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Editorial

Peter Feldbauer, Thomas Kolnberger, Gottfried Liedl, John Morrissey, Manfred Pittioni

Quelle: René Alexander Marboe : Entdecker, Conquistadoren, Navigatoren . Europas Aufbruch in die Welt 1450 - 1700. Wien, Mandelbaum, 2003.

 

Expansion, Interaktion Akkulturation - drei Schlagwörter, die Programm sind. Diese kleine Reihe hat sich zur Aufgabe gesetzt, handliche Bücher zu produzieren, die weder eine geschlossene Einheit, noch eine vollständige Behandlung des Themas sein wollen. Es ist uns ein Anliegen, den einzelnen Autoren soviel Gestaltungsfreiheit einzuräumen, solange sie am geforderten Leitmotiv orientiert bleiben. Somit sind die drei Schlagwörter nicht nur Programm, sondern ihre Abfolge die Struktur der historischen Herangehensweise. Interaktion ist unserer Ansicht nach der eigentliche Modus von Expansion und Akkulturation. »Aufeinander reagieren und wechselseitig im Verhalten beeinflussen« (Interaktion) bestimmt die Wege der Expansion, »der räumlichen Ausdehnung und Erweiterung eines Macht- und Einflussbereiches«. Keine gesellschaftliche Expansion ist jemals gleichmäßig und homogen verlaufen. In jeder Phase, ja bereits bei der Ursachenforschung, wird man auf Interaktion stoßen, die Akkulturation, »eine Übernahme fremder geistiger und materieller Kulturgüter und Anpassung an fremdes Milieu von Einzelpersonen oder ganzen Gruppen« zeigen. Kein Aufeinandertreffen von Menschen und Kulturen verlief wohl jemals in bloß eine Richtung. Menschen und Kulturen können nicht einfach verpflanzt, wie ein Samenkern in neue Erde gesenkt werden, um sich identisch zu reproduzieren, denn »Fremdes« wird ungesehen zum »Eigenen« gemacht. Die Auseinandersetzung als soziale Zusammenkunft ist Motor der Entwicklung, macht den Unterschied, und daher die Unterscheidung in der Darstellung und historischen Herangehensweise Sinn. Differenz wird als Chance und nicht als Makel aufgefasst.

Ein anderer Autor, eine andere Autorin, hätte zum selben Thema vielleicht ein anderes Buch geschrieben und andere Herausgeber die Themenschwerpunkte abweichend gesetzt. Die Zusammenstellung der einzelnen Bände wird dadurch aber nicht beliebig, sondern kreist in ergänzender Weise um die Expansion aus dem europäischen Raum, einem Raum, der zuallererst geographisch aufgefasst wird. Das Europa unserer Tage formiert sich eben erst in den Epochen, die auch unser Betrachtungszeitraum schwerpunktmäßig abdecken soll - vom europäischen Hochmittelalter bis zur späten Neuzeit. Und gerade die Erfahrung der überseeischen Ausbreitung europäischer Mächte und Menschen trug zur wachsenden Einheit der Weltgeschichte bei, an der Europa entscheidenden Anteil genommen hat. Durch Zusammenschau und Verflechtung der unterschiedlichsten Themenbereiche soll eine Gesamtdarstellung mit persönlich gefärbter Auswahl geschrieben werden, die mehr Zusammenhänge und Dichte zustande bringt, als Fragment überzogener Ambitionen zu bleiben, den alles umfassenden Sammelband zu verfassen.

Die Herausgeber


Quelle: René Alexander Marboe : Entdecker, Conquistadoren, Navigatoren . Europas Aufbruch in die Welt 1450 - 1700. Wien, Mandelbaum, 2003.
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