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Einleitung

Thomas Kolnberger/Ilja Steffelbauer

Quelle: Thomas Kolnberger/Ilja Steffelbauer/Gerald Weigl (Hg.): Krieg und Akkulturation. Wien, Mandelbaum, 2004

Krieg und Akkulturation sind ein in sich widersprüchliches Gespann. Während sich unter Krieg jeder etwas vorstellen kann, fehlt trotz Clausewitz und Epigonen eine klare und vor allem überzeitliche Definition dieses Zustandes. Anderseits ist die Definition von Akkulturation ebenso klar wie einfach: Sie ist die kulturelle Veränderung infolge eines Aufeinandertreffens von zwei autonomen und unabhängigen Gruppen. Prinzipiell betreffen diese Veränderungen beide Gruppen, praktisch ist das Ausmaß der Veränderung in der nicht-dominanten Gruppe größer als in der dominanten. So die Theorie. In der extremsten Konfrontation von Gesellschaften, welche der Krieg darstellt, wäre also gleichzeitig der größte Druck zur Übernahme fremder Kulturtechniken zu erwarten. Die umkämpften Kontaktzonen sind die Klassenzimmer in der Schule des Feindes, wo die Rolle von Lehrer und Schüler ebenso je wechselt, wie die Konjunkturen des Krieges selbst.
Das vorliegende Buch ist daher eine Sammlung von Fallstudien, welche diese Hypothese auf die Probe stellen, keine systematische "Kriegsgeschichte". Es ging aus einer Vorlesungsreihe und einem abschließenden Symposion an der Universität Wien hervor. Zu diesem trugen VertreterInnen verschiedener Disziplinen bei, von denen bis dahin die wenigsten einen Forschungsschwerpunkt in der Militär- und Kriegsgeschichte hatten. Gerade weil Krieg keine Sonderrolle als gesellschaftliche Aktivität hat, ist er von jedem wissenschaftlichen Standpunkt aus zugänglich. Eine zu enge Eingrenzung auf eine traditionelle Militärgeschichte steht dem Erkenntnisprozess nur im Wege.

Randzonen großer Imperien kristallisierten sich dabei als besonders bedeutsam für den militärischen Kulturtransfer heraus. Sie sind die dauerhaftesten Interaktionsräume zwischen Gesellschaften. Gerade in der Defensive an den Grenzen der Expansion ist die Bereitschaft zur Übernahme und Innovation am größten. So lange das eigene Rezept mit Erfolg belohnt wird, besteht wenig Anlass zur grundlegenden Änderung. Der Beginn der Gewalt ist nicht das Ende des Dialoges zwischen Kulturen, sondern eröffnet auf anderen Ebenen den Austausch wieder neu.
Dieser Ansatz birgt in sich die Gefahr einer scheinbaren Beliebigkeit. Deswegen weicht dieses Buch von üblichen Sammelbänden dahingehend ab, dass "Scharniertexte" die Beiträge ein- und zwischen ihnen überleiten. Damit verbinden sich chronologisch und räumlich weit auseinander liegende Stationen zu einem vielschichtigen Tableau. Ohne dass die historische Individualität des einzelnen Fallbeispiels in Frage gestellt wird, eröffnet sich die Möglichkeit zu strukturellen Vergleichen. Darüber hinaus, um der Intention ein "Studienbuch" zu liefern entgegenzukommen, wurde an die Artikel ein kurzes "Glossar" angeschlossen, welches den Text durch die Erklärung ausgewählter Begriffe ergänzt.

Die Herausgeber danken den Autoren der Beiträge für die Kooperation und das ehrliche Interesse an einem Thema, das immer noch mit Vorbehalten belastet ist. Wenn junge Wissenschaftler mit einem derartigen Ansinnen an Fachkollegen herantreten, kann die Publikation - gewissermaßen als Gegengabe - den ursprünglichen Beitrag nur ungenügend ausgleichen.

Die Herausgeber


Quelle: Thomas Kolnberger/Ilja Steffelbauer/Gerald Weigl (Hg.): Krieg und Akkulturation. Wien, Mandelbaum, 2004
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