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Internationale Migration. Eine globale Herausforderung: Einleitung

Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 4/04, 34. Jg.


Dieses Heft verfolgt zwei Ziele: Defizite zu reduzieren und den geographischen Horizont zu erweitern. Es ist notwendig, hervorzuheben, dass Migration kein europäisches Spezifikum darstellt und Migrationsbewegungen zwischen Staaten an der Peripherie und industrialisierten Ländern häufig als dominante Erscheinungsform angesehen werden; in Wirklichkeit sind sie allerdings lediglich ein Aspekt eines deutlich komplexeren Hintergrunds.

Im ersten Artikel bieten Hödl/Husa/Parnreiter/Stacher einen Überblick über Migrationstrends und die Integration einer zunehmenden Zahl von Ursprungs- und Zielländern in das weltweite Migrationssystem. Die Mechanismen, welche Migration auslösen, werden genau untersucht, ebenso die vielfältigen Formen, in denen Migration auftreten kann. Hiermit wird verdeutlicht, dass die Komplexität internationaler Migration ständig zunimmt: Die meisten Staaten, die eine wichtige Rolle in der internationalen Migration spielen, sehen sich nicht bloß mit einer Art von Migration alleine konfrontiert, sondern einem breiten Spektrum verschiedener Formen der Migration, von "klassischer" Migration permanenten Charakters über (meist temporäre) Formen der Arbeitsmigration, Kettenmigration in Form von Familienzusammenführungen bis hin zu Flüchtlingsbewegungen. Der quantitative Sprung, der sich im Gefolge der Globalisierung ereignete, findet sowohl in der Anzahl der Migranten als auch in der Anzahl migratorischer Aktivitäten in den betroffenen Regionen (unabhängig, ob Ziel- oder Ursprungsregion) Ausdruck.

Der amerikanische Soziologe Douglas Massey stellt uns eine politische Ökonomie der Migration vor. Er thematisiert die Rolle des Staates im Zusammenhang mit Migrationsprozessen und unterzieht auf Migrationskontrolle gerichtete politische Maßnahmen einer kritischen Analyse. Douglas Massey präsentiert uns neue Vorschläge zu neuen Formen der Migrationspolitik und -regulierung.
Christof Parnreiters Artikel versucht, Migrationsbewegungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten wie auch der US-amerikanischen Immigrationspolitik auf den Grund zu gehen. Die restriktive Immigrationskontrolle, die mit einer Intensivierung der Marktbeziehungen Hand in Hand geht, wird untersucht und in Frage gestellt.

Heinz Fassmann und Rainer Münz beschäftigen sich mit der EU-Erweiterung und zukünftiger Ost-West-Migration in Europa. Sie präsentieren alle relevanten empirischen Erkenntnisse zum Migrationspotenzial in Osteuropa. Überdies erörtert dieser Beitrag die wahrscheinlichen Konsequenzen der Migration zwischen "alten" und "neuen" Mitgliedstaaten. Es gibt einen direkten Zusammenhang zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und einen indirekten Zusammenhang zur demographischen Entwicklung.

In den letzten Jahren sind Migration, Asylrecht und Unterbringung von AsylantInnen Dauerthemen der österreichischen Innenpolitik. Da sowohl der auslaufende wie auch der aufsteigend implementierte Lehrplan für die Sekundarstufe II der AHS den Stellenwert der Politischen Bildung und die Bedeutung von Projekten zur Stärkung der Handlungs- und Methodenkompetenz der SchülerInnen hervorheben, ist die Behandlung dieser Themen im Unterrichtsfach Geschichte und Politische Bildung nicht nur naheliegend, sondern auch notwendig, weil immer mehr SchülerInnen eigene Erfahrungen mit dieser Problematik haben. Damit im Zusammenhang sind die drei Artikel von "Migration in Unterricht und Kommunalpolitik" zu sehen. Harald Schweighofer stellt ein aktuelles Projekt zur Asylantenbetreuung in Hall/Tirol vor, das sich deutlich von der sonst üblichen Hospitalisierung in Asylantenheimen unterscheidet. Klaus Edel berichtet über zwei internationale Schulprojekte zum Thema Migration, die mögliche Ansätze zur Behandlung im Unterricht anbieten.

November 2004, Die Redaktion


Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 4/04, 34. Jg.
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