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Christof Parnreiter

Migration: Symbol, Folge und Triebkraft von globaler Integration. Erfahrungen aus Zentralamerika

Quelle: HSK 14: Globalisierung und Peripherie. Umstrukturierung in Lateinamerika, Afrika und Asien. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1999 (Historische Sozialkunde 14). Herausgegeben von Christof Parnreiter, Andreas Novy, Karin Fischer. S. 129 - 149.

In jener National-Mannschaft, die 1998 die Fußballweltmeisterschaft gewann, standen Franzosen brauner, schwarzer und weißer Hautfarbe. Zwei Spieler waren in Guadeloupe geboren worden, je einer in Senegal, Ghana und Neukaledonien. Von sechs weiteren stammte zumindestens ein Elternteil aus der Karibik, aus Osteuropa oder aus Südamerika, und zwei Fußballer schließlich hatten bretonische bzw. baskische Vorfahren. Auch in den Teams von Brasilien, den Niederlanden oder Großbritannien spielten weiße, schwarze und braune Spieler, und in der US-Mannschaft mischten sich irische, italienische und mexikanische Namen. Multiethnische Fußballteams machen die starke Präsenz von Einwanderern bzw. deren Nachkommen in vielen Ländern sichtbar und enthüllen damit auf einer prominenten Repräsentationsebene, daß Globalisierung nicht nur die Mobilität von Kapital, Gütern und Kultur meinen kann, sondern auch die von Menschen.
Um Verbindungen zwischen Globalisierung und Migration geht es in diesem Text. Solche Beziehungen liegen nahe, haben doch internationale Wanderungen und die Prozesse der Globalisierung zeitlich parallel, nämlich seit den 1960er Jahren, erheblich an Dynamik gewonnen. Mittlerweile gibt es über 120 Millionen internationale MigrantInnen - mehr als doppelt so viele, als im Jahrhundert der großen europäischen Emigration (1821-1932). In den meisten Staaten der Zentren sind stabile Zuwanderer-Communities entstanden. In den USA beispielsweise sind 8% der Bevölkerung AusländerInnen, in Deutschland und Österreich je 9%. Seit den 1970er Jahren ziehen aber auch die erdölproduzierenden Länder der Golfregion und die neuen Industriestaaten in Südost- und Ostasien internationale ImmigrantInnen an (Martin/Widgren 1996:46f; SOPEMI 1997:218, 256-258).
Zuwanderung führt insbesondere in den großen Metropolen zu einer Globalisierung der Bevölkerung. In New York lebten zu Beginn der 1990er Jahre rund 2,5 Mio. ImmigrantInnen, was 15% der Gesamtbevölkerung entspricht. Schwarze, Hispanics und AsiatInnen stellen mit 56% die Bevölkerungsmehrheit. Auch Los Angeles ist mit zwei Millionen direkten ImmigrantInnen und drei von vier BewohnerInnen, die einer ethnischen Minderheiten angehören, eine "majority-minority-city". In Frankfurt bilden rund 200.000 ImmigrantInnen ein knappes Drittel der Bevölkerung, während in London ein Fünftel und in Paris 14% der BewohnerInnen einer ethnischen Minderheit angehören. In Wien schließlich leben 280.000 ImmigrantInnen, was einem Bevölkerungsanteil von 17% entspricht (Mollenkopf 1993:148; Cross/Waldinger 1997:4-8; Magistrat der Stadt Wien 1997:27; Rivera-Batiz 1998:12f).
Migration ist zu einem Symbol für die Globalisierung geworden. Wichtiger aber sind kausale Zusammenhänge. Migrations- und Globalisierungsprozesse laufen nicht zufällig gleichzeitig ab, sondern sind ursächlich miteinander verbunden. Das Anwachsen der Migration ist, so die erste zentrale These dieses Textes, eine Folge der zunehmenden Mobilität des Kapitals und der Umbrüche der Weltwirtschaft. In den Peripherien werden immer mehr Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt, während in den Zentren die Nachfrage nach marginalisierten Arbeitskräften zunimmt. Zugleich entstehen durch die wirtschaftliche und soziokulturelle Integration der Welt immer mehr "Brücken" zwischen Ab- und Zuwanderungsländern, was Migrationen erleichtert. Die zweite wesentliche Annahme lautet, daß Migration auch zu einer Triebfeder der Globalisierung geworden ist. Internationale Wanderer sind Akteure der weltweiten Integration, weil sie ihre Herkunfts- und Zielorte durch häufiges Hin- und Herreisen verbinden, weil sie über ihre Geldsendungen mächtige ökonomische Nord-Süd Beziehungen schaffen, und weil sie so häufig unerlaubt nationalstaatliche Grenzen überschreiten, daß an deren Sinnhaftigkeit gezweifelt werden könnte.
Migration als Folge und Triebkraft von Globalisierung wird in diesem Text am Beispiel der Beziehungen zwischen Mexiko und den USA analysiert. Über Mittelamerika hinaus gehen aber die zugrunde liegende theoretische Perspektive und das Erkenntnisinteresse. Zentrale Argumente sollten durchaus auf ihre Verallgemeinerbarkeit geprüft werden. Etwa die These, daß nicht Armut zu Abwanderung führt, sondern daß ökonomische Integration soziale Desintegration und damit Migration hervorruft. Oder die Annahme, daß Migration transnationale Beziehungen und Räume entstehen läßt, die zu eigenen Prozessen der Globalisierung werden. Schließlich, daß Staatsgrenzen nicht dazu dienen, den Umfang der Zuwanderung zu regulieren, sondern MigrantInnen rechtlich abzuwerten.

Migration als Folge von Globalisierung (I):
die ländliche Entwurzelung

Globalisierung ist ein historischer Prozeß. In der Geschichte des kapitalistischen Weltsystems banden die Zentren immer mehr Regionen und Gesellschaften untergeordnet in die internationale Arbeitsteilung ein, wodurch sie die ökonomische, soziale und kulturelle Reproduktion der nunmehrigen Peripherien unterminierten. Aus diesen Prozessen der Peripherisierung entsteht, historisch wie aktuell, auf nationaler wie auf internationaler Ebene, Massenmigration. Nicht Armut schlechthin oder individuelle Lohnvergleiche mit reicheren Ländern lassen Menschen wandern, sondern die vorangegangene Störung und Zerstörung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Milieus, in das ihr Leben eingebettet war. Wenn ein Land zum Abwanderungsland wird, dann ist es zuvor zum Hinterland degradiert worden. Erst die Penetration einer Gesellschaft, eines Raumes durch die ökonomischen, politischen und kulturellen Kräfte einer dominanten Einheit schafft jene inneren Ungleichgewichte, die zu millionenfacher Entwurzelung und damit zu (freiwilliger) Massenabwanderung führen. In anderen Worten: Abhängige Integration in eine überregionale oder internationale Arbeitsteilung führt zur sozioökonomischen Desintegration der Peripherien und in der Folge zur Nichtintegration eines Teils der Bevölkerung. Globalisierung, gedacht als unaufhörliche räumliche und soziale Expansion des Kapitalismus, schafft und vergrößert damit Migrationspotentiale (Parnreiter 1995).
Diese Dynamik läßt sich in Mexiko bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Mit der Konsolidierung des Großgrundbesitzes und dem Beginn der agrarischen Modernisierung unter Porfirio Díaz (1876-1911) erlebte das Land die erste Phase der Entwurzelung ländlicher Bevölkerung. Damit entstand um die Jahrhundertwende die Voraussetzung für die mexikanische Revolution, aber auch ein erhebliches Potential an wanderungsbereiten undE-genötigten Personen (Massey/Alarcón/Durand/González 1987:39-42). Der zweite große Entwurzelungsschub setzte in den 1940er Jahren ein, als Mexiko eine importsubstituierende Industrialisierungsstrategie forcierte. Die war makroökonomisch über drei Jahrzehnte zwar sehr erfolgreich, höhlte aber die Basis der bäuerlichen Wirtschaft aus, weil sie diese strukturell und systematisch gegenüber dem städtisch-industriellen Bereich benachteiligte. Der Landwirtschaft und insbesondere dem klein- und mittelbäuerlichen Sektor kam die Aufgabe zu, die Städte mit billigen Lebensmitteln zu versorgen, die Reproduktion der (nur fallweise gebrauchten) Arbeitskraft zu gewährleisten und "überschüssige" Bevölkerung an das Land zu binden. Die Bauern und Bäuerinnen blieben so aus der Entwicklungsallianz, gebildet aus nationalem und ausländischem Kapital, Regierungsbeamten, städtischen Arbeitern und Großgrundbesitzern, nicht nur ausgeschlossen, sie mußten für deren Erfolge auch über einen anhaltenden Ressourcenabfluß "bluten". Derart geschwächt, waren spätestens Mitte der 1960er Jahre unzählige ländliche Familien von nicht-agrarischen Einnahmen abhängig geworden. Diese wurden oftmals über die Migration eines oder mehrerer Familienmitglieder nach Mexico City bzw. in die USA lukriert (Hewitt de Alcántara 1978; Arizpe 1985).
Die dritte - und vielleicht größte - Entwurzelungswelle erlebt Mexiko seit den 1980er Jahren und zwar als direkte Folge des beschleunigten Globalisierungskurses. 1986 dem GATT (heute WTO) und 1994 der nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) beigetreten, verfolgt Mexiko eine weltmarktbezogene Strategie neoliberaler Prägung, die den Desintegrationsprozeß am Land wesentlich beschleunigt. Damit entwickelte sich die strukturelle Krise, in die die Landwirtschaft seit Mitte der 1960er Jahre geraten war, in den letzten 15 Jahren zum Desaster. Seit 1982 stagniert das landwirtschaftliche BIP, die Produktion per capita ist sogar stark rückläufig (1981-1992:E-18,5%). Die landwirtschaftlich genutzte Fläche hat ebenso abgenommen (-22%) wie die Erträge der zehn wichtigsten Kulturen (-20%) und auch die Erträge pro Hektar sanken - bei den Grundnahrungsmitteln Mais und Bohnen etwa um 15% bzw. gar um ein Drittel (Calva 1994:42; Rello/Pérez 1996:16f; Orozco Alvarado/Ramos 1996:128).
Angesichts der enormen Produktivitätsunterschiede zwischen den USA und Mexiko ist es nicht überraschend, daß die Landwirtschaft und insbesondere der klein- und mittelbäuerliche Sektor zu den großen Verlierern der Globalisierung zählen. Eine Untersuchung, die 1992 (also noch vor dem Beitritt zu NAFTA) im Auftrag der Welternährungsorganisation FAO durchgeführt wurde, ergab, daß in Mexiko auf 28% der bebauten Fläche nicht rentabel produziert wird. Im Falle einer völligen Liberalisierung des Agrarsektors, so die Prognose, werde nur ein Viertel der bebauten Oberfläche wettbewerbsfähig sein (Rello/Pérez 1996:22). Die Dramatik der landwirtschaftlichen Krise zeigt sich besonders deutlich beim Grundnahrungsmittel Mais, der etwas mehr als die Hälfte der bebauten Fläche und vier Fünftel der Getreideproduktion ausmacht. In den USA liegt der durchschnittliche Ertrag pro Hektar viermal so hoch wie in Mexiko, die Produktionskosten pro Tonne machen nur die Hälfte aus, und die Arbeitsproduktivität schließlich ist 18 mal höher. Die Folge: die Kosten für aus den USA importierten Mais liegen um 72% (!) unter den nationalen Preisen. Auch die internen Terms of Trade verschlechtern sich rasant. Der Maispreis sank im Verhältnis zu den Produktionskosten um 53% (1981-1993), was bedeutet, daß Maisbauern undE-bäuerinnen heute doppelt so viel erzeugen müssen wie zu Beginn der 1980er Jahre, um das gleiche Ergebnis zu erzielen (Valenzuela García 1996:112; Zermeño 1996:66; Fritscher Mundt 1996:284; Schwentesius Rindermann/Gómez Crúz/Calva Tellez 1995:15).
Die Kombination aus geringerer Produktivität und Marktöffnung führt(e) also dazu, daß der traditionelle Maisanbau für den Großteil des klein- und mittelbäuerlichen Sektors keine Basis zum Überleben mehr bietet. Ihre Unfähigkeit, am Weltmarkt zu bestehen, bekommen die mexikanischen Bauern und Bäuerinnen um so schärfer zu spüren, als der Staat parallel zur Handelsliberalisierung - und im Einklang mit ihr - Unterstützungen wie Subventionen, geförderte Kredite oder garantierte Abnahmepreise drastisch reduzierte. Zwischen 1982 und 1990 gingen die Unterstützungszahlungen von 10,9% des BIP auf 3,2% zurück. Seit die Freihandelszone NAFTA sich auszuwirken begann (ab 1994) sind die Subventionen um weitere 50% gesunken (Arroyo Ortiz/León Ramos 1996:142; The Economist, 8. 8. 1998).
Mangelnde Konkurrenzfähigkeit, Verfall der Preise und Verlust staatlicher Unterstützung führen zu einer immer größeren Verschuldung des agrarischen Sektors. Die Summe der nicht mehr bedienbaren Kredite verzwanzigfachte sich zwischen 1988 und 1995, und die Summe aller Kredite machte 1994 schon 70% des landwirtschaftlichen BIP aus (Schwentesius Rindermann/Gómez Crúz/Calva Tellez 1995:12f). Die klein- und mittelbäuerlichen ProduzentInnen werden so mehr und mehr marginalisiert - und zwar durchaus absichtlich. In der Ära Salinas de Gortari (1988-1994) wurde propagiert, daß nur effiziente Betriebe und solche, die Möglichkeiten zur Anbindung an den Weltmarkt besitzen, überleben sollten. Der Ruin des klein- und mittelbäuerlichen Sektors liegt auch im Interesse der US-amerikanischen Agroindustrie, die von den immer umfangreicheren Nahrungsmittelimporten Mexikos profitiert. 1996 etwa führte Mexiko 5,8 Millionen Tonnen Mais ein - 96% davon aus den USA, dem weltgrößten Exporteur. Diese Importe bedeuten eine Steigerung von 145% gegenüber 1994 (Red Mexicana 1997:92f).
Zu den ökonomischen Problemen kommt eine einschneidende politisch-rechtliche Veränderung, welche die Krise des ländlichen Mexiko weiter verschärfen wird. Mit einer Veränderung des Artikels 27 der seit 1917 gültigen Verfassung wurde die Landreform der mexikanischen Revolution definitiv für beendet erklärt, der Besitz von Land durch Aktiengesellschaften (auch mit ausländischer Beteiligung) ermöglicht sowie die Privatisierung und der Verkauf von Ejido-Land legalisiert. (Ejido ist staatliches Land, das nach der Mexikanischen Revolution an Bauern und Kollektive zur Bewirtschaftung vergeben wurde. Etwa drei Millionen MexikanerInnen kamen so zu Land, die meisten allerdings nur zu einem kleinen Stück und das oft von schlechter Qualität. Bis zur agrarischen Gegenreform von 1992 war das Ejido-Land weder verkauf-, verpacht- oder belehnbar.)
Die nunmehrige Kontrareform hängt direkt mit Globalisierungsschritten wie dem Eintritt in das GATT (heute WTO) und dem NAFTA-Beitritt zusammen. Zustande gekommen ist die Verfassungsänderung auf Druck nationaler wie internationaler Kapitaleigner und der Weltbank (Calva 1993:71-88), um einige nicht marktkonforme Aspekte der mexikanischen Verfassung zu eliminieren. Denn: den Landlosen Recht auf Boden zuzugestehen, stellt eine (potentielle) Bedrohung des Großgrundbesitzes dar, und das Ejido als nicht verkaufbares Land zu definieren, entzieht es der Marktlogik und widerspricht damit der freien Mobilität von Kapital. Zwar ist es bis dato durch die Reform des Artikels 27 nicht zu Landkonzentrationen oder einem Ausverkauf an ausländisches Kapital in großem Stil gekommen, doch das offizielle Ende der Landreform bedeutet auch, daß der Staat seine Verantwortung für den ärmsten Teil der Landbevölkerung privatisierte und den mit ihr geschlossenen Sozialvertrag aufkündigte (DeWalt/Rees/Murphy 1994).
Die These, daß untergeordnete Integration in die internationale Arbeitsteilung innere Ungleichgewichte in der abhängigen Gesellschaft schafft oder verstärkt und damit Migrationen auslöst, wird in Mexiko eindrucksvoll bestätigt. Die Marktöffnung und die neue Agrarpolitik berauben Millionen Menschen ihrer ländlichen Existenzgrundlage. Seit Beginn der 1990er Jahre haben zwischen 500.000 und 750.000 Subsistenzbauern und -bäuerinnen die Landwirtschaft verlassen. Eine andere Schätzung geht gar von 600.000 MaisproduzentInnen aus, die alleine 1996 aufgeben mußten. Mittelfristig werden bis zu fünf Millionen Familien nicht als bäuerliche ProduzentInnen überleben können (Migration News: June 1996, Oktober 1996; La Jornada, 16. 2. 1997).
"(T)here is additional migration as a result of NAFTA" (Martin 1994:35), wurde prophezeit, und tatsächlich führt die Entwurzelungswelle zu einer starken Zunahme der Wanderungen. Die Binnenmigrationsrate ist in der ersten Hälfte der 1990er Jahre so stark angestiegen wie nie zuvor (1980-1990: 17,4%; 1990-1995: 19,4%). Das bedeutet eine Zunahme von mehr als 700.000 neuen BinnenmigrantInnen pro Jahr - nahezu dreimal so viel wie in den 1980er Jahren. Damit hat sich die Zahl der Binnenwanderer in nur fünf Jahren um ein Viertel auf 17,6 Millionen erhöht. Auch die Emigration in die USA steigt deutlich an. In den 1980er Jahren verdoppelten sich die Zahlen der mexikanischen Arbeitskräfte in den USA bzw. der Arbeitskräfte mexikanischen Ursprungs (MexikanerInnen, die mittlerweile als US-BürgerInnen naturalisiert wurden bzw. Nachfahren von ehemaligen EmigrantInnen) auf 4,5 bzw. 8,7 Millionen. Dieser Aufwärtstrend beschleunigt sich in den 1990er Jahren sogar noch - die Zahl der aus Mexiko in den USA eintreffenden ImmigrantInnen nahm zwischen 1991 und 1995 um ein weiteres Viertel. Damit lebten 1996 etwas mehr als sieben Millionen MexikanerInnen in den USA, von ihnen etwa ein Drittel ohne gültige Papiere. Dies bedeutet gegenüber 1970 eine Versechsfachung (Grafik 1 und 2; Partida Bush 1995:6; INEGI 1996:409; Secretaría de Relaciones Exteriores 1997:10f).

Grafik 1

Grafik 2

Millionen MexikanerInnen aus hunderttausenden Familien antworten mit Migration auf die Globalisierungskrise der 1980er und 1990er Jahre. Sie wandern nach Los Angeles, Tijuana oder Mexico City, um Geld zu erwirtschaften, mit dem sie das Ausbleiben von Subventionen oder den Preisverfall für agrarische Produkte wettmachen können, oder mit dem sie schlichtweg Basisbedürfnisse befriedigen. Die "große" Globalisierung wirkt also bis in das tägliche Leben, denn: "When a woman from Mexico (...) decides to emigrate in order to make money as a domestic servant she is designing her own international debt politics. She is trying to cope with the loss of earning power and the rise in the cost of living at home by cleaning bathrooms in the country of the bankers" (Enloe 1990:185).

Migration als Folge von Globalisierung (II):
die neue Arbeitskräftenachfrage

Globalisierung und Migration hängen aber nicht nur über die Vergrößerung von Wanderungspotentialen zusammen. Eine zweite Verbindung ergibt sich aus der Nachfrage nach Arbeitskräften, die von den Zentren ökonomischer Entwicklung ausgeht. Arbeitskräftebedarf stellt seit jeher eine der wichtigsten Triebfedern für Binnen- und internationale Wanderungen dar, und umgekehrt bilden Migrationen spätestens seit Beginn des 18. Jahrhunderts einen wichtigen Teil des entstehenden Weltmarktes für Arbeitskraft. Dies trifft auch für Zentralamerika zu. US-Farmer und Minenbesitzer rekrutierten mexikanische Arbeiter, und so entwickelte sich bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein grenzüberschreitender Arbeitsmarkt. Von Kalifornien bis Texas wurde es selbstverständlich, billige MexikanerInnen verfügbar zu haben, die legal oder ohne die erforderlichen Papiere, also nicht-dokumentiert, zugewandert waren. Die durch den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt hergestellte Integration zwischen den USA und Mexiko wurde weiter vertieft, als über das staatliche Bracero-Programm (1942-1964) rund fünf Millionen MexikanerInnen für Arbeitsplätze in der kalifornischen Landwirtschaft rekrutiert wurden (Portes/Bach 1985:61-63,76-80).
Die Nutzung der Arbeit von ImmigrantInnen stellt in den USA also keine Novität dar. Dennoch ist auffällig, daß sich mit der Globalisierung die Zuwanderung in die USA ungemein beschleunigt hat. Zwischen 1970 und 1990 verdoppelte sich die ausländische Bevölkerung auf knapp 20 Millionen, und die Zahl der dokumentiert und nicht-dokumentiert immigrierten Arbeitskräfte verviereinhalbfachte sich auf knapp 4,5 Millionen. In den 1990er Jahren setzt sich der Aufwärtstrend noch schneller fort, liegt die dokumentierte jährliche Neuzuwanderung mit 820.000 Personen doch um fast 50% höher als in den 1980ern. Dazu kommen jährlich rund 200.000 bis 300.000 nicht-dokumentierte ImmigrantInnen (SOPEMI 1997:258; Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:52; Lowell 1998:9f,15).
Wie kommt es dazu, daß vermehrte Einwanderung und Globalisierung parallel laufen? Zur Problematik, daß die vertiefte globale Integration in den Peripherien Wirtschaft und Gesellschaft destabilisiert, und so immer mehr Menschen auf die Wanderschaft schickt, kommt, daß Prozesse der Globalisierung auch nachfrageseitig Migrationen mobilisieren. Städte oder Regionen, die durch Produktionsverlagerungen zu Industriestandorten geworden sind, ziehen Arbeitskräfte an, und beschleunigen damit die Binnenwanderungen. Die mexikanische Maquiladora-Industrie, die großteils an der Grenze zu den USA angesiedelt ist, liefert ein gutes Beispiel. Sie importiert halbfertige Vorprodukte unter begünstigten Zolltarifen, läßt sie mit billiger mexikanischer Arbeitskraft veredeln und reexportiert sie dann in die USA. Die seit 1965 bestehenden Maquiladoras boomen insbesondere seit 1982, als immer mehr US-Unternehmen billige ArbeiterInnen suchten und gleichzeitig das hochverschuldete Mexiko rasch Devisen durch Exporte erwirtschaften mußte. Bis 1997 verachtfachte sich die Beschäftigung auf eine knappe Million (de Mateo 1998:19f). Da die meisten Fabriken in der zuvor dünn besiedelten Grenzregion liegen, war und ist die Nachfrage nach ArbeiterInnen von Binnenwanderungen begleitet. Städte wie Tijuana oder Ciudad Juárez verdoppelten ihre EinwohnerInnenzahl seit 1970, und im Bundesstaat Baja California, wo jede dritte Maquiladora-Fabrik liegt, stammt fast die Hälfte der EinwohnerInnen aus einem anderen Teil Mexikos. Die Nettozuwanderung nach Baja California übertrifft mittlerweile jene nach Mexico City, was den Zusammenhang zwischen weltmarktorientierter Industrialisierung und Migration eindrucksvoll unterstreicht (Salmen 1997:18; INEGI 1996:409; INEGI 1995:21, 137f, 209, 438-440; Partida Bush 1995:19f).
Die neue Arbeitskräftenachfrage, die mit der Globalisierung entsteht, mobilisiert auch immer mehr internationale MigrantInnen. Dabei geht es aber nicht um neue Fabriken, sondern um die Neuordnung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in den Zentren. Der Niedergang der traditionellen Industrien und das Aufkommen neuer Wachstumsbranchen (wie der Finanz-, Rechts- und Versicherungsdienste) führt(e) dazu, daß der Arbeitsmarkt immer mehr zerfällt, und zwar in ein Segment für gut bezahlte und interessante Berufe und ein anderes für schlecht entlohnte und unsichere Jobs. Zu dieser Polarisierung kommt, daß seit den 1970er Jahren sozialpolitische Errungenschaften der Arbeitenden immer öfter und auch immer erfolgreicher angegriffen werden (siehe Novy/Mattl in diesem Band).
Hinsichtlich der Zuwanderung ist relevant, daß dieser sozioökonomische Wandel die Nachfrage nach Arbeitskräften verändert. In den OECD-Staaten breitet sich ein neuer - oder uralter - Typus von Arbeitskraft aus: geringer Lohn, wenig oder keine soziale Absicherung, Instabilität der Beschäftigung und - in Summe - eine höhere Verwundbarkeit gegenüber dem Kapital. Globalisierung bedeutet also auch, daß Unternehmen verstärkt versuchen, in den Zentren periphere und peripherisierte Arbeitsmärkte zu schaffen. ImmigrantInnen und Frauen bilden dafür die Grundlage. Sie stellen ein von vielen Unternehmern bevorzugtes Arbeitskräfteheer dar, weil sie "fremd" und rechtlich schlechter gestellt sind als "InländerInnen", und weil sie selbst meinen, ohnehin nur ein paar Jahre zu bleiben. Genau in diesem Kontext von sozioökonomischer Umstrukturierung und geänderter Arbeitskräftenachfrage liegen die Ursachen für die steigende Immigration in die USA (siehe z.B. Sassen 1988; Portes/Rumbaut 1990; Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998). Selbst ein offizieller Bericht des US-amerikanischen und mexikanischen Außenministeriums anerkennt die zentrale Rolle der Arbeitskräftenachfrage, wenn es heißt, daß "der Großteil der gegenwärtigen nicht-autorisierten Einwanderung aus Mexiko in die USA seine Ursachen in den USA selbst hat" (Secretaría de Relaciones Exteriores 1997:31). In der Geflügel- und Schweinezucht oder in der Landwirtschaft spielt sogar die direkte Rekrutierung von mexikanischen ArbeiterInnen weiterhin eine Rolle (Migration News: Dezember 1996).
Manche Branchen und Regionen sind von zugewanderten Arbeitskräften regelrecht abhängig. 1990 stellten ImmigrantInnen aus Lateinamerika, der Großteil von ihnen aus Mexiko, in Kalifornien 56% der agrarischen Arbeitskräfte und 43% der ArbeiterInnen in den Industrien für nicht dauerhafte Konsumgüter. Im Baugewerbe, in der dauerhaften Konsumgüterindustrie sowie im Handel sind immerhin noch jeweils mehr als ein Viertel der Arbeitskräfte zugewandert. Dank des massiven Rückgriffs auf ImmigrantInnen gewann die kalifornische Industrie komparative Vorteile und konnte von 1960 bis 1990 fünfmal so schnell wachsen wie die Industrie in den USA insgesamt. Der Grund: Neu zugewanderte mexikanische Arbeitskräfte erhalten 10 bis 20% niedrigere Löhne als Ansässige und die Arbeitsproduktivität der ImmigrantInnen ist trotz ihrer geringen Bildung höher als im Landesdurchschnitt. Niedrigere Löhne bei höherer Arbeitsproduktivität erlaubte es den kalifornischen Industriellen, auch mit unterdurchschnittlichen Investitionen zu expandieren. Zudem verschafft Zuwanderung Extraprofite, erhöht sich die Rentabilität der Investitionen bei einem Zuwanderungsplus von 20% doch um 0,8% (Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:8f, 20, 53; Vernez 1998:10-12; Secretaría de Relaciones Exteriores 1997:49).
Neben der Landwirtschaft sind vor allem die Metropolen Ziele von Zuwanderung. Daß dort die Globalisierung der ArbeiterInnenschaft besonders deutlich zu Tage tritt, ist kein Zufall, werden doch in "Global Cities" die ökonomischen und sozialen Umstrukturierungen am radikalsten vorangetrieben. Die Folge: 1996 zog fast ein Drittel der (dokumentierten) US-ImmigrantInnen nach New York City, Los Angeles, Miami, Houston und San Francisco. Anders als in der Landwirtschaft sind ImmigrantInnen auf den polarisierten Arbeitsmärkten der Metropolen allerdings am unteren und am oberen Ende der Jobhierarchie gefragt. In Los Angeles etwa stellten im Jahr 1990 lateinamerikanische ImmigrantInnen 58% der Arbeitskräfte in den Industrien für nicht dauerhafte Konsumgüter, 44% der Bauarbeiter und 37% des Personals im Handel. In New York City nahmen zugewanderte LateinamerikanerInnen und AsiatInnen 1987 fast 30% der Jobs im Dienstleistungssektor ein, und in der Industrie stellten sie jede/n vierte/n HilfsarbeiterIn. Während diese ImmigrantInnen oftmals in der Illegalität arbeiten müssen, verzeichnet die dokumentierte Zuwanderung im Bereich der "Professionals" die höchsten Zuwachsraten. Das reiche Angebot an Arbeitskräften läßt die Kapitalerträge in Städten mit großen ImmigrantInnen-Communities höher sein als ins solchen mit geringer Zuwanderung (Rivera-Batiz 1998:12f; Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:53; Mollenkopf 1988:226; Bailey/Waldinger 1991:51-70; Lowell 1998:8,17).

Migration als Folge von Globalisierung (III):
"Brücken" zwischen Ab- und Zuwanderungsregionen

Es ist ein ebenso populäres wie falsches Vorurteil, daß Armut oder die Aussicht auf höhere Löhne Migrationen auslösten. Doch tatsächlich beginnen Menschen nicht von selbst, an Orte mit besseren Arbeits- oder Verdienstmöglichkeiten zu wandern. Die Geschichte ist voll der Beispiele, in denen solche Ungleichheiten für die jeweiligen Bevölkerungen bedeutungslos waren. Damit aus potentiellen auch tatsächliche MigrantInnen werden, bedarf es zusätzlicher Faktoren. Sassen (1988:9) spricht von "objective and ideological linkages", die notwendig sind, um Sender- und Empfängerregion, jobsuchende EmigrantInnen und Unternehmer zu verbinden. Solche "Brücken" können ökonomischer Natur sein (z.B. Handelsbeziehungen oder Direktinvestitionen), sie können durch militärische und/oder politische Präsenz entstehen, sie können historische Wurzeln haben, oder durch allgemeine "Verwestlichung" durch Kultur, Konsum und Ideologien begründet werden (Sassen 1995:265f). Wo es an diesen "Brücken" fehlt, wandern Menschen nicht von selbst. Jahrhundertelang wurde deshalb Migration durch direkte Rekrutierung oder gar Verschleppung von Arbeitskräften erzwungen. Erst im Prozeß der Peripherisierung, als die Zentren die abhängigen Regionen immer stärker wirtschaftlich, politisch und kulturell durchdrangen, wurden ausreichend Verbindungen zwischen Sender- und Zielländern geschaffen, um Migration zu jenem "spontanen" und nicht enden wollenden Prozeß werden zu lassen, in dem MigrantInnen die Initiative und die Kosten der Wanderung ausschließlich selbst übernehmen (Portes/Böröcz 1989:608-611).
Mit den Globalisierungsprozessen der letzten drei Jahrzehnte sind immer dichtere Verflechtungen zwischen Zentren und Peripherien entstanden. In anderen Worten: Globalisierung entwurzelt nicht nur mehr und mehr Menschen in den Peripherien und führt zu erhöhtem Bedarf an gewanderter Arbeitskraft, sie schafft auch immer mehr "Brücken" für MigrantInnen. Mehr und mehr Menschen gewinnen Informationen über Chancen auf Arbeitsmärkten in den USA, in Westeuropa oder in Japan, weil sie Kontakte zum Personal ausländischer Firmen haben, TouristInnen treffen oder elektronische Massenmedien konsumieren. Zugleich sind symbolträchtige, aber unerschwingliche Konsumgüter wie Nike-Turnschuhe allgegenwärtig. Erst mit dieser dreifachen Information - "das gibt es, hier kann ich es mir nicht leisten, dort gibt es Arbeit" - wird Lohnunterschieden Bedeutung verliehen, und internationale Auswanderung zu einer Option. Daß immer mehr Menschen sie ergreifen, wird durch den Ausbau und die Verbilligung von Verkehrs- und Kommunikationsmitteln weiter gefördert. Die globalen Bewegungen von Kapital, Gütern, Dienstleistungen, Informationen und Menschen haben damit einen transnationalen Raum geschaffen, in dem räumliche Mobilitätsbarrieren sinken. Nicht Armut per se oder Lohnunterschiede lassen Menschen wandern, sondern: "the amount of emigration is determined by the degree of economic integration between the sending country and the country of destination" (Massey 1988:390).
Folgerichtig fällt, wie Sassen (1988) argumentiert, die Immigration in die USA ab 1965 nicht nur zeitlich mit der verstärkten Internationalisierung der US-Wirtschaft zusammen. Die Herkunftsländer der meisten Einwanderer (nämlich Mexiko, die Philippinen, Vietnam, Kuba, die Dominikanische Republik und China) sind Staaten, mit denen die USA eng verflochten sind. Auch Japan rekrutiert seine Einwanderung genau aus jenen Ländern (Philippinen, Pakistan, Thailand), in denen es als Exporteur von Kapital, Fabriken und Waren sowie als Geber von Entwicklungshilfe überaus greifbar ist (Sassen 1995). Schließlich fiel die sogenannte "Gastarbeiterwanderung" nach Westeuropa in den 1960er und 1970er Jahren mit der wirtschaftlichen Expansion der (damaligen) Europäischen Gemeinschaft in den Mittelmeerraum zusammen (Parnreiter 1994:98-147).
Auch für Mexiko gilt: "migration is the result of a historical process of integration between the US and Mexico" (Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:19). Dieser Prozeß begann, wie erwähnt, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als erste "Brücken" für MigrantInnen geschlagen wurden. Nachdem Mexiko Texas, South Arizona, New Mexico und New California an die USA verloren hatte, bildete sich in der Grenzregion eine komplexe wirtschaftliche und soziale Symbiose heraus, in der grenzüberschreitende Wanderungen eine zentrale Komponente darstellten. Schwerer wiegt, daß die USA ab etwa 1880 aus dem Pool des entwurzelten mexikanischen Landproletariats ArbeitsmigrantInnen für die Landwirtschaft und die Minen im Norden sowie den Eisenbahnbau beiderseits der Grenze anwarben. In den 1920er Jahren erreichte die mexikanische Emigration einen ersten Höhepunkt, doch die Weltwirtschaftskrise und die parallel dazu von den USA verhängte Zuwanderungssperre stoppten die Migration. Allerdings nur kurzfristig, denn schon in den 1940er Jahren nahm die Einwanderung wieder rasant zu, und zwar erneut als Folge der aktiven Rekrutierung von Arbeitskräften. Von den rund fünf Millionen MexikanerInnen, die im Rahmen des Bracero-Programms (1942-1964) in die USA gebracht wurden, kehrte ein Gutteil zwar wieder nach Mexiko zurück, es blieben aber auch viele. 1970 lebten eine Million mexikanische Arbeitskräfte und zwei Millionen Arbeitskräfte mexikanischen Ursprungs in den USA (Portes/Bach 1985:78f; Massey/Alarcón/Durand/González 1987:39-44; Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:52).

Migration als Mechanismus globaler Integration: soziale Netze

Der Import mexikanischer ArbeiterInnen wirkte ausgesprochen stimulierend auf die US-Wirtschaft und insbesondere auf die südwestlichen Bundesstaaten. Das Bracero-Programm zeitigte aber auch ungewollte Folgewirkungen. Als nämlich die Anwerbung von ImmigrantInnen beendet wurde, stellte sich heraus, daß damit der Migrationsprozeß nicht unterbrochen war. Im Gegenteil: Er nahm von nun an beständig zu. Es zeigte sich, daß Migration nicht nur Ausdruck und Folge globaler Integration war, sondern auch einer ihrer Mechanismen. Die ungleichen, aber dichten Verflechtungen zwischen den USA und Mexiko rühren nicht nur vom Handel, den Investitionen oder den politischen Beziehungen her, sondern auch von den umfangreichen und stabilen Wanderungsprozessen: "(L)abour market interdependence including migration linkages are in fact much more advanced and represent a much larger share of bi-nationally linked economic activity compared to trade and financial integration." (Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:3) Noch zugespitzter drückt es der bereits zitierte binationale Bericht aus, wo es heißt: "Während des größten Teils des 20. Jahrhunderts bildete die Migration aus Mexiko in die Vereinigten Staaten die wichtigste Verbindung zwischen den beiden Ländern" (Secretaría de Relaciones Exteriores 1997:31).
Tatsächlich: 1990 waren nur rund 600.000 Arbeitsplätze oder 0,5% des US-Arbeitsmarktes direkt oder indirekt auf den Handel mit Mexiko zurückzuführen, während MexikanerInnen immerhin 3,6% und ArbeiterInnen mexikanischen Ursprungs gar 6,9% aller Arbeitskräfte in den USA stellten. Oder: US-Direktinvestitionen in Mexiko machten im Schnitt der 1990er Jahre etwa 3,3 Mrd. US-Dollar pro Jahr aus, die jährlichen Gewinne (!) aus den Steuerleistungen mexikanischer ImmigrantInnen in den USA belaufen sich hingegen auf 25 bis 30 Mrd. US-Dollar (Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:6, 18; de Mateo 1998:22)
Migration verbindet die beiden Länder aber nicht nur über die Dienste mexikanischer Arbeitskräfte in den USA, sondern auch über deren Geldsendungen an ihre Familien in Mexiko. So wie US-Unternehmer von der billigen Arbeitskraft der "Chicanos" abhängig geworden sind, so können viele mexikanische Familien auf die Überweisungen aus dem Norden nicht mehr verzichten. 1995 sandten MigrantInnen 3,6 Mrd. US-Dollar, was 57% der in diesem Jahr durch ausländische Direktinvestitionen ins Land geflossenen Devisen oder 73% des Handelsbilanzüberschusses der Maquiladora-Industrie entspricht (Durand/Arias 1997:4; Secretaría de Relaciones Exteriores 1997:42; de Mateo 1998:20). Die "migradólares" stellen also eine beachtliche ökonomische Größe für Mexiko und ein wichtiges wirtschaftliches Bindeglied zu den USA dar, und zwar ungeachtet der umstrittenen Frage, ob die Rimessen (Zahlungen von EmigrantInnen an das Herkunftsgebiet) einen Impuls zur Entwicklung der Abwanderungsgebiete geben, oder doch vorwiegend in unproduktiven Ausgaben versickern.
Auf der Mikroebene wiegen die Rimessen noch schwerer. In Abwanderungsregionen entsprechen die Rücküberweisungen dem ortsüblichen Durchschnittseinkommen eines Haushaltes, was um so mehr zählt, als 60% der Familien unter diesem Mittel bleiben (Verduzco/Unger 1998:9-16). Außerdem hat die Krise immer mehr Haushalte gezwungen, sich tiefer in den globalen sozioökonomischen Raum einzubinden. Um den Verfall der Löhne auszugleichen, oder um die sinkende Wettbewerbsfähigkeit agrarischer Güter zu kompensieren, verkaufen mehr und mehr MexikanerInnen ihre Arbeitskraft auf dem US-Markt. Abhängig von den "migradólares", die zunehmend zur Bestreitung der Subsistenz verwendet werden, sind Haushalte und ganze Dörfer in ihrer sozialen Reproduktion globalisiert (Grindle 1991).
Zu den stärksten Mechanismen globaler Integration, die Migration schafft, zählen soziale Beziehungen. Komplexe Netzwerke verbinden MigrantInnen mit Angehörigen und FreundInnen in Mexiko, und erfüllen dabei vielfältige Aufgaben. Über diese Netze fließen Informationen und Geld, und sie erleichtern und prägen künftige Abwanderung. Denn die meisten MigrantInnen bewegen sich in den Fußstapfen anderer: Angehörige oder FreundInnen in den USA reduzieren die Unsicherheit, bieten Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und schaffen eine emotionale Stütze (siehe z.B. Massey/Garcia España 1987).
Durch die Existenz der sozialen Netze gewinnen Migrationen eine Eigendynamik. Die USA hörten 1965 auf, mexikanische Arbeitskräfte in großem Umfang zu rekrutieren, die Wanderungen hielten aber an, ja nahmen kontinuierlich zu. Der Grund war, daß die Migrationsnetzwerke mittlerweile so eng waren, daß sie zu einer eigenständigen, ja zur wichtigsten "Brücke" für zukünftige Wanderungen geworden waren (Massey/Alarcón/Durand/Gonzáles 1987:54-62; Martin 1994:22-24). Die Praxis der MigrantInnen hatte sich zu neuen strukturellen Mustern verdichtet, was zwei Ironien birgt: Erstens geht ein Gutteil der nicht-dokumentierten (also "illegalen") US-Einwanderung auf die staatliche Rekrutierung unter dem Bracero-Programm zurück. Zweitens sind Migrationsnetze, obwohl auf politischer Ebene meist geleugnet, zu einem mächtigen Mechanismus der Integration zwischen den USA und Mexiko geworden. Damit verschwimmt der angebliche Gegensatz zwischen dem Globalen und dem Lokalen. Migrationsnetze können nämlich nur durch lokale Verwurzelung entstehen, sie sind aber ohne Zweifel zu einer globalen Struktur geworden, deren Mächtigkeit der US-Border Patrol am Rio Grande nicht nachsteht.
Migrationsnetze erleichtern nicht nur die Wanderung, sie prägen auch entscheidend deren räumliche Muster. Mexikanische EmigrantInnen verteilen sich weder gleichförmig über die USA - sie ballen sich vielmehr in Branchen und Orten, wo Arbeitskräftebedarf besteht und wohin Kontakte sie führen -, noch stammen sie aus dem gesamten Mexiko. 38% der Gemeinden (Verwaltungseinheiten) weisen keinerlei Abwanderung auf, während eine starke Migrationsneigung sich in lediglich 4,5% der Gemeinden findet. Von diesen 109 Kommunen liegen 48% in nur drei Bundesstaaten (Jalisco, Michoacán, Zacatecas), und weitere 40% in fünf anderen (Verduzco/Unger 1998:6f). Diese starke räumliche Konzentration der Abwanderung impliziert, daß die Globalisierung von Haushalten durch die "migradólares" sich auf relativ wenige Orte beschränkt. Damit zeigt sich die Ungleichheit in den Prozessen globaler Integration auch hinsichtlich der Migration. Globalisierung ist räumliche und soziale Fragmentierung - Territorium und Gesellschaft zerfallen immer mehr in global eingebundene Inseln, die am Weltmarkt etwas zu verkaufen haben (in diesem Fall Arbeitskräfte) und die dafür mit Rimessen alimentiert werden, und in deren marginalisiertes, "unbrauchbares" Hinterland.
Die Konzentration der Abwanderung auf relativ wenige Gemeinden läßt aber auch erkennen, daß es keinen direkten Zusammenhang zwischen Armut und Abwanderung gibt. Dieses Postulat der neoklassischen Migrationstheorie und ihrer trivialisierten Spielart, den push- und pull-Modellen, trifft in Mexiko nicht zu. Die zwei ärmsten Bundesstaaten - Chiapas und Veracruz - weisen nämlich so gut wie keine Emigration in die USA auf. Zwei Drittel ihrer Gemeinden bleiben völlig ohne internationale Abwanderung, und auch das andere Drittel fällt nicht ins Gewicht. Gemeinsam mit vier anderen Bundesstaaten kommen Chiapas und Veracruz nämlich nur auf 2% der gesamten mexikanischen Emigration in die USA. Hingegen zählen die abwanderungsstärksten Bundesstaaten nicht zu den ärmsten - sie liegen im mexikanischen Mittelfeld (Partida Bush 1995:97; Secretaría de Relaciones Exteriores 1997:23f; Verduzco/Unger 1998:6f).
Viel angemessener als mit "Armut" läßt sich die räumliche Ausprägung der Migrationsmuster mit der Geschichte der Wanderungen erklären. Die Regionen, ja die Dörfer, aus denen heute die meisten MigrantInnen stammen, sind akkurat jene, zu denen die USA vor 100 bzw. vor 50 Jahren "Brücken" schlugen. Zuerst rekrutierten sie Arbeitskräfte entlang der neuen Eisenbahn, die bereits um die Jahrhundertwende alle heute wichtigen Senderregionen in West- und Zentralmexiko mit US-Städten verband. Dann, in der zweiten große Anwerbephase, dem Bracero-Programm, wurde das räumliche Muster der Wanderungen endgültig verfestigt. Fast die Hälfte der damals rekrutierten MigrantInnen stammte aus nur vier Bundesstaaten in West- und Zentralmexiko (Jalisco, Michoacán, Guanajuato und Zacatecas). Seit damals reproduzieren sich die Wanderungen vorwiegend über Netzwerke, was die anhaltende Konzentration auf diese Räume erklärt (Alarcón 1988:340f; Massey/Alarcón/Durand/González 1987:39-44).

Die Transnationalisierung des Raumes und der Identitäten

Bislang wurde dargestellt, daß Migration Ausdruck, Folge und Mechanismus von Prozessen globaler Integration ist. Doch das Verhältnis zwischen Globalisierung und Migration ist noch um eine Facette reicher: Internationale Wanderungen stellen ihrerseits eine Triebfeder der Globalisierung dar, weil und indem sie traditionelle Raumvorstellungen und nationale wie kulturelle Identitäten in Frage stellen. Zugleich schaffen sie Neues, nämliche transnationale soziale Räume und Identitäten. Quantitative und qualitative Veränderungen von Migrationsmustern, wie die Zunahme internationaler Wanderungen, der Umstand, daß immer mehr MigrantInnen zwischen Herkunfts- und Zielort "pendeln", oder die Tatsache, daß MigrantInnen, die am Zielort seßhaft werden, starke Verbindungen zum Herkunftsort aufrechterhalten, lassen ForscherInnen vom Entstehen einer "global population" (Smith 1995:251) sprechen, von "transmigrants" (Glick Schiller/Basch/Blanc 1997:121) und "transnational communities" (Kearney 1995:231), von "global nations" (Smith 1997:199) und "deterritorialized nation-states" (Glick Schiller/Basch/Blanc 1997:124).
Immer mehr MigrantInnen spannen ihr Leben zwischen mehreren geographischen Räumen auf. Ihre sozialen Räume verlieren damit eine eindeutig-exklusive Ortsbindung, Identitäten verteilen sich statt dessen auf mehrere Lokalitäten. TransmigrantInnen sind also im Gegensatz zu den klassischen Einwanderern Personen, "whose daily lives depend on multiple and constant interconnections across international borders and whose public identities are configured in relationship to more than one nation-state" (Glick Schiller/Basch/Blanc 1997:121). Sie leben in Haushalten, die in zwei oder mehr Staaten liegen, sie unterhalten soziale wie ökonomische Beziehungen zu Gemeinden an ihrem Herkunfts- und an ihrem Zielort, sie sind daheim und/oder fremd in (mindestens) zwei Kulturen, und ihr Leben spielt sich einerseits weder "hier" (am Zuwanderungsort) noch "dort" (am Herkunftsort) ab, andererseits aber sowohl "hier" als auch "dort".
Ein Beispiel: José und Lourdes aus einem Dorf im südmexikanischen Oaxaca arbeiten als nicht-dokumentierte ImmigrantInnen in Los Angeles. Für sie sind grenzüberschreitende Migrationen zu einer dauerhaften Lebenswirklichkeit geworden, kommen sie doch mindestens einmal im Jahr - etwa zum Dorffest - zurück. Beziehungen über die Grenzen hinweg leben sie auch, indem sie in Kalifornien in einem Club tätig sind, der Neuankömmlingen aus Oaxaca bei der Wohnungs- und Arbeitssuche behilflich ist. In Oaxaca wiederum verstärken sie ihre symbolische Präsenz trotz oder gerade wegen ihrer Abwesenheit. Denn: zwei Drittel des Kapitals für das Pflastern der Straßen stammte von ihnen und anderen "norteños", DorfbewohnerInnen, die in den USA arbeiten. Auch die Familie von José und Lourdes lebt in einer transnationalen Gemeinde. Denn "migradólares" bilden die Hälfte ihres Einkommens, und nur Dank dieser Geldüberweisungen konnte die Familie in den letzten 15 Jahren trotz des Verfalls des Maispreises und den sinkenden Löhnen so recht und schlecht über die Runden kommen. In anderen Worten: die Familie reproduziert sich teilweise außerhalb des geographischen Raumes, in dem sie lebt. Auch das Dorf, das seine Infrastruktur mit Rimessen und nicht mehr aus öffentlichen Investitionen finanziert, baut transnationale Beziehungen auf, die eventuell jene zur mexikanischen Hauptstadt an Bedeutung übertreffen können. Schließlich gehören zur transnationalen Gemeinde auch noch der kalifornische Farmer und die Mittelklassefamilie, bei denen José und Lourdes als Erntearbeiter bzw. als Hausmädchen arbeiten. Die Existenz ihres Geschäfts und ihr Wohlstand sind von billigen mexikanischen Arbeitskräften abhängig; sie benötigen damit die Arbeit aus dem Süden genau so, wie die mexikanische Familie das Kapital aus dem Norden braucht. Mehr noch: Sie sind mit Oaxaca unmittelbarer verbunden als etwa mit dem US-Bundesstaat Kansas.
MigrantInnen, ihre Familien, ihre Dörfer, ihre Arbeitgeber - sie alle leben in einer transnationalen Gemeinde, in "Oaxacalifornia" (Kearney 1995). Hier zerbröckeln traditionelle Raumvorstellungen und Identitäten, weil Beziehungen vielfältiger werden und Ressourcen an mehreren Orten lukriert werden. Immer mehr MigrantInnen pendeln zwischen verschiedenen Lebenswelten, leben in einem "state of 'betweenness'" (Smith 1995:255). Das erschwert oder verunmöglicht politische und nationalstaatliche Zuschreibungen wie "MexikanerIn" oder "AmerikanerIn", räumliche Bestimmungen wie "LandbewohnerIn" oder "StädterIn" und klassenspezifische Einordnungen wie "Bauer/Bäuerin" oder "ArbeiterIn".
Der transnationale Raum formiert sich im Gesamtzusammenhang der Globalisierung, hängt also zusammen mit der erhöhten Mobilität von Kapital, Gütern, Informationen und Dienstleistungen (zum folgenden siehe Kearney 1995; Pries 1997). Transnationale Gemeinden entstehen zweitens, weil massenhafte Wanderungen andauern und ihre Muster sich verändern. Die ImmigrantInnen-"communities" wachsen ständig; die neuen Mitglieder, die in den USA wenig integriert sind, stärken die Beziehungen zu Mexiko. Darüber hinaus ersetzen mehrfache und mehrdirektionale Migrationen zunehmend die klassische Auswanderung - 85% der nicht-dokumentierten mexikanischen Einwanderer in die USA verlassen dieses Land wieder, viele allerdings, um wiederzukommen. Diese zirkularen Migrationen erlauben es, Kontakte zum Herkunftsort zu verdichten und identitätsstiftende Beziehungen zu mehreren Orten zu pflegen. Verbesserung der Transport-, Informations- und Kommunikationstechnologien sind, drittens, wichtig für die Diversifizierung der Migrationsmuster. Viertens: In Migrationsnetzen lösen sich traditionelle Nah-Fern Vorstellungen ebenso auf wie eindeutige ethnische und/oder nationale Zugehörigkeiten und Zuordnungen. Solche Netzwerke sind zwar keineswegs raumlos, sie haben aber weder einen klaren Anfang noch ein klares Ende. Sie verbinden und transportieren Personen, Güter, Werte, Symbole und Informationen aus und zwischen verschiedenen Räumen und Staaten, und diese Heterogenität (in)formiert Mitwirkende anders als Personen mit primär nationalen Bezügen.
Ein fünfter Faktor für das Entstehen transnationaler Beziehungen ist, daß es MigrantInnen nützt, sich als Mitglieder von Gemeinden in den USA und in Mexiko zu sehen. Am Herkunftsort gewinnen sie Dank ihres Geldes sozialen Status, in den USA antworten sie auf Ausgrenzung oder rassistische Kampagnen mit der Rekonstruktion ihrer mexikanischen Tradition und ihrer politischen wie materiellen Ansprüche am Herkunftsort. Sechstens fördert die ethnische Segmentierung der Arbeits- und Wohnungsmärkte in den USA die Bildung von transnationalen Gemeinden. Die Wahrscheinlichkeit für MexikanerInnen, am Wohnort und Arbeitsplatz vorwiegend mit Landsleuten zusammenzukommen, ist heute größer als für die Einwanderer vor 100 Jahren. So entstehen ethnische Enklaven, die die soziokulturelle Landkarte der USA nachhaltig verändern. Die europäisch-amerikanische Identität setzt heute für viele ImmigrantInnen keinen Referenzpunkt für Assimilation mehr. An Orten wie Los Angeles, Miami oder New York ersetzt ein Mosaik aus ethnischen "communities" die klare kulturelle Hegemonie der WASPs (White, Anglo-Saxon Protestants), auch wenn diese am meisten von der Einwanderung profitieren. Die soziale und oft auch die ökonomische Reproduktion der ImmigrantInnen erfolgt in multiethnischen Beziehungen und transnationalen Netzwerken. Darüber hinaus stellt die Zuwanderung die US-Gesellschaft vor eine große Herausforderung: "'Who is us' must be redefined", schreiben drei Autoren, deren Namen auf lateinamerikanische, britische und italienische Wurzeln verweisen, Hinojosa Ojeda, McCleery und de Paolis (1998:5).
Siebtens tritt neben die Heterogenisierung auch die Anonymisierung des sozialen Raumes. Viele MigrantInnen arbeiten an Orten, die wenig oder nichts mit dem geographischen Raum zu tun haben, in dem sie liegen. Einkaufszentren, Fast-Food Restaurants oder Hotels internationaler Ketten lassen sich räumlich kaum mehr zuordnen, weshalb auch ihre Arbeitskräfte Ortsbindung verlieren. Selbst die Felder der Agro-Konzerne werden austauschbar - ob in Nordwestmexiko oder in Südkalifornien, die ArbeiterInnen kommen aus den indigenen Gebieten Oaxacas und die Maschinen aus den USA. In diesen "hyperspaces" orientieren sich MigrantInnen weniger an konkreten Orten denn an Produkten. Auf die Frage, wo denn seine Söhne seien, antwortete ein mexikanischer Landarbeiter in Kalifornien: "They went to the oranges" (Kearney 1995:238)
Schließlich versuchen Abwanderungsstaaten, das transnationale Leben "ihrer" MigrantInnen zu institutionalisieren, statt wie früher deren Rückkehr zu forcieren. Mexiko etwa bemüht sich, EmigrantInnen und deren Kinder dazu zu bewegen, Beziehungen nicht nur zu ihrem Herkunftsort, sondern auch zu "Mexiko" (als Staat, als Identität) aufrecht zu erhalten. Das hat zum einen politische Gründe, will die regierende Partei PRI die MigrantInnen doch auf ihre Seite ziehen. Mexiko verfolgt aber auch das Ziel, die Diaspora der dokumentierten und nicht-dokumentierten Auswanderer in ein neues Konzept von Nation zu integrieren. Ein Schritt dazu ist die jüngst geschaffene Möglichkeit der Doppelstaatsbürgerschaft. MigrantInnen, die die US-Staatsbürgerschaft angenommen haben, oder solche, die dies tun wollen, können die mexikanische wiedererlangen oder behalten. Bis zu 5,5 Millionen Personen könnten sich für die doppelte Staatsbürgerschaft entscheiden - immerhin 6% der mexikanischen Bevölkerung. Auf diese Weise werden die Grenzen Mexikos nicht mehr nur räumlich festgelegt, sondern auch sozial definiert und damit erweitert. Mexiko sieht sich in diesem Kontext als ein "deterritorialized nation-state" (Glick Schiller/Basch/Blanc 1997:124), der nicht am Rio Grande endet, sondern sich bis Kalifornien und New York erstreckt.

Die Staatsgrenze: Durchlässigkeit und Steuerungsinstrument

Transnationale soziale Räume sind nicht nur grenzüberspannend, sie relativieren diese Grenzen auch. Die Grenze zwischen den USA und Mexiko etwa ist heute löchriger denn je - trotz scharfer Kontrollen und Militarisierung, trotz Stacheldraht und Mauern. Versuche, die Einwanderung zu kontrollieren und zu regulieren, sind gescheitert, wie auch die US-Behörden eingestehen: "Noch existiert kein überzeugender Beweis dafür, daß die Maßnahmen zur Kontrolle der Grenze und des Inneren der Vereinigten Staaten die nicht-autorisierte mexikanische Migration verringert hätten" (Secretaría de Relaciones Exteriores 1997:83). MigrationsforscherInnen aus beiden Ländern werden deutlicher. "(I)t is much too late (...) to have any realistic expectation of markedly affecting the level of Mexican emigration to the United States" schrieb Douglas Massey (1988:409) schon vor einem Jahrzehnt. Santibanez Romellon (1998:5) urteilt auf einem OECD-Seminar über die migrationsspezifischen Auswirkungen von NAFTA: "Beyond any ideological consideration, it is empirically verifiable that none of both dimensions (border control and stay control), have reached the goals". Ganz ähnlich eine Stimme aus dem US-Arbeitsministerium: "More personnel, border fences, and sophisticated technologies are being employed (...). The results of these new efforts are that the illegal migrants are now seeking entry through less well protected areas that are much more difficult and often dangerous" (Lowell 1998:11).
Der Grund für das Versagen der Einwanderungsregulierung liegt, und das sind Kernthesen dieses Textes, erstens in der langanhaltenden, engen und ungleichen Verflechtung zwischen den USA und Mexiko, und zweitens daran, daß Migrationen einen zentralen Bestandteil dieser Integration bilden. Stacheldraht und Militär halten die MigrantInnen nicht auf, weil die US-Nachfrage nach mexikanischen Arbeitskräften anhält, ja zunimmt; weil in Mexiko der Freihandel die sozioökonomische Krise vertieft und hunderttausende Familien entwurzelt; und weil sich zwischen mexikanischen Dörfern und Stadtvierteln bzw. agroindustriellen Komplexen in den USA dichte und stabile Netzwerke spannen.
Gelingt die mengenmäßige Regulierung der Zuwanderung auch kaum, bedeutet das nicht, daß Grenzen zwecklos sind. Sie dienen dazu, die weltweit unterschiedlichen sozialen Standards aufrechtzuerhalten, indem sie den einheitlichen Weltmarkt in viele Staaten zersplittern. Mexikanische ArbeiterInnen sind für US-Unternehmen ja gerade deshalb attraktiv, weil sie aus einem anderen, nämlich peripheren, Staat stammen. Das verbilligt ihre Reproduktion und zwingt sie in eine rechtlich schlechtere Position als einheimische ArbeiterInnen. Staatsgrenzen setzen sich im Einwanderungsland als ethnische Segmentierung des Arbeitsmarktes fort und wirken folglich weniger als Mobilitätsbarrieren denn als Mechanismen, soziale, wirtschaftliche und politische Unterschiede durchzusetzen. Anders ausgedrückt: Die Mauer und das Loch in ihr sind kein Gegensatz, sondern komplementäre Spielarten zur Reproduktion der Ungleichheiten der internationalen Arbeitsteilung (Parnreiter 1994:10-47).
Steuern Grenzen die Zuwanderung nicht quantitativ, so filtern sie sie qualitativ. Beispielsweise urteilt eine Studie, daß die "Proposition 187", eine Gesetzesvorlage in Kalifornien, die verschärfte Grenzkontrollen und polizeistaatliche Überwachung im Inneren einführen und nicht-dokumentierten ImmigrantInnen selbst elementarste Rechte (wie die Versorgung im Krankheitsfall) verweigern möchte, nicht-dokumentierte Zuwanderung keineswegs abschrecken würde. Das einzige, was das Gesetz erreichen könnte, ist, die nicht-dokumentierten ImmigrantInnen noch tiefer in den Untergrund zu drängen. Und genau deshalb unterstützen kalifornische Unternehmer die "Proposition 187". Sie wollen keine Beschränkung der Zuwanderung, sie wollen den Preis der mexikanischen Arbeitskraft drücken. Repression und Illegalisierung sind die Mittel dazu. Besonders paradox ist, daß eine Gesetzesvorlage, die vorgibt, nicht-dokumentierte Einwanderung bremsen zu wollen, diese in Wirklichkeit verstärkt. Denn: "The ironic result is that as wages for undocumented workers continue to fall, the demand for them will continue to rise, resulting in even greater dependence on low wage labour by California employers" (Hinojosa Ojeda/McCleery/de Paolis 1998:24). Ein anderer Aspekt der qualitativen Regulierung durch eine repressive Grenzpolitik ist die Selektion. In den letzten Jahren kommen jüngere und besser ausgebildete MexikanerInnen in die USA als früher, und der Anteil der Männer steigt. Da zumindest die ersten beiden Faktoren eindeutig einen Vorteil für die US-Unternehmen bieten, schließt Santibanez Romellon (1998:8), daß die wahre Intention der "Proposition 187" und anderer Maßnahmen ist, das soziodemographische Profil der MigrantInnen zu kontrollieren und zu verändern.
Allerdings: Sind die Mauer und das Loch in ihr zwar kein Widerspruch, so zeigt sich doch auch, daß die Löcher in den Grenzen nicht in dem Ausmaß von einer hegemonialen Wirtschafts- oder Politikordnung zu kontrollieren sind, wie es manchen wünschenswert erschiene. Wanderungen können, einmal in Gang gesetzt, nicht wie ein Wasserhahn auf- und zugedreht werden, selbst wenn man es wollte. Und die hunderten MexikanerInnen, die täglich unerlaubt in die USA einreisen, werden geschichtsmächtig, weil sie zwar auf Prozesse auf Weltniveau rEIAieren (wie die abhängige Integration ihrer Gesellschaft in die internationale Arbeitsteilung), zugleich aber mit ihrer Praxis die Strukturen des Weltsystems verändern. Indem sie die Staatsgrenze "durchlöchern", treiben sie die Globalisierung voran und stellen sie eine Grundfeste des Nationalstaates, die Hoheit über sein Territorium, in Frage. Überdies verwischen Migrationen die räumliche Trennung von Zentrum und Peripherie. Zugespitzt formuliert: Die "Dritte Welt" endet nicht mehr am Rio Grande, sondern findet sich in Los Angeles ebenso wieder wie in New York.

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Quelle: HSK 14: Globalisierung und Peripherie. Umstrukturierung in Lateinamerika, Afrika und Asien. Frankfurt am Main: Brandes und Apsel, Wien: Südwind 1999 (Historische Sozialkunde 14). Herausgegeben von Christof Parnreiter, Andreas Novy, Karin Fischer. S. 129 - 149.
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