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Vorwort: 1848 im europäischen Kontext

Quelle: Querschnitte 1: 1848 im europäischen Kontext. Herausgegeben von Helgard Fröhlich, Margarete Grandner, Michael Weinzierl. Wien: Turia + Kant 1999.

Große Teile des europäischen Kontinents wurden 1848 durch revolutionäre Ereignisse erschüttert. Das Substrat dieser Revolutionen - oder auch dieser europäischen Revolution (Kaelble 1998; Middell 1999) - war die Krise, die aus der Spannung zwischen dem restaurativen und immobilen politischen System der Heiligen Allianz und der sozioökonomischen Entwicklung der Industriellen Revolution erwachsen war. Die Ziele der Bewegungen von Frankreich bis zum Balkan, von Süditalien bis Polen waren vielschichtig und teilweise widersprüchlich. Sie reichten - in unterschiedlicher Gewichtung - von der Beseitigung feudaler Abhängigkeiten über die Herstellung bürgerlich-liberaler politischer Verhältnisse, über nationale Projekte bis zu ersten Emanzipationsschritten der gewerblich-industriellen Arbeiterschaft. Dementsprechend heterogen waren auch die Trägerschichten der Revolution(en); die zu Beginn bestehenden Koalitionen von Besitzbürgern, Intellektuellen (vor allem auch Studenten), Handwerkern, Arbeitern und Bauern zerfielen bald. Erfolgreich war die Revolution von 1848 nur bei der Abschaffung der Grunduntertänigkeit der bäuerlichen Bevölkerung. Außer in Frankreich scheiterte sie als "bürgerliche Revolution", die Bestrebungen zur Gründung neuer Nationalstaaten oder nach nationaler Autonomie kamen nicht zum Zug, und überall fielen die Forderungen der Unterschichten der den alten Eliten und dem Besitzbürgertum gemeinsamen Furcht vor einer "sozialen Revolution" zum Opfer. Dennoch wurden 1848 auch die Weichen für die Entwicklungen in diesen Bereichen gestellt.
Europa feierte 1998 in sehr unterschiedlicher Weise den 150. Jahrestag der Revolution von 1848. Die Bandbreite reichte von Veranstaltungen, die eine breite Öffentlichkeit ansprechen sollten, bis zu zahlreichen fachwissenschaftlichen Tagungen und Symposien. Das Jubiläum hat auch die Veröffentlichung zahlreicher neuer Monographien und Sammelbände veranlaßt; zu verweisen wäre etwa auf den voluminösen Sammelband "Europa 1848", der aus einer bereits 1996 abgehaltenen Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung hervorging und die Revolution von 1848 innovativ und besonders facettenreich beleuchtet (Dowe/Haupt/Langewiesche 1998). Der hier vorgelegte Sammelband zur Revolution von 1848 soll vor allem folgenden Zwecken dienen: erstens einem relativ knappen, den Forschungsstand zusammenfassenden Überblick; zweitens der Ausweitung des immer noch stark auf die "Zentren" Paris-Berlin-Wien konzentrierten Blicks auf die ländliche "Peripherie", insbesondere auf die slawischen und magyarischen Teile der Donaumonarchie; drittens, schließlich, dem nachdrücklichen Hinweis auf den Erfahrungshorizont der Revolution von 1848.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes entstanden im Zusammenhang einer Ringvorlesung an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien im Wintersemester 1998/99. Die Herausgeberinnen und der Herausgeber danken Markus Cerman, Fritz Edelmayer, Peter Feldbauer, Marianne Oppel, Andrea Schnöller, Barbara Staudinger und Hannes Stekl für ihre Hilfe, die die Publikation dieses Bandes trotz widriger Umstände doch noch möglich gemacht hat.

Wien, Herbst 1998
Helgard Fröhlich, Margarete Grandner, Michael Weinzierl

Literatur

Kaelble, Harmut (1998): 1848: Viele nationale Revolutionen oder eine europäische Revolution? In: Revolution in Deutschland und Europa 1848/49, Hg. Wolfgang Hardtwig. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht: 260-278
Middell, Matthias (1999): Europäische Revolutionen oder Revolutionen in Europa. In diesem Band: 9-34
Dowe, Dieter/Haupt, Heinz-Gerhard/Langewiesche, Dieter, Hg. (1998): Europa 1848. Revolution und Reform, Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichte Bd. 48. Bonn: Dietz


Quelle: Querschnitte 1: 1848 im europäischen Kontext. Herausgegeben von Helgard Fröhlich, Margarete Grandner, Michael Weinzierl. Wien: Turia + Kant 1999.
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