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Für Vaterland und Heimat - Frauen in Slovenien 1900-2000

Marija Wakounig

Quelle: Querschnitte 11: Die gläserne Decke. Frauen in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa im 20. Jahrhundert. Herausgegeben von Marija Wakounig:
Verlag für Geschichte und Politik; München: Studienverlag 2003


VORBEMERKUNGEN

Der martialische und eher maskulin besetzte Titel Für Vaterland und Heimat (za narod in domovino) mag für ein Frauenthema unpassend erscheinen, für die slovenische Frauenbewegung im 20. Jahrhundert trifft er zu. Bewusst ausgelassen wurde der Zusatz (katholische) "Religion" (vera) bzw. "Gott" (bog), weil er für die zweite Jahrhunderthälfte nicht bestimmend war. Seit Beginn der slovenischen Frauenbewegung Ende des 19. Jahrhunderts setzten sich die Protagonistinnen für ihre geschlechtliche Gleichberechtigung, aber auch für die politische Gleichberechtigung der Slovenen innerhalb der habsburgischen Monarchie ein. Beide Forderungen waren mehr oder weniger die bestimmenden Konstanten der slovenischen Frauen im 20. Jahrhundert. In der politischen Gleichberechtigung der slovenischen Nation sahen sie auch die Chance, ihre eigene zu erlangen. Die Ambivalenz dieser Verquickung führte (ihnen) das 20. Jahrhundert vor Augen: Trotz der Zugehörigkeit Sloveniens zum Alten Jugoslawien (1918-1941) erlangten weder die Frauen noch ihre Nation Gleichberechtigung und Unabhängigkeit; in der sozialistischen Ära (1945-1990/91) waren sie den Männern erstmalig gleichgestellt, dafür war "ihr" Staat nicht unabhängig; die endlich erreichte Souveränität Sloveniens 1991 bedeutete eine Herausforderung an die Frauen, ihre geschlechtliche Gleichberechtigung und Unabhängigkeit zu wahren.
Der Vorsatz, eine Übersicht über die Entwicklung der Frauenbewegung und die Situation von Frauen in Slovenien im Laufe des 20. Jahrhunderts zu bieten, drohte bereits bei der Literatursuche und Literaturbeschaffung zu scheitern. In Slovenien selbst gibt es bis heute keine monographische Synthese zu diesem Thema. Obwohl in den letzten Jahren verstärkt Diplomarbeiten, Dissertationen und Abhandlungen zu verschiedenen frauen- und genderspezifischen Bereichen verfasst wurden, fehlt nach wie vor der berühmte rote Faden. Die Ursachen dafür sind mannigfaltig und nicht immer einwandfrei ergründbar, eine könnte in der noch immer stark patriarchalisch strukturierten slovenischen Gesellschaft liegen, eine andere darin, dass die während der sozialistischen Ära nicht nur am Papier erlangte Geschlechtergleichheit in Slovenien für die Erforschung von Frauen- und Genderthemen keine Sensibilität entstehen ließ.
Als Manko zu beklagen ist auch das Fehlen grundlegender Studien über Frauen nichtslovenischer Herkunft. Von d e r oder d e n slovenischen Frau/en zu sprechen, ist nicht ganz zutreffend. Slovenien war bis 1945 ein ethnisch gemischtes Gebiet mit slovenischer Bevölkerungsmehrheit. Deutschsprachige lebten eher in den urbanen Zentren und in der Sprachinsel Gottschee/Kocevsko, Italienischsprachige im Küstenland/Primorje, Ungarischsprachige im Übermurgebiet/Prekmurje und Slovenischsprachige mehrheitlich auf dem Land. Sofern sich Sachverhalte auf Frauen slovenischer Herkunft beziehen, wird die nationale Zuordnung auch verwendet; andernfalls erfolgt sie allgemein mit "Frauen Krains oder Sloveniens". Nach 1945 werden sowohl die Begriffe "slovenische Frauen" als auch "Frauen Sloveniens" verwendet, obwohl damit auch Frauen aus anderen jugoslawischen Teilrepubliken, die in Slovenien lebten, vereinnahmt werden.
Die Recherche ungemein erleichtert hat die fünfzehnbändige und beneidenswert gut aufbereitete Enciklopedija Slovenije. Als hilfreich erwiesen sich Zeitschriftenaufsätze in der Kronika, die bezüglich der Frauenthematik dem international bekannteren Zgodovinski casopis den Rang streitig macht. Dies mag daran liegen, dass in der Kronika Mikrostudien stärker berücksichtigt werden, die einen Vergleich sowie relevante Allgemeinaussagen ermöglichen.
Bei allen Mängeln soll die interessierte Leserschaft der Vorsatz milde stimmen, erstmalig im deutschsprachigen Raum den Versuch einer Synthese über die slovenische Frauengeschichte unternommen zu haben. Aus Platzgründen, aber auch wegen der unzureichenden Forschungs- und Literaturlage fehlen Bereiche wie Kunst und Kultur, Wissenschaft oder Sport, die den slovenischen Frauen Entfaltungsmöglichkeiten boten und ihnen auch zur internationalen Anerkennung verhalfen. Genannt seien hier stellvertretend für alle anderen die Opernsängerin Marjana Lipovšek, die Chemikerin Aleksandra Kornhauser oder die Leichtathletin Jolanda Ceplak-Steblovnik.
Als slovenischsprachige Österreicherin, als Wissenschafterin und auch als Mutter, die an den Errungenschaften der Frauenbewegung und der österreichischen Sozialpolitik partizipieren durfte, verneige ich mich vor den Leistungen jener Frauen, die im Kleinen Großes bewirkt haben. Ihnen sei dieser Aufsatz gewidmet.

HISTORISCHER ÜBERBLICK

Die Bevölkerung Sloveniens machte im Laufe des 20. Jahrhunderts eine wechselvolle Erfahrung sowohl mit den geographischen Benennungen des Landes als auch mit verschiedenen politischen Systemen. Bis 1918 war Slovenien als Kronland Krain, (Unter)Steiermark sowie Teilen von Görz Bestandteil der cisleithanischen Hälfte des Habsburgerreiches. Im November 1918 wurde es Teil des Staates der Slovenen, Kroaten und Serben (SHS), am 1. Dezember 1918 Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slovenen (Kraljevina Srbov, Hrvatov in Slovencev), vom 6. Jänner 1929 bis zum 10. April 1941 hieß es als Teil des Königreiches Jugoslawien Draubanat. Am 11. April 1941 wurde dieses als Teil des Königreiches Jugoslawien vom nationalsozialistischen Deutschland angegriffen, und in eine deutsche, eine italienische und eine ungarische Zone geteilt (Bahovec 2001: 453; Gow/Carmichael 2000: 42-50; Gullberg 2000).
Noch während des Zweiten Weltkrieges formierte sich in Slovenien - wie im übrigen Jugoslawien - eine effiziente Widerstandsbewegung gegen die feindlichen Okkupatoren. Auf dem Kongress des Antifaschistischen Rates für die nationale Befreiung Jugoslawiens (AVNOJ, Antifašisticno vece narodnog oslobodjenja Jugoslavije) in Bihavc´ 1942 wurde der Beschluss gefasst, das freie Slovenien mit dem Küstenland einem neuen föderativen Jugoslawien anzuschließen. Der zweite AVNOJ-Kongress in Jajce bestellte die erste jugoslawische Regierung während der Okkupation (Ferenc 1968). Nach dem Kriegsende 1945 übernahm in Slovenien die Befreiungsfront (Osvobodilna fronta, OF), die bereits drei Wochen nach dem Hitlereinmarsch 1941 gegründet worden war, die Macht. Damit hielt die Dominanz der Kommunisten im politischen Leben Sloveniens Einzug und behielt ihren Einfluss bis Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts (Prunk 1996:123-143). Den Zerfallsprozess des jugoslawischen Staates, der sich seit den späten achtziger Jahren deutlich abzeichnete, leiteten die sezessionistischen Bestrebungen der slovenischen Teilrepublik 1989 ein. Der "Bruderkrieg" im Juli 1990 führte zum Austritt und zur Gründung der souveränen demokratischen Republik Slovenien (The Case of Slovenia 1991).
Die einschneidenden politischen Veränderungen brachten der heute etwa zwei Millionen zählenden Nation (51 Prozent Frauen, 49 Prozent Männer) keine Homogenisierung, sondern förderten eher die Divergenzen. Die traditionellen patriarchalen Verhältnisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkten sich aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Heterogenität sogar in der Zwischenkriegszeit (1918-1941). Zu glauben, dass die Kriegswirren oder gar die Tätigkeit vieler Frauen in der Partisanenbewegung den männlichen Einfluss gebrochen oder ihn gar gemildert hätten, ist Wunschdenken. Obwohl der slovenische Befreiungskampf ohne die selbstlose Unterstützung der weiblichen Bevölkerung kaum möglich gewesen wäre, musste diese, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur aufrechterhalten hatte, darum kämpfen, das politische Wahlrecht zu erlangen. Zwischen 1945 und 1991 sowie danach stellte die Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine geschlechtliche Gleichberechtigung bereit. Während der Frauenfrage bis 1941 aus klassen- und religionspolitischen Motiven eine einheitliche Bewertung verwehrt wurde, gab es in der 46 Jahre dauernden sozialistischen Ära Ausgleichsversuche, die mit der Erlangung der Selbstständigkeit des slovenischen Staates 1991 aus politischen und religiösen Gründen teilweise aufgeweicht wurden (u.a. Jogan 1990).

ZUR GESCHICHTE DER SLOVENISCHEN FRAUENBEWEGUNG

Von den Anfängen bis 1918

Als Vorkämpferin für die Rechte der slovenischen Frauen gilt Marija Murnik-Horak (1845-1894). Die Schauspielerin und Rezitatorin von Werken slovenischer Dichter und Schriftsteller, die sich öffentlich für die Wahrung der slovenischen Muttersprache einsetzte, nutzte ihren Bekanntheitsgrad für weibliche Anliegen. Bereits 1870 scharte sie eine Gruppe von jungen Mädchen und Frauen um sich und ermöglichte ihnen verschiedene öffentlichkeitswirksame Auftritte (Šatej 1999:93; Govekar 1926:163f). Diese wirkten sich ebenso positiv auf die Sensibilisierung der Frauenfrage aus, wie die umstrittenen schriftlichen Stellungnahmen von Pavlina Pajk (Nekoliko besedic o ženskem vprašanju/Einige Worte zur Frauenfrage, 1884) oder von Zofka Kveder (Misterij žene/Mysterium Frau 1900) (u.a. Borovnik 1998:80, 85f).
1882 wurde in Ljubljana/Laibach der ethnisch gemischte Frauenverein der christlichen Liebe (Gospejno društvo kršcanske ljubezni) gegründet. 1918 erhielt dieser eine national-slovenische Konnotation, so dass sich die deutschsprachigen Frauen, die sich als Krainerinnen und nicht als Sloveninnen verstanden, nicht mehr angesprochen fühlten (Govekar 1926:164; Žatej 1999:94). Die 1886 gegründete Družba svetega Cirila in Metoda (Gesellschaft der heiligen Ciril und Metod) setzte sich zum Ziel, das zu erhalten und zu beschützen, was die Generation der nationalen "Wiedergeburt" (preporodci) gesammelt, vereint und gestärkt hatte. Die prosperierende Gesellschaft richtete verschiedene Filiationen ein, wobei jene in Triest/Trst/Trieste die agilste war, ging doch aus ihr die erste slovenische Frauenorganisation (1887) hervor (Vode 1998:126). Obwohl sie nicht unabhängig war, wurde sie ausschließlich von Frauen geführt, die sich für humanitäre, nationale und gesellige Anliegen stark machten (Žatej 1999:94).
Janez Evangelist Krek gründete 1894 in Ljubljana das Katoliško društvo za delavke (Katholischer Verein für Arbeiterinnen), das 1919 in die Krekova prosveta umbenannt wurde und in die sich noch andere Frauenvereine eingliederten wie: Zveza delavk (Bund der Arbeiterinnen), Zveza uradnice in trgovske nastavljenke (Bund der Beamtin und der Handelsangestellten) sowie die Zveza služkinj (Bund der Dienstbotin) (Fortunat 1992:98). Obwohl 1901 die Kršcanska ženska zveza (Christliche Frauenunion, 1919 Slovenska kršcanska ženska zveza/Slovenischer christlicher Frauenbund) nach dem Wiener Vorbild gegründet wurde, und zahlreiche slovenische Zeitungen die Frauen ermunterten, sich zu organisieren, fehlte eine Frauenorganisation, die nicht bloß Frauen aus der Oberschicht, sondern auch die zahlenmäßig meisten aus der Unterschicht ansprechen würde.
Eine wichtige Rolle für die Frauenbewegung spielte bis zum Zweiten Weltkrieg der 1898 gegründete unabhängige Društvo slovenskih uciteljic (Verein der slovenischen Lehrerinnen). Die Protagonistinnen forderten die Beseitigung der materiellen und ideellen Ungleichbehandlung und der Diskriminierung. Während sie ab 1902 vehement das Wahlrecht forderten, kämpften sie ab 1911 gegen das verpflichtende Zölibat für Lehrerinnen, das erst 1939 abgeschafft wurde (Fortunat 1992:98; Milharcic-Hladnik 1995; Vode 1998:128).
Franja Tavcar übernahm 1901 die führende Rolle in der ersten demokratischen Organisation der Laibacher Frauen. Sie wurde die erste Präsidentin der beiden Vereine Splošno slovensko žensko društvo (Allgemeiner slovenischer Frauenverein) und Žensko telovadno društvo (Turnverein für Frauen). Die "Seele" dieser bürgerlichen Frauenvereine war jedoch Minka Govekar (Vode 1998:128). Das slovenische Zeitungswesen, allen voran die Slovenka (Slovenin), die zwischen 1897 und 1902 in Triest erschien, sowie der liberale Slovenski narod äußerten sich zuversichtlich und lobend über die beiden Vereinsgründungen. Der Allgemeine Frauenverein setzte es sich zum Ziel, die Bildung der Mitglieder zu heben und die Ausbildung von armen und talentierten Mädchen zu fördern. Veranstaltungszyklen, Gründungen von Lesevereinen (citalnice) und Bibliotheken, Ausflüge, Konzertbesuche sowie die Einrichtung weiterer Filiationen auf dem slovenisch besiedelten Gebiet sollten den idealisierten Zielvorstellungen nahe kommen. In Ljubljana selbst wurde eine ca. fünfhundert Bücher umfassende Bibliothek eingerichtet, deren Bestand stetig wuchs, nicht zuletzt wegen verschiedener Aufrufe in Zeitungen, sich an Büchergeschenken für die Ausbildung von Frauen zu beteiligen (Žatej 1999:94). Im Rahmen von Vorträgen - als Vortragende traten u.a. Zofka Kveder und der berühmte, liberal orientierte Schriftsteller und Gemahl der Vorsitzenden, Ivan Tavcar, auf - bot man den Zuhörerinnen Einblicke in die Kunst, Kultur, Linguistik, in die Medizin; den Hauptschwerpunkt jedoch bildeten Frauenthemen und Fragen der politischen Gleichberechtigung (Fortunat 1992:100f). Dass es dem Verein ernst war, beweist die 1911 an das Abgeordnetenhaus gerichtete Protestnote gegen den §30 der Staatsgrundgesetze, der es den Frauen untersagte, Mitglied einer politischen Vereinigung zu sein (Žatej 1999:94; Govekar 1926:190).
Zwischen 1914 und 1917/18 widmete sich der Verein vorwiegend sozialen und karitativen Zwecken, ohne die gesellschaftspolitischen Anliegen von Frauen außer Acht zu lassen. Tavcar gelang es 1917, die liberal und christlich-sozial orientierten Frauen zu einer Zusammenarbeit in der so genannten Deklarationsbewegung zu mobilisieren, so dass etwa 20.000 Sloveninnen für eine Unterschriftenleistung unter die Maideklaration überzeugt werden konnten. Durch die Aufrechterhaltung eines Sozialwesens während des Ersten Weltkrieges und danach manifestierte der Verein seine Unverzichtbarkeit für das Sozialgefüge (soziale Netzwerke), zumal es ihm gelang, für verwaiste und verwahrloste Buben 1923 ein Heim einzurichten (Fortunat 1992:101f). Innerhalb des Alljugoslawischen Frauenbundes forderten die Sloveninnen die Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern und widersetzten sich 1925 der Einführung des serbischen, die Geschlechter diskriminierenden Erbrechtes.

Zwischenkriegszeit (1918-1941)

Generell muss festgestellt werden, dass die Frauenbewegung in der Zwischenkriegszeit durch die angespannte politische, wirtschaftliche und soziale Lage enormen Aufwind bekam. Die Frauen wurden nahezu dazu gezwungen, sich selbst zu organisieren. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es in den ethnisch gemischten Gebieten Sloveniens zu sozialen und nationalen Auseinandersetzungen, die eine enorme Belastung insbesondere für die betroffenen Frauen bedeuteten. Die von ihnen in Maribor/Marburg und Celje/Cilli 1919 gegründeten Frauenvereine sind auch als eine Art Selbsthilfe zu interpretieren. In Ljubljana kümmerte sich der Klub Primork (Klub der Küstenländerinnen) ab 1920 um Schüler/innen, Student/innen, Lehrlinge und Flüchtlinge. Das patriotische Kolo jugoslovenskih sester (Kreis der jugoslawischen Schwestern, 1921) wiederum widmete sich vorwiegend humanitären Anliegen (Fortunat 1992:104).
Seit 1923 wirkte auf dem gesamten jugoslawischen Staatsgebiet die eher radikal ausgerichtete Feministicna aliansa (FA, Feministische Allianz), die sich 1926 in die Aliansa ženskih pokreta Jugoslavije (AŽPJ, Allianz der Frauenbewegungen Jugoslawiens) umbenannte. Ebenfalls radikal ausgerichtet war der Ženski pokret za Slovenijo (Frauenbewegung für Slovenien, 1926), der 1937 nach polizeilicher Überwachung eingestellt werden musste. Die Forderungen dieser Organisationen waren für die slovenische Öffentlichkeit inakzeptabel, weil (zu) radikal: gleiches und geheimes Wahlrecht, Widerstand gegen die Entlassung verheirateter Frauen aus öffentlichen Ämtern, Aufhebung des Zölibats für Lehrerinnen und Staatsbeamtinnen und Recht auf Abtreibung bei sozialer Indikation. Die Zveza gospodinj (ZP, Bund der Hausfrauen) wiederum setzte sich in ihrem Organ Gospodinja (Hausfrau, 1932-32) publizistisch für eine angemessene Anerkennung der Hausfrauenarbeit, für Arbeitsteilung zwischen Frau und Mann im Haushalt und gegen die überbordende Gewalt in den Familien ein (Fortunat 1992: 104; Stergar 1995:74-91). Deklariert sozialistisch ausgerichtet war die Zveza delavskih žen in deklet (ZDŽD, Bund der Arbeiterinnen und Mädchen, 1924). In ihrem Organ Ženski list (Frauenzeitung, 1924-35) forderten die Frauen das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht, die Gleichstellung unehelicher Kinder mit ehelichen, eine gesetzliche Altersvorsorge für die Arbeiterinnen und das Dienstpersonal sowie die Einrichtung von Knabenheimen durch Unternehmen.
Innerhalb der Zveza delavskih žen in deklet agierte eine starke kommunistische Fraktion im Kampf gegen die Diskriminierung von Arbeiterinnen. Sie organisierte und unterstützte auch die Arbeiterinnenstreiks in der dreißiger Jahren und unterstrich diese mit der Forderung nach allgemeinen Rechten. Wegen kommunistischer Tätigkeit wurde sie 1935 in die Illegalität gedrängt. Die Kommunistische Partei (KB) machte sich die ursprünglichen Anliegen der verbotenen Zveza in Frauenfragen zu eigen. Dies kam im Grundsatzreferat von Vida Tomšic auf der 5. Konferenz der Kommunistischen Partei Jugoslawiens 1940 in Zagreb zum Ausdruck. Dort wurde ein Unterschied zwischen der feministischen, das heißt bürgerlichen, und der proletarischen Frauenbewegung hergestellt. Gleichzeitig versah man die Frauenfrage mit einer klassenkämpferischen Attitüde und verknüpfte sie mit dem Kampf gegen den imperialistischen Krieg. Ferner wurde beschlossen, die Frauenbewegung unter Führung der KP auszuweiten. Für die Erfassung und Radikalisierung der Frauen partizipierte die Partei an den legalen Frauenorganisationen und -vereinen. Wegen der strengen staatlichen Überwachung wurde die Tätigkeit teilweise in den Untergrund verlegt. Als Ziele formuliert wurden: Wahlrecht für Frauen, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, freier Zugang für Frauen zur Bildung und in Berufe, die ihnen bisher verschlossen waren (wie z. B. das Richteramt), Egalisierung der ehelichen mit den unehelichen Kindern, Mutterschutz, Legalisierung der Abtreibung, Abschaffung des gesetzlich vorgeschriebenen Status des Mannes oder Vaters als Familienoberhaupt. Letztlich setzte sich die Konferenz dafür ein, die Frauenfrage innerhalb der KP als gleichberechtigt mit anderen Themen zu behandeln (Fortunat 1992: 102; Enciklopedija Slovenije 15/2002:320).
Die Mehrheit der Frauenorganisationen war in der Zwischenkriegszeit Mitglied der jugoslawischen Narodna ženska zveza (NŽZ, Nationaler Frauenbund, 1929: Jugoslovenska ženska zveza) bzw. in der Sektion für das Draubanat, wie Slovenien zwischen 1929 und 1941 hieß. Gemeinsam übten die Frauenorganisationen Druck auf die politisch Verantwortlichen aus und forderten auf mehreren Veranstaltungen vehement das Wahlrecht für Frauen; dagegen waren im Prinzip bloß die christlich-konservativ organisierten Frauen innerhalb des Kršcansko žensko društvo (KŽD, Christlicher Frauenverein). Der Jugoslawische Frauenbund betätigte sich außerdem international, das heißt, vorwiegend in Gebieten, wo Sloveninnen wohnten, wie in Görz, im Küstenland und in Kärnten. Hier wurde auf dessen Initiative 1919 die Zveza slovenskih društev na Koroškem (ZSDK, Bund der slovenischen Vereine in Kärnten) ins Leben gerufen, der für die Stärkung des slovenischen Nationalbewusstseins, für die soziale Absicherung, für eine Fach- und Allgemeinausbildung sowie für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eintrat (Fortunat 1992:101f).

Zweiter Weltkrieg: Zwischen Okkupation und Widerstand

Während des Zweiten Weltkrieges engagierten sich ca. zwei Millionen Frauen Jugoslawiens im Narodno osvobodilni boj (NOB, nationaler Befreiungskampf). Die Mehrheit der slovenischen Frauenorganisationen und -vereine war humanitär tätig. Ihr wichtigstes Anliegen waren Hilfeleistungen für Flüchtlinge, die vor allem aus der Untersteiermark vor der Vertreibung flüchteten. Die 1942 in Bosanski Petrovec gegründete Antifašisticna fronta žensk Jugoslavije (AFŽ, Antifaschistische Frauenfront Jugoslawiens) war eine politische Frauenbewegung, die gemeinsam mit der Slovenska protifašisticna ženska zveza (SPŽZ, Slovenischer antifaschistischer Frauenbund, 1943) die Initiative bei der Rekrutierung und Einbindung von Frauen in den jugoslawischen und in den slovenischen Befreiungskampf übernahm (Borbeni put 1972; Enciklopedija Slovenije 1/1987:82). Weil dies wegen der unterschiedlichen Weltanschauung nicht einfach war, mussten die Aktivistinnen enorme Überzeugungskraft leisten, um die Frauen im gewünschten Maß zu mobilisieren. Die Angeworbenen wirkten meist im Hintergrund als politische Akteurinnen und Kuriere, betätigten sich als Spioninnen und Nachrichtenübermittlerinnen, organisierten und überwachten die Lebensmittelbeschaffung bzw. deren Transport (Gombac 2000). Uneigennützig stellten sie sich in den Dienst der Partisanenarmee, unterrichteten in den eigens eingerichteten Partisanenschulen Kinder und Jugendliche. Ihr Einsatz trug gegen Ende des Krieges Früchte, als einige Frauen in Führungspositionen der Befreiungsarmee und der KP aufstiegen - allerdings nur auf lokaler Ebene (Borbeni put 1972; Enciklopedija Slovenije 15/2002:321).

Unter Hammer und Sichel (1945-1990/91)

Große Verdienste für die Verfestigung der kommunistischen Macht und für die Anliegen der Frauen kamen in den ersten Nachkriegsjahren dem AFŽ bzw. dem SPŽZ zu (Gombac 2000:98f). Ihre jahrelangen Forderungen nach einem Frauenwahlrecht wurden 1946 verfassungsmäßig verankert. Doch, nachdem die Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern in allen staatlichen Ebenen sowie im wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Leben zugesichert, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ein besonderer Arbeitsschutz, die Errichtung von Gebäranstalten, Knabenheimen und Horten sowie der bezahlte Mutterschutz und Karenzurlaub gesetzlich zugestanden wurden (Artikel 24), versuchte man die Frauenfrage in den Hintergrund zu drängen. Insbesondere nach der Einführung der Selbstverwaltung 1950 und der Umstrukturierung der Befreiungsfront - seit 1945 formell Teil Jugoslawiens - innerhalb des Sozialistischen Arbeiterbundes (SZDL, Socialisticna zveza delovnega ljudstva, 1953) erschien der Zeitpunkt geeignet, die selbstständige Frauenorganisation zu zerschlagen. Unter anderem wurde argumentiert, dass diese zum Ausschluss der Frauen aus dem gemeinsamen politischen Leben führe und die Lösung einer allgemeinen gesellschaftlichen Frage verhindere.
1953 kam es zur Auflösung der AFŽ und zur Neugestaltung: In der Zveza ženskih društev Jugoslavije (ZŽD, Union der Frauenvereine Jugoslawiens) wurden verschiedene Frauenorganisationen zusammengefasst, die innerhalb des Arbeiterbundes tätig waren (Borbeni put 1972; Enciklopedija Slovenije 1/1987:82). Für ihre Tätigkeit in den Selbstverwaltungsorganen verlangten die Frauen bereits anlässlich der Gründung der ZŽD die Berücksichtigung ihrer Ausbildung und Kompetenzen und lehnten somit das Ansinnen ab, sie aufgrund ihres Geschlechtes im politischen Leben zu berücksichtigen. In Slovenien wirkte die ZŽD zwischen 1955 und 1962, danach war sie als Konferenca za družbeno aktivnost žensk Slovenije (Konferenz für die gesellschaftliche Aktivität der Frauen Sloveniens) tätig. 1976 übernahm deren Rolle der Svet za vprašanja družbenoekonomskega in politicnega položaja žensk (Rat für sozio-ökonomische und politische Frauenfragen), um effizienter auf die drängenden Bedürfnisse von Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie reagieren zu können.
Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts bedingten der Einfluss der westlichen Länder und die latent vorhandene Diskriminierung von Frauen in gewissen Bereichen die Entstehung einer organisierten Frauenbewegung und lösten die zweite Feminismuswelle in Slovenien aus. Die Gründung der Frauensektion beim Slovenischen soziologischen Verein 1984 hatte einen Schneeballeffekt: 1985 folgte die Sektion Lilit beim ŽKUC Forum, innerhalb der sich 1987 lesbische Frauen in der Gruppe LL formierten. Auf dem ersten Treffen der jugoslawischen Frauen am Vorabend der Bürgerkrieges (1987) informierte man die Öffentlichkeit über die Gewalt in Familien und forderte, den Opfern mit der Errichtung von Frauenhäusern, Beratungsstellen und Krisentelefonen zu helfen. In Slovenien wurde 1989 tatsächlich das Telefon SOS für Frauen und Kinder eingerichtet (u.a. Zaviršek 1996:235-238).

Die neue Selbstständigkeit (1991-2000)

Der Übergang (tranzicija) Sloveniens vom sozialistischen zum souveränen und demokratischen Staat überlagerte die Geschlechterfrage. Die politische Neuorientierung des Staates sowie das wiedergewonnene Artikulationsrecht der Kirche und konservativer Kreise verfestigten in Teilen der slovenischen Gesellschaft die latent vorhandene Meinung, Relikte aus der sozialistischen Ära raschest eliminieren zu müssen (u.a. Juhant 1998:196). Dazu gehörten u.a. die Abtreibungsfrage oder auch die geschlechtliche Gleichberechtigung in allen politischen und privaten Bereichen.
Als Antwort auf die Repatriarchalisierungstendenzen wurden verschiedene unabhängige Vereine gegründet, die sich in erster Linie für die Gleichberechtigung der Geschlechter (Društvo za enake možnosti žensk in mošk/Verein für die Chancengleichheit von Frauen und Männern, 1991), für allgemeine Frauenfragen (Ženski center/Frauenzentrum; Ženska svetovalnica, ŽS /Frauenberatung; Modra: društvo za raziskovanje in uresnicevanje psihosocialnih potreb žensk/Modra: Verein für die Erforschung und Verwirklichung des psychosozialen Bedarfes von Frauen, alle 1993) und gegen sexuelle Gewalt (Združenje proti spolnemu zlorabljanju/Vereinigung gegen sexuelle Ausbeutung, 1994) richteten; einige schlossen sich 1996 zu Autonomen Frauengruppen (Avtonomne ženske skupine) zusammen.
Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren innerhalb der politischen Parteien fünf Gruppen tätig: Ženski forum (Frauenforum, Vereinigte Liste der Sozialdemokraten), das anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. (1996) eine Frauendemonstration organisierte; das Forum für Chancengleichheit (Forum za politiko enakih možnosti, Liberaldemokratische Partei); die Slovenska ženska zveza (Slovenischer Frauenbund, Slovenische Christdemokraten); Ženska zveza (Frauenbund, Slovenische Volkspartei) sowie der Odbor socialdemokratk (Ausschuss der Sozialdemokratinnen, Sozialdemokratische Partei). Das Hauptanliegen der meisten erwähnten Gruppierungen war die Aufdeckung und Abschaffung der geschlechtlichen Diskriminierung im Privatleben sowie die Verteidigung bereits erworbener Rechte. Doch, die Bereitschaft zur Mitarbeit und die Bereitschaft zur Bündelung verschiedener Standpunkte war angesichts der Wiederbelebung konservativer Werte unter dem Deckmantel der Marktwirtschaft gering (Dobnikar 1996; Kozmik/Jeram 1997; Jogan 2001).

SEXISMUS ODER SEXUS

Zwischen 1900 und 1941 waren die slovenischen Frauen einer offen androzentrierten und Geschlechter diskriminierenden Politik ausgesetzt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges manifestierte sich dies auch in der Benennung zweier Zeitungen: Während sich die beherrschende konservative Presse an den Slovenen (Slovenec, 1873-1945) wandte, richtete sich die weniger einflussreiche liberale Zeitung geschlechtsneutral an das Slovenische Volk (Slovenski narod, 1868-1943).
Die Losung des konservativen Krek, dass die Macht in der Familie beim Vater liege und die Mutter seine Helferin sei (oblast v družini pripada ocetu. Mati je njegova pomocnica, 1901), ist nicht als Hirngespinst eines katholischen Priesters zu interpretieren, sondern als die öffentliche, veröffentlichte und private Meinung der slovenischen Gesellschaft, die deren Legitimität auch in der Legislative (Eherecht) verankert sah. Verschiedene Ratgeber - verfasst von Männern - schufen ein Frauenbild, das nicht mit der Realität korrelierte. Sie propagierten die Mutterschaft und die Familie als genuine und erfüllende Lebensaufgabe. Gemäß dem Slogan ora et labora - in molci! (bete und arbeite - und schweig!) (Žnidaršic 2000) wurde mit Unterstützung konservativer Kreise und der katholischen Kirche ein überholtes bürgerliches Familienideal geschaffen, das aufgrund der demographischen Struktur (vorwiegend bäuerliche Bevölkerung) des Landes utopisch war (Verginella 1993:536). Obwohl der Mann das Familienoberhaupt war, wurde den rechtlich nicht gleichgestellten Frauen subtil vermittelt, für das Erscheinungsbild des gesamten Hauses hauptverantwortlich zu sein (Bodanius 1921:103; Melik 1995:15). Dieser Auftrag war mit der religiös-sittlichen und nationalslovenischen Erziehung der Kinder konnotiert (za vero, narod in domovino/Für Glauben, Vaterland und Heimat).
Auch die moralische Publizistik stieß ins selbe Horn, allerdings sah sie in der männlichen Verfügungsgewalt über die Frau auch Grenzen. Diese betrafen jedoch ausschließlich die Sexualität, was aber nicht heißt, dass ihr umgekehrt die sexuelle Freiheit zugestanden worden wäre (Verginella 1993:534f; Melik 1995:17). So verfasste der Fürstbischof von Ljubljana, Anton Bonaventura Jeglic, 1909 eine Anleitung für Brautleute (Ženinom in nevestam), in der er die Meinung vertrat, dass die Frau dem Mann zu Willen zu sein habe, die sexuelle Vereinigung eine natürliche Notwendigkeit sei, primär der Fortpflanzung diene, und die Eheleute schließlich vor Unzucht schütze. Allerdings sollte sich die Frau verweigern, wenn der Mann die "französische Krankheit" (Syphilis) habe oder der Trunksucht verfallen sei, weil in diesem Fall ein "tierischer" Sexualverkehr und die Empfängnis ungesunder Kinder zu befürchten seien. Die relativ freizügige Diktion des Brautbriefes, der gegen den Widerstand der Konservativen und als Resultat von Beratungen mit Medizinern verfasst worden war, trug dem Fürstbischof seitens der liberalen Presse die Verunglimpfung ein, "der erste unter den Pornographen" zu sein (Melik 1995:29).
Trotz der regen Tätigkeit des Allgemeinen slovenischen Frauenvereines und trotz der humanitären Hilfsaktionen der Frauen während des Ersten Balkankrieges (1911/12) zeigte die krainische Gesellschaft kaum Bereitschaft, die "zweite Hälfte" als vollwertiges Mitglied zu betrachten (Fortunat 1992:101). Nichtigkeiten wie Modetänze führten zu Diskussionen darüber, was sich für eine Frau ziemte oder nicht. In der Wintersaison 1913/14 führte ausgerechnet der Tango, der sich auf liberalen Veranstaltungen größter Beliebtheit erfreute, zu Polemiken. So vertrat der konservative Slovenec die Meinung des Papstes, dass dieser Tanz bis zur Klärung der Sittlichkeit zu verbieten sei und gab das Statement des argentinischen Gesandten in Paris, Don Enrico Loretti, wieder, dem zufolge ein echter Argentinier seiner Frau eher mit dem Messer in Herz stechen als ihr erlauben würde, diesen schmutzigen und unmoralischen Tanz auszuüben. Natürlich war diese Art von Machismus keine Aufforderung zur Nachahmung, doch unterschwellig wurde vermittelt, wer der Sittenwächter war (Matic 1995:105). Auch der Fürstbischof war überzeugt, dass der unmoralische Tango (nesramoten tango ples) zum Sittenverfall der Frauen beitrage (Matic´1994:67). Der liberale Slovenski narod versuchte zunächst zu kalmieren, indem er einen Vergleich mit dem Walzer bemühte und auch die freizügige Frauenmode (transparente Blusen, Netzstrümpfe) relativierte. Weil die Wogen während der Faschingszeit weiter hoch gingen, schreckte schließlich auch er vor Untergriffen nicht zurück und bezichtigte die Konservativen der Doppelmoral. Die deutsche Laibacher Zeitung replizierte auf die Auseinandersetzungen mit dem vielsagenden, national-pejorativen Witz: "Fritzchen: Sag mal Vater, tanzen Affen auch Tango? - Vater: Nur!"(Matic´ 1995:82).
Auch innerhalb des Alten Jugoslawien (1918-1941) wirkten die Rollenbilder und -verteilungen aus der Monarchiezeit fort (Melik 1995:16f). Das Bestreben und das Insistieren der bestimmenden politischen (Slovenska ljudska stranka/Slovenische Volkspartei, SLS) und moralischen Instanzen (katholische Kirche), traditionelle Werte wie Glaube, Familie und Heimat innerhalb der Gesellschaft Sloveniens zu konservieren, weisen darauf hin, dass sie nicht mehr zeitgemäß waren bzw. nicht mehr der Realität entsprachen (Vode 1998:157-159). Bürgerliche Familienideale wurden am ehesten von den deutschsprachigen städtischen Bürgern aus der so genannten "Welt von gestern" in die neue Zeit hinübergerettet (Zangger 1937:21f).
In den ersten Nachkriegsjahren trugen Frauen (slovenisch- und deutschsprachige) die Hauptlast des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Weil dies als Selbstverständlichkeit betrachtet wurde, konnten Frauen daraus kaum "Kapital" schlagen (Vode 1998:156f). Viele Kriegswitwen und Frauen mit unversorgten unehelichen Kindern kämpften im Zuge der Agrarreform mit großen (Existenz)Problemen. Die Vaterlosigkeit wurde den Frauen ebenso angelastet (Kavcic 1988:7f), wie auch die vielfach vorhandene Verwahrlosung des männlichen Nachwuchses. Auch die Situation der wenig gebildeten (jungen) und katholisch erzogenen weiblichen Landbevölkerung war wenig aussichtsreich. Sie drängte in Erwartung eines besseren Lebens (Heirat) in die Stadt, wo ihr Beschäftigungsverhältnisse in gering entlohnten Sparten, im äußersten Fall die Prostitution, offen standen (Kavcic 1987:155; Žagar 1986; Cvelfar 1994).
Um junge Mädchen und Frauen auf der Suche nach Beschäftigung vor dem religiösen und sittlichen Verfall zu schützen, richtete der Slovenische Christliche Frauenverband 1932 (nach europäischem Vorbild) die Bahnhofsmission in Ljubljana ein. Allein im ersten Halbjahr (1932) suchten 950 Frauen, 158 Männer und Jugendliche die Sozialeinrichtung auf. 1933 wurde die erfolgreiche Bahnhofsmission in das Društvo za varstvo deklet (Verein für den Schutz von Mädchen) umbenannt; 1934 erfolgte die Gründung des Vereins in Maribor. Der große Andrang erforderte von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen viel Geduld und Idealismus. Bis zum Jahr 1940 boten sie unzähligen Frauen, Kindern und auch Männern Unterkunft sowie Beratung in allen Lebenssituationen an. Nach dem Kriegsausbruch im April 1941 weiteten sie ihre Tätigkeit aus, indem sie Kontakt zwischen den gewaltsam Ausgesiedelten und den daheim Gebliebenen vermittelten (Vidovic-Miklavcic 1996:74-78).
Die politischen Wirren, die der für Slovenien vier Jahre dauernde Zweite Weltkrieg ausgelöst hatte, veränderten die althergebrachten Rollen- und Gesellschaftsbilder. Im bewaffneten Kampf gegen die Okkupatoren engagierten sich bereits 1941 etwa vier Prozent Frauen (insgesamt 2058); dieser Anteil blieb bis zum Kriegsende stabil. Weit höher war der Prozentsatz jener, die im Hintergrund die gesamte soziale Infrastruktur aufrechterhielten (Gombac 2000:90). Eine besondere Rolle kam hier den Krankenschwestern und Ärztinnen zu, die eine medizinische Versorgung ermöglichten. Dies manifestierte sich auch in der Benennung der Lazarette nach Frauen, wie zum Beispiel: Krankenhaus Pavla nach P. Jerina-Lah oder Krankenhaus Franja nach F. Bojc-Bidovec (Jerina-Lah 1994).
Doch der Einsatz der Frauen im slovenischen Befreiungskampf erntete nicht bloß Anerkennung und Bewunderung. Die konservative Presse und Organe der kollaborierenden Domobranci schossen sich mit Verve auf die rdece emancipiranke (roten Emanzen) ein, bedachten sie mit Spott und Hohn, schrieben ihnen die niedrigsten Instinkte zu und schreckten vor ungeheuren Unterstellungen nicht zurück. So wurden diesen Frauen Gewinn- und Geltungssucht, Blutrünstigkeit, Habsucht und Prostitution vorgeworfen. Jene Gehässigkeiten, denen aktive Frauenrechtlerinnen seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts seitens der Konservativen ausgesetzt waren, erreichten während der Okkupation ihren Höhepunkt.
Der Zweite Weltkrieg forderte unter der slovenischen Zivilbevölkerung viele weibliche Opfer. Die Okkupatoren und ihre Mitläufer internierten etwa 600.000 Frauen, die gewaltsam zu Tode kamen (Borbeni put 1972; Enciklopedija Slovenije 1/1987:82) Der Frauenanteil unter den Gefangenen des KZs Begunje betrug 19,87 Prozent. In Auschwitz zum Beispiel waren von allen slovenischen Lagerinsassen (2.358) 72,5 Prozent Frauen, unter den Todesopfern der Partisanen betrug der weibliche Anteil etwa acht Prozent (Enciklopedija Slovenije 15/2002:321).
Ein bis heute eher marginal erforschtes Thema stellt der ideologisch motivierte Kinderraub während des Zweiten Weltkrieges dar. Opfer dieser Verschleppung waren slovenische Kinder bis zum 18. Lebensjahr, die laut einer Verordnung von Heinrich Himmler (26. Juni 1942) für die Widerstandstätigkeit ihrer erwachsenen Familienmitglieder büßen mussten. Getrennt von den Erwachsenen kamen diese Kinder zunächst (1942) als so genannte Schutzhäftlinge in ein Umerziehungslager bei Frohnleiten. Babys und Kleinkinder "übernahm" der in die SS inkorporierte Verein Lebensborn. Bei späteren Festnahmen wurden ganze Familien nach Deutschland deportiert, wo sie in den Umsiedlungslagern ihrer "Bestimmung" zugeführt wurden: Jugendliche kamen als Zwangsarbeiter in Fabriken und auf bäuerlichen Anwesen zum Einsatz, gesunde und rassisch einwandfreie Kleinkinder warteten in Lebensbornheimen auf ihre deutschen Adoptiveltern (Ferenc 1968; Tercak 1973). Dass die slovenischen Frauen vom Kinderraub mehrfach betroffen waren, ist unbestritten, wurde ihnen doch für den Einsatz ihrer Männer, Väter und Brüder oder auch den eigenen das gewaltsam entrissen, für dessen Zukunft sie Widerstand gegen die Okkupatoren leisteten, nämlich die Kinder. Unbestritten aber ist auch, dass die Nationalsozialisten eben dies erreichen wollten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte man, den konservativ besetzten Frauentypus der mati (Mutter) zugunsten der sozialistisch-ideologischen borka (Kämpferin) oder delavka (Arbeiterin) in den Hintergrund zu drängen. Obwohl den Frauen in der Verfassung 1946 erstmalig Gleichberechtigung und Unabhängigkeit im privaten wie öffentlichen Leben zugesichert wurden, setzte sich dieser Grundsatz nur allmählich als gesellschaftlicher Konsens durch. Tatsächlich gleichberechtigt und unabhängig waren bis in die achtziger Jahre (kinderlose) Frauen, die sich in der sozialistischen Hierarchie etablieren konnten. Hinsichtlich der gesellschaftlichen Akzeptanz einer geschlechtlichen Gleichberechtigung sind außerdem die Gegensätze Stadt-Land sowie Industrieorte-agrarisch dominierte Gebiete zu berücksichtigen (u.a. Gow/Carmichael 2000:126-134).
Mühevoll und langwierig war der Kampf der Frauen für das Recht, selbstständig über das geborene und ungeborene Leben zu entscheiden, das ihnen in der sozialistischen Ära sukzessive zugestanden wurde. Die slovenische Gesellschaft ächtete sowohl die natürliche Geburtenregelung als auch den Schwangerschaftsabbruch, den sie bloß als äußersten Ausweg in Notsituationen tolerierte. Obwohl bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bewusst verhütet, zugleich aber die Verwendung von Präservativen mit dem Sittenverfall der Ehe gleichgesetzt wurde (Matic´ 1994:68), blieb die illegale und unter Strafe stehende Abtreibung bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts die am meisten verbreitete Methode der "natürlichen" Geburtenkontrolle. Weil entsprechende medizinische Eingriffe verboten waren, suchten Frauen Engelmacherinnen und Kurpfuscher auf, was nicht selten zum Tod der Schwangeren führte. Die Forderung der Frauen nach Wunschkindern (rodi se naj zaželen otrok - geboren werden soll ein Wunschkind) begleiteten seit den fünfziger Jahren medizinische Institutionen. Große Verdienste für die Verbreitung der Empfängnisverhütung erwarb sich das Institut für Familienplanung (Inštitut za nacrtovanje družine) an der Gynäkologischen Klinik des Laibacher Klinikzentrums. Die rechtlichen Rahmenbedingungen schufen die Verfassung von 1974 sowie ein entsprechendes Gesetz über die medizinischen Maßnahmen bei der Verwirklichung des Rechts auf Geburtenregelung 1977 (Cernic-Istenic 1996:139-141).
Allerdings ist es fraglich, ob ungewollt Schwangere aus ländlichen Gebieten, wo traditionelle katholische Werte nach wie vor existent waren und eine Art gesellschaftliche Kontrollfunktion ausübten, den medizinischen Weg wählten. Obwohl die Zahl der registrierten Schwangerschaftsabbrüche nach 1983 sank, liegen Schätzungen über die Dunkelziffer nicht vor. 1995 ließen von 1000 Frauen (zwischen 15 und 44 Jahren alt) 23 Prozent ihre Schwangerschaft medizinisch unterbrechen; dagegen verhüteten 68 Prozent der im gebährfähigen Alter stehenden Frauen mit (hormonellen) Kontrazeptiva. 1991 stand das verfassungsmäßig verankerte Gesetz über die Geburtenregelung und den straffreien Schwangerschaftsabbruch zur Disposition. Dank des Widerstandes verschiedener Frauenorganisationen und -verbände blieb es unangetastet und wurde Bestandteil der neuen slovenischen Verfassung (u.a. Jogan 2001:143f; Cernic-Istenic 1996:139f).
Seit der Unabhängigkeit beklagt die Gender-Publizistik Sloveniens tendenzielle Bestrebungen zur Repatriarchalisierung und Reglementierung der Gesellschaft. Eine der Ursachen könnte die geringe Reproduktionsbereitschaft der Frauen sein (Cernic-Istenic 1996).

WAHLRECHT

Wie im übrigen Habsburgerreich waren auch die krainischen Frauen vom allgemeinen und gleichen Wahlrecht ausgeschlossen. Unter den ersten, die dieses forderten, waren die slovenischen Lehrerinnen 1902, die sich sowohl finanziell als auch wegen ihres Zölibates gesellschaftlich stark benachteiligt sahen. Im Windschatten der Annexion von Bosnien und Hercegovina, die von vielen slovenischen Frauen begrüßt wurde, organisierte das SŽD im Oktober 1908 eine Demonstration, auf der emphatisch das gleiche, aktive und passive Wahlrecht für Frauen gefordert wurde (Fortunat 1992:103). Erfolglos. Die krainischen Steuerzahlerinnen und Lehrerinnen durften erstmals 1910 (auf Gemeindeebene) wählen. Sie blieben jedoch, wie alle Frauen der Monarchie, bis 1911 vom Recht ausgeschlossen, sich am politischen Geschehen zu beteiligen bzw. einer Partei beizutreten. Das Wahlrecht erlangten die slovenischen Frauen überhaupt sehr spät.
Im Königreich SHS durften alle über 21 Jahre alten Männer, die ein halbes Jahr im Wahlkreis ihren Wohnsitz hatten, wählen; Frauen, Offiziere, Soldaten und auch viele Arbeiter blieben vom allgemeinen und geheimen Wahlrecht ausgeschlossen. Die Forderungen und Resolutionen der Frauen blieben ungehört (Fortunat 1992:103). Die oktroyierte Verfassung 1931 verlängerte den Aufenthaltszensus für die nun öffentlichen Wahlen auf ein Jahr, doch Frauen mussten nach wie vor den Wahlurnen fern bleiben. Obwohl die weibliche Bevölkerung in verschiedenen Parteien tätig war und obwohl einige liberale, sozial-demokratische, christlichsoziale Parteien sowie die Kommunisten deklarativ das Frauenwahlrecht einforderten, setzte sich der Grundsatz der konservativen SLS durch, dass der Platz der Frauen innerhalb der Familie sei (Melik 1999:121f). Es fällt auf, dass dies jene Partei propagierte, die nach 1918 den höchsten weiblichen Anteil an Parteimitgliedern und Sympathisanten hatte und 1919 aus wahltaktischen Gründen das Frauenwahlrecht forderte (Gligorijevic 1979:69).
"Positiv" im Sinne des Frauenwahlrechts wirkten sich der Kriegsausbruch 1941 und die beginnende Partisanentätigkeit aus: Um den weiblichen Anteil in der Widerstandsbewegung zu erhöhen bzw. für die Zukunft zu sichern, realisierten sowohl die KP als auch die OF mit Beschluss vom 17. Mai 1942 das seit langem von den slovenischen Frauenverbänden geforderte passive und aktive Wahlrecht. Ausgeschlossen davon blieben "Feinde" des Befreiungskampfes bzw. jene, die von den Kommunisten zu Feinden erklärt wurden; dazu zählten zweifellos auch Frauen! (Dežman/Elste 2002). Bereits auf der Sitzung des Ausschusses des slovenischen Volkes in Kocevje im Oktober 1943 waren unter den 572 Abgeordneten 62 Frauen (10,8 Prozent) vertreten und in die parlamentarische Tätigkeit eingebunden. Unter den 120 Mitgliedern des Obersten OF-Plenums (vrhovni plenum) waren zehn Prozent Frauen vertreten (Enciklopedija Slovenije 15/2002:321).
Obwohl den (meisten) slovenischen Frauen während des Krieges das Wahlrecht zugestanden wurde, hatten sie Mühe, dieses Recht nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu verteidigen. Zu groß und scheinbar unüberbrückbar waren die politischen Gräben, die von 1941 bis 1945 in dem zwischen Besatzung und Widerstand sowie im Bruderkrieg befindlichen Land angehäuft worden waren. Zwei Lager, die Kommunisten mit der OF sowie die Konservativen, versuchten, das Land zu dividieren. Die Frauenrechte drohten dabei auf der Strecke zu bleiben (Dežman/Elste 2002:87-93).
In der Verfassung von 1946 wurde den Frauen in Slovenien, als einem der letzten Länder der Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie, endlich das Wahlrecht zugestanden (Melik 1999:121-126). Doch das erlangte Frauenwahlrecht und die Bereitschaft zur politischen Mitgestaltung waren zwei unterschiedliche Bereiche. Viele politisch interessierte Frauen lebten wegen der Ablehnung des sozialistischen Systems in innerer Emigration oder wurden, wie das tragische Beispiel von Angela Vode zeigt, dazu gezwungen (Vode 1998:19f); jene aber, die eine systemkonforme Gesinnung vertraten, stießen an der "Gläsernen Decke" an. Wenigen Frauen gelang es, diese zu durchstoßen.
Die Lust der slovenischen Frauen an der Teilhabe an der politischen Macht scheint bis in die siebziger Jahre endenwollend gewesen zu sein. Zieht man in Betracht, dass 1974 bloß 26 Prozent Frauen von allen Delegierten in der Skupština (Versammlung) der Sozialistischen Republik Slovenien vertreten waren, dass von 1978 bis 1982 auf Gemeindeebene 22 Prozent Frauen wirkten, dass sie im Zbor združenega dela (Arbeitsausschuss) nur mit 19,5 Prozent und im Družbenopoliticnem zboru (Gesellschaftspolitischen Ausschuss) mit 28 Prozent vertreten waren (Enciklopedija Slovenije 15/2002:322), sind folgende Fragen unerlässlich, zumal sich das Geschlechterverhältnis bis zu den Wahlen 1990 radikal verschlechterte und sich der Anteil der Frauen in politischen Gremien von 1986 bis 1990 von etwa 24 Prozent auf 11,25 Prozent verringerte:
1. War die slovenische Gesellschaft im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts nicht bereit, Frauen als Politikerinnen zu akzeptieren?
2. War es trotz jahrzehntelanger sozialistischer Herrschaft noch immer nicht opportun, sich als Kommunistin zu deklarieren?
3. Wie groß war nach wie vor der Einfluss der katholischen Kirche bzw. des konservativen Umfeldes?
4. Wussten Frauen, dass sie mit der politischen Parteiarbeit eine Mehrfachbelastung (Familie, Beruf, politische Funktion) in Kauf nahmen und letztlich an der politischen "Gläsernen Decke" anstoßen würden?
Bei den ersten "demokratischen" Wahlen in der jungen Republik 1992 betrug der Anteil der Politikerinnen 13,3 Prozent; 1996 fiel er auf 7,8 Prozent - wesentlich geringer als im europäischen Vergleich. Im Jahr 2002 erreichte er mit 13,3 Prozent den Stand des Jahres 1992 (Antic 1996:126). Der Übergangsprozess vom Sozialismus zur Demokratie wirkte sich negativ auf die Bereitschaft der Frauen aus, in die Politik zu gehen. Außerdem scheinen die Rahmenbedingungen dafür gefehlt zu haben: Frauen- und Geschlechterfragen spielten angesichts der politischen Umgestaltung und Neuorientierung des Landes Richtung Europa eine marginale Rolle. Die Tendenz, die weibliche Bevölkerung an ihren angeblich angestammten Platz zurückzudrängen, und die politische Bühne den Männern vorzubehalten, war zweifellos gegeben.

BILDUNGSSITUATION UND ARBEITSMÖGLICHKEITEN

Der weibliche Bevölkerungsanteil Sloveniens blieb durch 100 Jahre (1900-2000) mit etwa 51 Prozent gleich hoch. Während sich ihre statistische Mehrheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts weder im Beschäftigungsbereich noch auf dem Bildungssektor widerspiegelte, schafften es die Frauen, am Ende des 20. Jahrhunderts die männliche Bevölkerung hinsichtlich der (Aus)Bildung zu überholen.

Zur Bildungssituation

Die Frauen Krains waren bis 1918 nicht weniger gebildet als andere Frauen der Habsburgermonarchie, mit dem Unterschied, dass die überwiegend agrarisch dominierte slovenische Gesellschaft eine flächendeckende Mädchen- und Frauenbildung nicht als Notwendigkeit erachtete, die Deutschsprachigen jedoch aus nationalen Gründen mehr Wert darauf legten. Dies manifestierte sich bereits Ende das 19. Jahrhunderts in den überproportional zu den Bevölkerungszahlen vorhandenen deutschen Schulen (Vovko 1981:152). Dem slovenischen Frauenschulwesen wurde zwar seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmende Beachtung geschenkt und neben der Grund- und Allgemeinausbildung Ende des 19. Jahrhunderts die Berufsausbildung (vornehmlich zur Lehrerin) forciert, doch erst die Forderungen verschiedener Frauenvereine, der Feminisierung der Armut mit besseren Ausbildungschancen zu begegnen, machten auf die unzureichende Situation aufmerksam. Große Probleme verursachte die geringe Bildung der überschüssigen weiblichen Landbevölkerung, die ihr Glück in der Stadt suchte und es dort selten fand. Die Folge war vielfach das Abdriften in Abhängigkeiten ohne jede Aussicht auf sozialen (und wirtschaftlichen) Aufstieg.
1896 wurde in Ljubljana die erste slovenische Oberschule für Mädchen gegründet, die sowohl als Notwendigkeit für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen als auch als wichtige Mittlerin des slovenischen Nationalbewusstseins gesehen wurde. Während ihres achtjährigen Bestehens ließen sich von 298 Schülerinnen 90 Prozent zu Lehrerinnen und Handelsfrauen ausbilden (Žatej 1999:46f). Große Verdienste erwarb sich die auf Initiative von Krek 1897 gegründete Haushaltungsschule (Gospodinjska šola) auch für die ungebildeten Arbeiterinnen in der Tabakfabrik, die er mit Abendkursen (Kochen, Bügeln, Nähen und Wirtschaftskunde) von der Straße weg in die Schule lockte.
Obwohl die soziale und wirtschaftliche Lage der Frauen angespannt blieb, widersetzten sich Teile der Konservativen einer Bildungsoffensive. So sorgte sich der konservative Slovenec anlässlich der 1900 an der Oberschule angebotenen Wirtschaftskurse für Mädchen um die von der weiblichen Konkurrenz bedrohte männliche Kaufmannschaft. Diese und ähnliche Vorhaltungen griffen jedoch bloß am Land, wo die Priesterschaft subtil die Bildungsfrage mit dem Status und den geistigen Fähigkeiten der Frau verband und u.a. 1902 publizieren ließ: "Teufelslehre: Zuerst in die Frau, die weniger Begriffsvermögen als der Mann besitzt, und dann von der Frau in den Mann" (Hudicev nauk: najprej v ženo, ki ima manj razumnosti od moža, iz žene v moža; Žatej 1999:99). In den Städten dagegen, besonders in Ljubljana, besserte sich nach der Jahrhundertwende die Bildungssituation für slovenische Mädchen nachhaltig (Vovko 1981:156), so dass nach 1918 das Frauenschulwesen auf einer soliden Basis aufgebaut werden konnte.
Das slovenische Schulwesen nach 1918 ist als Kontinuität des "Altösterreichischen" zu bezeichnen, obwohl sich in der Schulpolitik Sloveniens zunehmend der jugoslawische Zentralismus und Unitarismus breit machten. Erstmalig und ohne politische Diskussionen wurde in der slovenischen Landessprache unterrichtet; erstmalig gab es Bildungsoffensiven ohne geschlechtliche Bevorzugung (Vovko 1981:156-158). Umgekehrt hatten besonders die deutschsprachigen Schüler/innen mit zunehmenden Repressalien zu kämpfen.
Die Verbesserungen im Bildungs- und Ausbildungsbereich erhöhten zwar die Chancen, verhinderten jedoch nicht, dass die meisten Frauen in traditionell weiblichen Berufen und weniger anerkannten Dienstverhältnissen beschäftigt wurden (Vode 1998:147). Neue Bildungsmöglichkeiten für Frauen eröffnete die 1919 gegründete Universität Ljubljana. Im ersten Studienjahr 1918/19 waren drei Prozent der Studierenden Frauen. Ihr Anteil erhöhte sich bis zum Vorabend des Zweiten Weltkrieges auf 19 Prozent (1938/39) (u. a. Vovko 1998a:148).
Zwischen 1941 und 1945 waren die Okkupationsmächte bestrebt, in ihren Zonen das slovenische Schulwesen zu eliminieren. Während die Deutschen (Untersteiermark, Oberkrain) und Ungarn (Übermurgebiet) gründlich vorgingen und als erstes die slovenischen Lehrer/innen vertrieben, näherten sich die Italiener in der Provincia di Lubiana der Umerziehung vorsichtiger: Sie beließen das Schulsystem bei und ermöglichten die slovenische Unterrichtssprache in den Grund- und Mittelschulen. Die slovenischen Schüler/innen wurden außerdem mit Geschenken, Schulküchen und verschiedenen (Sport)Veranstaltungen geködert; auf die Lehrer/innen mit Italienischkursen sanfter Druck ausgeübt (Enciklopedija Slovenije 13/1999:89). Der slovenische Widerstand erfasste auch das Schulwesen. Von 1942 bis 1945 richteten die Partisanen auf den wiedergewonnenen Gebieten 459 Partisanenschulen ein, in welchen vorwiegend Frauen als Lehrerinnen zum Einsatz kamen.
Das Bildungswesen Sloveniens wurde in der sozialistischen Ära (1945-1990/91) mehreren Reformen unterzogen, wobei nicht alle Maßnahmen positiv und innovativ waren. Trotz einiger Fehlentwicklungen, die in den achtziger Jahren sukzessive beseitigt wurden, waren slovenische Frauen nicht schlechter (aus)gebildet und hatten keine geringeren Chancen am Arbeitsmarkt als jene im Westen (Vovko 1998b:195-203).
Im ersten Nachkriegsstudienjahr 1945/46 machte der weibliche Anteil der Studierenden 31,2 Prozent aus. Die Gründung der Universität Maribor erhöhte seit den siebziger Jahren den Anteil der weiblichen Studenten merklich: 1970 42,4; 1980/81 53,9 Prozent; 1998/99 schließlich überholten sie mit 60 Prozent ihre männlichen Kollegen. Auch unter den Magistri und Doktoren stieg in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Anteil der Frauen ziemlich stark, und zwar von 18,2 Prozent im Jahr 1975 auf 48,8 Prozent 1998 bzw. von 17,7 Prozent 1975 auf 38,9 Prozent im Jahr 1998.
Die slovenischen Frauen waren am Ende des 20. Jahrhunderts durchschnittlich besser gebildet als die slovenischen Männer, zumal 1996 die beschäftigten Männer auf durchschnittlich 10,6, die Frauen hingegen auf 10,8 Ausbildungsjahre kamen. Trotzdem drängten sie wegen der Doppelbelastung (Familie-Beruf) nach wie vor in traditionelle Frauenberufe. In der pädagogischen Ausbildung kann gemeinhin von einer Feminisierung gesprochen werden. Nach 1991 verschlechterte sich die Beschäftigungsmöglichkeiten der Frauen, insbesondere der besser gebildeten (Akademikerinnen), erheblich. Seit 1997 steigt die Arbeitslosigkeit von Frauen kontinuierlich.

Beschäftigungssituation

Wie bereits erwähnt, stimmen die weiblichen Bevölkerungszahlen nicht mit jenen der Beschäftigung oder der Ausbildung überein. Doch bezüglich der bezahlten Erwerbstätigkeit war deren Anteil bereits Ende des 19. Jahrhunderts relativ hoch. So waren zum Beispiel 1889 von allen Beschäftigten in der Seidenindustrie 61 Prozent Frauen, in der Baumwollindustrie 56 Prozent, 83 Prozent betrug ihr Anteil allein 1883 in der Tabakfabrik (Tobacna) in Ljubljana. Im Vergleich dazu waren 1900 in der gesamten Habsburgermonarchie etwa 30 Prozent Frauen beschäftigt (Enciklopedija Slovenije 15/2002:322). Der hohe weibliche Anteil am Arbeitsmarkt konterkarierte sowohl die konservative "Platzzuweisung" der Frau innerhalb einer heilen Familienwelt als auch die Forderungen verschiedener Frauenvereine nach Selbstbestimmung. Besonders die weniger gebildete weibliche Landbevölkerung war gezwungen, sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen oder zum Familieneinkommen beizutragen (Vode 1998:139f). Im Prinzip standen ihnen nur die Fabriksarbeit oder Dienstverhältnisse in bürgerlichen Haushalten offen. Die weibliche Armut verlagerte sich vom Land in die Städte bzw. in die Industrieorte.
Die Bemühungen der Christlichsozialen wie auch der Sozialdemokraten für die Rechte der Arbeiter/innen griffen nicht, wie die vielen Streiks vor dem Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit beweisen. Frauen kämpften nicht bloß für "gleichen Lohn für gleiche Arbeit", sie kämpften auch für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen (Vode 1998:143-145), führten doch ihre ungesunden Arbeits- und Wohnverhältnisse zur Degeneration: Die Zahl der Totgeburten sowie die Säuglings- und Kindersterblichkeit erreichten nahezu die 50 Prozentmarke, wobei besonders die Arbeiterinnen der Tabakfabrik betroffen waren (Žatej 1999:107-109; Kremenšek 1978 ).
Um 1900 suchten Teile der weiblichen Landbevölkerung Arbeit in der Stadt, wo sie durch Mundpropaganda Anstellung fanden oder von eigens eingerichteten Agenturen vermittelt wurden (Studen 1994:42). Die meisten fanden Arbeit als Dienstbotinnen bei vermögenderen Bürgerfamilien. Allein in Ljubljana waren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Hälfte aller Dienstbotinnen beschäftigt. Die Verdienstmöglichkeiten waren in Relation zum 16-stündigen Arbeitstag (bis auf einen halben Sonntag) bei freier Kost und Logis gering (Žagar 1986:31). Sie waren in ihrem Privatleben vollkommen eingeschränkt. Vielfach erduldeten sie, um die Arbeit nicht zu verlieren, sexuelle Übergriffe ihrer Dienstherren (Žagar 1986:44f.; Studen 1994:45; Stergar 1995). Ungewollte Schwangerschaften bedeuteten Obdachlosigkeit, aus der verzweifelte Mädchen häufig keinen anderen Ausweg sahen als Selbstmord oder Prostitution. Deswegen richtete man in Ljubljana 1903 nach dem Vorbild von Triest eine Zufluchtstätte (Zavod svete Marte/Anstalt der heiligen Martha) für notleidende Frauen ein (Žatej 1999: 103f).
Materiell besser erging es jenen Frauen, die außerhalb des slovenischen Arbeitsmarktes beschäftigt waren. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts verließen jährlich etwa 3000 slovenische Küstenländerinnen (Primorke) mit Einverständnis ihrer Ehemänner sofort nach der Geburt ihrer Kinder ihre Familie und schifften sich Richtung Ägypten ein. In Kairo und Alexandria stillten und beaufsichtigten sie den Nachwuchs europäischer Auswanderer und kehrten nach etwa drei Jahren wieder zurück. Nicht jede kam als "Alexandrinerin" in Frage, denn die Gastfamilien bevorzugten großbrüstige, blasse und blondhaarige "Goriciennes"; vom Äußeren hing auch die Höhe des Verdienstes ab (Makuc 1993: 45-50). Der Aufstand in Ägypten scheint auch die Moral der Sloveninnen verändert zu haben. Da die Verdienstmöglichkeiten sanken, fanden sich viele auf der Straße wieder und boten ihren Körper an. Dies blieb zu Hause nicht verborgen. Um deren Moral bemühte sich ab 1902 ein christlicher Verein, allerdings scheint der Erfolg auch in den Augen des damit befassten Papstes nicht durchschlagend gewesen zu sein, als er 1913 die Meinung vertrat, Alexandrinerinnen würden nach Selbstständigkeit und nach der Leichtigkeit des Lebens streben (Makuc 1993:70; Žatej 1999:105).
Die Folgen des Ersten Weltkrieges (Verwüstungen, Inflation, Stagnation, Arbeitslosigkeit etc.) führten zu geänderten Beschäftigungsverhältnissen. Industriebetriebe und Fabriken lockten vorwiegend die verarmte weibliche Landbevölkerung an (Vode1998:145f). Dies erklärt u.a. auch die in der Zwischenkriegszeit konstant hohe Berufstätigkeit der Frauen (1931: 39,6 Prozent), als auch den Rückgang der agrarischen Bevölkerung auf 60 Prozent (1910: 68 Prozent) und den Anstieg der Industriearbeiter/innen auf 23 Prozent (1910: 15 Prozent) (Enciklopedija Slovenije 2/1988:199).
In der sozialistischen Ära vollzog sich die Entwicklung der slovenischen Agrargesellschaft zur Arbeitergesellschaft. Der Anteil der beschäftigten Frauen fiel 1952 zwar auf 33,3 Prozent, gleichzeitig erhöhte sich der Prozentsatz der Arbeiterinnen auf 19,2 Prozent. Dabei ist ein interessantes Detail hervorzuheben: Frauen aus besseren Schichten (Freiberufler, Funktionärskader etc.) konnten wegen des zunehmend mangelnden Dienstpersonals und teilweise wegen noch fehlender Kindergartenplätze ihren beruflichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, so dass sie sich trotz der propagierten Gleichstellung gezwungen sahen, aus ihren Arbeitsverhältnissen auszuscheiden (Žuštar 1993:17f). In den sechziger und siebziger Jahren begannen die sozialistischen Rahmenbedingungen zu wirken, so dass 1970 der Frauenanteil bei den Berufstätigen auf 41,2 Prozent stieg. Dieser Trend setzte sich bis 1990 mit steigender Tendenz fort (1980: 44,2 Prozent; 1990: 46,8 Prozent).
Die slovenischen Frauen waren hauptsächlich im Dienstleistungssektor tätig. So waren 1995 im medizinischen und sozialen Bereich 82,36 Prozent, im Gastgewerbe und Tourismus 68,85 Prozent, im Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturbereich 67,13 und im Handel 61,66 Prozent der Frauen beschäftigt. In der Industrie fanden sie in traditionell weiblichen Sparten, wie Textil- und Lederverarbeitungsbranche, Arbeit. Durch den hohen weiblichen Beschäftigungsanteil veränderten sich die Löhne erheblich: Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die Gehälter der Frauen um 25 bis 30 Prozent niedriger als jene der Männer, 1988 betrug dieser Unterschied "nur" mehr 11,3 Prozent - dieser Lohnunterschied ist einer der niedrigsten im europäischen Vergleich (Enciklopedija Slovenije 15/2002:322).
Der hohe Anteil der weiblichen Beschäftigen nach dem Zweiten Weltkrieg konnte dank der seit 1945 flächendeckenden Errichtung von Kindergärten gehalten werden. Während die Inanspruchnahme von Kinderbetreuungsstätten zwischen 1945 und 1970 kostenlos war, wurden von 1971 bis 1985 Selbstbehalte eingehoben. Um den Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern und um die Lebensqualität sowie den Lebensstandard zu garantieren, wurden sowohl der Mutterschutz- als auch der Karenzurlaub verlängert: Von 84 Tagen nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich dieser sukzessive auf 105 bzw. 135 Tage in den siebziger Jahren, auf acht Monate im Jahr 1975 und letztlich auf ein Jahr (1986). Ab 1976 war es beiden Elternteilen möglich, den Karenzurlaub je zur Hälfte in Anspruch zu nehmen. Während im letzten sozialistischen Jahrzehnt noch ein bis zwei Prozent der Väter davon Gebrauch machten, fiel deren Anteil im marktwirtschaftlich orientierten und selbstständigen Staat auf knapp ein Prozent. Die neue gesellschaftliche Differenzierung wird auch durch verschiedene Studien belegt, denen zufolge sich die slovenischen Männer bzw. Väter an der Wende zum 21. Jahrhundert kaum im Haushalt und im Familienleben engagierten. Eine Studie über die Lebensqualität im Jahr 1994 ergab, dass im Arbeitsprozess eingebundene Männer für Haushaltstätigkeiten 6,3 Stunden, die beschäftigten Frauen hingegen 23,3 Stunden ihrer Zeit wöchentlich dem Haushalt widmeten. Eine weitere Studie aus dem Jahr 1997 wies nach, dass 65,1 Prozent Frauen bügelten, kochten und Wäsche wuschen, hingegen bloß 6,2 Prozent Männer diesen Tätigkeiten nachgingen (u.a. Jogan 2001:187-194).
Die neue Selbstständigkeit des slovenischen Staates bedeutete auch Neuerungen im gesellschaftspolitischen Leben: Da sich der Staat auf eigene Beine stellen musste, um sich auch wirtschaftlich zu konsolidieren, fielen Selbstverständlichkeiten aus der kommunistischen Ära einem marktwirtschaftlich orientierten Denken zum Opfer. Dazu zählen u.a. die kostenlose Klein- und Schulkinderbetreuung, die kostenlose medizinische Versorgung. Außerdem formulierten jene Institutionen, die unter der sozialistischen Herrschaft zum Schweigen verurteilt waren wie die katholische Kirche, ihre gesellschaftspolitischen Anliegen. Die Summe dieser Faktoren ist wohl dafür verantwortlich zu machen, dass im jungen demokratischen Staat der Beschäftigungsanteil der weiblichen Bevölkerung 1997 stagnierte bzw. auf 46,3 Prozent fiel (u.a. Zaviršek 1996: Jogan 2001).

RESÜMEE

Versucht man ein Resümee über die historische Entwicklung der Frauen(bewegung) und ihrer Situation auf dem Gebiet der heutigen Republik Slovenien, so muss es widersprüchlich bleiben. In der Zeit der Habsburgermonarchie stellte sich ihre Situation ähnlich dar wie in den meisten Gebieten Cisleithaniens. In der Zwischenkriegszeit begann sich das starre Verhältnis der Geschlechter mit den rigiden Zuordnungen der Aufgaben wegen der sozio-ökonomischen Bedingungen etwas zu lockern, blieb jedoch weiterhin konservativ-stabil mit einem streng katholischen Hintergrund. Erst die Organisation des heutigen slovenischen Gebietes während des Zweiten Weltkrieges brachte Bewegung in das Geschlechterverhältnis, benötigte doch die Widerstandsbewegung alle Kräfte, auch jene der Frauen. Die sozialistische Nachkriegsordnung sicherte ihnen zwar erstmalig die in der Verfassung verankerte Gleichheit und Unabhängigkeit in allen privaten und öffentlichen Bereichen zu, verabsäumte es allerdings, umfassende Rahmenbedingungen für die gesellschaftliche Durchdringung bzw. Akzeptanz bereitzustellen. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, dass sich der konservative backlash, nicht zuletzt wegen des wieder erwachten Einflusses der katholischen Kirche, im jungen demokratischen Slovenien breitmachen konnte. Slovenien ist heute noch immer oder schon wieder ein von Männern dominierter Staat, in dem Frauen trotz ihrer Bevölkerungsmehrheit, trotz ihrer besseren Bildung und trotz ihrer Mehrleistung (Beruf, Familie) gesellschaftspolitisch unterrepräsentiert sind.


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Quelle: Querschnitte 11: Die gläserne Decke. Frauen in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa im 20. Jahrhundert. Herausgegeben von Marija Wakounig:
Verlag für Geschichte und Politik; München: Studienverlag 2003.
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