitals, auf die "British South Africa Company" des Cecil Rhodes und auf dessen früheren Mitarbeiter Robert Williams, der mit seiner "Tanganyika Concessions Limited" eine wichtige Rolle in der Aufschließung und Entwicklung der Minen im Kupfergürtel spielen sollte. Obwohl sich Belgien Südkatanga vor den vordringenden Briten sichern konnte, blieben britisches Kapital und britisch-südafrikanischer Einfluss lange erhalten. Dies hatte teilweise mit der verkehrsmäßigen Einbindung Katangas in den Raum des südlichen Afrika zu tun, teilweise auch mit dem technischen Wissen, das die Briten und Südafrikaner anbieten konnten, mit ihren Facharbeitern und mit der einheimischen Arbeitskraft, die sie viel früher als die Belgier in den von ihnen kontrollierten Gebieten zu rekrutieren begonnen hatten.
Während Belgien im Ersten Weltkrieg von den Deutschen besetzt war, wurden die europäischen Verwaltungszentren des Bergbaus in Katanga nach London verlegt, wo vor allem Robert Williams seinen Einfluß geltend machte. Als schließlich in der Phase der Entkolonisierung und nach der Unabhängigkeit belgisches Kapital aus Katanga abfloß und die Belgier einen Teil ihrer Schlüsselpositionen abgeben mußten, kamen die alten Konkurrenten wieder, nur daß sich jetzt US-amerikanisches Kapital als Partner Südafrikas eingerichtet hatte. Das sichtbare Zeichen für eine Abhängigkeit vom anglophonen Süden war immer wieder die Versorgung Katangas aus Südafrika und Rhodesien in Krisenzeiten.
Um dieser Konkurrenz, vor allem in der Anfangsphase, einigermaßen stand halten zu können, übten die belgischen Firmen massiven Druck auf den Staat und seine koloniale Verwaltung aus, sie bei der Kontrolle der einheimischen Bevölkerung, vor allem bei der Beschaffung von Arbeitskraft und bei der Versorgung der Minenzentren zu unterstützen. So kam es 1910 zur Gründung einer parastaatlichen Agentur, der "Bourse du Travail"; die Methoden der BTK waren extrem brutal und zugleich ineffizient. "Chefs und Älteste wurden tyrannisiert und Frauen und Kinder als Geiseln gehalten, bis sich die notwendige Anzahl von Männern fand. Das Vorgehen artete oft in Mord, Vergewaltigung und Körperverletzung aus" (Higginson 1989:28). Trotz bedeutender Investitionen der belgischen Kolonialverwaltung und gesetzlicher Maßnahmen zur Zwangsverpflichtung einheimischer Arbeiter war die BTK den englischen Werbefirmen unterlegen, die besser ausgebildete und effizientere Arbeitskraft heranbrachten als die BTK im Kongo selbst.

Die Minenindustrie und ihre Infrastruktur

In der Anfangsphase interessierten sich die Konzessionsgesellschaften primär für den Goldabbau, der trotz der hohen Transportkosten rentabel erschien, und erst ab 1906 verlagerte sich das Interesse auf Kupfer. Genutzt wurden am Anfang nur oberirdisch zugängliche Lagerstätten mit Erzen, die einen hohen Kupferanteil aufwiesen. "Sehr wenige von den Lagerstätten, die später von weißen Geologen aufgespürt wurden, waren nicht schon von den Afrikanern genutzt worden, aber die meisten von ihnen, mit eingeschlossen Kalukuluku und Bwana Mkubwa, hatten sie während oder vor der Zeit der Yeke-Herrschaft aufgegeben" (Perrings 1979:7).
Auch hinsichtlich der angewandten Technologie unterschieden sich die neuen Bergwerke in der Anfangszeit wenig von den alten. Fast alles wurde in Handarbeit erledigt, und wäre nicht die Verwendung von Sprengstoff und importierten Werkzeugen gewesen, so hätten sich die neuen Betriebe nur durch die größere Dimension, die stärkere Hierarchisierung der Arbeitsstruktur und eben die Anwesenheit Weißer von den alten unterschieden. Die früheren Minenherren aus dem Volk der Sanga hatten Sklaven und Familienangehörige das Erz abbauen und schmelzen lassen. Ein Teil davon war an die Lunda-Herrscher gegangen, denen sie Tribut schuldig waren, ein anderer in den überregionalen Handel, bis nach der Machtübernahme durch die Yeke die neue Zentralmacht die Gewinnung, die Verarbeitung und den Handel von Kupfer vereinnahmte und teilweise zum Erliegen brachte.
Die europäische Minengesellschaft brauchte zahlreicher Arbeitskräfte, die von Hand Sprenglöcher bohrten, Erzbrocken mit Pickeln zerkleinerten, sie auf Schubkarren und Handwagen abtransportierten, manuell sortierten und schließlich die Schmelzöfen betrieben. Um 400 Arbeiter mit den notwendigen Lebensmitteln zu versorgen, waren anfangs je nach Distanz weitere 200 bis 300 Träger notwendig, da der Einsatz von Tragtieren in den tsetseverseuchten Gebieten nördlich und östlich Katangas nicht möglich war. Gerät und Koks für die Schmelzöfen kamen mittels Ochsenkarren aus dem Süden, bis 1910 die erste Eisenbahnlinie die Minengebiete der "Union Minière du Haute Katanga", UMHK, mit den beiden Rhodesien und Südafrika verband. Weitere Eisenbahnbauten nach Norden und Westen verringerten nicht nur die Abhängigkeit von den britisch-burischen Wirtschaftszentren, sondern erleichterten die Versorgung mit Lebensmitteln und die Anwerbung von Arbeitskräften aus den Nachbarprovinzen Katangas, vor allem aus dem Kasai, und aus den Treuhandgebieten Rwanda-Urundi.
Zentrum der Aktivitäten wurde Lubumbashi-Elisabethville; "Aus einigen Erdwällen und Gräben bestehend, sah der Ort, wo der Schmelzofen stand, mehr wie ein Afrikanerdorf denn wie eine Minenstadt aus. Europäer wie Afrikaner lebten in Hütten, dem afrikanischen Modell nachgebaut, aus Stangen und Lehm, mit Dächern aus Lagen von Savannengras. ... Ohne das Material, das man für mehr dauerhafte Konstruktionen brauchte, mußte sich auch die nahegelegene Stadt Elisabethville den gleichen Bedingungen fügen" (Fetter 1976a:28f). In Erinnerung an diese Zeit schreibt der Chronist des "vocabulaire" zwar davon, daß die Lebensbedingungen hart waren, aber ihre Vorteile hatten für die engeren Mitarbeiter der Weißen: "König Leopold II. achtete die Sitten der afrikanischen Länder, und auch die im Kongo. Denn in jener Zeit des Königs Leopold II. aßen die Boys mit den Weißen an einem Tisch, obschon der Weiße sich im klaren darüber war, dass es sich um einen Bedienten handelte. Jene waren anders als die Europäer, die nach der Zeit des Königs Leopold II. kamen. ... Diese Weißen trafen harte Entscheidungen, und es waren mehr als böse Dinge: sie brachten eine böse Art Sklaverei über uns Kongoleute" (Fabian 1990:74).
Besonders hart waren die Bedingungen während des Ersten Weltkrieges. Die hohe Nachfrage führte zu einer Überauslastung der Kapazität der Menschen wie der Maschinen. Es gab kaum sauberes Trinkwasser und ungenügend Latrinen. Überlange Arbeitszeit und ungenügender Schutz vor Staub in Verbindung mit Infektionskrankheiten und schlechter Ernährung kosteten vielen Arbeitern das Leben. Anfang 1918 stieg die Todesrate unter afrikanischen Arbeitern in den Minensiedlungen von 7 auf 14% und dann kam, nach Durchfall, Typhus, Lungenentzündung und Tuberkulose, um die Jahreswende 1918/19 eine Grippeepidemie, an der Tausende starben. Nicht einmal die Tatsache, daß wegen der fehlenden Arbeitskräfte die Kupferproduktion einen Monat lang eingestellt werden mußte, brachte ein rasches Umdenken der Betriebsleitung. Die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen blieben bis in die zweite Hälfte der 20er Jahre erhalten. Erst behördliche Auflagen und eine wiederholte Knappheit an Arbeitskraft führten zu einer Verbesserung, doch waren es auch hier die besser vorgebildeten Arbeiter aus den englischen Kolonien, die zuerst Wohnhäuser aus Ziegeln bezogen bzw. selber bauten.
Mit dem Ausbau der kolonialen Stadt wurde nach der Pionierzeit eine zunehmende Trennung nach rassischen Gesichtspunkten vollzogen. Um das Zentrum, bewohnt von Weißen und afrikanischen Domestiken, gruppierten sich allmählich immer mehr "camps" oder "cités", afrikanische Wohnviertel, getrennt vom Zentrum durch einen Gürtel von öffentlichen Einrichtungen wie Kasernen, Schulen, Missionsgebäuden, Gefängnis, Spital, Bahnhof, Speicher, etc. Zwischen den Camps oder anschließend daran die Betriebe: die Kupferverhüttungsanlage und die Eisenbahn samt ihren Werkstätten. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg lebten rund 8.000 Menschen in Lubumbashi. 7.000 davon waren Afrikaner, aufgeteilt auf vier Wohnviertel: den Camps der UMHK, der Eisenbahngesellschaft von Katanga und der "Force Publique", sowie einem Wohngebiet für Beschäftigte kleinerer Firmen (Fetter 1976:34). Die meisten der dort wohnenden Afrikaner blieben nur für kurze Zeit, zwischen sechs und zwölf Monaten. Der Anteil von Frauen lag bei etwa 10% - darin unterschieden sich die weiße und die afrikanische Bevölkerungsgruppe wenig: von 1.031 Weißen waren 1911 nur 140 Frauen, und darunter 25 gemeldete Prostituierte (Fetter 1976a:31).

Von der Zwangsarbeit zum qualifizierten Arbeiter

Die Kolonialregierung und die Force Publique, der Bergbau, die Versorgung der Städte, der Bausektor und die Eisenbahngesellschaften hatten von Anfang des Jahrhunderts an einen ständig steigenden Bedarf an einheimischer Arbeitskraft, der durch Rekrutierung am Ort bzw. durch Freiwillige bei weitem nicht gedeckt werden konnte. So wurden eigene Unternehmen tätig, wie "Roberth Williams und Co" oder die "Bourse du Travail du Katanga", die sich auf die Beschaffung von Arbeitskräften spezialisierten und sie an die Unternehmen weitergaben oder als Subkontraktoren bestimmte Arbeiten für die UMHK übernahmen. 1908 etwa trieb "Robert Williams und Co" aus verschiedenen Teilen Zentralafrikas über 4.000 Arbeiter für die UMHK auf. Zwischen 1917 und 1921 holte das Unternehmen knapp 3.500 Arbeiter aus Angola. 536 davon starben, 778 flüchteten während ihres Kontrakts (Perrings 1977). Betrug und Gewaltanwendung kennzeichneten den Anwerbungsprozeß. Besonders hart rEIAierten die Anwerber auf Desertion: "... 30 von den (70) Männern desertierten auf dem Weg. Die Deserteure wurden in der Folge wieder eingefangen und auf French's Verlangen mit der Palmatoria (Peitsche aus Nilpferdleder) geschlagen. Zwei der Männer starben, 23 wurden in Angola zurückgelassen, weil ihre Hände nicht mehr heilten, und drei von den übrigen wurden ausgeschieden ... als sie in Kalene Hill ankamen. ... Das Einfangen von Flüchtlingen ging in besonders brutaler Weise vor sich. Man schickte bewaffnete Polizei hinter Deserteuren her, und einmal wurde berichtet, daß sie eine Schießerei in einem Dorf anfingen und einige Männer und Frauen töteten, ungeachtet der Tatsache, daß keiner der Deserteure dort war oder von dort stammte" (Perrings 1977:243).
Brutale Gewalt, mit Mord, Auspeitschung und Geiselnahme, war nur eine und bei weitem nicht die effektivste Maßnahme dieser Jagd nach Arbeitskräften. Durch die Einführung von Steuern, in Geld abzuleisten, brachten die kolonialen Autoritäten das bis dahin ausgewogene System von Produktion und Bedarf gründlich durcheinander. Dabei ging die "British South Africa Company" den Belgiern voraus. Dies hatte zur Folge, daß auch die UMHK in Nordrhodesien rekrutieren ließ.
Ein Teil der einheimischen Bevölkerung mußte sich zur Kontraktarbeit verpflichten, um die Steuern bezahlen zu können, wobei sich die Höhe der Steuern sehr oft daran orientierte, wieviel ein Arbeiter im Verlauf seines Kontraktes verdienen konnte. Die Kolonialverwaltung hatte damit ein Instrument zur Steuerung des "Arbeitsmarktes" in der Hand, wobei sie oft, wenn auch nicht immer, die Interessen des Kapitals vor ihre eigenen zu stellen hatte. Verschärft wurde der Bedarf an Bargeld durch die Einführung neuer Konsumgüter wie Alkohol, Stoffe, Fahrräder u.a. Der den Afrikanern nach Zahlung der Steuern verbleibende Rest des Arbeitslohns ging auf diesem Weg zurück an die koloniale Wirtschaft. Die Löhne wurden wiederum so niedrig wie möglich angesetzt, weil zum einen nach der Ansicht der Unternehmer und der Verwaltung die Kosten für die Reproduktion der Bevölkerung durch die Ausgangsgesellschaft der Migranten zu tragen waren, zum anderen ein Überschuß an Geld eine Kapitalisierung der Landwirtschaft gefördert und die Bereitschaft zur Lohnarbeit weiter verringert hätte. Erst in den 20er Jahren begannen offizielle Stellen darüber anders zu denken.
Die koloniale Verwaltung erkannte bald, daß über die Zusammenarbeit mit der Mission und mit den afrikanischen Chefs die Aufgabe der Rekrutierung leichter zu lösen war, egal ob es sich nun darum handelte, unbezahlte Arbeiter für den Ausbau oder die Reparatur von Straßen oder "Amtsgebäuden" zu finden, Landarbeiter für weiße Farmer oder Minenarbeiter für einen oft sehr weit entfernten Arbeitsplatz. Ein Zeitzeuge berichtet über eine solche Rekrutierung: "Als man mich erwischte, war ich 17 Jahre alt. Die Anwerber kamen sehr früh morgens, als ich noch im Bett war. Sie waren mit Lanzen und Keulen bewaffnet. Sie traten meine Tür ein und überraschten mich. Sie wurden von unserem Dorfchef geführt. Der haßte mich, und meinen Vater hatte ich bereits verloren. Sie banden mir die Hände auf den Rücken und schickten mich zur Behörde des Bezirks Rutshuru. Da angekommen, wurden wir für die verschiedensten Arbeiten eingesetzt. Sand schaufeln, Häuser bauen, Ziegel tragen u.a. Die Arbeit begann um 7 Uhr und dauerte bis 17 Uhr, ohne daß wir einhalten konnten um zu essen. Wenn wir alle zwei Wochen ins Dorf zurückkehrten um uns mit Lebensmitteln zu versorgen, ließ man uns von einem Capitao begleiten, der uns dem Chef meldete und dieser wiederum mußte auf uns aufpassen. Wenn es jemand gelang davon zu laufen, weil es gar zu arg war mit der Arbeit, so drohte der Chef damit seinen Besitz einzuziehen, denn es war unbedingt notwendig, daß er sich wieder einfand, oder man mußte einen Ersatz stellen" (Bishikwabo 1977:32).
Der einheimische Herrscher machte sich damit bei der Kolonialverwaltung beliebt und profitierte oft selbst von der Arbeitsvermittlung, sei es, daß er Arbeiter für seine eigene Farm einsetzte, sei es, daß er von den Rekrutierungsfirmen Prämien bezog oder die rückkehrenden Arbeiter "besteuerte". Es gab allerdings auch Gegenbeispiele zu dieser Haltung: Manche Chefs schützten die Angehörigen ihres Gebiets vor solchen Rekrutierungen oder flüchteten mit ihnen gemeinsam in neue Siedlungsgebiete. Wir können aufgrund mangelnder Quellen nur Vermutungen darüber anstellen, wer innerhalb der afrikanischen Gesellschaften am stärksten von der Rekrutierung betroffen war bzw. am ehesten zum Abschluß eines Kontraktes neigte. Auszuschließen sind auf jeden Fall Angehörige der herrschenden Klasse, Händler und jene Bauern, die über viel Boden und Arbeitskräfte verfügen konnten. Am wahrscheinlichsten kamen die Kontraktarbeiter aus der Gruppe der bäuerlichen Familienangehörigen, der Hausleute, sowie der verarmten oder kleinen (=jungen) Bauern.
Wenngleich im Verlauf der Zeit die Nachfrage nach Arbeitskräften schwankte, so gab es doch selten ein Überangebot. Viele Arbeiter waren nicht bereit, länger als sechs, maximal zwölf Monate in den Minen zu arbeiten, und in der Anfangszeit kam dies auch den Wünschen der Unternehmer entgegen. Später schien es günstig, aus Kostengründen und vor allem bei Arbeitern, die von weit her angeworben wurden (wie etwa aus Moçambique), die Kontraktzeit zu erhöhen. Es kam zu einer differenzierten Lohnskala, die davon abhing, welche Arbeit jemand verrichtete und wie lange sein Kontrakt lief. Angebot und Nachfrage auf der Ebene der Rekrutierungsgesellschaften, die durch die höheren Lohnangebote der südafrikanischen Minengesellschaften gezwungen wurden auch mehr zu bieten, und die unterschiedliche Entwicklung von belgischem Franc, Escudo und Pfund während und nach dem Ersten Weltkrieg verursachten ebenfalls deutliche Unterschiede. Auf längere Zeit stellte sich die Verpflichtung von Arbeitern aus den Gebieten unter belgischer Verwaltung als die billigste Variante heraus, und zugleich versuchte die UMHK durch die Wiedereinstellung und die Rekrutierung Freiwilliger die Kosten der Arbeitsvermittler einzusparen.
Eine weitere Einsparung ergab sich daraus, daß die relativ kleine Gruppe weißer Facharbeiter zunehmend durch Afrikaner ersetzt wurde. 1921 machten die Lohnkosten für 959 weiße Arbeiter 25,4% der Herstellungskosten aus, während für 13.515 schwarze Arbeiter 23,6% aufgewendet wurden (Perrings 1979:50,251). Afrikaner und belgische Facharbeiter ersetzten nach den erfolglosen Streiks von 1919 zunehmend die aus Südafrika stammenden weißen Arbeiter. Grundlegend änderte sich damit aber nichts: die Nachfrage galt weiterhin billiger, ungelernter Arbeit, wenn auch einer kleinen Zahl afrikanischer Arbeiter längerdauernde, relativ günstige Einkommen geboten wurden. Dazu kam, daß die Minengesellschaft verheiratete Männer für längere Kontrakte vorzog und ihnen mit Familien- und Kinderbeihilfe, besserer Behausung, kostenloser medizinischer Behandlung und gratis Grundschule für die Kinder eine bedeutende zusätzliche Sozialleistung bot. Sie rechnete sich dabei natürlich einen Vorteil aus, denn "... diese Kategorie zeigte eine geringere Anfälligkeit für Krankheit, Tod und Abwesenheit von der Arbeit; die Männer waren leichter zur Verlängerung ihrer Kontrakte geneigt, denn ihre Frauen fanden es schwierig zu einem traditionellen Leben zurückzukehren, wenn sie sich einmal daraus entfernt hatten. Verheiratete Männer wären deshalb ein wesentlich besseres Material für eine weitere Ausbildung als Ledige. Dazu schätzte man, daß die Anwesenheit der Frauen in den Lagern dazu beitragen könnte, einer vermeintlichen Verringerung der afrikanischen Bevölkerung Einhalt zu gebieten" (Perrings 1979:82f).
Mit der Wirtschaftskrise zu Anfang der 30er Jahre kam es zuerst zu einer Reduktion der ungelernten Arbeiter und damit der Kosten um 1/5. Die Tätigkeit der Rekrutierungsfirmen wurde eingestellt, Sozialleistungen gekürzt. Nach 1932 verringerte UMHK die Lohnkosten noch einmal drastisch - von 22,16 Francs pro Schicht auf 9,24 zwischen 1932 und 1934 (Perrings 1979:104) D, indem gelernte Arbeiter mit Langzeitkontrakten entlassen und statt ihrer junge ungelernte Arbeiter eingestellt wurden. Gleichzeitig ersetzte das Unternehmen, wo es ging, weiße Facharbeiter durch Afrikaner. Der Unterschied zwischen den niedrigsten und höchsten Löhnen für einheimische Arbeiter vergrößerte sich auf nahezu 1:4,5, wobei Spitzen bis zum neunfachen des Minimallohns verzeichnet wurden. Neben den eigenen Arbeitern wurden mit zunehmender Nachfrage angesichts des Zweiten Weltkriegs auch wieder Kontraktarbeiter über Subunternehmer beschäftigt, die zwar in manchen Gruben den größten Teil der Arbeit erledigten, aber nicht mehr als zum Betrieb gehörig angesehen wurden.
Über die Ausbildung in Schulungszentren, Sozialleistungen für Arbeiter und ihre Familien und den Bau eigener Wohnsiedlungen suchte die UM Arbeitskraft an den Betrieb zu binden, ohne allerdings eine völlige Loslösung von der Herkunftsgesellschaft provozieren zu wollen: "Die UMHK war in Wirklichkeit darauf bedacht, traditionelle Beziehungen in den Camps aufrecht zu erhalten. Wo zum Beispiel Männer versuchten Frauen aus einem anderen Volk zu heiraten, weigerten sich die Verwalter des Camps diese Ehen zu registrieren und anzuerkennen, woraus resultierte, daß dem Paar weder eine Unterkunft noch die zusätzliche Verpflegsration zugeteilt wurde. So hatte in praxi die Arbeiterpolitik der UMHK die Stabilisierung eines beschränkten Teils der Arbeiterschaft im Bereich der Minen oder Werkstätten für eine vorbestimmte Periode zwischen 3 und 18 Jahren zum Ziel; die wesentliche soziale Absicherung im Falle von Arbeitsunfähigkeit, Entlassung oder Arbeitsende aus Altersgründen sollten weiterhin die ländlichen Gebiete garantieren" (Perrings 1979:128f).
Mit dieser Politik, an der sich auch die übrigen Arbeitgeber orientierten, wurde mit den Worten der Unternehmer eine "Detribalisierung" verhindert oder zumindest auf ein striktes Minimum eingeschränkt. Die "Arbeiter auf Zeit" konnten, selbst wenn sie über die längste Dauer ihres Lebens einem städtischen Lebensraum und der Lohnarbeit im Dienste eines industriellen Unternehmers verpflichtet waren, die Beziehung zu ihrer ländlichen Herkunftsgesellschaft nicht abbrechen. Sie waren ihr emotionell, verwandtschaftlich und wirtschaftlich verbunden und rechneten damit, in Krisenzeiten dorthin zurückkehren zu müssen. Das Kapital konnte damit die Bildung einer Arbeiterklasse hinauszögern; verhindern konnte sie diese Entwicklung nicht.

Gegenstrategien

Als erste Reaktion auf die erzwungene Integration in den "Arbeitsmarkt" sind die verschiedenen Formen von Verweigerung anzusehen: Abwanderung in abgelegene Gebiete oder über koloniale Grenzen, Selbstmord, Desertion oder "go slows" und Absentismus. Auf länger konnten die Afrikaner damit der kolonialen Wirtschaft keinen Einhalt gebieten. Einzelne Herkunftsgebiete bzw. Völker erreichten damit aber immerhin, daß sie als "minder verwertbar" eingestuft und zeitweilig in Ruhe gelassen wurden.
Auf einer anderen Ebene kam es zu einem Wettbewerb mit der kolonialen Produktion, in dem - ähnlich wie wir es auch aus Südafrika kennen - die Afrikaner anfänglich ihren europäischen Konkurrenten deutlich voraus waren. Ein Teil der Bauern stellte sich sehr rasch auf eine Produktion für den neuen Markt um, ein Beweis nicht nur für die Dynamik des afrikanischen Bauerntums, sondern auch dafür, daß die einheimische Wirtschaft unabhängig vom Kolonialismus dabei gewesen war, so etwas wie kapitalistische Bauern hervorzubringen. Die belgische Kolonialverwaltung versuchte diese Entwicklung durch die Förderung weißer Farmer zuerst zu unterlaufen, hatte aber damit ungleich den Briten in Nordrhodesien keinen Erfolg. Die Rezession Anfang der 20er Jahre (als Folge der Störung ländlicher Produktionsstrukturen und des Preisverfalls bei Grundnahrungsmitteln) und die Preiseinbrüche 1926 und 1930 verstärkten die Abwanderung ländlicher Arbeitskraft in die Städte, wo trotz schlechter Lebensbedingungen zumindest für die Beschäftigten der großen Unternehmen eine Grundversorgung mit Nahrungsmitteln gegeben war. Nachdem Elisabethville an das Eisenbahnnetz des südlichen Afrika angeschlossen worden war, hatten die Minengesellschaften keine Schwierigkeiten mehr, die Bergwerkszentren mit Mais und Fleisch aus Zambia, Zimbabwe und Südafrika zu versorgen, also aus der Produktion von Großbetrieben unter europäischer Kontrolle.
Eine dritte Möglichkeit der Rekrutierung als Arbeiter zu entgehen war die Kollaboration mit Mission und Kolonialverwaltung und auf diesem Weg der Aufstieg in ein einheimisches Kleinbürgertum, dessen Mitglieder in der Phase der Entkolonisierung die Kontrolle des neuen Staates an sich zogen. Eine eigene Entwicklung nahmen die zahlreichen Hausangestellten, die einerseits vom Prestige her den ungelernten Arbeitern zuzurechnen waren, die aber anderseits aufgrund ihres Nahverhältnisses zur den weißen Arbeitgebern nicht nur besser ernährt waren (und gegebenenfalls "erwirtschaftete Überschüsse" auch auf dem freien Markt anbieten konnten), sondern auch besser informiert und gegen willkürliche Polizeimaßnahmen geschützt waren.
Mit der zweiten Hälfte der 20er Jahre begannen andere Formen von Gegenstrategien sichtbar zu werden: die Solidarisierung unter der städtischen Bevölkerung und die Entwicklung kontinuierlicher Austauschbeziehungen zwischen städtischem und ländlichem Raum. Etwa 30.000 Afrikaner in Elisabethville und 14.000 in Jadotville (heute Likasi) stellten Ende der 20er Jahre so etwas wie eine stabile Bevölkerung dar, die einerseits kolonial organisiert und kontrolliert wurde, andererseits eigene Strukturen der sozialen Vernetzung aufbaute und ihre Lebensbedingungen in Eigeninitiative verbesserte. Den Weg, den die Entwicklung der afrikanischen Bevölkerung der Städte nahm, bestimmten gleichermaßen eigene und fremde Einflüsse.
Für die koloniale Triade waren die Herkunft, die Kontrolle am Wohnort und die Anpassung an europäische Vorstellungen von der afrikanischen Gesellschaft von Bedeutung. Die Aufteilung nach Völkern, die koloniale "Erfindung des Stammes" und die damit verbundene Politik des "Teile und Herrsche" war die Grundlage für ein Bildungssystem der Mission, in dem einheimische Unterrichtssprachen verwendet wurden, für eine administrative Gliederung der Stadt durch die Schaffung von "Stammesgebieten" mit eigenen Chefs und für eine getrennte Organisation der Wohngebiete in den Minensiedlungen.
Das tribale Konzept wurde von den Betroffenen verinnerlicht oder zumindest angenommen. In diesem Sinne beglückwünschte ein Vorstandsmitglied des "Centre extra-coutumier" (das Zentrum für jene, die außerhalb ihrer "Stammesgebiete" leben) Vize-Gouverneur General Heenen 1933: "Bevor dieses Zentrum gegründet wurde, waren wir, hier in Elisabethville, völlig vermischt, ohne jede Beziehung zu den Chefs unserer Herkunftsgebiete; wir kümmerten und nicht mehr um unsere Gebräuche und sozialen Vorschriften; es fehlte jede Disziplin in unseren Familien. Sie, Herr Gouverneur, haben uns dieses Zentrum geschenkt und es ist uns eine Freude, ihnen dafür zu danken. Erst durch diese Einrichtung können wir unsere Angelegenheiten in Ordnung bringen ... Wir haben uns nach Rassen zusammengefunden, um uns untereinander abzustimmen, und um alles zu tun, damit Arbeit und Freizeit in vollem Frieden abläuft. Was das betrifft: wir sind heute glücklicher als zuvor ..." (nach Grevisse 1950:38).
Da gab es freilich noch andere Vorstellungen, wie die stabile Kernfamilie, die Ergebenheit gegenüber Arbeitgeber, Kolonialverwaltung und Mission und die Unterordnung, die das Verhalten zu allen Europäern kennzeichnen sollte. In einer Gesellschaft, die durch Gewalt, harte Arbeit und einen Mangel an Frauen gekennzeichnet war, kam es freilich immer wieder zu Konflikten. Während Vergehen von Afrikanern, insbesonders Blutverbrechen, mit kapitalen Strafen belegt wurden, kamen weiße Täter meist relativ billig davon (Higginson 1989:61ff).
Mittelfristig verhinderten weder die direkte Kontrolle, noch die Tribalisierung der Stadtbevölkerung und die Einbindung traditioneller Autoritäten die Bildung neuer und unabhängiger Organisationen der Afrikaner. Das ideale Ziel der Migranten war bis in rezente Zeit, rasch Geld zu verdienen und dann Zuhause mit diesem Geld ein Haus zu bauen, mehrere Frauen zu heiraten und große Felder zu bebauen; so machten es die Chefs und einflußreichen Leute, die sie in die Migration geschickt hatten. Spätestens seit der Wirtschaftskrise 1929/30 war dieser Traum für den durchschnittlichen Migranten nicht mehr zu verwirklichen. Ihre Zukunft, und die Zukunft ihrer Kinder, war die Stadt, im Guten wie im Schlechten.
Eine Reihe von Unterstützungsvereinen und "Logen" waren das deutliche Zeichen dafür, daß die Arbeiter in den Städten das mitgebrachte soziale Wissen in neue Formen der sozialen Organisation umsetzten. Traditionelles Erbe, die Erfahrung von Ausbeutung, Hunger und Gewalt, Elemente der christlichen Religionen und Versatzstücke importierter Organisationsformen, wie Gewerkschaften, Pfadfinder oder Freimaurerlogen, trugen bei zur Gestalt und Wirksamkeit neu gegründeter Organisationen. "Die afrikanischen Logen, oder "bashikutu", übernahmen Mitte der 20er Jahre die Rolle der frühen Unterstützungsvereine. Sie schlossen auch Frauenorganisationen wie "bulindu" ein; Frauen spielten nämlich eine prominente Rolle in den Netzwerken, die Güter von Zuhause an die Arbeitsplätze in der Stadt schmuggelten: lokal erzeugtes Bier und Schnaps, Essen und Gewürze von Zuhause und Hanf (als Droge). Frauen standen deutlich im Vordergrund, denn ihre Tätigkeit brachte viel ein und verschaffte den Logen die Mittel, um afrikanische Polizisten und europäische Beamte und Angestellte der unteren Ränge zu bestechen. ... Viele dieser Logen nahmen auch Rituale von Geheimgesellschaften auf" (Higginson 1989:81). Die Herkunft spielte bei der Zusammensetzung der einzelnen Vereinigungen zwar eine Rolle, doch ohne die negative Wirkung des kolonialen Tribalismus zu erzeugen.
Über die Logen konnten sich Migranten vorab über Arbeitsbedingungen und Arbeitgeber informieren. Sie setzten auch alles daran, in Krisenzeiten wie etwa Anfang der 30er Jahre ihren Mitgliedern so lange als möglich den Arbeitsplatz zu sichern und unterstützten Arbeitslose. André Yav gibt eine sehr treffende Schilderung der Vorgänge: "Im Jahr 1928 sahen wir die Krise hierher nach Katanga kommen. In der Tat, wir alle litten Hunger. Es gab keine Arbeit. Die Arbeitslosigkeit wuchs über alle Maßen. Was wir taten war folgendes: Wenn nur einer von uns Arbeit hatte, der war Vater und Mutter aller seiner Freunde. Sie aßen bei ihm und bekamen etwas anzuziehen. ... Wir sorgten wirklich füreinander, ohne Rücksicht darauf, aus welchem Volk einer kam" (nach Fabian 1990:107).

Die Veränderungen in der ländlichen Ausgangsgesellschaft

Die ländlichen Ausgangsgesellschaften für die Arbeitsmigration waren lang vor der Kolonisierung in unterschiedliche Wirtschaftsverbindungen integriert. Wie oben am Beispiel des arabischen Handels angesprochen wurde oder wie Jean-Luc Vellut (1977) es für angolanische Netze in Westkatanga zeigt, zerstörte die koloniale Wirtschaft bestehende Wirtschaftsformen und setzte ihre eigenen Interessen durch. Für die Landbevölkerung resultierten aus den Handelsmonopolen der Kolonialgesellschaften eine Verschlechterung der Preise und erzwungene Quoten bei abzuliefernden Gütern. Das galt für Kautschuk, Wachs oder Lebensmittel und später auch für Baumwolle. Die Produktion für den Markt unterschied sich in diesem Sinne kaum von der Rekrutierung von Arbeitskraft.
War auch der Handel mit Menschen und Gütern in der vorkolonialen Periode keineswegs ohne Gewalt abgelaufen, so verstärkten sich doch die unterschiedlichen Formen von Gewalt mit dem Augenblick, in dem die wirtschaftliche Kolonisation einsetzte. Mittelsmänner - wie lokale Chefs oder afrikanische Agenten, die "capitaos" - beanspruchten einen Teil der erzielten Erlöse und verringerten so das Einkommen der bäuerlichen Bevölkerung weiter. Die Einführung von Steuern im Jahr 1911 zwang die Bevölkerung aber andererseits, neben der Produktion fürs eigene Überleben auch ein Geldeinkommen zu haben, das entweder aus dem Verkauf von Exportgütern, von Nahrungsmitteln oder der eigenen Arbeitskraft kam.
1924 beschäftigte die UM rund 15.500 schwarze Arbeiter, andere Industrie- und Handelsbetriebe in Katanga 12.000, die Eisenbahn und der Dienstleistungssektor je 6.000 und der ländliche Sektor rund 12.000. 9.000 Männer wurden immer noch als Träger verwendet und 1.700 standen als Soldaten und Hilfspersonal bei der Force Publique in Sold. War auch der größere Teil davon nicht aus Katanga bzw. dem belgischen Kolonialgebiet, so hatte doch überall in den ländlichen Gebieten eine deutliche Veränderung stattgefunden, vor allem wenn wir bedenken, daß ein großer Teil der Lohnabhängigen nur für kurze Zeit abgeschlossen hatte und eine dementsprechend große Anzahl gewesener oder potentieller Migranten die Dörfer bevölkerte.
Die verringerte Zahl von arbeitsfähigen Männern verkleinerte die Produktion in den ländlichen Gebieten, bzw. führte zu einer Mehrbelastung der zurückgebliebenen Frauen und Kinder. Geringere Reserven bedeuteten höhere Anfälligkeit in Krisenzeiten. Das Einkommen aus Arbeitsmigration wurde aber oft nicht oder nur teilweise ins Dorf transferiert, und dann diente es der Anschaffung von Prestigegütern oder dem Konsum, aber kaum je für Investitionen. Eine solche Verwendung förderte die Inflation, etwa im Fall der Brautgaben oder der Geschenke an Notable, die sich im verändernden sozio-ökonomischen System entweder neue, noch vorteilhaftere Positionen schufen, oder, als Repräsentanten einer überholten Ordnung, Bedeutung und Einfluß verloren. Der "Arbeiter auf Zeit" war, je länger er sich vom Dorf entfernte, desto weniger in eine bäuerliche Produktion reintegrierbar. Meist fehlten ihm aber andererseits das nötige Kapital und der Boden für eine Existenz als kapitalistischer Bauer: Diese Karriere machten vor ihm die traditionellen Notablen und später ein Teil des städtischen Kleinbürgertums. Der im städtischen Bereich zumindest relativ erfolgreiche Arbeiter wurde nach seiner Rückkehr zur Randfigur, manchmal auch zum Sozialfall.
Der Verfall der Weltmarktpreise 1920-22, 1936 und Ende der 30er Jahre war bei landwirtschaftlichen Produkten deutlicher als bei den mineralischen Rohstoffen. Kautschuk, für den die Händler Anfang des Jahrhunderts 2,40 Francs pro Kilo bezahlt hatten, fiel 1921 auf weniger als 1 Franc, und auch die Preise für Baumwolle brachen ein. Importe aus dem Pfundbereich andererseits wurden aufgrund der Abwertung des belgischen Francs immer teurer. Sanken die Einkommen aus der Landwirtschaft, so stieg die Bereitschaft zur Arbeitsmigration, ohne daß die Arbeitgeber erhöhte Löhne anbieten mußten.
Es waren vorerst die Missionen, die gezielt auf eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion hinarbeiteten, und seit den 30er Jahren auch die Kolonialverwaltung, die eine getrennte Entwicklung des ländlichen Sektors und der Industrie befürwortete (Vellut 1977). Zu diesem Zeitpunkt freilich hatte sich der industrielle Arbeitsmarkt bereits vom Hinterland getrennt. Die Verschlechterung der Einkommen und die Destabilisierung der ländlichen Gesellschaften vor der Wirtschaftskrise waren zwar eng verbunden mit der Expansion der Minenindustrie, zeigten jedoch gleichzeitig eine eigene Dynamik, die von der Entwicklung der Weltmärkte ebenso beeinflußt war wie von den spezifischen Entwicklungsstrategien für diesen Sektor.
Die Schaffung einer dualen Gesellschaft kam dem Industriekapital letztlich entgegen. Mit der Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 30er Jahren bestand kein Grund mehr, die Entwicklung einer einheimischen Landwirtschaft zu unterbinden, und die UMHK förderte selbst die Ansiedlung pensionierter Arbeiter, die sich in der Umgebung von Lubumbashi als Bauern oder Gärtner niederließen. Die Produktion für den lokalen Markt ist allerdings bis heute nicht das große Geschäft geworden: die Konkurrenz durch Importe und vor allem das seit der Unabhängigkeit ständig zunehmende politische und wirtschaftliche Chaos haben eine gedeihliche Entwicklung der Landwirtschaft bis heute verhindert.

Arbeiterklasse und Wohlfahrtskolonialismus

Die Wirtschaftskrise 1929-32 wurde Hintergrund und zugleich Auslöser für die entscheidende Auseinandersetzung zwischen Kapital, Staat und einem beginnenden Proletariat zwischen 1931 und 1945. Die Teilnehmer an diesem sozialen Kampf waren geprägt durch zwanzig Jahre Erfahrung im Umgehen miteinander, in der Organisation und der Artikulation ihrer Standpunkte. Auf Seiten des Staates waren liberale und konservative Vertreter durchaus unterschiedlicher Meinung, wenn es um die Disziplinierung der Arbeitskraft ging. Die katholische Mission trug in Zusammenarbeit mit dem Management der Minen das Ihre zu einer Kontrolle der afrikanischen Bevölkerung bei. Die Logen und Unterstützungsvereine fanden in den kirchlichen Organisationen und Freizeit- wie Bildungsaktivitäten eher einen Raum der Integration als Konkurrenz. In diese Richtung gingen auch die liberalen Bemühungen um die "Centres extra-coutumiers", während konservative Teile der kolonialen Verwaltung durch verstärkte polizeiliche Kontrolle, abgeschlossene Minensiedlungen (Camps) und den weitgehenden Abbau der Wanderarbeiter aus den beiden Rhodesien und Nyasaland eine Selbstorganisation des afrikanischen Proletariats verhindern wollten.
Die Minengesellschaften versuchten durch den Einsatz von Arbeitern aus Rwanda/Urundi (Hutu), die unter härteren Bedingungen und zu niedrigeren Löhnen arbeiten mußten als die übrige Belegschaft, nicht nur die Kosten zu senken, sondern auch die innere Organisation der Arbeiter zu schwächen. Nach einer Phase, in der die teurere Facharbeit der weißen und der anglophonen afrikanischen Migranten durch lokale, selbst ausgebildete Facharbeit ersetzt worden war, kam jetzt als letzte Stufe der Einsparungen die Rückkehr zur billigen Handarbeit der frühen Jahre: bäuerliche Migranten aus dem Norden, 1.000 km von Zuhause weg und deshalb nicht versucht, sich der Arbeit durch Flucht zu entziehen, hackten mit Pickel und Schaufel das Erz aus dem Boden und schoben die Loren von Hand zu den Grubenausgängen. Durch die Rückkehr zu "vorkolonialen" Technologien konnte das Kapital selbst in der Zeit der größten Krise aus seinen afrikanischen Unternehmen noch Profit schlagen.
Mit dem massiven Einbruch der Produktion - zwischen 1930 und 1932 fiel die Kupfererzeugung von 139.000 t auf 54.000 t und die von Kobalt von 800 t auf 200 t - entließ die UM rund ein Drittel der Belegschaft, doch eine Rückkehr in die ländlichen Herkunftsgebiete war für manche dieser Arbeiter unmöglich. Streiks, Boykott der Geschäfte der Minengesellschaften und öffentlicher Protest erreichten Ende 1931 einen Höhepunkt.
Aber auch die ländlichen Gesellschaften waren nicht länger imstande, als Hort der Subsistenz zu dienen und die Industrie durch die Versorgung entlassener Arbeiter zu unterstützen. "Angesichts der Probleme in der Lebensmittelversorgung in den 20er Jahren hatten die Bauern einen Teil des Bodens für Nahrungsmittel reserviert. Als es wiederum zum Preisverfall bei Baumwolle kam ... hatten sich Kolonialverwaltung und Minengesellschaften erwartet, die Bauern würden sich erneut auf die Nahrungsmittelproduktion konzentrieren. Statt weniger Baumwolle zu bauen ... produzierten die Bauern jetzt sogar mehr, als aufgrund der Entlassungen der Minengesellschaften die Löhne der jungen Verwandten ausblieben. Tausende junger Frauen flüchteten vom Land, als Baumwolle und Sesam zu einer drückenden Belastung für den Boden und ihre Zukunft wurden. Tausende Arbeiter kehrten während der Streiks aufs Land zurück ... und die Bauern fanden sich zu spontanen Aktionen der Rebellion" (Higginson 1989:126).
Neben den Logen hatte die millenaristische Watchtower-Bewegung, aus dem anglophonen und protestantischen Süden in den "katholischen" Kongo eingesickert, starken Einfluß auf die städtische Gesellschaft. Für das konservative belgische Lager waren die Angehörigen der Sekte der eigentliche Motor hinter dem Arbeiterwiderstand und den Protesten, die die Stadt als Ganzes und in der Folge auch Teile des ländlichen Hinterlands ergriffen. Die Watchtower-Aktivisten wurden bevorzugt Ziel polizeilicher Überwachung und Verhaftung, obwohl eine Reihe der Streik- und Boykottführer nicht, oder erst später, Kontakt mit der Bewegung hatten.
Aus den Auseinandersetzungen der Jahre 1931/32 folgten eine Schwächung der Arbeiterorganisationen und ein verstärkt auf Disziplin, Kontrolle und Verringerung der Kosten ausgerichtetes neues Management. Die Aufrüstung in Europa in der zweiten Hälfte der 30er Jahre brachte bedeutende Zuwächse, vor allem bei Kupfer. Den unterschiedlichen Gruppen der Arbeiter und Angestellten boten einerseits die von oben kontrollierten Institutionen wie Berufsausbildungszentren, "Eingeborenengerichte" und Centres extra-coutumiers eine Gelegenheit zu sozialer und beruflicher Qualifikation. Andererseits war die Zeit bis Kriegsbeginn auch durch die Zunahme krimineller Aktivitäten in den Minensiedlungen und im Arbeitsbereich selbst gekennzeichnet: Unterschlagungen, Diebstahl, organisierte Prostitution ... Beide Formen des Engagements waren für den individuellen sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg förderlich, brachten aber nichts für die Entwicklung einer Klassensolidarität.
Die harten diziplinären Maßnahmen des Managements, niedrige Löhne, erhöhte Produktionsnormen und schlechte Lebensbedingungen lösten auch in dieser Phase wiederholt Streiks bzw. Massenflucht von Arbeitern aus. Im Gegensatz zu den weißen Arbeitern, für die eine Gewerkschaft in den Kriegsjahren erhebliche Verbesserungen aushandeln konnte (Fetter 1976a:174), erlebte die afrikanische Arbeiterschaft den Krieg als Zeit der Verknappung, des Kaufkraftverlustes und der Repression. Allein als Folge der Verteuerung der Güter zu Kriegsbeginn verloren die afrikanischen Einkommen zwischen 25 und 35% der Kaufkraft.
Eine übergreifende Organisation des Widerstands bot nur die Watchtower-Bewegung an, die als treibende Kraft hinter den ausgedehnten Streiks im Jahr 1941 stand. Was als punktuelle Aktion des Widerstands begann, endete als Generalstreik und erzwang zumindest eine bescheidene Reallohnerhöhung. Die brutale Niederschlagung der Proteste aber kostete allein in Elisabethville an die 100 Menschen das Leben. "Auch Frauen spielten eine Rolle in dem Streik und in dem Zeugnisgeben und Prophezeien, das ihn begleitete. Am zweiten Tag des Streiks liefen mehrere Gruppen von Arbeitern mit ihren Frauen durch das Arbeiterlager von Manono und kündigten 'die zweite Ankunft' und das Ende der Kolonialregierung an. Zwei Frauen, Ilunga Eva und Kabangi Alikoya, ... erhielten für ihre Teilnahme an den Streiks Verurteilungen zu je zwei Jahren Gefängnis" (Higginson 1989:174).
Die ländliche Bevölkerung war allerdings noch weit schlechter gestellt als die Arbeiter und ihre Familien: die Rekrutierung von Soldaten und das Einziehen großer Mengen von Lebensmitteln beschleunigten die Landflucht. Zwischen 1940 und 1945 wuchs die afrikanische Bevölkerung von Elisabethville von 26.000 auf 65.000 (Fetter 1976a:173). Das Erlebnis von Hunger, Gewalt und Rassismus, der Zwang zur Produktion von agrarischen Exportgütern und die wirtschaftlichen Privilegien der weißen Bevölkerung lösten 1944 eine Meuterei von Soldaten mit Unterstützung der ländlichen Bevölkerung aus, die ihr Ziel einer regionalen Machtergreifung allerdings verfehlte.
Die Erfahrung aus 15 Jahren Auseinandersetzung und der Kontext einer afrikaweit einsetzenden Entkolonisierung führten nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Arbeitspolitik des "Wohlfahrtskolonialismus". Ziel aller unternehmerischen und kolonialpolitischen Bemühungen war der "zufriedene Afrikaner". "Jeder Arbeiter der Géomine ist auf eine gewisse Art ein spontaner Werber, der, vom Urlaub zurückkehrend, seine Artgenossen mit sich zieht, die dem großen Bruder das Glück seiner Existenz neiden" (Ein leitender Angestellter der Minengesellschaft, nach Vellut 1981:59). Die Identifikation aller Mitarbeiter mit der Firma sollte die Forderung nach Gewerkschaften, die Klasseninteressen statt Gruppeninteressen vertraten, hintanhalten. Obwohl Widerstand und Protest der Arbeiter die koloniale Gesetzgebung so weit beeinflußt hatten, daß nach 1946 die Gründung schwarzer Gewerkschaften nicht mehr ausgeschlossen war, so versuchten Unternehmer und Verwaltung doch alles, die Gewerkschaftsbewegung unter Kontrolle zu halten. Der Druck der Arbeiter war aber immerhin stark genug, um eine Rückkehr zu schlechteren Bedingungen der Vorkriegszeit zu verhindern; dazu trugen freilich auch die günstigen Entwicklung am Weltmarkt - die USA führte Krieg in Korea, Frankreich in Indochina und Algerien, und Krieg bedeutete immer einen guten Absatz von Kupfer und Baumwolle - und die spätkoloniale Förderung einer (in Entstehung begriffenen) neokolonialen Elite bei.
So artikulierten Angestellte und militante Arbeiter ihre Forderungen in Betriebsräten unter Kontrolle der Unternehmer statt in Gewerkschaftsversammlungen, und das Leben in den Minensiedlungen war - verglichen mit den freien afrikanischen Stadtvierteln - gekennzeichnet durch überdurchschnittliche Standards in Bezug auf Wohnen, Hygiene, Infrastruktur, Gesundheitswesen oder Bildung. Die Identifikation mit der Minengesellschaft verfestigte sich, aber außerhalb der Camps wurde allmählich sichtbar, was ein liberaler Beobachter (Malengreau) 1947 über die paternale Politik gesagt hatte: "Das Ziel paternalistischer Politik ist es, den Afrikaner unselbständig, abgesichert und versorgt zu machen, statt zu einem freien Menschen ... Jeder Eingeborene wird mit einem Standardhaus, Möbeln aus Massenproduktion, einer geplanten Nahrungsmittelration versehen, und seine Freizeit ist verplant bis zur letzten Minute und ohne eine Spur Phantasie ... Der Mensch wird zu einer Sorte Gemüse, in einer Art Erwartung des mechanisierten irdischen Paradieses von Bernanos. Aber zu allen Zeiten haben die Menschen Freiheit in Armut einer bequemen Sklaverei vorgezogen ... Denken wir daran, daß Freiheit, die man jemandem genommen hat, nur mit Schwierigkeiten zurückgegeben werden kann" (nach Young 1965:71).

Bauern und Arbeiter im neokolonialen Staat

Durch die Politik des Wohlfahrtskolonialimus und durch umfassende Investitionen hatte Belgien in den 50er Jahren versucht, den Kongo an die Metropole zu binden. Für die städtischen Arbeiter resultierte daraus eine privilegierte Situation, die neben der immer noch bestehenden Bindung an den ländlichen Raum ihrer Herkunft die Bildung einer Arbeiterklasse und eines Klassenbewußtseins verhinderte. Auch wenn verschiedentlich in der wissenschaftlichen Darstellung angenommen wird, das Ziel der Entwicklung, die Bildung einer Arbeiterklasse, sei erreicht, so zeigt die rasche Destruktion nach der Unabhängigkeit doch deutlich, daß die "unheilige Trinität" in diesem Punkt ihrer Politik erfolgreich war: dem weiter dominanten ausländischen Kapital standen weder funktionierende Gewerkschaften noch eine sich als Klasse begreifende Arbeiterschaft gegenüber.
Der belgische Kolonialismus hinterließ eine mehrfach destabilisierte Gesellschaft innerhalb immer noch willkürlicher kolonialer Grenzen: Tribalismus und extreme Klassengegensätze, verbunden wiederum mit Klientelbildung und Freibeutergesinnung der herrschenden Klasse, führten zu den Bürgerkriegen der 60er Jahre und bereiteten den Weg für die Diktatur des "Clans Mobutu". In keiner Phase dieser Destruktion eines der an Ressourcen reichsten Staaten dieser Welt, bis hin zum Höhepunkt in der zweiten Weltwirtschaftskrise seit den 80er Jahren, hat das Kapital und haben die politischen Mächte des Nordens etwas zugunsten der Arbeiter und Bauern des Kongo getan. Die Ausplünderung des Landes durch transnationale Unternehmen in der Nachfolge der kolonialen Gesellschaften und die einheimische Freibeuterklasse schuf für die Masse der Bevölkerung Lebensbedingungen, wie sie zu Beginn der Kolonisierung nicht schlechter waren.
Der bäuerliche Subsistenzsektor weitete sich nach der Unabhängigkeit deutlich aus, ohne allerdings besonders zur Versorgung der städtischen Zentren beizutragen. Dies war (und ist) vor allem auf die zusammengebrochene Infrastruktur und auf die Unsicherheit der Bauern gegenüber staatlicher Verwaltung und Armee zurückzuführen. Beide Institutionen nützten ihre Macht dazu, überschüssige Produktion beim Bauern selbst, während des Transportes oder auf den Märkten mehr oder minder gewaltsam in Besitz zu nehmen. Soldaten und Staatsangestellten wurde dieses Leben auf Kosten der Bevölkerung zur Gewohnheit, manchmal zur Notwendigkeit, da sie nicht ausreichend, mit großer Verspätung und zunehmend gar nicht bezahlt wurden.
Der Bergbau erweiterte seinen Anteil am Export nach der Unabhängigkeit auf massive 87% (1980). Nahezu ein Drittel der Produktion kam aus dem größten Unternehmen, der GECAMINES ("Générale des Carrieres et des Mines"), die 45% des Staatseinkommens lieferte. Als eine Hauptstütze der Sezession Katangas war die Union Minière nach 1966 vom kongolesischen Staat gezwungen worden, einer nationalen Beteiligung zuzustimmen. Für die Übernahme ihrer Anlagen und Werte durch die nationale Gesellschaft Gecamines wurde sie nicht nur völlig entschädigt, sie erhielt auch einen 6,5% Anteil am Bruttoeinkommen für die verantwortliche Durchführung von Produktion, Marketing, Verkauf etc. zugesprochen. Die Abhängigkeit von belgischem Kapital blieb somit bestehen, auch wenn Gemeinschaftsunternehmen mit japanischen und USA-Unternehmen die Abhängigkeit Zaires im Bergbaubereich etwas diversifizieren sollten.
Die Minengesellschaften blieben über die ganze Zeit etwas wie ein Staat im Staat, mit eigenen Schulen, Spitälern, Wohnvierteln und zuletzt sogar einem eigenen Postdienst. In den Bergbau floß ein großer Teil der inländischen und ausländischen Investitionen. Aber nur etwa 12% der Arbeitskräfte waren in diesem Bereich tätig, von dem kaum Impulse auf andere Sektoren der Wirtschaft ausgingen. Fast alles, was benötigt wurde, importierten diese Gesellschaften aus dem Ausland und die Gewinne wurden wiederum ins Ausland transferiert. Die Spitzen des Staates, vor allem der Präsident, profitierten von direkten Gewinnanteilen, die auf ihre Privatkonten überwiesen wurden, wenn sie nicht - wie im Fall der Diamanten - einen Teil der Produktion gleich selbst vermarkten ließen.
Nach einer Phase der Stabilität der Währung in den Anfangsjahren der Zweiten Republik - wenngleich auch bereits in dieser Zeit die staatliche Kontrolle einen parallelen Wechselkurs zur Folge hatte D, begann 1973/74 weder eine inflationäre Phase. Die Preise stiegen etwa im Raum der Hauptstadt Kinshasa von 1960 bis 1980 auf das über 330fache. Schmuggel und Devisenschwarzmarkt florierten. Selbst drastische Kontrollmaßnahmen im Zollbereich und die Abwertung des Zaire bis auf das Schwarzmarktniveau (1984) konnten diese Erscheinung nicht beseitigen. Die triste Lage der Bevölkerung zeigte sich besonders in den Städten, die dennoch nicht aufhörten zu wachsen. 1965 wohnten 26% der Bevölkerung in Städten, 1980 schon 34% und 1988 39%, wobei hier vor allem der Trend stimmt, denn die tatsächliche Bevölkerung der städtischen Siedlungen ist nur schwer zu schätzen und gar nicht zu zählen.
Die Arbeitslosenquote in den großen Städten stieg auf 30% und darüber. Die Unsicherheit wuchs. Lohnstopp und Druck infolge Arbeitslosigkeit ließen die Einkommen der Bevölkerung immer stärker zurückgehen: Während die Löhne in der Privatwirtschaft zwischen 1960 und 1980 um knapp das Zwanzigfache stiegen, kosteten Lebensmittel auf dem Markt in Kinshasa rund 470mal soviel. Inflationsbereinigt repräsentierten diese Löhne 1980 nur noch 4% des Werts von 1960 (Peemans 1986:75). Eine Deckung der minimalen Lebensbedürfnisse erforderte daher ein regelmäßiges Ausweichen aufs Land, die Unterstützung der Arbeitslosen oder Unterbeschäftigten durch die arbeitenden Familienmitglieder, sowie Frauen- und Kinderarbeit. Zunehmend günstig war diese Entwicklung andererseits für jene, die Lebensmittel für den lokalen Markt produzierten und auch für den Handel. In Verbindung mit dem Schmuggel (vor allem von Gold und Diamanten), der Entwicklung eines umfangreichen informellen Sektors der städtischen Wirtschaft und den unterschiedlichen Möglichkeiten, den Staat zu schröpfen, ergab sich daraus ein weites Feld der Bereicherung für eine skrupellose Minderheit im Land - und die letzte Chance das Überleben zu sichern für die Masse der einfachen Bevölkerung ohne Einkommen aus der Landwirtschaft.
Die Besserstellung der Arbeiter in unserem Kontext "Wie aus Bauern Arbeiter wurden" war erkauft mit einer Unterentwicklung des ländlichen Sektors, und diese verschärfte sich noch nach der Unabhängigkeit. Dies führte in Verbindung mit einem totalitären Regime dazu, daß Arbeiter als politischer Faktor nicht in Erscheinung traten, sondern vielmehr eine Absicherung ihrer Ansprüche in einer Zusammenarbeit mit der neuen herrschenden Klasse und mit den supranationalen und nationalen Unternehmern von heute suchten. Dabei nahm die Zahl jener, die aufgrund ihrer Anstellung bei einer der großen Minengesellschaften gegen die zunehmend schlechteren Lebensbedingungen abgesichert waren, immer mehr ab. Um so fester hielten die Verbliebenen an der Treue zum Unternehmer fest, der ihnen im Gegensatz zum Staat oder zu kleinen privaten Unternehmen die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und einem Minimum an Sozialleistungen auch dann garantierte, wenn in einem der potentiell reichsten Länder Afrikas alles zusammenbrach. Unter solchen ökonomischen wie politischen Bedingungen war an eine Manifestation von "Arbeitermacht" nicht zu denken.

Die neoliberale Umkehr des Prozesses

Der Kolonialstaat und seine Nachfolger entzogen der bäuerlichen Bevölkerung zwar jenes Maß an Arbeitskraft, das das Kapital für die Nutzung der lokalen Ressourcen brauchte, aber gleichzeitig tat er alles um zu verhindern, daß "Aus Bauern Arbeiter wurden". Angesichts einer schlecht funktionierenden landwirtschaftlichen Produktion für den Markt (lokal wie international) und Arbeitslosenquoten in Städten weit jenseits der 50% vollzog das internationale Geberkonsortium in der zweiten Weltwirtschaftskrise einen totalen Wandel seiner Politik. Der Staat, in seiner kolonialen und neokolonialen Gestalt über fast 100 Jahre getreuer Erfüllungsgehilfe des Kapitals, hatte dem "Markt" Platz zu machen, der aus neoliberaler Sicht alles viel besser machen konnte.
Im Newspeak der Weltbank - im Folgenden dokumentiert anhand von Zitaten aus "Adjustment in Africa" (World Bank 1994) - und nahestehender Institutionen wurden "the rural poor" (und hier vor allem die Frauen) von allen staatlichen und politischen Förderungen "befreit" und dem Markt ausgeliefert, denn "Wettbewerb heißt höhere Produktivität" und "Exporte sind gut für Wirtschaftswachstum"; es mutet dabei fast wie ein Witz an, wenn die Experten schreiben, "das Potential für Exportwachstum ist groß, denn die afrikanischen Länder starten von einem sehr niedrigen Niveau". Niedrigere Steuern, Liberalisierung des Handels, Anpassung der Preise an den Weltmarkt und Beseitigung von Subventionen werden aus dieser Sicht ein Jahrhundert Kontrolle und Ausbeutung der ländlichen Produktion vergessen machen. Privatisierung und Schließung staatlicher Unternehmen verschaffen der Arbeitslosenzahl zweistellige Zuwächse. Während die maßgeblichen Anteile an "core investors" gehen, die sich um das Management kümmern, dürfen die Angestellten Minderheitsanteile erwerben. "The likelihood is strong that comprehensive adjustment programs have arrested significant deterioration in the incomes of African workers" (World Bank 1994:209). Ein solcher Satz bleibt unübersetzbar, denn er spiegelt nicht nur in der Aussage, sondern auch in der Form den unglaublichen Zynismus, mit dem der Norden heute an die "Lösung der Arbeiterfrage" herangeht.
Gegen die weltweite Arbeitslosigkeit, die in Afrika und noch mehr in Zentralafrika ein bereits schwer vorstellbares Ausmaß angenommen hat, haben die neoliberalen Ratgeber keine Mittel. Sie verlegen sich darum auf eine Ausweichstrategie: "Armut in Afrika ist primär ländlich". Dagegen meinen sie Rezepte zu haben. Den Massen ohne Arbeit und Einkommen verordnen sie Bildung, Demokratisierung und (bürgerliche) Disziplin. Sekundiert von mehr praxisorientierten Geberinstitutionen, die in Afrika (ebenso wie Österreich) die "unternehmerische Initiative" durch Ausbildung und Kleinkredite fördern, ergibt sich aus der neuen Entwicklungsphilosophie der "oben" für die "unten" die Lösung aller Probleme aus der Selbstbeschäftigung. Als Thema für eine Ringvorlesung Außereuropäische Geschichte der nächsten Generation ergibt sich daraus folgerichtig: "Wie aus Arbeitern Unternehmer wurden", aber wieder wird es heißen: das Thema benennt die Akteure falsch.

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Quelle: HSK 13: Wie aus Bauern Arbeiter wurden. Wiederkehrende Prozesse des gesellschaftlichen Wandels im Norden und im Süden einer Welt. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1998 (Historische Sozialkunde 13). Herausgegeben von Olaf Bockhorn, Ingeborg Grau, Walter Schicho. S. 127 - 152.
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