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Editorial

Die geschichtlichen Wurzeln der Buchreihe, in deren Rahmen der vorliegende Band "Von der Weltwirtschaftskrise zur Globalisierungskrise" erscheint, reichen bereits weit zurück. Seit 1971 veröffentlicht der "Verein für Geschichte und Sozialkunde" (mit Sitz in Wien) die Zeitschrift "Beiträge zur historischen Sozialkunde". Diese Publikation hat sich zum Ziel gesetzt, Lehrerinnen und Lehrer aus allgemeinbildenden und berufsbildenden höheren Schulen mit neuen Tendenzen einer sozialwissenschaftlich orientierten Geschichte vertraut zu machen. Auf knappe und anschauliche Weise sollen Grundinformationen über zentrale und aktuelle Inhalte und Methodenprobleme des Unterrichtsfaches "Geschichte und Sozialkunde" vermittelt werden. Bisher wurden unter anderem in Längs- oder Querschnittdarstellungen die Themenbereiche Familie, Frauengeschichte, Arbeitswelt, Alltagsgeschichte, Umwelt, Politische Öffentlichkeit und die sogenannte Dritte Welt behandelt. Daneben finden auch Sachgebiete mit stärker kulturellen Bezügen und deren sozialwissenschaftliche Interpretation ihren Platz.
Die Gründung der Buchreihe im Jahr 1992 war demgegenüber von breiteren und vielfältigeren Zielsetzungen getragen; sie wendet sich auch an ein erweitertes LeserInnenpublikum. Besonderes Anliegen der aus unterschiedlichen Disziplinen kommenden AutorInnen ist es, aktuelle Themen in einer leicht zugänglichen Form zu präsentieren.
Nach fünfzehn vorliegenden Bänden sind wir auch in der Lage, spezifische Zielsetzungen und unterschiedliche Entstehungsbedingungen der einzelnen Bände zu resümieren:
Aus der weiterhin bestehenden Absicht, unverändert aktuelle Inhalte von Themenheften der "Beiträge zur historischen Sozialkunde" in überarbeiteter und erweiterter Form als handliche Zusammenfassungen zu präsentieren (hier folgten wir dem Beispiel der englischen "Text-books") entstanden die Bände "Frauen-Arbeitswelten" (1993) und "Familie im 20. Jahrhundert" (1997).
Der Reader "Protoindustrialisierung in Europa" (1994) bietet eine systematische Zusammenfassung von Beiträgen zu einem wissenschaftlich kontroversiellen Thema. In diesem Band werden die wichtigsten theoretischen Modelle, ihre Anwendung im Rahmen von Länderstudien, ihre Erweiterungen sowie kritische Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Forschungskonzepten vorgestellt.
In den meisten Fällen war und ist es die enge Verbindung mit interdisziplinären Ringvorlesungen an der Universität Wien, die die Konzeption der Bände vorgibt: so etwa bei "Bauern im Widerstand" (1992), "Nationalismus" (1994), "Industrialisierung" (1995), "Die beiden Amerikas" (1995), "Staat und zivile Gesellschaft" (1996) sowie eines Bandes über den "Informellen Sektor in der Weltwirtschaft" (1997). Im Sommer 1996 entstand in Zusammenarbeit mit dem Afro-Asiatischen Institut (AAI) der Band "Das pazifische Jahrhundert?", der auf eine Ringvorlesung am AAI zurückging. In diesen Bänden sollen Fragen der außereuropäischen Geschichte auf durchaus differenzierte und tiefergehende Weise überregional vergleichend betrachtet werden.
Da der Band "Megastädte. Zur Rolle von Metropolen in der Weltgesellschaft" bald nach seinem Erscheinen (1993) vergriffen war, wurde 1997 eine inhaltlich wesentlich überarbeitete, erweiterte und aktualisierte Fassung unter dem Titel "Mega-Cities. Die Metropolen des Südens zwischen Globalisierung und Fragmentierung" veröffentlicht. Im Frühjahr 1998 folgte dann der Band "Wie aus Bauern Arbeiter wurden. Wiederkehrende Prozesse des gesellschaftlichen Wandels im Norden und im Süden einer Welt", der alle Vorträge der gleichnamigen Ringvorlesung an der Universität Wien im Sommersemester 1998 enthielt. Es ging darin um den Prozeß, wie aus Menschen, die über ihre Arbeit, ihre Zeit und ihre Produktionsmittel selbst verfügen, Lohnabhängige werden, denen die Kontrolle über die eigene Arbeitskraft weitgehend entzogen ist.
Band 15 steht in engem Zusammenhang mit Band 14 "Globalisierung und Peripherie. Umstrukturierung in Lateinamerika, Afrika und Asien", in welchem versucht wurde, neben einer schärferen Konturierung der oft diffusen Terminologie die Auswirkungen des Globalisierungsprozesses auf die Staaten der ökonomischen Peripherie zu analysieren. In "Von der Weltwirtschaftskrise zur Globalisierungskrise (1929-1999). Wohin treibt die Peripherie?" (HSK/Internationale Entwicklung 15) gehen die AutorInnen davon aus, daß die verschiedenen Krisenerscheinungen am Ende des 20. Jahrhunderts als Aspekte einer Globalisierungskrise interpretiert werden können, die kohärent genug ist, um einen Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise von 1929-39 als sinnvoll erscheinen zu lassen.
Die Autorinnen und Autoren behandeln diesen Themenbereich erneut aus der Perspektive verschiedener Disziplinen: Wirtschaftswissenschaften, Volkswirtschaft, Wirtschaftsgeographie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Raumplanung, Soziologie, Japanologie, Orientforschung, Entwicklungswissenschaften und Asien-Afrika-Wissenschaften.
Die in diesem Band erstmals genannten Herausgeberinnen und Herausgeber der Reihe, die überdies eine Titelerweiterung (HSK / Internationale Entwicklung) erfahren hat, stehen für das Konzept der interdisziplinären Betrachtungsweise.

Wien, im Frühling 1999
Die Redaktion

Siehe auch: Senatskommission Institut für internationale Entwicklung


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