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Peter Eigner

Einleitung.Weltwirtschaftskrise

Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 1/00. 30. Jg.

Die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre ist als bislang größte und umfassendste Wirtschaftskrise in die Geschichte eingegangen. Sie veranschaulichte drastisch, dass sich der Kapitalismus zu einem interdependenten Weltsystem entwickelt hatte. Trotz unterschiedlichen Ausmaßes war die Weltwirtschaftskrise in jedem Land spürbar. In den Industrieländern stieg die Arbeitslosigkeit auf über 25 Prozent der Erwerbstätigen an, das Bruttosozialprodukt der 16 führenden Industrieländer fiel zwischen 1929 und 1932 um 17 Prozent, die Industrieproduktion um 30 Prozent, der Welthandel ging wertmäßig um zwei Drittel zurück.

Krisenhafte Erscheinungen wie zuletzt in den neunziger Jahren in Südostasien - oft unter dem Schlagwort Globalisierungskrise zusammengefasst - haben zu einer neuerlichen intensiven Beschäftigung mit der Thematik der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre geführt. Stagnierende oder gar wachsende Arbeitslosenzahlen trotz Wirtschaftswachstums in den Industrieländern tragen ebenfalls zur traurigen Aktualität des Themas bei. Arbeitslosigkeit wird nicht nur in Österreich, das im europäischen Vergleich noch relativ gut wegkommt, als größte gegenwärtige Bedrohung empfunden.
Im Mittelpunkt dieses Heftes stehen nicht die Ursachen der Weltwirtschaftskrise - sie sind bis heute umstritten -, sondern die unmittelbaren Folgen, die langfristigen Konsequenzen der Wirtschaftskrise und vor allem auch die Strategien zu ihrer Überwindung. Die Beispiele USA und Österreich stehen dabei für unterschiedliche wirtschafts- und sozialpolitische Reaktionen auf die Krise. Besonders drastische Auswirkungen hatte die Weltwirtschaftskrise in den USA (Hardach verortet das Epizentrum der Krise in den USA), wo sie aufgrund ihrer langen Dauer (bis 1939) als "Große Depression" bezeichnet wird. Gerd Hardachs Artikel konzentriert sich demzufolge auf jene wirtschafts- und sozialpolitischen Maßnahmen und Strategien unter Präsident Roosevelt, die als New Deal bekannt geworden sind und sich als Ausdruck zunehmenden staatlichen Interventionismus interpretieren lassen. Das Übergreifen der Krise auf Europa wurde durch den Zusammenbruch der größten Bank Österreichs, der Creditanstalt, im Jahr 1931 verstärkt. Die Bankenkrise weitete sich nach Deutschland, Skandinavien, Großbritannien bis in die USA aus. In Mittel- und Südosteuropa nahm die Krise den Charakter einer Finanz- und Währungskrise an (Artikel Alice Teichova). Die Beiträge von Dieter Stiefel und Verena Pawlowsky widmen sich den Verhältnissen in Österreich. Stiefels Artikel sprengt den zeitlichen Rahmen ein wenig, wenn er sich auf den Zusammenhang von Wirtschaftspolitik und Arbeitsmarkt im Österreich der Zwischenkriegszeit konzentriert. Er zeigt deutlich, dass die Weltwirtschaftskrise in Österreich durch strukturelle Defizite als Folge der Desintegration der Habsburgermonarchie und hausgemachte Probleme verstärkt wurde. Wenn er das Vorgehen Österreichs gegen die Arbeitslosigkeit als nicht planvoll bezeichnet, trifft sich dies mit Pawlowskys Einschätzung der Arbeitslosenpolitik im Österreich der dreißiger Jahre, wobei sich die Autorin auf drei konkrete Projekte bzw. Maßnahmen, den Freiwilligen Arbeitsdienst, die Arbeitslosensiedlung und die Doppelverdienerverordnung, konzentriert. Vor dem Hintergrund der seit den zwanziger Jahren aufrechterhaltenen Prämisse der Ordnung im Staatshaushalt und eines ausgeglichenen Budgets wurden die Bereiche der Investitions- und Arbeitsbeschaffungspolitik stark vernachlässigt.
In der Fachdidaktikbeilage, die in Hinkunft an die Beiträge anschließen wird, berichten Beatrix Mandl und Hanna-Maria Suschnig über ein fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt zur Weltwirtschaftskrise 1929 und ihren Folgen.

Einstieg vom Lehrplan aus:

Geschichte und Sozialkunde
7. Klasse
3. Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit
Lerninhalte:
- Die Weltwirtschaftskrise und ihre Auswirkungen
4. Österreich 1918 bis 1938
Lerninhalte:
- Wirtschaftsprobleme
Wahlpflichtfach Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung und Rechtskunde
Sachbereich: Wirtschaftsgeschichte
- Wirtschaftliche Expansion und Wirtschaftskrisen im 19. und 20. Jahrhundert
Geschichte und Politische Bildung (HTL)
V. Jahrgang
- Wirtschaft und Kultur (Inflation, Wirtschaftskrise, Wirtschaftslenkung ...)


Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 1/00. 30. Jg.
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