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Fundamentalismus - eine Internetrecherche mit einer achten Klasse
Klaus Edel

Internetveröffentlichung zu: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 3/02. 32. Jg.

Charakterisierung der achten Klasse

Zur Zeit der Recherche bestand die Maturaklasse des Haydn-Gymnasiums aus 11 SchülerInnen, von denen einer als außerordentlicher Schüler nur über mangelhafte Deutschkenntnisse verfügte. Hervorzuheben ist auch die starke Multikulturalität, die sich aber immer wieder als Vorteil erwies, weil die Neugierde am "Anderen", "Fremden" groß war und im Verstehen des Anderen und im Miteinander die große Stärke der Klasse lag. Der Vorteil der kleinen Klasse war, dass jede/r SchülerIn allein an einem Computer im EDV-Saal sitzen konnte. Drei SchülerInnen waren auch TeilnehmerInnen des Wahlpflichtfaches Informatik, wodurch sie über einen arbeitstechnischen Vorsprung verfügten.

Ziele der Recherche

Die erste Zielsetzung war, dass sich die SchülerInnen mit dem Fundamentalismus auseinandersetzen, sich der Wurzeln und der verschiedenen Spielarten bewusst werden und eine Reduktion auf die Formel, "Fundamentalismus, das sind die Schiiten im Iran", wie dies zum Teil das Schulbuch vermittelt, überwunden wird.
Die zweite Zielsetzung bezog sich auf den kritischen Umgang mit dem Internet, indem in der Schlussphase der Recherche die Frage der Qualität der Texte stehen sollte.

Die Arbeitsschritte:

Die Annäherung an das Thema erfolgte mit einem stummen Dialog, um das Vorwissen der Klasse festzustellen.

Ergebnisse des stummen Dialogs zum Thema Fundamentalismus

Nach der Aufarbeitung des entstandenen Tafelbildes bekamen die SchülerInnen als Einführung eine gekürzte Fassung des in dieser Nummer abgedruckten Artikels von Clemens Six.

In der nächsten Einheit suchten alle im Internet unter http://www.wissen.de Eintragungen zum Thema Fundamentalismus. In der Folge diskutierten die SchülerInnen die Übereinstimmungen bzw. Abweichungen zum Artikel von C. Six. Schließlich bildeten sich 5 Gruppen, die sich selbständig als Schwerpunkte Christlichen Fundamentalismus (2 Gruppen) bzw. Fundamentalismus im Judentum, Islam und bei den Hindus wählten, wobei es die beiden Musliminen der Klasse ein Anliegen war, das Thema Islam zu behandeln.
Nach Wiederholung der Ergebnisse der vorangegangenen Stunde stand die Behandlung der Arbeitsfragen auf dem Programm.


Arbeitsfragen:

  1. Auf welches Fundament beruft sich die Gruppe?
  2. Was sind ihre wichtigsten Aussagen?
  3. Wo ist die Gruppe verbreitet?
  4. Welche Rolle spielt sie in der Öffentlichkeit?
  5. Ist die Gruppe in Konflikte verwickelt? Welche?
  6. Welche weiteren Erkenntnisse hast du noch gewonnen?

Die SchülerInnen benutzten hauptsächlich die üblichen Suchmaschinen, in einem Fall wurde auch "metager" verwendet. Ich hatte zwar einige Links vorbreitet, doch erwies sich dies als überflüssig, da alle zu eigenen Ergebnissen kamen. Am wenigsten fündig wurde die Gruppe, die über den Hindufundamentalismus recherchierte. Arbeitstechnisch wichtig war, dass die SchülerInnen ihre Arbeitsschritte dokumentieren mussten, wodurch ein sinnlosen sich Verlieren im Web bzw. ein Abtauchen in andere Themen wegfiel.
Die vierte Einheit diente der Fortsetzung der Nachforschungen bzw. der Sichtung der Ergebnisse und der Vorbereitung der Präsentationen. Die Form blieb den SchülerInnen überlassen.
Die fünfte Einheit war der Präsentation vorbehalten, wobei eine Gruppe fehlte, die dann erst zu einem späteren Zeitpunkt ihre Aufgabe erledigte. Keine Gruppe benutzte das Internet als Präsentationsmedium, eine Gruppe hatte ein Plakat vorbereitet, zwei teilten sich das Referat auf bzw. ergänzten einander, in zwei Fällen referierte eines der beiden Gruppenmitglieder.
In der sechsten Einheit wurde die Qualität der Texte diskutiert. Die zentrale Frage war, woran man in den meisten Fällen erkennen kann, ob es sich um einen seriösen Text oder um Trash handelt.

Probleme

Im Laufe der sechs Einheiten tauchten eine Reihe von Problemen auf. Eines war, dass nicht immer alle SchülerInnen anwesend waren, so fehlten in der vierten Einheit sieben SchülerInnen und bei der Präsentation zwei, sodass, wie schon erwähnt, diese Gruppe erst zu einem späteren Zeitpunkt referieren konnte. Dieser "gleitende Unterricht" wird immer mehr zum Problem, vor allem, wenn man Randstunden zu unterrichten hat.
Bezüglich des Arbeitsniveaus gab es zwischen den Gruppen große Unterschiede, da die Wahlpflichtfachgruppe Texte und URLs ohne Probleme kopierte und für die Dokumentation und Präsentation zusammenstellen konnte, während andere stattdessen zu exzerpieren und abzuschreiben begannen. Dementsprechend war auch das Arbeitstempo unterschiedlich.
Das Projekt lief nicht ganz reibungslos ab. So hatte ich beispielsweise übersehen, dass an einem der beiden Tage, an denen ich die achte Klasse unterrichte, der EDV- Raum belegt war (der zweite war durch Umbauten unbenutzbar), doch konnte ich durch das Entgegenkommen meiner Kollegin dann den Raum zweimal statt ihr für die Recherche verwenden. Eine Einheit musste ad hoc verschoben werden, da durch Systemumstellung das Internet nicht benutzbar war.
Nachteilig waren die Einzelstunden, denn von 50 Minuten Unterricht ging kostbare Zeit verloren, bis alle Geräte hochgefahren und arbeitsbereit bzw. am Ende der Stunde wieder abgeschaltet waren.

Feedback

Im abschließenden Feedback haben alle SchülerInnen bestätigt, dass ihnen die Recherche gefallen hat und betonten besonders die Freude an der eigenständigen Arbeit. Als zu einem späteren Zeitpunkt die Frage des Fundamentalismus erneut auftauchte, war noch überdurchschnittlich viel von dem bei der Recherche erarbeiteten Wissen vorhanden.

Internetveröffentlichung zu: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 3/02. 32. Jg.


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