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Vorwort

Bea de Abreu Fialho Gomes - Irmi Hanak - Walter Schicho

Quelle: Bea de Abreu Fialho Gomes/Irmi Hanak/Walter Schicho: Die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit. Akteure, Interessen und Handlungsmuster. Wien, Mandelbaum, 2003.

Die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit ist ein einführendes Lehrbuch. Es gibt einen Überblick über aktuelle Fragestellungen und Themen der Entwicklungszusammenarbeit und beruht auf den Erfahrungen der gleichnamigen Lehrveranstaltungen des Projekts Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Die Auswahl der Themen und Kontexte nimmt daher besondere Rücksicht auf die aktuelle Situation in Österreich. Seit dem Beginn dieser Lehrveranstaltungen im Jahre 1999 haben viele "entwicklungswissenschaftlich" engagierte Menschen Inhalte und Diskussionen mit uns gestaltet. Zahlreiche Vortragende von staatlichen, nichtstaatlichen und kirchlichen Entwicklungsorganisationen teilten ihre Erfahrungen mit uns. Studierende haben mit uns recherchiert, Themenstellungen vertieft, unsere Analysen in Frage gestellt und uns in Lernprozesse einbezogen.
Die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit ist heute geprägt von Sachzwängen, die auch die theoretischen Debatten beeinflussen. Die allgegenwärtige Rhetorik der Partnerschaft und Partizipation hat die paternalistische Bemühtheit der früheren Jahre abgelöst, ohne dass die Beziehung zwischen den Akteuren eine wesentliche Veränderung erfahren hätte. Daraus ergibt sich ein deutlicher Widerspruch zwischen Soll- und Ist-Zustand, zwischen Modell und Umsetzung. Die Auseinandersetzung mit der "Praxis der Entwicklungszusammenarbeit" stellt daher nicht so sehr die Qualität von Konzepten, Plänen und anderen Vorgaben in den Mittelpunkt, sondern widmet sich der kritischen Betrachtung des Ist-Zustandes. Das bedarf freilich der Analyse eines konkreten Kontexts, in unserem Falle das entwicklungsrelevante Netzwerk des Geberlandes Österreich, das sich aufgrund der bevorstehenden Gründung einer Agentur gerade in einer Phase des Umbruchs und der Neuorientierung befindet.
Untersuchungen zur Praxis der Entwicklungszusammenarbeit identifizieren durchwegs die Dominanz der Geber als ein wesentliches Problemfeld. Die Beziehungen zwischen den Akteuren sind asymmetrisch, und die Möglichkeit, Netzwerke und Kommunikation zu gestalten, ungleich verteilt. Die meisten Empfänger entwickeln eine bemerkenswerte Sensibilität gegenüber tatsächlichen oder vermeintlichen Ansprüchen und Kriterien der Geber. Letztere wiederum sind in der Regel so überzeugt von ihren guten Absichten, dass sie ihr Vorgehen nicht oder zu spät in Frage stellen. Ein offener, kritischer Aushandlungsprozess und partnerschaftliche Entscheidungsfindung sind bis heute die Ausnahme. In der Aufarbeitung der Ursachen und Mechanismen ist ein breiter und interdisziplinärer Zugang gefragt.
Welche Möglichkeiten bieten entwicklungswissenschaftliche Methoden nun, uns mit der Dominanz der Geber kritisch zu befassen ? Der erste Teil des Sammelbandes setzt einen analytischen Schwerpunkt. Historische Entwicklung, Begriffsklärung, Aufbau und Vernetzung von Organisationen und deren kommunikatives Handeln stehen dabei im Mittelpunkt. Mit den Methoden der kritischen Diskursanalyse werden Texte und kommunikative Prozesse auf ihre interessengeleitete Substanz untersucht: mit welchen kommunikativen Mitteln setzen die mächtigen Akteure ihre Pläne um und welche Gegenstrategien stehen den "Partnerinnen" und "Partnern" genannten schwachen Akteuren zur Verfügung.
Staatliche bzw. staatlich finanzierte Entwicklungszusammenarbeit nimmt dabei - nicht zuletzt aufgrund ihres öffentlich-politischen Charakters - die Position im Vordergrund ein.
Im zweiten Teil folgen Beiträge, die konkrete inhaltliche, regionale und organisationelle Schwerpunkte haben. Dem Überblick über Teilbereiche wird dabei mehr Raum gegeben als der Selbstdarstellung von Organisationen. Unterschiedliche Perspektiven auf neue Entwicklungen und Konzepte machen dabei die Diskussionspunkte aktueller Entwicklungen deutlich. Für die AutorInnen aus dem Bereich des BMaA ist festzustellen, dass sie ihre Beiträge im Rahmen der Lehrveranstaltung "Praxis der EZA" erstellt haben und damit keine offizielle Stellungnahme verbunden ist .
Verständlichkeit und "Benutzerfreundlichkeit" sind wesentliche Ansprüche, die an die Texte gestellt wurden. Wir haben daher auf Fußnoten weitgehend verzichtet; die Endnoten dienen vor allem für Verweise auf weiterführende Texte, bevorzugt Internetquellen. Ein Glossar am Ende des Bandes hilft dort weiter, wo der eine oder andere Fachausdruck im Text nicht vollständig erklärt ist.
Unser Dank als HerausgeberInnen gilt all jenen, die einen Beitrag geschrieben und sich dem intensiven und langwierigen Diskussionsprozess gestellt haben, der dem Erscheinen dieses Bandes vorausgegangen ist. Wir danken auch jenen, deren Beitrag nach langen Überlegungen aus Gründen des Umfangs oder der redaktionellen Geschlossenheit dieses Buches nicht mehr aufgenommen werden konnten. Der vorliegende Reader ist ein wichtiger Schritt zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Expertinnen und Experten der EZA und dem wissenschaftlichen Bereich an den österreichischen Universitäten. Als weiteres Medium der Kommunikation bietet die Internetseite des Projekts Internationale Entwicklung (http://www.univie.ac.at/int-entwicklung/) allen Beteiligten und Interessierten Informationen über die "Praxis der EZA" und die gleichnamige einführende Lehrveranstaltung.


Quelle: Bea de Abreu Fialho Gomes/Irmi Hanak/Walter Schicho: Die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit. Akteure, Interessen und Handlungsmuster. Wien, Mandelbaum, 2003.
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