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Geschichte und Kommunikation: Vorwort

Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 2/98. 28. Jg.

Die folgenden Beiträge bieten zweierlei: zum einen Ausblicke auf die aktuelle medientheoretische Diskussion, zum anderen Fallbeispiele aus historischen - und teils wenig bekannten - Medienlandschaften.
So verknüpft der einleitende Artikel die Darstellung eines frühen "Massenmediums" - des Bänkelsängers - mit allgemeinen Fragestellungen von Kommunikationsgeschichte.
Frühformen der Massenkommunikation - Predigt, Holzschnitt, Buchdruck - behandelt auch der Beitrag von Michael Mitterauer. Er zieht eine Entwicklungslinie von der mittelalterlichen Massenpredigt zu Formen individualisierter Frömmigkeit, die ihrerseits ein Grund waren für die gesteigerte Nachfrage nach massenhaft vervielfältigbaren Andachtsbildern und Andachtsbüchern. Ausblicke auf Ostkirche, Judentum, Islam und China belegen die These von früher Massenkommunikation als Merkmal des "europäischen Sonderwegs".
Florian Korczak liefert eine dichte Analyse struktureller Eigenheiten des Mediums Buchdruck und seines historischen Veränderungspotentials: Dieses umfaßt die menschliche Wahrnehmung ebenso wie Formen der Verbreitung, Zirkulation und Kontrolle von gesellschaftlichem Wissen oder die Vorstellungen von Autorenschaft und geistigem Besitz.
Von magischen Büchern im Frankreich der frühen Neuzeit handelt der Beitrag von Ulrike Krampl. Sie lenkt damit die Frage nach den Auswirkungen des Buchdrucks auf einen konkreten Themenbereich der Sozialgeschichte und zeigt, wie Bücher zu Faktoren werden, die soziale Praxis neu strukturieren, die sozialen Akteure auf neue Weise zueinander in Beziehung setzen.
Den Versuch, gegenwärtige Entwicklungen der Medienlandschaft auszuloten, unternimmt im letzten Beitrag Ernst Langthaler. Er versteht das Internet als virtuelles Feld, das Raum, Zeit und damit: Arbeit, Geschlechterverhältnissen, Machtstrukturen etc. seine spezifische Logik aufprägt - ohne deshalb einziges und allein wirkungsmächtiges soziales Feld zu sein. Mit seinem Plädoyer für einen Weg zwischen "blinder Euphorie und radikaler Skepsis" nimmt der Autor auch Stellung zur aktuellen Diskussion über soziale Auswirkungen neuer Medien.
Die Beiträge entstanden aus dem Gedankenaustausch zwischen Romanistik, Germanistik, Sozialgeschichte und Historischer Anthropologie. Sie verstehen sich als Versuch von interdisziplinärer Zusammenarbeit. Wir hoffen, daß die Ergebnisse unserer Debatten auch ein weiteres Publikum interessieren.


Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 2/98. 28. Jg.
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