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Sigrid Wadauer

Disziplinen der Wanderschaft

Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 3/98. 28. Jg. S. 128 - 137.

Einleitung

Eine Wanderschaft von mehreren Jahren galt in vielen Branchen des mitteleuropäischen Handwerks bis ins 19. Jahrhundert als fester Bestandteil des Lebenslaufs. Der Charakter der Wanderschaft, ihre konkrete Gestaltung war immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen Gesellen, Meistern und Obrigkeiten. Ob Wanderschaft nun tatsächlich der Ausbildung im Metier oder dem Technologietransfer und der Gewerbeförderung zugute kam, oder ob sie - so die Kritik - der Arbeitsscheu, der Abenteuerlust der Gesellen oder den zünftischen Abschließungsbestrebungen der Meister Vorschub leisten sollte, ob sie der flexiblen Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften diente oder dem Bildungs- und Reisewillen der Gesellen - das sind Fragen, die auf Positionen in einem Definitionsstreit verweisen, der die Historiker beschäftigt, wie er Teil des Gegenstands ist (Ehmer 1988; Bräuer 1988; Reith 1994).
Verschiedene Instanzen wollten die Gesellenwanderung bestimmen und die Gesellen kontrollieren. Vagabundage, Bettelei und Arbeitsscheu sollten klar von Wanderschaft geschieden und verhindert werden.
"Ein großer, wenn auch vielfach wechselnder Teil unserer Nation bringt jahraus jahrein sein Leben auf der Landstraße zu. [...] Mitten hinein in die heimatlose Bevölkerung ist nun auch das Handwerk geworfen, und die Gefahr liegt nicht fern, daß es sich mit ihr vermische." (Perthes 1883:18f)
Selektive Förderung und Restriktion von Mobilität wurde verstärkt im Rahmen der merkantilen Gewerbepolitik des 18. Jahrhunderts angestrebt. Als gefährdet und gefährlich galten vor allem ärmere Massengewerbe. In hochspezialisierten Gewerben wurde demgegenüber das Gesellenwandern gefördert.

Zunft als Ordnung

In mehrerer Hinsicht liegt die Wanderschaft zum Disziplinierungsparadigma quer. Handwerk als Objekt obrigkeitlichen Disziplinierungsbegehrens scheint per Definition nicht mit dem wilden "Rohstoff", dem "leidenschaftsdurchtränkten Leben" (König 1992:23f) übereinzustimmen, den sich manche Disziplinierungs- oder Zivilisierungshistoriker vorstellen: Von urwüchsigen menschlichen Verhaltensweisen, dem unkontrollierten Ausleben von Trieben und Gefühlen in verschwenderischer Lebensführung (Buchholz 1991:133f) kann hier wohl nicht die Rede sein.
Vielmehr scheint zünftisches Handwerk schon begrifflich als geordneter Zusammenhang eher dem zu entsprechen, was Oestreich als Sozialregulierung definiert hat, und die traditionelle Sicht der Geschichtsschreibung auf das Handwerk liefert auch das Bild eines sozialdisziplinären Wunsches und eines Willens nach Ordnung auf allen Gebieten (Schulze 1987:265): "Sie wurde im Innern zusammengehalten und nach außen abgeschlossen durch ein von scharfen Sanktionen wachgehaltenes Normen- und Regelgefüge" (Bade 1982:1). Zunftordnungen - deren Zahl in der Frühen Neuzeit zunimmt - scheinen auch oftmals auf Wunsch der Handwerker selbst erlassen. Allerdings war die Autonomie der Zünfte in Österreich seit dem 16. Jahrhundert eher gering, vor allem im 18. Jahrhundert übernahmen sie auch staatliche Verwaltungsaufgaben.
Immerhin, auch die zünftigen Gelage und Exzesse sind irgendwie ordentlich geregelt. Die neuere handwerksgeschichtliche Forschung ist davon abgegangen, Regelsetzung(sversuche) und Gewohnheit vorschnell in eins zu setzen, und bestrebt, die Bedeutung handwerklicher Ordnungen und Organisationen neu zu überdenken (Ehmer 1998a; Müller 1995) und die Reichweite der multifunktionalen Organisation der Zünfte, ihre praktische Relevanz für das Leben der Handwerker zu relativieren. Darüber bleibt auch zu bedenken, daß bereits im Wien des 18. Jahrhunderts nur noch eine Minderheit der Handwerker - wenn auch unterschiedlich nach Branchen - in Zünften organisiert waren. Beim Handwerk kann also keine saubere Front zwischen ordnender Obrigkeit und unordentlichen Untertanen aufgetan werden. Gerade in den Debatten zur Aufhebung der Zünfte wird immer wieder auf deren Bedeutung für Erziehung und Ordnung hingewiesen und dem ein durch Gewerbefreiheit drohendes Chaos von Konkurrenz und Freiheit entgegengestellt.
Disziplinierungstheoretiker haben allerdings immer wieder ein idealtypisches Ausschlußverhältnis von traditionaler und rationaler Herrschaft, eine fundamentale Verschiedenheit von deren Normen (Breuer 1986:49; Grießinger 1981) eingeklagt. Traditionale Instanzen würden zwar moderne Disziplinierung in die Wege leiten können, wären moderner Disziplin jedoch entgegengesetzt, das Handwerk zum Beispiel aufgrund eines schwankenden und unregelmäßigen Absatz- und Arbeitsverlaufs, aber auch aufgrund der Eigentumsverhältnisse und dementsprechend primär außerökonomisch wirkenden Zwängen (Breuer 1986:49). Wie neuere Forschungen zum Handwerk haben jedoch auch Arbeiten zur Fabriksdisziplin die Dichotomie von Traditionalität und Modernität in Frage gestellt (Lüdtke 1992).

Zunft als Unordnung

Galt den Befürwortern die Zunft als Erziehungsagentur und die ideologische Konstruktion des "Ganzen Hauses" als wünschenswerte Herrschaftsinstanz, so wurden seit dem Ende des 18. Jahrhunderts vermehrt Stimmen laut, die die "Barbarei" des Handwerks anklagten. Im Mittelpunkt der Kritik standen die Härten, denen die Lehrlinge ausgesetzt seien: Körperliche Mißhandlung durch Meister und Gesellen, der Zwang zu berufsfremder Hausarbeit, das Fehlen beruflicher Qualifikation, schlechte Kost und Unterbringung wurden bemängelt. In der Vorrede zu den Lehrerinnerungen des Seilers Probst etwa heißt es:
"Die Handwerker machen keinen unwichtigen Theil von den Bewohnern Deutschlands aus. Die Zahl ihrer Untergebenheit ist also auch nicht geringe, und es heischt die Menschlichkeit, das Leiden dieser Unterdrückten, die schon so frühzeitig ihren Nacken unter ein grausames Joch beugen müssen, zu lindern. Es ist schrecklich wenn Kinder, derer körperliche und geistige Kräfte sich erst eben zu entwickeln anfangen, sogleich auf tausenfache Art unterdrückt, gemißhandelt, verdorben und unglücklich gemacht werden." (Anonym/Probst 1790:7f)
Eine Lehre unter der "Tyranney der Meister und Gesellen gegen diese armen Creaturen" (ebenda:11) schien zudem eine schlechte mentale und berufliche Ausstattung, um die Wanderschaft anzutreten - eine Lebensphase von einigen Jahren, in der die jungen Gesellen zumindest zeitweise dem Zugriff von Zunft und Obrigkeit entzogen schienen. Um den Versuchungen der Fremde und der zeitweiligen Aufsichtslosigkeit nicht zu erliegen, schienen die Lehrlinge selten ausreichend mit Können und Moral imprägniert zu sein.
"So gleichartig freilich sind die Wandergesellen nicht, wie sie dem erscheinen, der ihnen im Wagen vorüberfährt oder gegen Abend auf einem Spaziergang vor der Stadt einen Groschen in die Mütze wirft: [...] Aber das Wanderleben in der Fremde trifft sie doch alle in derselben Weise und das Wanderleben hat seine große Gefahr; es ist ein Boden, auf welchem Übel aller Art wachsen und wuchern, auch ohne daß der Same des Bösen von außen herbeigebracht worden wäre; roh und ungeschlacht tritt der Natur der Sache nach die Sünde in diesen Kreisen auf, verdirbt den künftigen Meisterstand schon im Werden und bedroht die Nation in ihrem sittlichen Leben. Wochen und Monate muß oftmals der Wandergeselle kreuz und quer umherziehen, ohne Arbeit zu finden, auch wenn er sie wirklich sucht; bald glaubt er links, bald rechts sich wenden zu müssen. Mühen, Beschwerden, Entbehrungen mancherlei Art hat er freilich zu tragen, aber er trägt sie leicht, denn er ist jung und gesund und er ist auf der Wanderschaft sein eigener Herr: auf niemand hat er zu hören, niemand Rechenschaft zu geben; jedem Einfalle kann er folgen; blauer Himmel und Sonnenschein oder auch Schnee und Regen hat [sic] größeren Reiz als die dumpfe Luft der Werkstätte. Gar mancher Wandergeselle findet Geschmack an dem Umherstreifen; was er anfangs aus Not that, thut er nun aus Neigung, läßt gern Beschwerden sich gefallen, um nur an keine geregelte Arbeit und feste Ordnung gebunden zu sein; an jedem Tage hat er andere Gesellschaft, bald diesen, bald jenen Reisegenossen, bald diesen, bald jenen Eindruck, bald Entbehrung, bald Genuß in raschem Wechsel; andere Städtchen, andere Mädchen;" (Perthes 1883:21f)
Als Gefahr wurden auch die Zusammenschlüsse von Gesellen gesehen, die sich wohl zur gegenseitigen Unterstützung gebildet hatten und die auch eine Kontrolle über das Verhalten einzelner ausübten. Mobilität ermöglichte es nicht nur den einzelnen, sich drückenden Arbeitsverhältnissen zu entziehen, das organisierte Verlassen einer Stadt war im Fall kollektiver Auseinandersetzungen auch ein Machtinstrument der Gesellen. Da Mobilität von Personen stets auch Informationsfluß bedeutete, fürchtete man - vor allem seit der französischen Revolution - auch die Verbreitung politischer Ideen.
Im 18. Jahrhundert wurde versucht, gegen verschiedene Mißbräuche, wie sie im Reichsgutachten von 1731 beschrieben sind, vorzugehen. Man war bestrebt, die Wanderschaft nach Dauer und Ausrichtung zu reglementieren, ihre materielle Unterstützung zu regulieren und jedes vorzeitige Verlassen eines Arbeitsplatzes zu verhindern. Wanderschaft sollte gleichsam im Sinne des Technologietransfers gefördert, Vagabundage und Vagantentum sollten gleichzeitig streng bekämpft werden. Die wenig wünschenswerte Laufbahn eines Gesellen auf Wanderschaft wurde folgendermaßen geschildert:
"Mit den sehr mässigen Kenntnissen, die er sich als Lehrjung von seinen Handwerke gesammelt hatte, gieng er nun auf die Wanderschaft. Er durchstrich Länder, Städte, Märkte und Dörfer und fand endlich in einer Stadt oder Markt Arbeit, weil der Meister just einen Gesellen höchst nothwendig brauchte, der ihn aber, sobald ein besserer kam, fortschickte. Er gieng weiter, lief 3 oder 4 Jahre im Lande herum, bettelte, wenn er nichts zu leben hatte, verrichtete Heldenthaten im Wirthshause, hielt über den blauen Montag, zechte und tanzte, solang als Geld in der Tasche war, und kam nach rühmlich vollendeter Wanderschaft zum Trost seiner Freunde in seiner Heimath an. Hier ward er Bürger und Meister, heurathete, zeugte Kinder, treibts mit seinen Lehrjungen, wies sein Meister mit ihm getrieben hatte, und wirds so forttreiben, bis ihm der Todtengräber den letzten Liebesdienst erweisen wird. [...] Es gibt freilich auch viele von besserem Gepräge, Zierden des Handwerksstandes, der gemeinen und schlechten aber fast noch mehr." (Anonym 1781:14f)
War im 18. Jahrhundert von den Mißbräuchen der Gesellen die Rede, so hatte man vor allem deren Eigenständigkeit im Blick, ihre Streiks, den Boykott von Städten im Konfliktfall. Auch die Kontroll- und Ausschlußverfahren der Gesellenorganisationen schienen der Gewerbeförderung hinderlich. Gleichzeitig sah man in den Unterstützungskassen der Gesellen wünschenswerte soziale Einrichtungen.
Es scheint also nicht um einen Konflikt zwischen Disziplin und Natur zu gehen, sondern vielmehr darum, eine "archaische", "moralische" Disziplin gegen eine moderne zu ersetzen, um die gewünschten Effekte von Wanderschaft zu erreichen: Die Disziplin soll "produktiv" sein und nicht bloß beschränken (Schulze 1987:275).

Sozialdisziplinierung ade

Es soll hier nicht weiter versucht werden, Disziplinierungsbestrebungen aus obrigkeitlicher Perspektive, die "autoritär durchgesetzten Forderungen einer repressiven Staatsmacht" (Bogner 1996:127), ihre Grenzen oder ihr Versagen und ihre Vollzugsdefizite zu charakterisieren (Dinges 1991) - worauf manche Kritik des Disziplinierungsparadigmas aufbaut. Die "Andacht zum Staate" und die "Staatsbesessenheit", von der Oestreich spricht (1969:195), ist ihm selbst zum Vorwurf gemacht worden, als Kritiker auf die Grenzen einer Sicht verwiesen, die sich alleine auf herrschaftliche Quellen stützt. Noch weiter auf die Exegese, Kritik oder Modifikation des Paradigmas einzugehen, scheint wenig ergiebig.
Im folgenden möchte ich anhand einiger autobiographischer Texte von Handwerkern den Fragen nachgehen, ob und wie solche obrigkeitlichen Disziplinierungsbestrebungen überhaupt wahrgenommen wurden und welchen Gebrauch die Gesellen selbst von den Disziplinierungsinstrumenten machten. Die Beispiele, die ich hier ausgewählt habe, behandeln einige quer durch das ganze Material erstaunlich konstante Themenbereiche. Die Entstehungszeit dieser Texte fällt ins 19. Jahrhundert - also in eine Periode, in der die Disziplinierung als gesamtgesellschaftliche Tendenz bereits ihren Abschluß gefunden haben soll. Und dennoch zeigt sich, daß die einzelnen Gesellen in verschiedenen, konkurrierenden und sich häufig widersprechenden Bezügen agieren. Über die einfache Alternative Macht versus Widerborstigkeit kann damit hinausgegangen werden: Ganz im Sinne Foucaults verstehe ich Macht nicht als etwas, das von oben kommt, sondern als eine komplexe strategische Situation ohne Zentrum.

Wanderzwang?

Die Wanderpflicht war in Österreich und den Erblanden zwar bereits im 18. Jahrhundert sehr gelockert, nicht jedoch in den meisten deutschen Landen. Aus den Texten der Handwerker geht kaum hervor, ob es einen Wanderzwang gibt oder nicht. "Die Welt sehen" ist meist die Losung, unter die der Antritt der Wanderschaft gestellt wird. Auch die Handwerkerlieder stilisieren die Wanderschaft zu einer wenngleich oft gefahrvollen und harten, jedoch unverzichtbaren Erfahrung. Der Aspekt der beruflichen Ausbildung nimmt dabei, im Vergleich zum Streben nach Weltkenntnis, zum Sinn fürs Abenteuer und zur Bemühung um Lebensklugkeit einen nur wenig prominenten Platz ein.
Wanderschaft scheint verschiedenen Interpretationen zugänglich und dürfte wohl auch entsprechend flexibel gebraucht worden sein. In diesem Sinne steht auch die Beschreibung der Wanderschaft im Zusammenhang mit verschiedenartigen Tendenzen und Bezügen der Selbstdarstellung. Aber gleichwie sich die Verfasser von Wanderschaftserinnerungen stilisieren - ob als ehrlicher Handwerksbursche, als Abenteurer, als Bildungsreisender, als Opfer alten Zunftbrauchs usw. -, von Wanderzwang ist eigentlich nie die Rede, selbst dort nicht, wo als Ergebnis der Wanderschaft nur Krankheit, finanzieller Verlust und Enttäuschung stehen. Schon eher wird ein "Wanderdrang" ins Treffen geführt.
"Die Kunden [Gesellen, S.W.] erzählten sich ihre Erlebnisse, wobei freilich das Burschen-Latein eine wichtige Rolle spielte. Unglaubliche Abenteuer mit "Polypen" und Räubern wurden vorgebracht, wobei Einer den Andern im Aufschneiden zu überbieten suchte" (Krebs 1933:86). Diese Beobachtung stimmt mit den in der Autobiographik geschilderten Anekdoten überein. Wo Bedingungen der Reise thematisiert sind, werden meist auch Begegnungen mit Behörden, mit Grenzposten, Polizisten oder dem Bettelvogt, Schwierigkeiten mit Ausweispapieren und ähnliches geschildert. Die Figur des geschickten oder glücklichen Entkommens aus polizeilichem Zugriff gehört zum Repertoire der Geschichten, zum Beispiel, wenn man beim Betteln erwischt wird oder auch wie die Hüter von Recht und Ordnung doch mit sich reden lassen. Eine Spruchformel aus einer Zeremonie des Gesellenmachens bei den Büttnern (Faßbindern) verspottet die Anforderungen an einen Lehrling:
"So mit Gunst! Meister N.N., daß ich euch fragen mag: gebt ihr euren Jungen auf diß Mal ausgelernet? Hat er euch auch viel Holz und Reifen zerweicht und zerbrochen? Ist er auch oft bei Bier und Wein gewest und schönen Jungfrauen nachgeloffen? Hat er auch gerne gespielet und wacker geturnieret? Hat er auch gerne geschlafen und wenig gearbeitet, oft gegeßen und zeitlich Feierabend gemacht? Hat er auch seine Lehrjahre ausgestanden wie es einem ehrlichen Jungen gebührt und wol anstehet?" (Schade 1856:265f)
Wesentlich tugendhaftere Instruktionen will der Drechslermeister C. Weiß 1832 bei seinem Übertritt in den Status eines Gesellen bekommen haben. Im Sinne der Pflege, Stilisierung oder Erfindung einer handwerklichen Tradition setzt er sich über das seit alters her betonte Gebot der Geheimhaltung handwerklichen Brauchtums hinweg - noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschließen sich etwa manche alten Handwerker den Recherchebemühungen des Schweizers Krebs (Krebs 1933:90). Weiß jedoch - wie auch manch anderer Verfasser handwerklicher Lebenserinnerungen - verwendet solche Reden als volkstümliche Momente der Selbstdarstellung.
"Ich will es dir am besten sagen, wie sich brave Gesellen betragen,/Ich will es dir sagen nach altem Gebrauch,/Wie es mir und meinen Brüdern ergangen auch./Vermeide jedes Bubenstück,/Denn es zerstöret nur dein Glück,/Und such' das Laster stets zu meiden/Und sei auch sittsam und bescheiden./Wenn du ferner willst ausgehen/Und mit Ehren dann besteh'n,/Mußt du dich anständig kleiden/und alles Pöbelhafte meiden." (Weiß o.J.:7)
Der Eindruck von fortschreitender Akzeptanz der Sittsamkeit trügt. Spott und positive Bekräftigung drücken doch gleichermaßen die Anerkennung normativer Ansprüche aus. Aber so wie diese Unterweisungen der Gesellen differieren auch die Einstellungen gegenüber der Bettelei, dem "Fechten", gegenüber kleineren Diebstählen, Zechprellerei, alkoholischen Exzessen und Verstößen gegen Mobilitätsbeschränkungen.
Eine Selbstdarstellung im Zeichen des Lasters findet sich in Autobiographien bestenfalls als Vorstufe zur Läuterung. Aber die häufigen Berichte über die Verletzung verschiedener Normen lassen doch darauf schließen, daß Tugendansprüche nicht unbedingt einhellig geteilt wurden.

Kundschaften

Die Kundschaften, Ausweispapiere für wandernde Gesellen, wurden im alten Reich 1732 eingeführt (Stopp 1982:16ff). Sie sollten den Inhaber als zünftigen Gesellen ausweisen und so zunftinterne Erkennungszeichen, Gesten und Spruchformeln, die sogenannten Grüße, ersetzen. Außerdem sollten Kundschaften (wie später die Wanderbücher), da auf ihnen Arbeitsbestätigungen eingetragen waren, reguläre Kündigungen, Arbeitsbereitschaft und das Verhalten am Arbeitsplatz kontrollierbar machen. Darüber hinaus mußten Wanderziele durch die Obrigkeit bestätigt werden. Militärkonskribierte Gesellen durften etwa nicht mehr außerhalb österreichischer Länder reisen. Scheinbar zielloses Herumziehen und Vagabundieren sollten unterbunden werden. Die Abneigung der Gesellen gegen diese Ausweispapiere war groß.
Dennoch setzten sich die Kundschaften rasch durch, ebenso wie die Unregelmäßigkeiten in ihrem Gebrauch. Sie dürften oft gefälscht oder an Nichthandwerker abgegeben worden sein, entweder von Druckereien oder von Gesellen selbst. Zünfte stellten Kundschaften an arbeitsunfähige Handwerker aus, die damit herumwandern und Reiseunterstützungen empfangen konnten, statt den örtlichen Kassen dauerhaft zur Last zu fallen. Das Thema der Kundschaft und der damit verbundenen Kontakte mit den Behörden fehlt in kaum einem der Berichte über die Wanderschaft. Der Verlust der Kundschaft oder Ungenauigkeiten in der Ausfertigung konnten einen Gesellen in Bedrängnis bringen. Eine solche Situation schildert der Buchbinder Adam Henß vom Ende des 18. Jahrhunderts:
"Am Thore um meinen Paß befragt, griff ich in die Taschen, und siehe da, meine Brieftasche fehlte! Augenblicklich erinnerte ich mich, wo ich sie beym Abschied in Rostock hatte liegen lassen. Ich gestund dem Sergeanten meine Verlegenheit, und bat um Einlaß, weil ich am andern Tag nach Rostock schreiben, und mir meine Papiere kommen lassen wollte. Er machte ein bedenkliches Gesicht, seine Frau, die ihm eben das Vesperbrod gebracht hatte, schlug sich in das Mittel. 'Ach! liebes Männchen, der junge Mensch sieht mir gar nicht aus, wie ein Strohmer, laß ihn doch passiren,' bat sie vor. 'Ich sollt's, hol mich der Teufel nicht thun,' sagte der Sergeant, 'aber ich glaube es selbst, was meine Frau sagt, so passiren Sie denn ein und lassen Sie sich Ihren Paß nachkommen.' " (Henß 1986:150)
Nicht nur in diesem Fall thematisiert der Erzähler Flexibilität im Umgang mit den Papieren. Als er in kaiserlichen Gebieten Schwierigkeiten bekommt, gibt er, ein geborener Mainzer, vor, aufgrund der Kriegsgeschehnisse von 1803-1804 nur angeblich als Mainzer zu reisen, tatsächlich aber Preuße auf der Flucht vor der Rekrutierung zu sein. Damit stößt er bei dem zuständigen Beamten auf Verständnis und darf in die kaiserlichen Lande einreisen. Ähnliches Jonglieren mit Herkunft bzw. Kundschaft, um dem Militär zu entgehen, schildern auch andere Gesellen. Der Breslauer Tuchscherer Johann David Scholtz läßt sich zu diesem Zweck eine Kundschaft als Schweizer ausstellen (Scholtz 1993:175). Man schlägt die Obrigkeit gewissermaßen mit ihren eigenen Waffen. Gelegentlich wird auch berichtet, daß Herbergswirte oder Zunftvorsteher bei solchen Kunstgriffen helfen. Kundschaften dienen aber gleichermaßen auch der zunftinternen Kontrolle, und der Betrug kann sich ebenso gegen die Gewerbegenossen richten.
Kundschaften erscheinen also bloß auf den ersten Blick als Instrument obrigkeitlicher Kontrollbestrebungen, können jedoch tatsächlich für verschiedene Interessen genutzt werden, wollten doch auch Gesellen oft eindeutigen Aufschluß darüber erlangen, mit wem sie es zu tun hatten. Weit gereist zu sein, große und berühmte Städte besichtigt zu haben konnte innerhalb des Handwerks den eigenen Status erhöhen. Kundschaften waren in diesem Sinne auch als Sammelobjekte - oftmals waren sie kunstvoll gestaltet - oder als Nachweis der eigenen Weltkenntnis attraktiv.
Der Anforderung bzw. dem Wunsch, weit zu reisen, widersprach freilich die Verpflichtung, jede Arbeit anzunehmen, soweit man auch eine Reiseunterstützung ("Geschenk") angenommen hatte. Wollte man weit herumkommen, so schien es, soweit die Mittel vorhanden waren, geboten, Arbeit zeitweilig ganz oder zumindest an kleineren Orten zu vermeiden. Ob man sich darauf einließ oder nicht, dürfte manchmal auch von einer Risikoabwägung abgehangen sein, denn abgesehen von unmittelbaren Sanktionsandrohungen setzten allzulange Phasen der Arbeitslosigkeit die Wandergesellen dem Verdacht auf Vagabundage und Arbeitsscheu aus. Der Bäcker Bechstedt wird 1809 in Linz von der Polizei gefragt, warum er von Straßburg durch die ganze Schweiz gelaufen sei, ohne gearbeitet zu haben, denn es gebe doch immer Nachfrage nach Arbeitskräften. Auf diese Vorwürfe erwidert er: "Bin kein Knecht, hat mir auch noch niemand Arbeit angeboten". Der Polizist lacht hämisch (Bechstedt 1991:332). Als Bechstedt dann in einer Bäckerei um das "Geschenk" vorspricht, behält die Meisterin das Wanderbuch und zwingt ihn gegen seinen Willen - er möchte nach Wien weiterreisen -, 14 Tage in Arbeit zu treten.

Grenzen

Ähnliche Normenkonkurrenz fand sich auch dort, wo Städte und Länder Reise- oder Aufenthaltsbeschränkungen für Handwerksgesellen erließen, um der Bettelei entgegenzuwirken. Häufig waren Gesellen gezwungen, innerhalb weniger Tage eine Stadt zu verlassen, wenn sie keine Arbeit fanden, oder sie wurden erst gar nicht eingelassen. Vom Erfindungsgeist beim Überwinden solcher Schranken zeugen die Berichte der Handwerker. Der erwähnte Buchbinder Henß durchquert Wien kalkbeschmiert als Maurer, um nicht als Wanderbursche aufgehalten zu werden. Andere betreten in ihren besten Kleidern und ohne Felleisen die Stadt, um nicht als Handwerker erkannt zu werden oder zumindest, um nicht aufzufallen. Der Schneider Michaelsen, der zwischen 1834 und 1839 wandert, beschreibt einen Grenzübertritt folgendermaßen:
"Am 7. Oktober putzten wir uns ein bischen [sic], um recht sauber auf französischem Gebiet in Pontalier anzukommen. Auf der Präfektur zu Pontalier holten wir uns Pässe und gaben unsere Wanderbücher ab, die nach Paris geschickt wurden. Bekamen französische Pässe, ohne französisches Visum in unseren Wanderbüchern zu haben. Geld aufzeigen, freundliche Aufnahme. Wir marschierten dann noch einige Stunden bis zur dritten Grenzlinie." (Michaelsen 1929ff:229)
In Berlin versteht er es, die Beschränkung der Aufenthaltsdauer zu umgehen. Mittwochs kommt er in Charlottenburg an:
"Auf der Herberge angelangt, kleidete ich mich um, gab mein Felleisen in Verwahrung und ging spazieren. Ich besah die Hauptwache, das große köngl. Schloß und den mit Bäumen besetzten Platz vor demselben, in dessen Mitte ein hoher Springbrunnen steht.
Erst am Donnerstag gab ich mein Wanderbuch auf der Herberge ab. Da man sich ohne Aufenthaltskarte nur zwei Tage in Berlin aufhalten darf, so mußte ich am Sonnabend schon wieder visieren lassen, blieb aber noch bis Montag morgen bei Herrn Gümpel, einem Kollegen meines Vaters, wo ich die beiden letzten Nächte schlief." (Michaelsen 1929ff:191)
Manchmal müssen Gesellen Reisegeld vorweisen, um eine Grenze passieren zu dürfen, aber dies läßt sich ja auch kurzfristig von Reisegefährten ausleihen. Man meldet sich nicht wie gefordert als Handwerksbursche in der Herberge, sondern logiert anderswo. Die Auswahl an Kunstgriffen zeigt, daß geringe Hemmung bestand, von solchen Schlichen zu berichten.
"Nachdem ich 3 Tage in Berlin gewesen war, mußte ich zur Polizei kommen, wo mir aufgegeben wurde Berlin zu verlaßen, da kein wandernder Geselle länger als 3 Tage in Berlin bleiben dürfe, ich mußte nun angeben wohin ich reisen wolle, und so wurde mir ohne weiteres mein Paß nach Breßlau visirt. Gedankenvoll und betrübt ging ich von Polizeiberau, als ich jedoch so die Gr. Königstraße herunter ging, begegnete ich den Bäcker Heinrich Engel in Berlin, der beim Bäckermeister Lewes in der gr Kosterstraße als Werkmeister arbeitete und gerade zu seiner Frau gehen wollte dieser hatte früher bei meinen Vater die Bäckerei erlernt, und er war hoch erfreuet, als er mich hier traf. Ich erzählte ihm das ich bereits seit 3 Tagen in Berlin sei und das man mir eben angedeutet hätte Berlin verlaßen zu müssen. Er ging darauf gleich mit mir zu seinen Meister, und bat ihn mich doch als bei ihn arbeitend anzumelden weil ich nur unter dieser Bedingung in Berlin bleiben können, dieser that es auch, und so blieb ich in Berlin, und Engel bemühte sich mich Arbeit zu verschaffen, was ihm bald gelang." (Tacke 1838:3f)
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wird in den Berichten zunehmend häufiger die Polizei erwähnt, vor allem im Zusammenhang mit Schilderungen vom Fechten. Wie es scheint, wird die Delinquenz der Gesellen insgesamt ein prominenteres Thema in Reiseberichten von Handwerkern.

Gesellenschaft

In den autobiographischen Texten wird kaum einmal eine strengere Polizeiaufsicht gefordert, hat man ja in der Regel selbst immer mit dieser, mit Behörden und Grenzen der eigenen Beweglichkeit zu tun. Sich jedoch vom gemeinen Gesellen abzugrenzen, scheint wiederum zum guten Ton zu gehören, und zwar umso mehr, je wortgewandter und reflexiver eine solche Abgrenzung gelingt.
Wandernde Gesellen versuchten sich nicht bloß in unbehelligter Übertretung gesetzter Normen. Sie hatten zugleich ja auch ein Interesse an akzeptierbarer sozialer Zugehörigkeit.
Gesellen waren nicht nur obrigkeitlichen oder unter dem Einfluß der Obrigkeit gesetzten Normen unterworfen. Auch die Zusammenschlüsse der Gesellen im 18. Jahrhundert waren von sehr rigiden kollektiven Normen und einem hohen Konformitätsdruck bestimmt. Die Gesellenorganisationen boten um den Preis einer hohen kollektiven Normierung soziale Absicherung.
"Die Stärke der Gesellenbruderschaften lag in ihrem Doppelcharakter. Sie waren eine Korporation mit sozialen Funktionen, eigener Kasse und eigener Rechtsprechung. Das erlaubte es ihnen, über die Gesellen eine Macht auszuüben, die nicht weniger unerbittlich war als die des absoluten Staates, und ganz und gar unentrinnbar. Sie übersprang alle Grenzen im Reich und ging an die Existenz. Dies war die Innenseite ihrer Macht, und sie galt für alle großen Zünfte, wo gewandert wurde [...]" (Stürmer 1986:166)
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Bruderschaften aufgelöst, womit freilich nicht jeder kollektive Zusammenhang und jeder Gruppenzwang eliminiert war. In den autobiographischen Aufzeichnungen finden sich allerdings verschiedenste Hinweise auf Möglichkeiten zur Distanznahme. Oftmals wird auch eine Episode zu Beginn der Wanderschaft geschildert, die die eigene Entwicklung hervorheben soll. Anfangs unbeholfen und "blöde" laufen die Gesellen Gefahr, von älteren Kollegen um ihr Geld gebracht zu werden. Im günstigeren Falle finden sie einen Mentor, der sie in das Leben auf der Straße einweiht.
Baumgartner, ein Färbergeselle, ist 1847 schon etwa einen Monat in der Fremde unterwegs, als er folgendes in einer Herberge erlebt:
"Es waren viele Arbeitsburschen von verschiedenen Metie da, und einer kommt auf mich zu, und fragt: Sind sie Färber? Ja. Hui Färber, sprach er, Hui, antwortete ich. Es kommt mir sonderbar vor, fing er nun an, daß du so spät auf die Herberge kommst, und dich nicht einmal an unseren Tisch setztest. Diese Anrede frappirte mich ungemein; ich nahm Hut und Stock, und folgte ihm an den Tisch; er hieß mich trinken und eßen, und ich that es, hatte aber furchtbar bange; ich wußte zwar die Handwerksgebräuche, hatte aber noch nie etwas derartiges mitgemacht, und konnte mich daher nicht benehmen. Er brachte es bald heraus, daß ich nicht unterwiesen sei, und sagte nun ganz barsch: Für einen unzünftigen Gesellen gebe ich keinen Kreuzer aus, pack dic[h] vom Tische, und was du genossen hast, das bezahlst du. Mir standen über diese Behandlung die Thränen in den Augen, vorzüglich schämte ich mich vor den anwesenden Burschen, auf eine so[lc]he Art vom Tische gewiesen zu werden. Ich ging zur Herbergsschwester, fragte was ich schuldig sei, und sagte zugleich, der Arbeitsgeselle verlange, ich soll das Glas Bier, das ich getrunken, und das Brod, das ich gegessen, auch bezahlen, und mein Vermögen reichte kaum für meine Zeche.
Seien sie nicht so thöricht, sagte sie, er hat es angeschafft, und muß es auch bezahlen. Alle hatten nun Mitleid mit mir, den ich war damals ein gar schwaches Bürschchen; die Herbergsmutter schenkte mir das Schlafgeld, und die Schwester gab mir aus ihrer Tasche noch 2 Xr zu einen Seitl Bier. Der Arbeitsgeselle kam nun auch heraus, und zog gelinde Saiten auf, den die Reihe der Beschämung kam jetzt an ihn, als er seinen armen bedürftigen Handwerksgenossen von fremden Leuten so milde behandelt sah. Er erklärte dann, er wolle das Bier und Brod schon bezahlen, fragte ob ich den heute noch fortwolle, und meinte ich könnte zufrieden sein, ich hätte doch etwas von ihm genossen. Es war ein Mährer, ein starker untersetzter Bursche, und schilte etwas, ich habe ihn nie mehr getroffen. Ich ging wirklich sogleich ab, diese schimpfliche Ausweisung kränkte mich aber so, daß ich mich im Herausgehen kaum zu faßen wußte." (Baumgartner 1847-1853:38-41)
Wenngleich dies Baumgartners erste Begegnung mit solchen zünftischen Umgangsformen darstellt, was deren Verbreitung und Verbindlichkeit relativiert, ist es für ihn nicht belanglos, ob er sich entsprechend zu benehmen weiß. Darüber hinaus hat solch eine Einladung auch finanzielles Gewicht, was leicht zu verstehen ist, wenn man bedenkt, daß Baumgartner, nachdem er drei Monate an seiner ersten Arbeitsstelle arbeitete, sein Erspartes in nur zwei Tagen aufzehrt.

Wandernder Handwerksbursche

Wer die Gesellendisziplin einhält - und dies beinhaltet oftmals auch kollektives Trinken -, der läuft Gefahr, anderen Disziplinen zuwiderzuhandeln. Daß sich Gesellen von ihren Kollegen, vom Zwang zur Geselligkeit, vom gemeinschaftlichen Trinken und Absingen brutaler Lieder, von den Gesellschaften in großen Städten, wo man sich an das Sitzenbleiben gewöhne und nicht fortkönne, bis das Geld zu Ende sei, distanzieren, scheint so gesehen auch in einem Kontext mit unterschiedlichen handwerksexternen Normen zu stehen. Manche der Geschichten lesen sich freilich wie Erzählungen von Bekehrung und Läuterung zum vorbildlichen Handwerker. So entsprechen Bedenken gegen manche Aspekte des Gesellenlebens sicherlich auch den Sorgen der Eltern, die um die Tugenden und die Disziplin der Söhne fürchten. Der Zimmermann Pfeiffer etwa klagt in seinen Aufzeichnungen, er müsse auf der Herberge erscheinen und deshalb viel Geld ausgeben (Pfeiffer ab ca. 1797:21). Vielfältigste Befürchtungen beschäftigen auch seine Eltern, mit denen er einen regen Briefwechsel führt:
"Ich erhielt hier von meine Eltern einen Brief worin sie äußerten daß sie besorgt wären, wegen liederlicher Lebensart in Magdeburg, ich würde mich verführen lassen u[nd] aus schweifend werden u[nd] meine Gesundheit zusetzen; ich replicirte ihnen aber in meiner Antwort: daß sie sich unnöthige Sorgen machten [...]" (Pfeiffer ab ca. 1797:22)
"D. 15 Merz erhielt ich einen Brief worin mir meine Eltern schrieben: daß sie sich vielerlei Gedanken gemacht hätten über mein langes Schweigen, weil ich schon 4 Wochen von Braunschweig weg gereißt sei u[nd] noch nicht geschrieben. Wäre ich vielleicht unter die Soldaten oder Seelenverkäufer in Hamburg gerathen. [...] Um Arbeit hast du nicht dürfen fortreisen u[nd] um die Wanderjahre auch nicht; du bist darum fortgereist, um was zu lernen; also halt dein Geld zurathe u[nd] lerne was dafür u[nd] hüte dich für liederliche Gesellschaft, so wird Gott u[nd] Menschen an dir Wohlgefallen haben, und versprich dich nicht wieder mit Fortreisen, dann kanst du hernach machen was du willst. Diesen Sermon war mir nun zur Berücksichtigung gestellt. (Pfeiffer ab ca. 1797:28f)
Herbergen waren die Anlaufstelle für reisende Gesellen. Sie boten nicht nur Unterkunft, sondern oftmals auch zünftische Arbeitsvermittlung, waren der Ort für soziale Kontakte im Metier und für Zusammenkünfte. Als solches schienen sie auch zum Einfallspunkt von Reform- und Kontrollversuchen prädestiniert.
Aber den Wandergesellen schien nicht jede Herberge und nicht jede Gesellschaft auf der Herberge zu konvenieren. Wenn es möglich war, so wollten - gerade im späteren 19. Jahrhundert - die Gesellen in andere Wirtshäuser ausweichen. Vor allem Darstellungen, die die Handwerksgesellen in die Nähe der "gefährlichen Klassen" rücken, schildern Herbergen als zwielichtige Stützpunkte von Kriminalität, Konspiration, Unmoral und Exzeß.
"Aber im Verlauf ihrer Wanderszeit, im Umgange mit schlechten Individuen, durch den Aufenthalt in schmutzigen Herbergen verwilderten sie, lernten sie rohe Gemeinheiten, gotteslästerliche Reden, das verderbliche Kartenspiel, die Rauf- und Saufsucht, und kamen oft in unheilvolle Verbindungen. Gottlose Vagabonden und alte Zünftbrüder mit Karten in der Tasche, die öfters die jungen Handwerker auf ihren Reisen begleiteten oder in wüste Kneipen führten, haben schon manchem braven Handwerksburschen den Christusglauben aus dem Herzen herausgespottet." (Vocke 1856:4).
Der Verfasser dieser Zeilen bemühte sich um eine Reform des Herbergswesens im Sinne religiöser Moral. Eine detaillierte Hausordnung sollte Unanständigkeiten aller Art unterbinden. Solche Bestrebungen wurden von den Gesellen freilich nicht immer goutiert, selbst wenn man wenig für die Unreinlichkeit und das unkultivierte Treiben der Kollegen übrig hatte. Ein entsprechender Bericht findet sich in den Aufzeichnungen August Bebels:
"Hier übernachteten wir zum ersten Male in der Herberge eines christlichen Jünglingsvereins. Aber nur einmal und nicht wieder. Das muckerische, schleichende Wesen des Herbergsvaters widerte mich an. Am Abend mußte wir auf Kommando gemeinsam zu Bett gehen. Als wir die erste Etage erstiegen hatten, öffnete sich die Tür zu einem kleinen Saal und eine Choralmelodie tönte uns entgegen, die ein glatt gescheitelter, hellblonder Jüngling auf einem Harmonium spielte. Ueberrascht traten wir ein, neugierig auf die Dinge, die da kommen würden. Darauf trat der Herbergsvater auf ein Podium und las aus einem Gesangbuch einen Vers Zeile für Zeile vor. Die zitierte Zeile hatten wir unter Begleitung durch das Harmonium nachzusingen. Aehnliches war mir in einem katholischen Gesellenvereinshaus nicht passiert. In München zum Beispiel war an der Wand der Stube, in der wir zu zweit schliefen, ein gedrucktes Gebet angeschlagen mit dem Ersuchen, es vor dem Zubettgehen zu beten. Von einem moralischen Zwang keine Spur." (Bebel 1911:44f)
Das Schreiben über die eigene Wanderschaft darf sicherlich nicht allein in Beziehung zum Handwerk gesehen werden, sondern ist auch ein Hinweis auf die "Außenorientierung". Manche der Aufzeichungen präsentieren sich als Reisebericht, enthalten auch politische Stellungnahmen, wenden sich an eine lokale Öffentlichkeit oder an ein literarisches Publikum. Sie zeugen von Bildungsbestrebungen und von sozialem Aufstiegswillen. So gesehen kann es nicht verwundern, daß sich oftmals Bemerkungen finden, mit denen sich die Verfasser von den anderen, gemeinen Gesellen, von den Sitten in den Herbergen abzugrenzen versuchen. Man könnte auch vermuten, daß die Schilderungen von dem auf die Masse der Gesellen gerichteten Delinquenzverdacht befreien sollen. Aber in den meisten Aufzeichnungen finden sich Erzählungen über Normverletzungen und gleichzeitig Versuche, sich als tugendhafter Geselle zu präsentieren. Man scheut davor zurück, die eigenen Berufskollegen und deren Unkultur zu beschreiben, weil man sich ihrer schämt, verzeichnet jedoch im eigenen Tagebuch "ziemliche", "ungeheure" Räusche (Geyer 1830:18-25).

Ausbildung?

Hinweise darauf, daß das Reisen auf eine Fortbildung in der Profession hinzielt, stehen in den Beschreibungen oft eher im Hintergrund und beschränken sich auf allgemeine Bemerkungen. Der Tuchscherer Scholtz hat, wie er feststellt, sein Gewerbe erst in seiner ersten Stelle als Geselle richtig erlernt:
"Hier öffnete sich vor mich ein weites Feld meiner künfigen Lebensperiode, hier lernte ich erst meine Profession orndlich kennen und durch meine grosse Lust und Liebe, die ich immer davor hatte, bildete ich mich so aus, dass meine ganze künftige Lebenszeit davon abgehangen hat.[...] Als er sah, mit welchem Eifer und Lust ich arbeitete und mich seiner Sache annahm, setzte er ein unbegrenztes Vertrauen in mich, welches ich auch nicht gemissbracht habe. Es wurde mir auch eine Kasse anvertraut mit einer unbestimmten Einnahme. Hier erlernte ich alles, was damals zu einer Tuchschererei gehört." (Scholtz 1993:36)
Der Schlosser Grillenberger resümiert: "Ich war stolz, geschäftlich etwas gelernt zu haben. Auch ein gut Theil Lebenserfahrung hatte ich gesammelt, jedenfalls mehr, als wenn ich während der Zeit zu Hause hinter dem Ofen hocken geblieben wäre." (Anonym/Grillenberger 1897:2603)
Solche Rechtfertigung der Wanderschaft durch ihren Ausbildungseffekt verbindet sich häufig mit dem Topos der Kritik an der Lehre. Um für das Handwerk etwas zu profitieren, werden Anstrengungen unternommen, möglicherweise vorübergehend ein geringerer Verdienst akzeptiert. Qualifikation anzustreben heißt auch zu versuchen, in den Orten, die für ihre Gewerbeproduktion berühmt sind, zu arbeiten. So berichtet der bereits erwähnte Tuchscherer Scholtz über die Gründe für seinen vierwöchigen Aufenthalt in Bielitz 1811:
"Hier behauptete ich wieder einen Eigensinn, der mir wieder viel Zeit und Geld kostete. Es war nämlich zu dieser Zeit das Städtgen Bielitz in Kaiserlich Schlesien einer der wichtigsten Örter für Tuchmacherei und Tuchschererei, und fast ein jeder Tuchmacher- und Tuchscherer-Geselle wanderte nach Bielitz. Es war mir nun auch daran gelegen, Bielitz nicht nur zu sehen sondern auch dort zu arbeiten. Denn ich hätte mir meine ganze Fremde nicht gerechnet, wann ich nicht in Bielitz gearbeitet hätte. Es war ein besonderer Ehrgeiz von mir. Ich hätte ja von Wien den nächsten Weg über Prag und Dresden nach Berlin machen können. So machte ich einen Umweg von wenigstens 50 Meilen." (Scholtz 1993:174)
Die verschiedenen Wünsche, Hoffnungen, Bestrebungen, Gewohnheiten, Nöte, und Zwänge, die die Reiseroute im einzelnen bestimmen, auseinanderzuhalten scheint schwierig. Eine berühmte, große Stadt zu bereisen, war sicherlich mehr dazu angetan, den eigenen Status zu erhöhen, als in einer Kleinstadt zu bleiben. So etwa schaut sich der Buchbinder Geyer in einem Städtchen bloß pro forma um, denn, wie er feststellt, "in einem solch kleinen Neste möchte ich doch nicht bleiben" (Geyer 1830:14). Er reist nach Prag und tritt dort eine, wie er sagt, erbärmlich bezahlte Stelle an. In Wien, dem Ziel seiner weiteren Reise, angekommen, verzweifelt er jedoch an der langen Arbeitslosigkeit.
Deshalb sträuben sich die Wege der Gesellen gegen effektive Allokation, wie das auch die Historiker bemängeln: Nicht die neuen Orte des Gewerbefleißes, sondern die Traditionsorte ziehen die Gesellen an. Den wandernden Gesellen wird ein Mangel an Gespür für neue technische und ökonomische Entwicklungen zum Vorwurf gemacht (Elkar 1983:109f).
Die Schilderungen verweisen auch immer darauf, daß die Position im handwerklichen Betrieb, der Lohn, die Anstellung nach einer Probezeit, auch das Ansehen beim Meister sehr wohl von der professionellen Qualifikation, vom Wohlverhalten und von der äußeren Erscheinung der Wandergesellen abhängt. Nicht selten klagen diese über Schmutz, zerrissene Kleider, kaputte Schuhe sowie über die Mühen und Kosten, die eigene Ausstattung in Ordnung zu halten und Verwahrlosungserscheinungen entgegenzuwirken. Die buchhalterische Genauigkeit, mit der mancher Autor alle Einkünfte, Ausgaben, die zurückgelegten Strecken und die Wegzeiten protokolliert und die weiteren Reiseziele festhält, läßt möglicherweise neben einem stilistischen Einfluß von Reiseführern auch auf eine bestimmte Methodik und Selbstkontrolle in der Wanderpraxis schließen. Ein vertrauenserweckendes Auftreten kann auch über eine Einstellung entscheiden:
"In dieser Stunde kamen drei Nassauer Bäckergesellen vor das Haus, um zuzusprechen und ein Geschenk zu holen. Mein Vater brauchte einen Gesellen, war aber nicht gleich zugegen, und meine Mutter sagte: 'Die zwei Kerle haben abscheuliche Bärte, frage doch den jungen, schmalen, ob er nicht Lust zu arbeiten hat.'[...] Christian Minor zeigte sich geschickt und fleißig und war bald wie zum Hause und zur Familie gehörig." (Bechstedt 1991:28f)
Auf Freiwilligkeit basierend, steht zunehmend auch der Nutzwert der Wanderschaft (in Abgrenzung zur Gesellenzeit) zum Nachweis an. Wenig günstig ist beispielsweise die Bilanz des Bäckers Hirnschrodt, der die Wanderschaft von einer Phase häufigen Stellenwechsels vor allem innerhalb der Stadt abgrenzt.
"Ich kam nun zu dem Entschlusse nach Hause zu reisen, nachdem nun diese meine Wanderschaft weder zu einer glücklichen gehört, noch zu den erwünschten Erfolgen gerechnet werden kann.[...] Zuhause äußerte sich mein Vater, daß diese Wanderschaft viel Geld gekostet habe, aber wenn mans genau betrachtet, eigentlich gar nichts wert war, vielmehr es besser gewesen wäre wenn Du gar nicht fortgegangen wärest." (Hirnschrodt 1915/1922:100f)
Wanderschaft und Stellenwechsel scheinen für Hirnschrodt eher aus dem Unbehagen am Handwerk zu resultieren, eine individuelle Strategie, um Arbeit und Arbeitsbedingungen, deren Schilderung er breiten Raum gibt, zu entkommen. Unter diesem Aspekt wie auch als Bewältigung von Arbeitslosigkeit ist Wanderschaft ein seitens der Obrigkeiten auch bewußt eingesetztes Mittel zur Vermeidung sozialer Unruhen.

Resümee: Die Vielfalt der Disziplinen

Autobiographische Aufzeichnungen von Handwerkern zeugen von Selbstzwang wie von Selbstzensur. Ob man sich des Feierabends mit den Kollegen auf der Herberge oder aber mit Goethe auf der Stube amüsiert, ob man sich trinkfest oder gebildet gibt, ob man das Abenteuer sucht oder die gediegene Ausbildung, die Sehenswürdigkeiten in berühmten Städten oder die Arbeit - es scheint sich weniger um individuelle Neigungen zu handeln, als um die Anerkennung und um das Bemühen zur Durchsetzung verschiedener Wertmaßstäbe, an denen sich die Selbstdarstellungen wie die Wanderschaften orientieren.
Das Bekenntnis von Regelverstößen kann gerade ein Mittel sein, seiner Konformität Ausdruck zu verleihen, sei es, indem der Verstoß gesühnt und so die Norm wieder in Kraft gesetzt wird, sei es, daß man nur durch ostentativen Verstoß gegen eine Norm die Anerkennung in einem anderen Kontext erlangen kann (etwa indem der Handwerker bewußt und deutlich mit dem zünftischen Traditionalismus bricht, um sich als aufgeklärter Bürger zu zeigen). Aber es handelt sich nicht um einen bloßen Antagonismus von Normensystemen, sind doch die Wanderschaftsberichte selbst schon ein Versuch, handwerklicher Erfahrung zur literarischen Anerkennung zu verhelfen, eine spezielle Bildung als allgemein anerkannte und gültige durchzusetzen.
Die Widersprüche und Unentschiedenheit in manchen Darstellungen scheinen in den mehrfachen Bezügen, in denen die Gesellen agieren, zu gründen. Eine Perspektive, die nur die gewaltsame Übermächtigung durch obrigkeitliche Disziplinierungsmaßnahmen in Betracht zieht, übersieht die vielfältigen Aneignungsmöglichkeiten, Gegentendenzen und Modifikationen, denen solche Bestrebungen unterliegen. Jeder Aufstiegswille - von dem viele der Aufzeichnungen zeugen, wie sie wohl auch ein Mittel zum Aufstieg sein wollen - bedarf auch einer treffenden Einschätzung der Grundlagen sozialer Hierarchie, der Güter und der Eigenschaften, die zu erwerben sind, um die eigene Position zu verbessern. In dieser Anerkennung liegt eine Komplizenschaft mit den Herrschenden begründet, vor der jede andere, beherrschte Disziplin bloß noch als Disziplinlosigkeit erscheint.

(Orthographie und Zeichensetzung der Quellenzitate folgten dem Original)

Quellen

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Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 3/98. 28. Jg. S. 128 - 137.
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