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RECYCLING - STOFFSTRÖME IN DER GESCHICHTE

Reinhold Reith

Quelle: Querschnitte 8: Umweltgeschichte. Herausgegeben von Sylvia Hahn, Reihold Reith. Wien: Verl. für Geschichte und Politik; München: Oldenbourg, 2001.

Angesichts des inflationären Gebrauches des Begriffes "Recycling", insbesondere in der Werbung, muß zunächst der Eindruck entstehen, "Recycling" sei - wie der Begriff selbst - ein explizit modernes Phäno-men. Kaum eine Produktwerbung läßt den Hinweis aus, daß das Produkt oder zumindest die Verpackung recyklierbar sei, und daß beispielsweise die Rasierklinge in ihrem ersten Leben eine Dose war, oder daß das Spielzeughühnchen aus Blech vor kurzem noch als gut gekühlte Getränkedose an Bord einer Boeing 747 fröhlich um die Welt jettete. Noch prestigeträchtiger ist zweifellos die Werbung mit Begriffen wie "Total-Recycling", das sich bei näherem Hinsehen meist als zweifelhaft entpuppt, jedoch das Wirkungsmächtige des Begriffes erhellt: Denn wenn Karosserien zu Paketen gepreßt und dann einschließlich der Kunststoffteile eingeschmolzen und die Kunststoffe als Energieträger eingesetzt werden, so kann von Recycling eigentlich gar nicht gesprochen werden.
"Recycling" ist heute offenbar ein "universell verwendbares Stereotyp" (Wittl 1996:30). Aber was heißt eigentlich "Recycling"? Richard Nixon sprach 1970 davon, daß mit Blick auf die Zukunft, auf das Jahr 2000, "recycling of materials", die Kreislaufführung von Stoffen, immer notwendiger werde. Seit Anfang der 1970er Jahre fand "Recycling" im angloamerikanischen Sprachgebrauch offiziell Eingang, und seit 1973 war im deutschsprachigen Raum in Expertenkreisen von "Kreislaufführung" die Rede (Wittl 1996:30). Der Spiegel-Verlag brachte 1975 einen Band zu "Recycling in der Materialwirtschaft" auf den Markt, und das Spiegel-Magazin bezeichnete Recycling als einzige Alternative der zukünftig nicht mehr tragbaren Wegwerfgesellschaft (Jetter 1975). In den 1970er Jahren, die als umweltpolitische Pionierzeit gelten, entwickelte sich eine regelrechte Recycling-Euphorie: Der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft schien greifbar.
Doch bleiben wir bei der Karriere des Begriffes: In den 1980er Jahren war er in aller Munde und erlangte damit auch eine gewisse Vagheit. Der Begriff konnte sich jedenfalls auch dem teilweise "wohlkal-kulierten sprachlichen Etikettenschwindel" nicht entziehen (Wittl 1996:33). Das wuchernde Vokabular und die Produktivität des Begriffes hat der Wissenschaftsjournalist Dieter Zimmer 1995 in "Die Zeit" zum Thema gemacht: Ob es denn nun Recyclt? Recycled? Gerecycelt? Regecycled? heiße? oder einfach Rezyklierbar? - Das sind grammatische Probleme, für die auch der Duden bis dahin keinen Rat wußte (Wittl 1996:37). Die neue Rechtschreibung hat sich für recyceln und recycelbar entschieden.
Das Öko-Lexikon der 1990er Jahre verzeichnet unter "Recycling" die "Rückführung von verwertbarem Abfall in den Wirtschafts-kreis-lauf" und nennt als Vorteile des Recycling die "Verminderung des Abfallaufkommens bei gleichzeitiger Schonung der knapper werdenden Ressourcen". Zum Stichwort "Abfall" findet sich ein Querverweis: "Abfall (Müll) im Sinn des Abfallgesetzes sind Sachen, deren sich der Besitzer entledigen will oder deren geordnete Entsorgung zur Wahrung des Wohls der Allgemeinheit, insbesondere zum Schutz der Um-welt geboten ist." Neben den wichtigsten Methoden der Abfallbeseitigung wird anschließend darauf verwiesen, daß sich das Abfallaufkommen in den letzten dreißig Jahren stetig erhöht habe (Walletschek/Graw 1994:197).
Bleiben wir auf der Ebene der Begriffsgeschichte und werfen wir einen Blick auf den "Abfall": Was als Abfall oder Müll betrachtet wird, so Werner Schenkel, der Präsident des Umweltbundesamtes in Berlin, ist das Ergebnis von Bewertungen und wird ständig neu definiert. Politik und Verwaltung müssen letztlich objektiv nachvollziehbare Kri-terien benennen (Schenkel 1994:489). Ständige Neudefinitionen fordern die Begriffsgeschichte. Fragen wir nach der historischen Dimension, so zeigt Ludolf Kuchenbuch in seiner begriffsgeschichtlichen Analyse, daß der Begriff Abfall sich anschicke, zur "zentralen Kulturmetapher" aufzusteigen: Der industrielle Abfall sei als lexikalisches Stichwort nicht älter als hundert Jahre, und als Produktion und Konsumtion, Stadt und Land, Erde, Wasser und Luft vereinendes Unwert-Phänomen nicht älter als fünfzig Jahre. Die Abfallgeschichte beschleunige sich somit zur Gegenwart hin. "Abfall", so Kuchenbuch, sei ein Schlüsselbegriff unserer Zeit, und "Abfallbeseitigung" werde im Brockhaus sogar als einer der 240 Begriffe aufgefaßt, die unsere "gegenwärtige geistige und gesellschaftliche Situation" charakterisieren (Kuchen-buch 1989:275). Pointiert könnte man - wie der Ökonom Nicolas Geor-gescu-Rogen - davon sprechen, daß die modernen Industriesysteme wertvolle Rohstoffe in letzter Konsequenz in Abfall verwandeln (Geor-gescu-Rogen 1974). Der Züricher Ökonom Bruno S. Frey hält die Begriffe Konsum und Verbrauch daher sogar für irreführend, da diese Güter nicht spurlos aufgebraucht würden (Frey 1992:17). Nach Ernst Ulrich von Weizsäcker bedeutet jede Stoffnutzung ein latentes Umweltproblem: Rohstoffe würden dem Boden entnommen, aufgeschlos-sen, chemisch verändert, vielfältig kombiniert, genutzt (oder vergeudet), und sie verlassen uns wieder als nutzloser Abfall oder Emissionen. Rohstoffe durchlaufen mehrere Stadien, und die Stoffströme können als Kreislauf(-wirtschaft) oder Ausbrechen beschrieben werden. Das Ausbrechen geschieht in der Form von Emissionen, von Abfall oder Müll (von Weizsäcker 1990:80). Recycling bezeichnet daher kurz gefaßt die Wiedereingliederung von Stoffen in den Wirt-schafts-kreislauf.

"RAUMSCHIFF ERDE"

Das Problem zunehmenden Ressourcenverbrauches und zunehmender Abfallmengen hatte Kenneth E. Boulding bereits 1966 durch ein ebenso einfaches wie eingängiges Modell "Spaceship Earth" expliziert: Das "Raumschiff Erde" definierte er als geschlossenes System mit der Natur als Vorrat für Rohstoffe und zugleich als Senke für Abfälle. Im Laufe der Zeit erschöpfe sich dieser Vorrat durch Konsum, während die Abfälle zunähmen. Die Bewegungsmöglichkeiten würden eingeschränkt und die "Endlichkeit" menschlichen Lebens scheine auf. Der Konsumpfad sei demnach so zu wählen, daß langes Leben unter akzeptablen Bedingungen möglich sei (Boulding 1966). Die Simulationen des Club of Rome zeigten 1972 "Grenzen des Wachstums" auf, die durch den Verbrauch nicht-regenerativer Ressourcen wie Kohle, Erdöl und Erdgas gezogen wurden (Meadows u.a. 1972). Die Forderung nach "sustainability", nach "nachhaltiger Entwicklung", bestimmte seit dem Bericht der Brundtlandt-Kommission 1987 (Unsere gemeinsame Zukunft 1987) die Diskussion. Der Be-griff Nachhaltigkeit war aus der Forstwirtschaft entlehnt worden: nachhaltig hieß dort, in einem bestimmten Zeitraum nur soviel abzuholzen wie gleichzeitig nachwachse. Damit sollte auch die Gerechtigkeit zwischen den Generationen hergestellt werden: "Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können." (Kirchgässner 1997:5) Auch die folgenden Generationen sollten die natürlichen Ressourcen ebenso benutzen können wie ihre Vorgänger (Nutzinger 1995).

RECYCLING - EIN THEMA DER WIRTSCHAFTS- UND UMWELTGESCHICHTE?

"Recycling" bestimmte jedenfalls seit den 1970er Jahren als hoffnungsvolle Strategie gegen Ressourcenverbrauch und Abfallberge die Diskussion. Der hemmungslose und inflationäre Gebrauch des Begriffes "Recycling" könnte nun erwarten lassen, daß es sich bei diesem Wiedereinbringen von Stoffen in den Wirtschaftskreislauf um ein modernes Phänomen handele, das eine Lösung anbiete. Damit sind verschiedene Fragen aufgeworfen: Ist das Bewußtsein für die Knappheit materieller Ressourcen ein modernes Phänomen? Ist "Recycling" als Strategie ein modernes Phänomen? Wie sind die Menschen in der Geschichte mit naturalen Ressourcen umgegangen? Wie haben sich die Stoffströme in historischer Dimension entwickelt? Kann die Geschichtswissenschaft hierzu einen Beitrag leisten?
Eine Analyse der Stoffströme in der Geschichte kann sich bisher allenfalls auf Bausteine stützen. Die Geschichtswissenschaft hat sich erstaunlich wenig mit den technischen, materiellen und ökologischen Grundlagen menschlicher Existenz beschäftigt. Selbst in der Wirtschaftsgeschichte gehört der Umgang mit den natürlichen Ressourcen nicht zu den zentralen Problemen des Faches. Erst neueste Einführungen lassen einen Brückenschlag zur Umweltgeschichte erkennen (Reith 1998). Die neuere oder moderne Wirtschaftsgeschichte tat und tut sich mit dieser Dimension wirtschaftlichen Handelns offenbar schwer, da sie in der Wirtschaftstheorie, an die man sich anlehnte, keinen Stellenwert besaß. Die gängige Wirtschaftstheorie kennt im wesentlichen nur - oder besser gesagt: nur noch - zwei physische Produktionsfaktoren: Arbeit und Kapital. Den mainstream economics lag - und liegt noch - die Vorstellung zugrunde, aus der Umwelt stünden immer genügend Bodenschätze zur Verfügung, und die Abfallprodukte aus Produktion und Konsum könnten ohne Schwierigkeiten wieder an die Natur abgegeben werden (Frey 1992:66). Hinsichtlich der Unterscheidung zwischen wirtschaftlichen und "freien" Gütern bestand Konsens in der Nationalökonomie. Gustav Schmoller definierte 1900 in seinem Grundriß: "Die in unbegrenzter Menge von der Natur dem Menschen so gebotenen Güter, daß er sie ohne weiteres genießen und nutzen kann, nennen wir freie (Güter) …" (Schmoller 1900:3). Eugen von Philippovich hatte diese Position präzisiert: "Freie Güter sind solche, die in einer für die praktischen Bedürfnisse der Menschen beliebig großen Menge vorhanden sind, deren Aneignung daher ohne Sorge um die Erhaltung der dauernden Verfügung vor sich gehen kann und die für die Befriedigung auch der voraussichtlich künftig entstehenden Bedürfnisse ausreichen. Luft, Licht, Wasser in wasserreicher Gegend, Holz im Urwald sind nicht Gegenstand der menschlichen Wirtschaft, das heißt dauernder Sorge um ihren Bedarf, sondern nur der Aneignung und des Verbrauchs". "Wirtschaftliche Güter" dagegen seien nur solche, "die im Verhältnis zum gegebenen und zu dem wirt-schaftlicherweise voraus zu beurteilenden Bedarf in beschränkter Menge vorhanden und verfügbar sind" (v. Phi-lippo-vich 1918:34f).
Carl Menger hatte zwar schon 1871 prognostiziert, daß sich der menschliche Bedarf durch wachsende "Culturentwicklung" steigere, und daß daher die nichtökonomischen Güter die Tendenz hätten, ökonomischen Charakter anzunehmen, insbesondere dann wenn eine Verminderung der verfügbaren Quantität eintrete (Menger 1871:62f). Doch um die Jahrhundertwende sah Johannes Conrad die Grenzen des Wachstums schwinden: Er befand, "daß zwar die natürlichen Verhältnisse einen großen Einfluß auf die Gestaltung der Volkswirtschaft ausüben und der wirtschaftlichen Entwickelung gewisse Grenzen ziehen, daß aber, je höher die Kulturstufe ist, um so weiter sich auch der Spielraum gestaltet und der Mensch sich um so unabhängiger von ihnen sein Leben und seine Thätigkeit zu schaffen vermag" (Conrad 1902:30f).
Die Vorstellung von den freien Gütern sollte bis in die Gegenwart bestimmend bleiben. Dieses Bild - so Bruno S. Frey - sei bis vor kurzer Zeit gängig gewesen, da die Umwelt der wirtschaftlichen Tätigkeit keine nennenswerten Beschränkungen auferlegt habe (Frey 1992:15). Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung konnte die mit Produktion und Konsum verbundenen Externalitäten theoretisch nicht internalisieren, und so konnte auch die Wirtschaftsgeschichte mit diesem konzeptionellen Rahmen diese Probleme nicht thematisieren (Reith 1998).
Das gilt auch für die marxistische Wirtschaftstheorie und ebenso für die marxistische Wirtschaftsgeschichte: Charakteristisch dafür ist der Streit, der sich in den siebziger Jahren unter den Ökonomen der DDR und anderer sozialistischer Länder über die Frage entwickelte, ob die Produktion mit der Herstellung des Produkts ende oder erst mit der Beseitigung der Umweltverschmutzungen, die durch die Produktion verursacht würden (Paucke 1995:97f; Nohara-Schnabel 1976).
Der Umgang mit den natürlichen Ressourcen wurde nicht als Gegenstand der Wirtschaft betrachtet, ebensowenig wie die der Produktion oder gar dem Konsum nachgelagerten Prozesse. Damit waren diese Bereiche jedenfalls auch als Gegenstand der Wirtschaftsgeschichte weitgehend ausgeschlossen.
Doch seit Beginn der 1980er Jahre hat sich die am Rand der Geschichtswissenschaft entstandene "Umweltgeschichte" vor allem mit dem Ausbrechen von Stoffen aus dem Wirtschaftskreislauf beschäftigt, zunächst insbesondere mit Emission und Wasserverschmutzung, d.h. der Umwelthygiene und dem Umweltschutz.
Das historische Defizit zeigt sich auch bei der Suche nach historischen Zäsuren: viele Arbeiten, die dem "umwelthygienischen Ansatz" verpflichtet sind, haben einen expliziten Gegenwartsbezug. Andere versuchen, einen "point of no return" in der Geschichte zu finden, von dem aus die Entwicklung unumkehrbar verlaufen sei. Während Joachim Radkau für die Umweltgeschichte einen "größeren zeitlichen Bogen" für wünschenswert hält, so sieht er dennoch eine "tiefe Zäsur" nach 1945 und spricht für die Zeit nach 1945 von einem regelrechten Quantensprung (Radkau 1994:21ff).
Einen solchen universalhistorischen Bogen haben Marina Fischer-Kowalski und Helmut Haberl mit ihrem Konzept "Stoffwechsel und Kolonisierung" geschlagen. Sie unterscheiden Jäger- und Sammler-Gesellschaften, Agrargesellschaften und Industriegesellschaften, wobei die Entwicklung durch einen steigenden Energie- und Materialverbrauch pro Kopf gekennzeichnet sei. Der jährliche Energieverbrauch einer Person in der Industriegesellschaft wird auf das Zehnfache eines Jägers und auf das Drei- bis Vierfache einer Person der Agrargesellschaft geschätzt. Der Input an Rohstoffen pro Kopf betrage in der Industriegesellschaft das Zwanzigfache des Jägers und Sammlers, und die Landwirtschaft verbrauche mehr Energie, als sie in Form von Nahrungsmitteln bereitstelle (Fischer-Kowalski 1997). Der Stoffwechsel von Industriegesellschaften sei daher gekennzeichnet durch ein hohes Verbrauchsniveau, einen materialintensiven Lebensstil, einen hohen Anteil an nicht erneuerbaren Ressourcen, ein geringes Wieder-verwertungspotential, und er sei schließlich weit entfernt von der Nachhaltigkeit (Hüttler/Payer/Schandl 1997a).
Als Zäsur werden vor allem die fünfziger Jahre benannt. Das "1950er Syndrom" - als Übergang vom Zeitalter der Kohle ins Zeitalter der Kohlenwasserstoffe - hat vor allem der Schweizer Historiker Christian Pfister als "entscheidende Bruchstelle im Mensch-Umwelt-Verhalten" vehement in die Diskussion eingebracht (Pfister 1993, 1996). Bis in die 1950er Jahre bewegten sich Wirtschafts- und Lebensweise in Westeuropa auf einem Entwicklungspfad, der zumindest mittelfristig keine bedrohlichen Züge trug. Das "1950er Syndrom" definiert er als Wachstumsbeschleunigung, die er an den Indikatoren Brutto-Inlands-Produkt, Bruttoenergieverbrauch, Anzahl der PKWs, Volumen der Abfälle, Schadstoffbelastung und anderen festmacht. Die Funda-mentalzäsur der fünfziger Jahre trenne die Industriegesellschaft von der Konsumgesellschaft: Die Konsum- und Wegwerfgesellschaft basiere auf dem Preisverfall für fossile Energieträger. Während in der Industriegesellschaft der langfristige Anstieg der Energiepreise zu einer Verbesserung der effizienten Energieverwendung beigetragen habe und ein schonender Umgang mit Ressourcen und Energie gepflegt worden sei, sei der Verfall der relativen Preise für fossile Energieträger in der Konsumgesellschaft die wesentliche Ursache für den verschwenderischen Umgang mit Rohstoffen und Energie und die daraus erwachsenden übermäßigen Belastungen der Umwelt (Pfister 1993:32). Petrochemie und Automobilindustrie betrachtet Pfister als die Paradepferde des technologischen Stils. Die Lebensweise sei bis in die fünfziger Jahre vom Paradigma der Sparsamkeit und von der hergebrachten Recycling-Mentalität geleitet worden, die durch die staatliche Propaganda unter dem Druck des Weltkrieges in vielen Ländern reaktiviert worden sei (Pfister 1993:65). Pfister konstatiert also nicht nur eine Zunahme der Stoffströme, eine zunehmende Materiali-sierung der Wirtschaft, sondern auch eine sinkende Energieeffizienz. Hinsichtlich des Recyclings konstatiert er mit dem Übergang zum Wegwerfverhalten - dem Triumph der Plastiktüte - zudem einen Men-ta-litätswandel (Pfister 1993:86). Folgen wir Fischer-Kowalski u.a. und Pfister, so liegt die These nahe: Recycling ist ein explizit historisches Phänomen; erst die Industriegesellschaft und besonders die Konsumgesellschaft kommt in den fünfziger Jahren vom Pfad der Nachhaltigkeit ab.

DEMATERIALISIERUNG?

Andererseits gibt es neuere Forschungen, die die These stützen, daß die Wirtschaft sich auf dem Weg einer "Dematerialisierung" oder "Entmaterialisierung" befinde. Ulrich Wengenroth hat die These am Beispiel des Metallverbrauches expliziert: Metalle waren und sind das wichtigste und vielseitigste Konstruktionsmaterial industrieller Gesellschaften und Sinnbild ihrer Leistungsfähigkeit, die am Ausstoß der Hochöfen und Walzwerke, - bis in die sechziger Jahre bisweilen auch noch am Ausstoß der Schornsteine - gemessen wurde. Wengen-roth hat darauf hingewiesen, daß der Metallverbrauch seit den 1970er Jahren weltweit stagniere, und daß die metallerzeugenden Industrien zu Kernen des industriellen Verfalls und strukturpolitischer Ratlosigkeit geworden seien (Wengenroth 1995). Der zunehmende Verbrauch nichtmetallischer Konstruktionsmaterialien reiche nicht aus, um diese Stagnation zu erklären. Wengenroth wirft daher die Frage auf: "Sind wir am Ende unbemerkt in eine Epoche ressourcensparender Industrialisierung getreten?" (Wengenroth 1995:12)
Wengenroth vertritt die These, daß genau dies der Fall sei, denn das innovatorische Gleichgewicht habe sich auf die ressourcensparende Seite verschoben. Die mengensteigernden Prozeßinno-va-tionen - wie die Beschleunigung der Walzstraßen - würden nun von materialsparenden Produktinnovationen begleitet. Die gelieferten Metalle seien heute besser, zäher und dauerhafter; weniger genüge für die gleiche Belastung. Bei der Getränkedose habe man von 1960 bis 1984 durch allmähliche Materialverbesserungen das Gewicht der Dosen bei gleicher Füllmenge um 40% senken können. Der Dosenverkauf sei zunächst stark angestiegen, doch jede weitere Materialersparnis gehe nun zu Lasten des Aluminiumabsatzes. Steigende Materialqualität führe, da von dem besseren Material entsprechend weniger gebraucht werde, zu sinkender Verbrauchsintensität. Dieser technische Fortschritt in der Metallerzeugung führe letztlich das Schrumpfen der ganzen Branche herbei (Wengenroth 1995:14). Diese Entwicklung sieht Wengenroth als säkularen Prozeß, der erst in jüngerer Zeit eine Beschleunigung erfahren habe.
Die Stoffbilanz bezogen auf verschiedene Produkte - wie die Cola-Dose - ist durchaus optimiert worden. Doch ob wir daraus ableiten können, daß wir in eine Phase ressourcensparender Industrialisierung eingetreten seien, steht zur Diskussion. In Österreich ist beispielsweise der gesamte Materialeinsatz von 1960 bis 1997 von 12,7 Tonnen pro Einwohner auf 23 Tonnen angestiegen. Die verbesserte Ressourceneffizienz - Entkoppelung des Materialverbrauches vom Wirtschaftswachstum - wurde durch Mengeneffekte überkompensiert (Schandl 2000:174). Trotz der "Effizienzrevolution" und spezifischen Materialreduktionen ist kein absoluter Rückgang des Materialeinsatzes feststellbar. Die relative Reduktion des Ressourceneinsatzes wird durch die mengenmäßige Zunahme des absoluten Warenoutputs rasch ausgeglichen (Hüttler/Payer/Schandl 1997b:113). Die Effizienz auf der Seite der Fertigung wird offenbar auf der Seite des Konsums unterlaufen.
Bleiben wir beim Beispiel der Dose, einem klassischen Wegwerfprodukt: Die Produktion der deutschen Weißblech-Industrie ist von 1977 bis 1997 auf mehr als das Doppelte angestiegen. Die Gewichtsreduzierung der 0,33 l Weißblech-Getränkedose beträgt seit 1951 bis 1987 insgesamt 60%. Doch die Gewichtseinsparungen nach 1975 waren vergleichsweise geringer als zuvor: die stärksten Einsparungen wurden 1968 bis 1975 erzielt, aber auch 1951 bis 1968 waren die Gewichtseinsparungen größer als nach 1975 (Deutsche Weißblechindustrie 1992). Die Optimierung der Dose ist kein Novum der letzten drei Jahrzehnte. Möglicherweise hängen die intensiven Bemühungen, leichter und vor allem billiger zu gestalten, eben doch stärker mit der Konkurrenz des Kunststoffes zusammen, der mancherlei Behälter - wie auch die Mülltonne aus Blech - zum Verschwinden brachte (Meikle 1995).
Vor 1950 spielten Dosen für den Getränkekonsum noch keine Rolle. Doch die Bemühungen um die Einsparung von Ressourcen lassen sich am Beispiel der Konservendose weiter zurückverfolgen (Köstering 1993). Die ersten Konservendosen hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Blechstärken von 0,47 mm noch ein gewaltiges Eigengewicht. Die Blechstärke schrumpfte bis in die 1890er Jahre auf durchschnittlich 0,385 mm, und 1914 galt für kleine Dosen (bis 1 kg Füllgewicht) eine Blechstärke von 0,25 mm und für große Dosen (mehr als 2,5 kg) eine solche von 0,34 mm als Richtwert. Anfang der siebziger Jahre konnten mittlere Dosen mit einer Blechstärke von 0,2 mm stabil produziert werden (Humbert 1997:95ff, 215ff).
Konservendosen aus Weißblech mußten (und müssen) verzinnt werden, denn Zinn bietet Korrosionsschutz. Zinn ist jedoch teuer und wird fast ausschließlich in Indonesien und Bolivien gefördert. In den 1890er Jahren entwickelte die Chemische Fabrik Th. Goldschmidt in Berlin weltweit das erste technisch praktikable Verfahren zur Ent-zinnung von Konservendosen, und 1905 wurde die Chlorent-zinnung eingeführt. Der Nachschub war der Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens: Das Sammeln und Herbeischaffen wurde in internationalem Maßstab organisiert. Großes Interesse bestand an amerikanischen Dosen, die dort schon weitere Verbreitung gefunden hatten; ab 1909 kamen gebrauchte Dosen über den Ozean. In den zwanziger Jahren wuchs der Zinnbedarf, vor allem durch die Nachfrage der Konserven-, Auto- und Elektrogeräteindustrie und in Deutschland und Österreich setzte sich die Konservendose erst in den zwanziger Jahren durch. Die Verknappung von Zinn trieb den Preis in die Höhe, der Sekundärzinnmarkt konnte daher 1927 einen Marktanteil von ca. 30% erreichen. Doch dem Zinn-Recycling standen die Bemühungen der Techniker gegenüber, die daran arbeiteten, die Zinnauflage auf ein Minimum zu reduzieren. "Spartechnologie und Altstoffrückgewinnung rannten um die Wette" (Köstering 1993:129):
1910 konnte Goldschmidt ca. 2% aus den Abfällen gewinnen;
1926 konnte er nochmals um 0,3% erhöhen, doch
1928 gelang die Verdünnung des Zinnüberzuges.
1929 gab man in den USA die Entzinnung von Konservendosen auf;
1934 verringerte die elektrolytische Verzinnung die Zinnmenge pro Quadratmeter um zwei Drittel und das internationale Sam-mel-system brach in der NS-Zeit zusammen.
Der Verpackungs- und Konsumboom der 1960er und 1970er Jahre ließ die Anlagen wieder auf Hochtouren arbeiten, doch der Spielraum wurde enger. Der Weltmarktpreis für Zinn sank dramatisch ab. In den achtziger Jahren wurde das internationale Sammelnetz zu teuer. Die Zinnauflage wurde schließlich so dünn, daß die Dosen großteils ohne Entzinnung als Schrott in den Hochöfen landeten (Köstering 1993:132). Heute fließt der Produktionsschrott aus der Getränkedosenfertigung direkt in die Stahlindustrie. Die Werbung verkauft die Dosen daher gern als ideale "Kreislaufverpackung" (Deutsche Weißblechindustrie 1992).
Die ressourcensparenden Bemühungen der Blechhersteller lassen sich also relativ durchgängig verfolgen, und die Geschichte der Dose wird von solchen Optimierungsprozessen begleitet. Wir können zudem festhalten, daß es sich bei den hier skizzierten Optimierungen um betriebswirtschaftliche Ansätze zur Kostenmini-mie-rung handelt und daß solche Optimierungen den homo oeconomicus schon lange umtreiben.
Das Beispiel Dose läßt mehrere Problemzusammenhänge erkennen:
- Die Bildung von Sekundärmärkten bzw. die Sammelaktivitäten hängen in hohem Ausmaß von den Marktpreisen ab.
- Das Sammeln zum Zweck des Recyclings ist historisch keine neue Erscheinung.
- Die Möglichkeiten des Sammelns und des Recyclings stehen immer in politischen Zusammenhängen: Zölle, Steuern, Abgaben, Zertifikate als wirtschaftspolitische Instrumente beeinflussen als politische Rahmenbedingungen die Primär- und Sekundärmärkte. Dabei verfügen marktwirtschaftliche und planwirtschaftliche Systeme über unterschiedliche Möglichkeiten der Steuerung. Systeme, die wirtschaftspolitisch Autarkie anstrebten, forcierten in der Regel die sogenannte "Altstoffwirtschaft"; über die jeweiligen Motive ist noch zu sprechen.
- Die Möglichkeiten des Sammelns und des Recyclings haben mit der Struktur und Qualität der Stoffe bzw. Güter im technischen Sinne zu tun. Aussagen sind daher immer stoff- bzw. produktspezifisch.
- Schließlich hat Recycling etwas mit Mentalitäten zu tun: Wenn historisch auf die Recycling-Mentalität die Mentalität der Wegwerfgesellschaft folgte, so stellt sich angesichts knapper Ressourcen und wachsender Abfallberge die Frage: Holt uns die Geschichte wieder ein?

PRIMÄR- UND SEKUNDÄRMÄRKTE

Der Zusammenhang zwischen den Primär- und Sekundärmärkten läßt sich relativ einfach formulieren: Die Beispiele Zinn, Gummi, Schrott zeigen, daß bei knappen Rohstoffen und hohen Preisen eine günstige ökonomische Konstellation für die Bildung von Sekundärmärkten besteht. Vice versa stellen niedrige Preise von ausreichend - oder noch ausreichend - verfügbaren Primärrohstoffen eine ungünstige Konstellation für Sekundärmärkte dar. In historischer Sicht ist durch das langfristige Sinken der Realpreise für Rohstoffe und Energie, insbesondere seit den 1950er Jahren, daher für die Sekundärmärkte eine eher ungünstige Faktorkonstellation entstanden. Fourastié und Schneider verweisen auf einen "dramatischen Verfall" der Realpreise: "Langfristig - und diese Tendenz wird bei noch längerfristiger Betrachtung umso ausgeprägter - können wir einen spektakulären Preisverfall der industriellen Rohstoffe feststellen." (Fourastié/Schneider 1989:11ff) Primärrohstoffe sind vielfach günstiger als Sekundärrohstoffe zu beziehen, der betriebswirtschaftliche Anreiz für Recycling ist daher gering.
Historisch betrachtet bedeutet dies, daß aufgrund hoher Kosten der Primärrohstoffe der Anreiz zur Verwendung von Sekundärrohstoffen und "Recycling" gerade in vorindustriellen Gesellschaften groß war. Daß die Arbeitskosten im produzierenden Gewerbe in der Regel höher als die Rohstoffkosten lagen, dürfte diesen Anreiz noch verstärkt haben (Reith 1994). Donald Woodward zeigte an den Beispielen Kleidung, Baumaterial, Metalle, Lumpen und einer Vielzahl anderer Materialien, daß recycliert wurde, wann immer dies möglich war: "Recycling was of considerable importance to the economy of pre-in-dus-trial England." (Woodward 1995:189) Jedenfalls konnten aufgrund der Sekundärmärkte mehr Rohstoffe verarbeitet werden, als die Neuproduktion - wie durch die Hüttenwerke - bereitzustellen in der Lage war. Statistiken, die sich nur auf den Output von Primärmaterial beziehen, dürften daher das Ausmaß der Warenproduktion für den Markt ebenso erheblich unterschätzen wie die Effekte für die Beschäftigung (Woodward 1995:186). Über den Handel und die "micro-economics", die Preisdifferenzen zwischen Primär- und Sekundärmaterial, wissen wir bisher allerdings noch zu wenig.

SAMMELN IN HISTORISCHER DIMENSION

Der Nationalökonom Karl Bücher war vor dem Ersten Weltkrieg bei seinen Studien über die Berufe der Stadt Frankfurt am Main im Mittelalter auf die Bedeutung des Reparaturgewerbes und der Umarbeitung alter Sachen, das "Altwerk", gestoßen: Man suchte "auf alle mögliche Weise die Konsumtionsdauer der Fabrikate zu verlängern". Die ruszen oder lepper arbeiteten altes Schuhwerk um, das Altwerk bei Schneidern und Bauhandwerkern besorgten die plecker, auch humpler genannt; kannenplecker betätigten sich in der Metallverarbeitung. Die altgewender oder kleiderhocken verkauften alte Kleider oder - wie die underkeufer - Hausrat. Nicht zuletzt sind die Alteisenhändler zu nennen (Bücher 1914:18). Bereits im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde umfassend, zum Teil schon gewerblich gesammelt und - soweit möglich - wiederverwertet: Ein Altstoffhandel mit Sammlern und Kleinhändlern über den Mittel- bis Großhandel bildete sich heraus, der insbesondere Altmetall, Lumpen, Kleidung, Papier, Knochen, Asche etc. sammelte.
Ein gut erforschtes Beispiel sind die Lumpen, die für die Papierproduktion benötigt wurden. In der frühen Neuzeit bildeten sich bereits Lumpensammelbezirke aufgrund obrigkeitlicher Privilegien heraus, auch das Instrument des Exportverbotes wurde angewandt, und der "Lumpenschmuggel" signalisiert ein knappes Gut. Der Holzschliff, zunächst nur als Zusatz zu den Hadern, und nach 1870 der chemische Holzaufschluß (Zellstoff) lösten die Papierproduktion aus diesem Zyklus und ermöglichten einen exponentiellen Anstieg der Papierproduktion und des Verbrauches (Bayerl/Pichol 1986). Um 1900 verbrauchte ein Deutscher 750 Gramm Papier für Verpackung pro Jahr. Bis 1960 war die Menge auf das Hundertfache angestiegen: 1989 hatte der deutsche Konsument 85,5 kg zu entsorgen (Nast 1997:219). Papier war zu einem ganz charakteristischen Wegwerfprodukt geworden (König 2000:419ff). Bis in die 1960er Jahre war es durchaus möglich, mit Altmetall, Lumpen und Papier beim Altstoffhändler etwas zu erlösen. Doch in vielen Bereichen brach das Sammeln in den sechziger Jahren ab: So wurde die Weiterentwicklung der Recyclingmethoden für Altgummi gestoppt, nachdem noch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg jede Art der Rückgewinnung, Wieder- und Weiterverwendung intensiv genutzt worden war. Schon um 1900 hatte das "Regenerierfieber" auch Europa erfaßt, und 1904 erging ein Ausfuhrverbot für Gummigaloschen. Preissteigerungen auf dem Naturkaut-schukmarkt durch den Bedarf der Fahrrad- und Automobilindustrie forcierten die Rückgewinnung; aus Regenerat wurden Waren geringerer Güte und Haltbarkeit hergestellt. Die Bedarfssteigerung im Ersten Weltkrieg führte zur Sammlung von Altgummimaterial; bei den Behörden wurden selbst alte Stempel eingezogen (Gräbner 1995).

POLITISCHER KONTEXT

Die politischen Zusammenhänge sind am Beispiel der Entzinnung bereits ansatzweise deutlich geworden: Wirtschafts- und ordnungspolitische Maßnahmen spielen in Marktwirtschaften eine Rolle, doch wird besonders in Kriegs- und Planwirtschaften entscheidend auf Allokation und Preisbildung materieller Ressourcen Einfluß genommen. Die Gummi-Sammlungen im Ersten Weltkrieg, als die Blockade das Ausmaß der Rohstoffabhängigkeit offenlegte, sind nur ein Beispiel dafür. In Wien erging an die Bürger folgender Aufruf: "Wiedener! Beteiligt Euch rege an der Patriotischen Woll- u. Kautschuksammlung." (Denscher 1987:52) Diese Sammlungen standen im Kontext der Kriegswirtschaft und des Rüstungsbedarfes und für die Metallsammlungen wurde appelliert: "Unsere Armee braucht Metalle", oder "Aluminium, Kupfer, Messing, Nickel, Zinn ist genug im Lande! Gebt es heraus. Das Heer braucht es!" An die Entwicklung von Ersatzstoffen und Surrogaten sollte in der NS-Zeit wieder angeknüpft werden (Goebel 1930:87f, 120ff).
Im Dritten Reich wurde im Zuge des Vierjahresplanes versucht, dem Devisen- und Rohstoffmangel bzw. der Bindung der Devisen durch die Rüstung durch den Einsatz der "Deutschen Roh- und Werkstoffe" zu begegnen (Gerhardt/Höfner 1939). Im Rahmen der Aufrüstung sollte die Rohstoffbasis erweitert werden und man plante, "alle noch verwertbaren Altstoffe dem Rohstoffkreislauf wieder zuzuführen und der bisherigen Verschleuderung und Vernichtung wertvollen Materials ent-gegenzuwirken" (Huchting 1981:254). 1936 wurde ein Reichskom-missar für Altmaterialverwertung bestellt. Mit der Verdrängung fachkundiger jüdischer Händler aus dem "Rohprodukten- und Altstoffgewerbe" kam die NS-Regierung jedoch in ein Dilemma (Köstering 1994). Mit Parolen wie "Kampf dem Verderb" (1936) wurde die "restlose Erfassung" und Mülltrennung der Haushalte angeordnet. Die Entrümpelungen hatten im übrigen auch die Zielsetzung, die Brandgefahr bei Fliegerangriffen zu reduzieren.
Mit hohem propagandistischem Aufwand wurde die "Verwertung des Wertlosen" (Ungewitter 1938) verkündet, denn Göring sah große Reserven: "Es ist geradezu erstaunlich, welche Rohstoffmengen aus Bequemlichkeit oder alter Gewohnheit mit dem Müll verschwinden". (Köstering 1994:115) Er vertraute auf die "Genialität der Erfinder" (Geleitwort zu Ungewitter 1938), und Anton Zischka versprach 1940 mit seinem Bestseller: "Erfinder brechen die Blockade". Die wirtschaftliche und technische Sachliteratur war beherrscht vom "deutschen Rohstoffwunder" (Lübke 1939). Auch die Sprache blieb vom "Fluch des Superlativs" nicht verschont: Die "totale" Verwertung des Mülls und die "restlose Erfassung" aller verwertbaren Rohstoffe sollte Eingang in die lingua tertiae imperii finden (Klemperer 1996:279ff).
Das Verwerten erwies sich jedoch weit schwieriger als das Sammeln. 1939 gab es Absatzschwierigkeiten für die gesammelten Materialien, abgesehen von rüstungsrelevantem Material wie Schrott und Lumpen. Die Plünderung der eroberten Länder im Blitzkrieg führte schlagartig zu einem Nachlassen der Bemühungen um einen sparsamen Umgang mit Rohstoffen. Nach den Niederlagen im Winter 1941 wurde dann die "größtmögliche Effektivität in der Ausbeutung von Arbeitskräften und Rohstoffen" angestrebt, und jährliche Reichsspinnstoffsammlungen folgten. Überwiegend kam das Bekleidungsmaterial jedoch aus den Vernichtungslagern. Durch die Sammlungen wurde dessen Herkunft propagandistisch verschleiert.
Die Altstoffpropaganda der NSDAP arbeitete mit astronomischen Zahlen. Der "Rohproduktenhandel" hingegen hielt es 1935 vom fachlichen Standpunkt aus für unsinnig, Tuben, Büchsen und Flaschenkapseln zu sammeln: "Es ist leicht, sich am friedlichen Schreibtisch auszurechnen: soundsoviele Männer verbrauchen soundsoviele Rasierklingen. Das ergibt einen Abfall, der sich in Zentnerziffern widerspiegelt. In die Praxis umgesetzt bedeutet das eine schier unmögliche Kleinarbeit." (Köstering 1994:64) Ob daher mit Blick auf die gesamte Wirtschaft "Recycling" wirklich eine Rolle gespielt hat, muß die Forschung weiter beschäftigen. Die Frage nach den Motiven sowie der tatsächlichen Umsetzung, jenseits politischer Bekundungen, erhält dabei mehr und mehr Gewicht, um nicht ebenfalls den propagandistischen Versprechen auf den Leim zu gehen. Zu deutlich standen die unter Zwang erfolgten Sammlungen unter der Zielsetzung der "Wehr-haftmachung". Bert Brecht hat in seinen Svendborger Gedichten - "Dauer des Dritten Reiches" - diese Motive scharfsinnig und weitsichtig in folgende Zeilen gefaßt: "Den Krieg gewinnt, wer die meisten Rohstoffe, die meisten Lebensmittel, Und die ausdauerndsten Soldaten hat: Wenn also alle Soldaten, die in die Tanks steigen - Lange genug drinnen bleiben - Alle ihre Frauen und Kinder Rüben fressen und - Großvater Stilke seine Abfalltonne tüchtig nach Zinn auskratzt, Muß der Krieg, der kommen wird, gewonnen werden.
Den nächsten Weltkrieg werden wir gewinnen - Wenn wir genügend Abfall sammeln. - Daran soll Höheren Ortes kein Zweifel bestehen ..." (Brecht, GW 9:715 f)

SEKUNDÄRROHSTOFFE IN DER TEILAUTARKEN PLANWIRTSCHAFT

"Sekundärrohstoffe" gewannen auch für die DDR immer größere Bedeutung, da sie nur über wenige und begrenzte natürliche Ressourcen verfügte. Während man in der BRD und in Österreich von Abfallwirtschaft und später von Recycling sprach, so hieß dies in der DDR "Abprodukt- oder Sekundärrohstoffwirtschaft" (Spindler 1985:1). Aufgrund der begrenzten Rohstoffbasis (Braunkohle, Kali) war die Verwertung von "Sekundärrohstoffen" für die - zumindest teilau-tarke - Wirtschaft der DDR außerordentlich bedeutend. Bereits in den ersten Jahren der DDR wurde für Sammelaktivitäten geworben, die jedoch die Erinnerung an knappe Zeiten weckten. In der Zeitschrift "Die Material-Wirtschaft" beteuerte man daher 1958: "Es hat sich die Erkenntnis vertieft, daß das Sparsamkeitsregime nicht Ausdruck einer ‚Arme-Leute-Politik' ist, … sondern daß dies eine Möglichkeit ist, um dem ganzen Volk erst die Fülle des materiellen und kulturellen Reich-tumes zu erschließen." (Maier 1997:4)
Vor allem nach den Preissteigerungen für Primärrohstoffe auf dem Weltmarkt ergab sich in den 1970er und 1980er Jahren ein starker ökonomischer Druck zur Verwertung. Auf dem IX. Parteitag der SED 1976 wurden Sekundärrohstoffe als wichtige Rohstoffreserve genannt und Steigerungsraten für deren Verwendung programmatisch festgelegt (Maier 1997:7). Die DDR mußte 1985 etwa 60% ihres Rohstoffbedarfes durch Importe decken. Vor allem seit Beginn der 1980er Jahre zielte man auf eine verstärkte Wiederverwertung: 1982 sollen dadurch 5,6 Milliarden Mark Primärstoffe eingespart und die Devisenbilanz entlastet worden sein. 1981 wurde das "Volkseigene Kombinat Sekundärrohstofferfassung" (Sero) gegründet, das in jedem Bezirk einen Erfassungsbetrieb hatte und etwa 9.000 Mitarbeiter in 1.200 Annahmestellen beschäftigte. An der Abfallsammlung waren auch die Massenorganisationen wie die Freie Deutsche Jugend (FDJ) und Verbände beteiligt: Die "Mach mit"-Wettbewerbe zielten auf eine Verwertung der Abfälle für Produktionszwecke, um den Importbedarf zu senken.
Für die einzelnen Stoffe wurden Ankaufpreise bezahlt, die - je nach Bedarf - festgesetzt wurden. Schrott war ein wichtiger Rohstoff der DDR-Volkswirtschaft. Die Erzeugung von Rohstahl beruhte zu 75% auf Schrott, bei der Weltrohstahlerzeugung dagegen nur zu 50%. Die Ankaufspreise wurden differenziert und von 1970 bis 1982 bei allen Schrottarten beträchtlich angehoben. Das Kombinat "Metallaufbereitung" in Halle entwickelte Aufbereitungsverfahren für problematische Sekundärrohstoffe wie Batterien, Kabel, beschichteten Schrott, Schlämme, Lösungen, Stäube und Schlacken. Auch die Betriebe mußten planmäßig Schrottkontingente abliefern. Das Zusammenspiel von Planauflagen und materiellen Stimuli zeigte jedoch auch nichtintendierte Effekte: Schrottbestände wurden entweder zur Plan (über-)erfüllung zurückgehalten, oder es wurden - so ein Bericht in "Die Material-Wirtschaft" - "mutwillig Abfälle oder Reste" produziert (Maier 1997:26).
Beim Altpapier stieg das Aufkommen von 1971 mit 433.700 Tonnen bis 1982 auf 628.900 Tonnen. 49% des Faserstoffes wurden durch Altpapier gedeckt. Die DDR hatte hier eine internationale Vorrangstellung, denn im Weltmaßstab wurden nur 20% zurückgeführt. Bereits 1959 erging die erste staatliche Anordnung über "Rückkauf und Wiederverwendung gebrauchter Getränkeflaschen und Gläser": Die Rückführungsquote lag 1983 bei über 75%, 1980 wurden die Aufkaufpreise nochmals angehoben. Altreifen wurden 1983 zu 39% der Aufbereitung zugeführt, auch hier wurden Vergütungen für abgelieferte Reifen bezahlt.
Gerade am differenzierten Prämiensystem wird deutlich, daß auch hier - zumindest nicht in erster Linie - ökologische Zielsetzungen ausschlaggebend waren, wenngleich ökologische Effekte durchaus erzielt wurden. Für eine "Recycling"-Mentalität spricht das Prämiensystem jedenfalls nicht. Als zentrales Problem erwies sich die Preisfestsetzung: Der Preis für eine Tonne Braunkohle war beispielsweise niedriger als die Kosten für die Entsorgung einer Tonne Braunkohlenasche. Die Prämien waren durchweg nicht an den Kosten orientiert, und es wurden auch für Stoffe Prämien ausgeschüttet, die nicht verwertet werden konnten. Die Staatliche Plankommission stellte 1960 fest, in allen Altstoffarten gäbe es einen Stau. Für den erfaßten Altkautschuk gäbe es überhaupt keine Verwendungsmöglichkeiten; Karbo- und Petrochemie hatten erhebliche "Rückstandsprobleme" (Maier 1997:30f). Die Verwertung, das Schließen der Kreisläufe, bereitete erhebliche Schwie-rigkeiten: Unverwertbare Altstoffe wurden auf Deponien abgelagert, und nach 1980 übernahm die DDR aufgrund der hohen Auslandsverschuldung auch Müll aus der Bundesrepublik gegen Devisen. Das Sero-System zielte daher mehr auf Devisen- als auf Ressourcenscho-nung. Auch in anderen zentralen Bereichen - wie dem Braunkohlentagebau - blieben ökologische Überlegungen völlig außen vor, und die gravierenden Umweltprobleme trugen mit zum Zusammenbruch der DDR bei. Wenngleich der Begriff "Recycling" noch 1989, kurz vor der Wende, erstmals in einer DDR-Publikation auftauchte (Maier 1997:16), so war man doch weit entfernt von einer Kreislaufwirtschaft.

TECHNISCHE ASPEKTE

Durch technisch-wissenschaftlichen Fortschritt dürften sich die Möglichkeiten des Recyclings erweitert haben: Zahlreiche Beispiele ließen sich anführen, etwa das De-Inking-Verfahren oder die Kreislaufführung des Wassers in der Papierproduktion. Das technische Potential ist gewach-sen: Liegt es also nur daran, daß die technischen Möglichkeiten unzureichend oder vielleicht nur in einige Phasen des Produktzyklus eingebracht werden?
Die Struktur der Produkte hat sich vor allem im Zuge der Massenproduktion verändert. Die Palette der Werkstoffe ist wesentlich breiter geworden, insbesondere Kunststoffe haben an Bedeutung gewonnen. Neue Verfahren in der Fertigungstechnik haben die Massenproduktion beschleunigt. Doch gerade die Entwicklungen auf seiten der Produktionstechnik machen die Probleme am Ende des Produktzyklus aus: So sind es bei der Wiederverwertung von Papier gerade die Farben, Kleber und spezifische Drucktechniken, die diese behindern. Erweisen sich die unlösbaren Verbindungen auf der Seite der Fertigungstechnik als Kostenminimierung, so stellen sie sich am Ende des Produktzyklus in doppelter Bedeutung als unlösbar heraus. Als weiteres Problem wird die Stoffanreicherung benannt, d.h. die Anreicherung von Stoffen mit Schadstoffen (z.B. den Klärschlamm durch Schwermetalle). Der Kreislauf kann in diesem Fall leicht zum Verteiler von Schadstoffen werden, doch der Schadstoffeintrag gilt als noch zu wenig erforscht (Schenkel 1994:505).
Neben Problemen der Trennung (z.B. bei Beschichtung) und des Schadstoffeintrages kann auch die Materialreduktion ein Problem bieten: Auf der einen Seite leistet sie - wie beim Verzinnen von Dosen - einen Beitrag zur Materialersparnis, doch gerade die Minia-turisierung läßt Recycling nur begrenzt, d.h. mit hohem Aufwand und geringem Ertrag zu. Damit ist der Wettlauf zwischen Fertigung und Recycling in vollem Gange! Wer am Ende der Produktlinie den Kreislauf herstellen soll, muß im technischen Sinne erst dekonstruieren. Mit der Zielsetzung eines geringeren Stoffeinsatzes sowie der Weiter- und Wiederverwendung von Produkten, Produktteilen und Werkstoffen werden für Forschung, Entwicklung und Konstruktion daher Kriterien recyclinggerechter Konstruktion formuliert: Werkstoffmini-mierung, Minderung der Werkstoffvielfalt, schadstoffarme Werkstoffauswahl, Vermeidung von Beschichtungen, Kennzeichnung von Werkstoffen und Bauteilen und Demontagefreundlichkeit (Teichert 1997: 409-420).
Ein zentrales Problem des Recyclings liegt jedoch auch darin, daß Sekundärrohstoffe meist von geringerer Qualität als Primärrohstoffe sind: Papierfasern können beispielsweise nur sechsmal im Kreislauf geführt werden. Das theoretische Potential liegt bei sechsmaliger Kreis-laufführung immerhin bei ca. 85% Altpapiereinsatz. Würde das theoretische Maximum ausgeschöpft, so wären nach Berechnungen Wolfgang Laubers für 3,3 Mio Tonnen Papier und Pappe (Jahrespro-duktion 1993) nur 0,5 Mio Tonnen Frischfaser notwendig. Dies entspreche der österreichischen Frischfaserproduktion Anfang der fünfziger Jahre (Lauber 1994:36).
Angesichts des schlechteren Qualitätszustandes der Sekundärrohstoffe scheinen die Begriffe "Screw-Cycling" oder "Down-Cycling" daher eher angemessen, als der Begriff "Recycling", der das perpe-tuierende Wiederholen des Nutzungsprozesses suggeriere (Schenkel 1994:505). Solche Fragen sind jedenfalls nur auf der spezifischen Stoff- oder Produktebene sowie regionaler Stoff-, Energie- und Emissionsbilanzen zu entscheiden. Damit gerät die gesamte Produktlinie in den Blick, d.h. auch der ökologische Rucksack, der auf der gesamten Produktlinie anfällt.
Zwei Probleme können wir festhalten: Einerseits haben sich die technischen Möglichkeiten des Recyclings erweitert, andererseits haben sich auch die technischen Probleme des Recyclings ganz erheblich vertieft, - und sie sind zunächst offenbar unterschätzt worden.

FÜHRT RECYCLING IN DIE SACKGASSE?

Nach der anfänglichen Euphorie in den siebziger Jahren ist es um das Recycling ruhiger geworden. Die Vorstellung, daß mit einer Kreislaufwirtschaft die Probleme des Raumschiffes Erde behoben seien, hat viel von ihrer anfänglichen Faszination eingebüßt. Werner Schenkel hat unlängst die Frage aufgeworfen, ob Recycling in die Sackgasse führe? Recycling von Abfall sei eine politische Vision gewesen. Das Wort habe "Erlösungscharakter" und man sei der Magie des Begriffes erlegen: "Der Mensch als Konsument würde so entlastet und könnte als Destruent und Produzent einen positiven Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten." Doch das perpetuum mobile funktioniere eben nicht (Schenkel 2000:25). Dennoch hält er daran fest: Recycling bleibe eine strategische Vision, das Leitbild müsse allerdings ergänzt werden. Die Ressourcenproduktivität könne nur optimiert werden, wenn zudem die Güter langlebig produziert, ihre Nutzung verlängert und intensiviert würde. Stahel spricht daher von Effizienzstrategien zur Steigerung der Materialintensität, der Lebensdauer, der Repa-rierbarkeit, der Wieder- oder Weiterverwendung und der Zerlegbarkeit, sowie von Suffizienzstrategien zur Erzielung von Qualität im Sinne von besser statt mehr (Stahel 1997:67-92).
Die Frage nach der historischen Dimension dieser Phänomene - Konsum, Produktinnovation, Neuproduktion und Reparatur - beschert den Historikern weitere Arbeitsfelder. Die Zielsetzung ist, über die verfügbaren Bausteine hinaus historisch mehr über die Stoffströme und den Umgang der Menschen mit natürlichen Ressourcen zu erfahren. "Recycling" oder "Kreislaufwirtschaft" ist dabei auch ein analytisches Instrument. Bruno S. Frey hat die Kreislaufwirtschaft als eine Denkform, als Form der Ökonomik bezeichnet: Gerade diese Denkform versetzt auch die Historiker in die Lage, die ganze Dimension und Konsequenz wirtschaftlichen Handelns zu fassen.

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