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Vorwort: Wien im 20. Jahrhundert

Peter Eigner

Quelle: Querschnitte 12: Wien im 20. Jahrhundert. Wirtschaft, Bevölkerung, Konsum. Franz X. Eder, Peter Eigner, Andreas Resch, Andreas Weigl: StudienVerlag 2003; Innsbruck, Wien, München, Bozen

Synthetisierende Darstellungen der Geschichte Wiens scheinen zwar in letzter Zeit wieder Konjunktur zu haben, eine komplexe und umfassende wissenschaftliche Studie über die (sozio-)ökonomische Entwicklung Wiens im 20. Jahrhundert blieb dabei, sieht man von einigen Spezialuntersuchungen ab, ein Desiderat. Diese Lücke soll der vorliegende "Reader" schließen. Im besonderen Blickpunkt stehen Strukturwandel und Entwicklungslinien der Wiener Stadtwirtschaft, die demographischen Veränderungen und das Konsumverhalten der Wiener Bevölkerung. Strukturell entwickelte sich die Stadtökonomie Wiens im Laufe des 20. Jahrhunderts in Richtung Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft. Doch während die Arbeitsplatzverluste im Produktionsbereich bis vor wenigen Jahren durch den Tertiärsektor kompensiert werden konnten, ist Wien gegenwärtig mit steigenden Arbeitslosenzahlen konfrontiert. Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlte (Teilzeit)Arbeit reduzieren die Einkommen und Haushaltsbudgets etwa eines Viertels der Bevölkerung und machen sie zu "Modernisierungsverlierern". Zugleich steht die Stadt heute vor einer Reihe neuer Herausforderungen, die mit den Schlagworten fortschreitende Globalisierung oder EU-Osterweiterung umrissen werden können.

Auf geänderte Rahmenbedingungen (wie nach 1918 durch den Zusammenbruch der Habsburgermonarchie) oder Politszenarien (1938, nach 1945, zuletzt nach der Ostöffnung 1989) hat die Wiener Wirtschaft im Laufe der letzten hundert Jahre mehrfach - und mit wechselndem Geschick - reagieren müssen. Auch gegenwärtig verändert sich das Wirtschaftsgefüge der europäischen Großstädte rasch, die daraus resultierenden Anforderungen scheinen in einer stärkeren regionalen Spezialisierung zu bestehen. Wie stellt sich eine Großstadt wie Wien, die eine Zeitlang gerade von ihrer Multifunktionalität geprägt wurde, diesem neuen Anforderungsprofil? Im Blickpunkt stehen hiermit sowohl die langfristigen Veränderungen (gewissermaßen die "langen Linien" der Entwicklung) als auch die aktuellen Herausforderungen, mit denen die Wiener Stadtwirtschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts konfrontiert ist.

Methodisch muss ein adäquater wissenschaftlicher Zugang, um die Wirtschaft eines urbanen Zentrums über einen längeren Zeitraum erforschen zu können, interdisziplinär angelegt sein. Deshalb ergänzen sich in diesem Band Ansätze aus den Geschichtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, der Regional- und Stadtökonomik sowie der Urbanistik.


Quelle: Querschnitte 12: Wien im 20. Jahrhundert. Wirtschaft, Bevölkerung, Konsum. Franz X. Eder, Peter Eigner, Andreas Resch, Andreas Weigl: StudienVerlag 2003; Innsbruck, Wien, München, Bozen
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