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Die indigene Bevölkerung Lateinamerikas um 1500

Jürgen Golte

Quelle: Weltregionen 3: Die Neue Welt. Süd- und Nordamerika in der kolonialen Epoche Herausgegeben von Friedrich Edelmayer, Margarete Grandner, Bernd Hausberger. Wien: Promedia 2001.

Zur Zeit der Ankunft der Europäer in Amerika blickten die Bewohner dieses Doppelkontinents auf eine lange Geschichte zurück. Letztlich unerheblich ist dabei, ob die früheste Einwanderung aus Nordasien schon ungefähr 46.000 vor unserer Zeitrechnung erfolgt ist, oder erst 25.000 Jahre später. Zu Ende des 15.Jahrhunderts wurde der Kontinent von einer großen Zahl unterschiedlicher Völker bewohnt. Diese Völker blickten alle auf eine lange Entwicklungsgeschichte zurück, im Laufe derer sie sich von den ursprünglichen sozialen und kulturellen Gegebenheiten ihrer eingewanderten Vorfahren weit entfernt hatten, und zwar in unterschiedliche Richtungen. Insgesamt kann man annehmen, daß es zwischen den Bewohnern Amerikas jener Zeit - außer ihrer rein physischen Verwandtschaft - keine sie alle umfassende Gemeinsamkeit gab, die sie von den Bewohnern der Alten Welt generell unterschieden hätte.
Die Wahrnehmung der sozialen und kulturellen Verschiedenartigkeit der Bewohner der Neuen Welt war lange Zeit durch die Kategorien und das Geschichtsverständnis des 19. Jahrhunderts bestimmt. Dabei ging man von einem einfachen Schema des geschichtlichen Ablaufs aus, das eine relativ einlinige Entwicklung annahm, nämlich die von undifferenzierten Kleingruppen früher Sammler und Jäger zu immer komplexeren Großgesellschaften, die schließlich in Staatsgesellschaften ihren Höhepunkt fanden. Entsprechend diesem Schema sah man die Entwicklung von Staatsgesellschaften, insbesondere bei den Azteken und Maya im Bereich des heutigen Guatemala und México sowie bei den Inka in den zentralen Anden als Entwicklung von »Hochkulturen«; die Entwicklung von kleinräumigen geschichteten Gesellschaften, »barbarischen Fürsten-tümern«, chiefdoms oder cacicazgos, insbesondere im zirkumkaribischen Raum und in den Nordanden, als Vorstufen von Staatsgesellschaften; Feldbau betreibende Stammesgesellschaften, vor allem im südamerikanischen Tiefland, wiederum als weniger entwickelte Menschengruppen; und schließlich Kleingruppen von »Wildbeutern«, beispielsweise in Feuerland, in Teilen Paraguays und Brasiliens, sozusagen als »primitive« Überbleibsel der amerikanischen Urbevölkerung aus der Zeit ihrer Einwanderung.
Nun wird eine derartige Einteilung gemäß einem einlinigen Verständnis von Menschheitsgeschichte spätestens dann problematisch, wenn man versteht, daß alle Völker eine Geschichte haben und daß die Entwicklung der bei ihnen vorhandenen Formen gesellschaftlicher Organisation jeweils spezifische Optimierungen unter konkreten Bedingungen des Verhältnisses von Mensch und Natur sind. Nach unserem heutigen Verständnis sind Staaten nicht als ein Höhepunkt allgemeiner menschlicher Entwicklung aufzufassen, sondern als eine mit bestimmten Formen fortgeschrittener Naturbeherrschung notwendig einhergehende, komplexe Form der gesellschaftlichen Organisation.
Insofern kann ein allgemeiner Überblick über die Bewohner Amerikas zur Zeit der Ankunft der Europäer heute bei der Einteilung der unterschiedlichen Bevölkerungen in Gruppen nicht mehr auf das Geschichtsverständnis des 19. Jahrhunderts zurückgreifen, sondern muß andere Kriterien entwickeln, die einerseits der jeweiligen Eigenart der vorspanischen Gesellschaften gerecht werden und andererseits, gemäß der dieser Publikation zugrundeliegenden Absicht, dem Verständnis der mit der Eroberung einsetzenden Geschichte nützlich wären. Eine erste Unterscheidung, deren Wert sogleich erkennbar wird, wenn man die Ausdehnung der frühen Kolonialherrschaft betrachtet, ist die von Gesellschaften, deren Reproduktion auf der Existenz einer fortgeschrittenen Arbeitsteilung beruhte, und solchen Gesellschaften, die im Kern nur eine geschlechtliche Arbeitsteilung aufwiesen.
Zu den ersteren gehörten alle Gesellschaften in Mesoamerika, etwa zwischen dem heutigen Nicaragua und México, sowie im Andengebiet, das heißt, in den heutigen Staaten Kolumbien, Ecuador, Perú, Bolivien bis hin nach Nordwestargentinien und Mittelchile, ohne die östlich der Anden gelegenen und heute zu diesen Staaten gehörenden Tiefländer. Die übrigen Gebiete, insbesondere die Tiefländer Südamerikas und die Karibik könnte man eher dem zweiten Typ zurechnen.
In den Gebieten des erstgenannten Typs gehören die soziale Organisation und Verwaltung zu jenen Bereichen, die von einem darauf spezialisierten Bevölkerungsteil übernommen wurden. Eine solche Spezialisierung geht stets mit der Entwicklung von Systemen von Herrschaft und Machtausübung einher. Zwei Räume sind beispielhaft dafür, nämlich die mexikanische Mesa Central und die zentralen Anden. Hier fanden sich zur Zeit der Eroberung Zentren von Staaten, die versuchten, die für das jeweilige Kerngebiet notwendigen komplementären Regionen mit unterschiedlichen Spezialisten und Rohstoffen politisch zu kontrollieren. In anderen Regionen beschränkte man sich auf eine politische Kontrolle von eher kleinräumigen, geschichteten Gesellschaften, die dafür durch komplexe Fernhandelsnetze intensiv miteinander verbunden waren. Letzteres galt insbesondere für die Chibcha-Fürstentümer der nördlichen Anden, im Raum des heutigen Kolumbien und angrenzender Gebiete, sowie für das südliche und südöstliche Mesoamerika, wo die Maya-Fürstentümer besonders hervorzuheben sind. Wichtig dabei ist es, zu verstehen, daß die unterschiedliche politische Organisation nichts über die allgemeine gesellschaftliche Produktivität, den Reichtum, die Ernährungslage, die Entwicklung von Manufakturen und Handwerkerzentren oder gar die künstlerische Qualität oder Komplexität der handwerklichen Produkte aussagt, wie dies mit dem Begriff der »Hochkultur« gemeint war.
Alle genannten Bereiche konnten nach der europäischen Landnahme rasch im Sinne der Eroberer reorganisiert werden. In den Staatsbereichen übernahmen die Europäer das Herrschaftsgebiet der vorspanischen politischen Eliten und reorganisierten das Herrschaftssystem gemäß ihren kolonialen Zielen. Die arbeitsteilige Produktion in den durch Handelsnetze verbundenen Fürstentümern wurde weitergeführt. Die eindringenden Europäer übernahmen einerseits vor allem die Rolle der vorspanischen Austauschspezialisten und Händler, andererseits die der Spezialisten in Ideologie und Religion. Außerdem wurden ehemalige Fürstentümer zu untergeordneten Verwaltungseinheiten der spanischen Vizekönigreiche.
Ganz anders verlief die Landnahme in den nicht arbeitsteilig organisierten Regionen. Hier gelang es den Europäern im allgemeinen nicht, sich ohne Schwierigkeiten der vorher bestehenden Gesellschaften zu bemächtigen. Dabei wurden die Verdrängung der vorspanischen Bevölkerung, ihre Eliminierung beziehunsweise weitgehende Marginalisierung zu den wichtigsten Formen der Übernahme von deren Territorien. In diesen gestaltete sich die europäische Landnahme in der Regel als Gesellschaftsneugründung. In vielen Fällen blieben die vorher nicht arbeitsteiligen Gesellschaften außerhalb der Herrschaftsterritorien der Kolonialmächte und wurden erst seit dem 19. Jahrhundert zunehmend in die entstehenden Nationalstaaten integriert. Nur in einigen Gebieten gelang es den Europäern, Missionen oder Handelsniederlassungen in die Bereiche der einzelnen Gesellschaften hineinzutragen, die als Interaktionszentren zwischen den Europäern und den weiter unabhängig organisierten Nachfahren der voreuropäischen Gesellschaften fungierten.
Die Gründe für das so unterschiedliche Verhältnis jener beiden Typen zu den erobernden Europäern sind wahrscheinlich vielfältig. Aber die zwei zentralen Punkte sind ohne Zweifel die historisch weit vor dem 15. Jahrhundert entwickelte Arbeitsteilung und die damit einhergehende Entwicklung von innergesellschaftlicher Herrschaft. In Gesellschaften mit einer derartigen Vergangenheit gelang es den Europäern, ein bestehendes, komplexes Abhängigkeitsnetz zu nutzen und dieses dann von innen heraus durch Gewaltausübung und Allianzen, durch Dekonstruktion von bestehenden Institutionen sowie durch Rekonstruktion nach den Prämissen und Absichten der Kolonialmächte zu einem Teil der zwischenmenschlichen Interaktion zu machen. Demgegenüber scheiterte die Angliederung da, wo die grundlegende gesellschaftliche Prämisse von Gleichheit in der Wirtschaft - unter Feldbauern, Jägern und Sammlern - historisch nicht aufgehoben worden war, wo soziale Beziehungen sich auf normierte Gegenseitigkeitsbeziehungen in Verwandtschaftsnetzen gründeten, wo innergesellschaftliche Herrschaftsausübung schwach ausgebildet war und nur zeitweilig in beschränkten Bereichen, etwa bei Auseinandersetzungen mit Nachbargruppen, aktualisiert wurde.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in den zentralen Anden

Ein gutes Beispiel für die Entwicklung von Herrschaft und Arbeitsteilung bilden die zentralen Anden. Hier begann etwa gegen Ende des dritten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung eine zunehmende Differenzierung in den Kleingruppen von Jägern, Sammlern, frühen Feldbauern und Viehhirten, die bis dahin die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt hatten.
Der Ausgangsbereich für diese Entwicklung waren die Flußoasen in der den Anden westlich vorgelagerten Küstenwüste, die sich etwa von der ecuadorianisch-peruanischen Grenze bis nach Nordchile hin ausdehnt. Die dortigen Menschen lebten bis dahin vom Fischfang im Pazifischen Ozean und von Jagd und Sammelwirtschaft vor allem in den Taloasen der etwa fünfzig Flüsse, die aus den Anden dem Pazifik zufließen. Im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung übernahmen diese Bevölkerungsgruppen zunehmend die bis dahin schon anderenorts domestizierten Pflanzen und gründeten ihre Wirtschaft immer stärker auf den Bewässerungsfeldbau. Die Anlage der für die großflächige Bewässerungsfeldwirtschaft notwendigen Kanalsysteme, die Nivellierung der Bewässerungsflächen und vor allem die Verteilung der jahreszeitlich und von Jahr zu Jahr stark schwankenden Wassermengen in den Flüssen bedurfte wohl einer talweiten Kontrolle sowie einer Arbeitsteilung zwischen den Organisatoren der Bewässerungssysteme einerseits und der bäuerlichen Bevölkerung andererseits. Das Verhältnis zwischen beiden Gruppen war also ein für die Ernährung der an Zahl zunehmenden Bevölkerung funktional notwendiges und setzte bei den Organisatoren nicht nur die Fähigkeit zur Anleitung der Bauernbevölkerung bei den notwendigen Infrastrukturmaßnahmen, sondern auch die Macht zu deren Durchsetzung voraus. Im Gefolge dieser frühen Arbeitsteilung gelang es den Bewohnern der Küstenoasen rasch, eine ertragreiche Landwirtschaft aufzubauen, die - ergänzt durch den weiter betriebenen Fischfang und die Jagd von Meeressäugern - eine gute und relativ stabile Nahrungsgrundlage für die in der Folgezeit zunehmende Bevölkerung bildete.
Die Organisatoren wiederum bauten ihre herausgehobene Stellung in der Gesellschaft rasch aus. Außerdem wurden neue Formen der Welterklärung entwickelt, die darauf abzielten, die Herrschaft als eine »natürliche« erscheinen zu lassen. Im Gefolge dieser neuen, auch im Bewußtsein der Menschen abgesicherten Funktion der Eliten kam es in den betreffenden Gebieten zum Bau von Pyramiden, Tempeln und Palästen, sowie zu einer beschleunigten Entwicklung des Handwerks, insbesondere der Textilkunst, der Metallurgie und der Töpferei. Diese Handwerke produzierten in erster Linie die Herrschaftssymbole und Insignien für die neu entstandene Führungsgruppe, nicht so sehr Gebrauchsgüter für die Bevölkerung der Bauern oder Fischer. Mit der Ausweitung der Herrschaft und aufgrund der relativ hohen Produktivität der Bewässerungswirtschaft und der Küstenfischerei konnte bald nahezu die Hälfte der Bevölkerung aus der unmittelbaren Produktion von Nahrungsmitteln herausgelöst werden. Es entstanden in fast allen Tälern große Tempelzentren, denen Handwerkerquartiere in immer bedeutenderem Umfang mit sich vertiefender Spezialisierung zugeordnet waren.
Eine derartige Entwicklung des Kunsthandwerks hatte auch Folgen hinsichtlich der verwendeten Materialien. Verschiedene der von den Handwerkern benötigten Rohstoffe gab es nämlich in den Taloasen nicht. Vielmehr mußten diese aus weit entfernten Re-gionen beschafft werden: Spondylusmuscheln und Strombusschnecken von den warmen Gewässern der ecuadorianischen Pazifikküste, da das Meer vor der peruanischen Küste aufgrund des antarktischen Humboldtstroms extrem kalt ist, bunte Federn, Heilpflanzen und Hölzer aus dem Amazonasgebiet, tierische Wolle der Kameliden, also von Lamas und Alpakas, aus dem zentralandinen Hochland, Kupfer, Silber, Gold und Halbedelsteine aus Südperú und Nordchile, Obsidian aus den Bergen der zentralen Anden und Farbstoffe aus dem bolivianischen Tiefland.
Demnach entwickelten die geschichteten Gesellschaften in den Oasentälern Handelsnetze zur Beschaffung der für ihre Handwerke notwendigen Rohstoffe. Die Rohstoffhändler wiederum hatten sich unmittelbar mit ungeschichteten Gesellschaften von Feldbauern, Hirten, Jägern und Sammlern auseinanderzusetzen, die auf die Befriedigung einer derartigen Nachfrage nicht vorbereitet waren, möglicherweise auch gar nicht das Interesse hatten, die Produktion und Förderung von Rohstoffen im benötigten Umfang für die Küstengesellschaften zu übernehmen. Im Zuge dieser Entwicklung zeichnete sich im Rohstoffeinzugsbereich der Küstengesellschaften entlang der Handelsrouten die Tendenz zu einer zunehmenden gesellschaftlichen Schichtung ab. Dabei übernahmen die ethnischen Anführer der lokalen Gruppen die Förderung von Rohstoffen in ihrem Gebiet und erhielten im Gegenzug handwerklich hergestellte Prunkgüter aus den Werkstätten der Küstenhandwerker. Diese Handelsausweitung und ihre sozialen Folgen wurden von einer Verbreitung jener Denkformen begleitet, die die zunehmende soziale Differenzierung an der Küste unterstützt hatten. Der Charakter der entlang der Handelswege entstehenden Tempel und Bildwerke zeigte die unmittelbare Verwandtschaft mit den Vorbildern in den Küstenoasen.
Etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung setzte in den Küstengesellschaften eine beschleunigte Vertiefung des ursprünglichen Modells ein. Das angrenzende Hochland bis hin zum amazonischen Regenwald wurde als Rohstoffeinzugsbereich immer stärker in die Entwicklung der Küstengesellschaft einbezogen, so daß sich auch dort allmählich deutlich geschichtete Gesellschaften durchsetzten. Der Güterverkehr verstärkte sich, da nun auch im Hochland eine steigende Nachfrage nach handwerklichen Gütern aus der Küstenzone entstand. In dieser Phase waren es die Hirtenkulturen der Hochanden, insbesondere aus dem Bereich des Altiplanos um den Titicaca-See, die vorher schon Lamakarawanen zur Beförderung der pflanzlichen Nahrungsmittel zu ihrer eigenen Versorgung - wie Mais, Cocablätter, tropische Früchte, Chilipfeffer - im südlichen Hochland benutzt hatten, die eine neue Funktion im Gesamtsystem bekamen. Sie übernahmen in großem Maß den Austausch im gesamten Hochland von Nordwestargentinien bis nach Ecuador, der bis dahin von Händlern mit menschlichen Trägern von der Küste aus besorgt worden war, und konnten mit der Transportkapazität ihrer Lamakarawanen die Zirkulation von Gütern im gesamten Raum der zentralen Anden rasch erweitern.
Im Zuge der Intensivierung der Güterzirkulation und der dadurch zunehmenden Möglichkeit der lokalen und regionalen Anführer im Hochland, sich aufwendige Importgüter von der Küste zu verschaffen, kam es etwa ab dem Jahr 1000 unserer Zeitrechnung zu einer fortschreitenden Konkurrenz der Hochlandfürsten, die zu verschiedenen Eroberungskriegen führte. Der Schlußpunkt dieser kriegerischen Auseinandersetzungen war etwa 300 Jahre später die Gründung des Inka-Staates, der den gesamten Raum von Ecuador bis Nordwestargentinien und Mittelchile in seinem Herrschaftsgebiet vereinigte. Dieser - hervorgegangen aus der Unterwerfung einer Vielzahl von kleinen Hoch-landfürstentümern und den entwickelten Bewässerungsgesellschaften der Küste - versuchte, den Handel in seinem gesamten Herrschaftsgebiet zu monopolisieren und die dafür notwendigen Güter in einem System von Tribut und Zwangsarbeit, welches die gesamte nicht-inkaische Bevölkerung umfaßte, direkt für den Staat produzieren zu lassen, so daß deren Wiederverteilung zum zentralen, staatsstützenden Herrschaftsinstrument wurde.
Die staatliche Integration der zentralen Anden unter der Herrschaft der Inka war so zur Zeit der Ankunft der Europäer eine relativ junge Entwicklung. Ihr gingen Jahrtausende der Herausbildung und der Intensivierung überregionaler Handelsnetze, der Arbeitsteilung, der Kooperation und der kulturellen Interaktion voraus, zugleich aber auch der Vertiefung von Herrschaft und der gesellschaftlichen Hierarchisierung. Die im Raum von Cuzco in den südöstlichen Zentralanden beginnende Expansion der Inka folgte in ihren Eroberungsschritten einer aus den vorher bestehenden Austauschbeziehungen abgeleiteten Logik. Als erste wurden die Colla der Hochsteppen um den Titicaca-See unterworfen, die mit ihren riesigen Lamakarawanen den überregionalen Austausch organisierten. Nachdem sich die Inka auf diese Weise einer ausreichenden Transportkapazität versichert hatten, verbündeten sie sich mit den Herren von Chincha an der südzentralen Küste, die als Händler den Austausch zwischen dem südlichen Altiplano-Bereich und der nördlichen Küste monopolisiert hatten. Anschließend wandten sie sich im Hochland rasch nach Norden und stießen nach Ecuador vor, um dort die Quellen von Strombusschnecken und Spondylusmuscheln zu kontrollieren. Erst dann richteten sich die Inka gegen die reichen Bewässerungsgesellschaften der Oasen an der peruanischen Nordküste, die sie dadurch in Abhängigkeit zwingen konnten, daß sie die Hauptzuleitungen für die großen Bewässerungskanäle in den Tälern am Westabhang der Anden besetzten.
Das Straßensystem der Inka, welches mit zwei, teilweise drei großen Nord-Süd-Routen und einer großen Anzahl von Ost-West-Verbindungsstraßen die Anden zwischen Kolumbien, Nordwestargentinien und Mittelchile überzog und den Güterverkehr zwischen den unterschiedlichen Regionen ermöglichte und kanalisierte, wurde in der Folgezeit immer weiter ausgebaut. An den Schnittpunkten der wichtigsten Nord-Süd-Straße im Hochland mit den Ost-West-Routen sowie entlang der Küstenroute errichteten sie Wiederverteilungszentren mit einer beträchtlichen Speicherkapazität. So verfügte beispielsweise die im zentralperuanischen Hochland gelegene Stadt Huanuco Pampa über eine große Zahl von Speicherbauten, deren Gesamtkapazität Craig Morris auf ungefähr 37.000 Kubikmeter berechnete (Morris/Thompson 1985:100).
Die in diesen Zentren eingelagerten Güter waren die Produkte der von den unterschiedlichen Ethnien für den Staat verrichteten Arbeit. Sie dienten nicht allein dem Unterhalt der Bürokratie, der Heere und der Staatskulte der Inka, sondern wurden auch in großem Umfang nach den Bedürfnissen wieder an die Ethnien verteilt und zum Unterhalt der Arbeiter verwendet, die für die Erweiterung der Infrastruktur eingesetzt waren. Diese Wiederverteilung war neben der rohen Gewalt, die bei der Eingliederung eines vorher unabhängigen Fürstentums in den Staat angewendet wurde, das wichtigste die Herrschaft stützende Element. Dies ist wohl der Hauptgrund dafür, daß die inkaischen Machthaber den Fernhandel innerhalb des Staatsterritoriums zu unterdrücken suchten.
Die andine Landwirtschaft, deren Merkmale sich lange vor der Errichtung des Inka-Staates herausgebildet hatten, war von jener der Alten Welt schon deshalb grundsätzlich verschieden, weil sie sich ohne das Vorhandensein von Zugtieren entwickelt hatte. In den Küstenoasen war durch die großflächige, intensive Bewässerungswirtschaft, die durch die von den Flüssen mitgeführten Sedimente ständig mit neuen Mineralstoffen versorgt wurde, die Produktivität der menschlichen Arbeit relativ hoch. Im Hochland dagegen, wo im weiten Umfang eine Brachewirtschaft betrieben wurde, war aufgrund der extremen Witterungsbedingungen - insbesondere der großen Häufigkeit von Frostwechseltagen, der ungünstigen Reliefverhältnisse und der vergleichsweise schlechten Böden - die Ertragsfähigkeit der Landwirtschaft begrenzt, mithin auch die Arbeitsproduktivität weit niedriger als in der Alten Welt. Bauern konnten dort nur überleben, weil sie ganzjährig anbauten und dabei immerhin einen Überschuß von etwa 15 Prozent erzielten. Der ganzjährige Anbau wurde dadurch erreicht, daß die Bauern auf den Hängen in verschiedenen Höhen und Klimastufen unterschiedliche Nahrungspflanzen nutzten, deren Wachstumszyklen im Jahreslauf gegeneinander verschoben waren. Das daraus entstehende, sehr komplexe Anbausystem verlangte nach einer unterschiedliche Naturlandschaften übergreifenden Form von Raumbeherrschung der bäuerlichen Wirtschaften sowie nach einer parallelen und überlappenden Anbautätigkeit, deren Organisation, einschließlich der dabei notwendigen Kooperation von kleineren oder größeren Gruppen, sie markant von den bäuerlichen Produktionsformen in der Alten Welt unterschied. Die Folge war, daß diese Anbauwirtschaft nach der Eroberung nicht nach dem Muster der Alten Welt reorganisiert werden konnte, sondern auch nach der Institutionalisierung des Großgrundbesitzes durch die Spanier weiter den andinen Bauern mit ihren spezifischen Kenntnissen und angepaßten Kulturformen überlassen werden mußte. Hierin unterschied sich die zentralandine Landwirtschaft sowohl von der Bewässerungswirtschaft der pazifischen Küste als auch von der des nördlichen Andenraums, wo wegen der gleichmäßigen, über das Jahr verteilten Niederschläge, der geringeren Durchschnittshöhe des Gebirges und der besseren Böden die Einführung europäischer Agrartechniken möglich war.
Auch wenn die Anbauwirtschaft im vorspanischen Amerika keine Zugtiere kannte, gab es, wie bereits erwähnt, mehrere domestizierte Tierarten, darunter als wichtigste die andinen Kameliden. Aus der Stammform des Guanaco wurden schon etwa 4000 bis 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zwei Unterarten domestiziert: Lama und Alpaka. Das Lama kann Lasten bis zu etwa vierzig Kilogramm tragen und spielte daher als Lasttier eine wichtige Rolle in der gesamten zentralandinen Wirtschaft. Daneben war es eine Quelle tierischer Proteine in der Ernährung. Das Alpaka liefert eine Wolle, deren Qualität die der altweltlichen Wolltypen, beispielsweise der Schafwolle, übertrifft. Beide Tiere können längerfristig nur in der zentralandinen Hochsteppe der Puna gezüchtet und gehalten werden. Ohne diese angepaßte und ertragreiche Viehzucht wären die Höhen oberhalb von 4000 Metern bis etwa 5300 Metern für die Menschen nicht nutzbar gewesen, da Feldfrüchte wie beispielsweise die Bitterkartoffel nur bis knapp über 4000 Meter angebaut werden können.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in den Nordanden

Im Gegensatz zu den zentralen Anden wurden die Nordanden von politisch unabhängigen Fürstentümern geprägt, deren größtes das der Muisca in der meseta von Bogotá in der Ostkordillere war. Die Muisca gehörten zur Gruppe der Chibcha-Völker, die zwar kulturell und sprachlich sehr eng verwandt und auch arbeitsteilig durch ein enges Austauschnetz miteinander verbunden waren, von denen jedoch keinerlei Versuche zu einer integrierenden Staatsbildung bekannt sind.
Die kolumbianischen Nordanden spalten sich in drei getrennte Ketten sowie das isolierte Gebirge der Sierra Nevada de Santa Marta. Die Gebirgsketten sind durch die nach Norden fließenden Gewässer des Río Magdalena zwischen Ost- und Zentralkordillere und seines Nebenflusses, des Río Cauca zwischen Zentral- und Westkordillere, voneinander getrennt. In den warmen und zum Teil versumpften Flußtälern des Cauca und des Magdalena gab es eine Anbauwirtschaft auf Hochäckern (camellones, raised fields), auf denen alternierend Kanäle und mit der daraus entnommenen Erde oder mit Schlamm aufgehäufte Beete zu einer besseren Wasser-, Nähr- und Sauerstoffversorgung der Pflanzen führten. Diese sehr ertragreiche Landwirtschaft erlaubte die Herausbildung von Handwerk und von Verwaltungsspezialisten. Gleiches gilt auch für die Brachewirtschaft in den Kordilleren, speziell in den Hochtälern der Ostkordillere. Sowohl die im Vergleich zu den Zentralanden geringere Höhe der Bergzüge als auch deren weniger schroffe Hänge erlaubten einen ertragreichen Anbau von Mais, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Bohnen, Chilipfeffer, unterschiedlichen tropischen Früchten und Baumwolle. Zwischen den einzelnen Gebieten gab es keine wesentlichen Unterschiede, so daß sich der Austausch zwischen Produzenten unterschiedlicher Nahrungspflanzen im Innern der kleinen Fürstentümer vollziehen konnte. Der Austausch zwischen den Fürstentümern beschränkte sich weitgehend auf Rohstoffe, Meeresmuscheln, Halbedelsteine, Edelmetalle - unter diesen vor allem die Gold-Kupfer-Legierung tumbaga - , Rohbaumwolle, Baumwollstoffe, Federn und schließlich Salz. Das Austauschsystem zwischen den Fürstentümern war nicht in sich abgeschlossen, sondern setzte sich in den mittelamerikanischen Raum nach Panamá, Costa Rica und Nicaragua, ebenso auch nach Venezuela und im Süden auch nach Ecuador fort.
Das wichtigste Merkmal der kleinen Fürstentümer entlang der Handelsrouten in den Flußtälern, die durch Ost-West-Routen über die Bergrücken miteinander verknüpft waren, - und der Schlüssel zu ihrem Verständnis - ist die Tatsache, daß die einzelnen Gesellschaften in ihrer Subsistenz zu einem großen Teil autark waren und sich fehlende lebensnotwendige Güter durch einen marginalen Tausch mit benachbarten Gruppen verschaffen konnten. Der Fernhandel beschränkte sich eher auf Luxusgüter, Kultgegenstände und Schmuck. Eine Reihe der an diesem Austauschsystem partizipierenden Gesellschaften, insbesondere an der von feuchttropischen Regenwäldern bedeckten Pazifikküste und in den östlichen Waldländern, blieben ungeschichtet. Insgesamt war hier - im Gegensatz zu den Zentralanden - die Notwendigkeit zu einer komplexeren sozialen Zusammenarbeit und Koordination, die die Voraussetzung für eine Entstehung geschichteter Gesellschaften gewesen wäre, gering. Das höchste Potential hatte in dieser Hinsicht ohne Zweifel die Anlage der Hochäcker in den Flußniederungen, auf deren Grundlage auch in anderen Regionen, beispielsweise im Mayagebiet oder im Guayas-Becken in Ecuador, aber auch an den Ufern des Titicaca-Sees, geschichtete Gesellschaften entstanden. Insofern scheint es nicht zufällig, daß die meisten Fürstentümer ihre Zentren in derartigen weiten Flußauen hatten.
Angesichts der nicht zentralisierten politischen Organisation gestaltete sich die Eroberung der Region durch die Europäer problematischer als im Falle des Inka-Staates und - wie wir weiter unten sehen werden - des aztekischen Herrschaftsbereiches. Zwar gelangten die Spanier früher an die karibische Küste des späteren Kolumbien - schon 1512 hatte Vasco Núñez de Balboa in der Atrato-Niederung nach den Goldschmelzhütten des Kaziken Dabeiba gesucht - als etwa in die Küstenstadt Tumbes in Nordperú, zwar waren sie auch hier vom Mythos des vergoldeten Menschen und goldener Städte angezogen, aber die Eroberung des Raumes erfolgte später. 1536 stieß Benálcazar, aus dem inkaischen Quito kommend, nach Norden vor. 1537 fuhr Gonzalo Jiménez de Quesada, von der Sierra Nevada de Santa Marta kommend, den Río Magdalena aufwärts und gründete schließlich Bogotá. Etwa zur gleichen Zeit eroberte Nikolaus Federmann, von Osten vorrückend, einige Fürstentümer. Die Eroberung des Gebietes vollzog sich demnach langsam und aus unterschiedlichen Richtungen. Fürstentümer und ethnische Gruppen wurden nacheinander unter schwierigen Umständen erobert und in das koloniale System eingegliedert.

Die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Aztekenstaat

Die Geschichte der frühen Gesellschaften im mexikanisch-guatemaltekischen Raum, der als Kulturraum unter dem Begriff Mesoamerika zusammengefaßt wird, ist mit dem zentralandinen Raum in den zeitlichen Abläufen vergleichbar. Vergleichbar ist auch, daß sich lange vor der politischen Zusammenfassung großer Teile dieses Gebietes im Aztekenstaat, auf den die europäischen Eroberer stießen, eine interregionale Arbeitsteilung und überregionale Austauschsysteme fest etabliert hatten. Der aztekische Staat beruhte auf einer Allianz der rund um das Seensystem von Texcoco, inmitten des abflußlosen Hochplateaus der mexikanischen Mesa Central gelegenen Stadtstaaten. Diese hatten insofern gemeinsame Interessen, als sie alle einerseits als Seeanrainer auf bestimmte Bedingungen für ihre Wirtschaft angewiesen waren, andererseits gleichermaßen den Zugriff auf Produkte aus den mexikanischen Tiefländern, vor allem Baumwolle und Kakao, aber auch auf Rohstoffe für ihre hochentwickelten Handwerkszweige suchten.
Das erstgenannte, die Integration fördernde Element folgte zunächst aus der sich immer stärker entwickelnden Arbeitsteilung unterschiedlicher Handwerkszweige in den einzelnen Stadtstaaten, die durch ein komplexes Marktsystem und einen umfangreichen Bootsverkehr auf dem See untereinander verbunden waren. Letzterer hatte große Bedeutung für den Gütertransport, da die frühen Mesoamerikaner im Gegensatz zur zentral-andinen Bevölkerung nicht über Lasttiere verfügten. Andererseits war die Integration die Folge eines spezifischen Agrarsystems, das sich durch eine außergewöhnlich hohe Flächen- und Arbeitsproduktivität auszeichnete. Dieses beruhte auf den sogenannten chinampas, von den Spaniern »schwimmende Gärten« genannt, die im seichten Wasser des Sees angelegt wurden. Für diese, den bereits erwähnten Hochäckern in Südamerika ähnlichen Anlagen baute man aus Holz und Reisiggeflecht ungefähr 250 x 25 Meter große, floßartige Strukturen im Seeuferbereich, um diese anschließend mit Schlamm aus den dazwischen verlaufenden Kanälen bis knapp über den Seespiegel aufzufüllen. Dieser extrem nährstoffreiche Boden diente dann als Anbaufläche, auf der sich sehr hohe Erträge erwirtschaften ließen. Dadurch wiederum konnte ein großer Teil der außerordentlich dicht siedelnden Bevölkerung der Stadtstaaten mit den Grundnahrungsmitteln Mais und Bohne sowie mit Früchten und Chilipfeffer versorgt werden.
Die Ausweitung der chinampa-Gartenwirtschaft in den seichten Uferbereichen des Seensystems von México war dadurch eingeschränkt, daß das Wasser im abflußlosen See von Texcoco brackig war. Durch ein hochentwickeltes System von Deichen und Schleusen, welches den gesamten See durchzog, war es den Bewohnern der Stadtstaaten im Uferbereich allerdings gelungen, weite Teile des Sees, mit Ausnahme des Sektors von Xaltocan, brackwasserfrei zu machen. Der Aufbau dieses Dammsystems und die Verwaltung der Schleusen, einschließlich der Zuleitung von Süßwasser über Aquädukte in bestimmte Seebereiche, erforderte nicht nur eine Kooperation der Anrainer, sondern auch eine übergreifende Verwaltung, die die gesamte Wasserwirtschaft des Seensystems gemeinsam organisierte. In dieser Tatsache ist der entscheidende Faktor für die Entstehung einer zentralen politischen Macht in der Mesa Central zu suchen.
Die außerordentliche Prosperität der Anrainerstaaten des Sees, ihr im Vergleich zu anderen Regionen des alten México rasches demographisches Wachstum sowie ihre politische Integration schufen die Voraussetzungen für eine Ausdehnung der politischen Macht der Stadtstaaten auch außerhalb der Mesa Central. Einer der Hauptgründe dafür war die Notwendigkeit der Versorgung der Bewohner der relativ hoch liegenden Mesa Central mit tropischen Tieflandprodukten, vor allem mit Baumwolle. Zwar gab es auch andere Mechanismen, die den Transport von Baumwolle aus den Tieflandregionen zu den Stadtstaaten im Hochland erlaubten, vor allem einen sehr entwickelten Fernhandel, aber hier entstand wohl aufgrund der Bevölkerungszunahme im Bereich des Sees von Texcoco ein Angebotsdefizit. Die Völker des vergleichsweise dünn besiedelten Tieflandes hatten kein Interesse daran, entsprechend der Zunahme der Bevölkerung im Hochtal immer weitere Ressourcen für den Anbau eines derartigen Rohstoffs einzusetzen, der unter anderem in Konkurrenz zu ihrer eigenen Subsistenzwirtschaft stand. Die militärische Expansion der Stadtstaaten des Hochtals löste dieses Problem unmittelbar und langfristig. Jeder gemeinsame Kriegszug der Allianz der Mesa Central wurde mit einer allgemeinen Verteilung von Textilien durch die Herrscher abgeschlossen. Wichtiger aber war zweifellos die Einrichtung eines Tributsystems, welches die Tieflandvölker zwang, große Mengen von Rohbaumwolle, Baumwolldecken, Kriegerrüstungen und anderer Produkte jährlich an den Zentralstaat zu liefern.
Neben der Baumwolle spielten andere Tieflandprodukte eine wichtige Rolle in dem von den Azteken eingerichteten Tributwesen. Insbesondere waren es Rohstoffe für das entwickelte Handwerk in den Stadtstaaten, beispielsweise bunte Federn, Hölzer und Kakaobohnen, die als Zahlungsmittel geschätzt wurden, aber auch Grundlage einer Reihe von Speisen und des auch bei uns bekannten Getränks waren, welches sich schon lange vor der Entwicklung der zentralmexikanischen Herrschaft überall in Mesoamerika wegen seiner belebenden Wirkung durchgesetzt hatte.
Der Staat der Azteken war wegen der geschilderten Zusammenhänge - stärker als jener der Inka - im Kern die Herrschaft der Bewohner einer Region über die anderer Regionen. Eindeutig kanalisierte er Abgaben in Richtung des Staatszentrums in Tenoch-titlán, welche zwar zum Teil auch an die Herrschergruppen in den Stadtstaaten der Anrainer des Sees von Texcoco wiederverteilt wurden, nicht aber in den über diese Allianz hinausreichenden weiteren Staatsgebieten. Aus dieser Situation entstanden Widersprüche zwischen Zentrum und Peripherie sowie Rivalitäten mit den nicht vom aztekischen Staat unterworfenen Fürstentümern - wie dem Stadtstaat von Tlaxcala - , die es den eindringenden Europäern unter Hernán Cortés ermöglichten, Verbündete gegen die aztekischen Machthaber zu gewinnen.
Der weitere Aufbau der europäischen Herrschaft im unterworfenen aztekischen Staat war im übrigen vorgeformt, einerseits durch die schon vor der Ankunft der Europäer durch das Tributsystem geprägten politischen Strukturen, zum anderen durch das ebenfalls bereits sehr entwickelte Fernhandelsnetz, welches - mit leichten Modifikationen - in die koloniale Gesellschaft übernommen werden konnte. Im Gegensatz zur bäuerlichen Produktion in den Anden war die aztekische Landwirtschaft durch die Europäer relativ problemlos reorganisierbar. Dies gilt sowohl für die schon in vorkolonialer Zeit vorhandenen Besitzverhältnisse und die Entwicklung von lohnarbeitsähnlichen Beziehungen zwischen adligen Landbesitzern und Arbeitskräften als auch für die Einführung europäischer Zugtiere und landwirtschaftlicher Technologie. Deren Einsatz war angesichts der Bodenverhältnisse und wegen der Tatsache, daß in México meist Regenfeldbau betrieben wurde, ohne weiteres möglich und führte sogar zu einer spürbaren Erhöhung der Produktivität. Dies und die von den Europäern eingeführten Tragtiere und Wagen mögen dazu beigetragen haben, daß die Spanier Nahrungsmittel über weit größere Entfernungen problemlos befördern konnten und daher kein besonderes Augenmerk auf die Beibehaltung des komplexen Seebewirtschaftungssystems und des chinampa-Gartenbaus im dichtbesiedelten Hochtal um Ciudad de México legten. Bis auf heute noch bestehende Reste in Xochimilco verfiel das hochproduktive chinampa-System rasch. Der See von Texcoco wurde im 18. Jahrhundert von der Kolonialverwaltung durch einen Kanal entwässert. Die heutige Millionenstadt Ciudad de México liegt auf dem ehemaligen Seegrund.

Politische Zersplitterung und Arbeitsteilung im Mayagebiet

Während es in Zentralméxico unter aztekischer Führung zu einer Staatsbildung kam, die den Interessen der Bewohner der Mesa Central entsprach, war das südlich und südöstlich anschließende Mayagebiet zwar auch von Stadtstaaten, entwickeltem Handwerk und überregionaler Arbeitsteilung geprägt, die sich in einer komplexen, etwa zweitausendjährigen Geschichte entwickelt hatten, doch war es dort nie zu einer politischen Vereinigung des Gesamtgebietes gekommen. Der Austausch zwischen den einzelnen Stadtstaaten fand, ähnlich wie im nördlichen Andengebiet, im Rahmen eines intensiven Handelsnetzes statt.
Die Entwicklung der Mayavölker vollzog sich in drei sehr verschiedenartigen Naturräumen. Es waren dies erstens die relativ ebene, von wasserdurchlässigen Kalkböden geprägte Karstlandschaft der Halbinsel Yucatán, zweitens die sich weiter südlich anschließenden, tropisch feuchten Flußtäler einschließlich des Tieflandes des Petén, und drittens die südlichen Bergländer, vor allem im heutigen Guatemala. Die drei Räume waren durch sehr unterschiedliche Agrarsysteme gekennzeichnet.
Das Gebiet der feuchttropischen Flußtäler im Zentrum (Petén, Usumacinta) war der komplexeste Entwicklungsraum der Maya. Hier kam es auch im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung zum Bau von großen Tempelstädten und zu einer sehr komplexen Interaktion unterschiedlicher Stadtstaaten, die uns heute dank der weitgehenden Entzifferung der Mayaschrift sehr genau zugänglich ist (Schele/Freidel 1994; Martin/Grube 2000). Die Grundlage dieser Entwicklung war eine Kombination von Brandrodungsfeldbau (milpa) und einer dem chinampa-Gartenbau verwandten Anlage von Hochäckern - ähnlich denen am Río Magdalena und Río Cauca in Kolumbien - in sumpfigen Niederungen, die auf dem Aushub von Entwässerungskanälen und der Aufschüttung von Pflanzbeeten beruhte. Diese Kombination erlaubte eine hohe Arbeitsproduktivität und offensichtlich auch eine Freistellung von Herrschern, Priestern und spezialisierten Handwerkern von der unmittelbaren Subsistenztätigkeit, sowie den Bau der noch heute beeindruckenden Tempelzentren durch zeitweise unterbeschäftigte milpa-Bauern. Dieses zentrale Siedlungsgebiet der Maya geriet jedoch im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts in eine Krise, die einerseits durch großklimatische Veränderungen verursacht wurde, die zu einer außergewöhnlichen Trockenheit führten, andererseits durch - vermutlich davon beeinflußte - Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Stadtstaaten. Die Folge dieser krisenhaften Entwicklung war, daß Stadtstaaten oder sonstige komplexe gesellschaftliche Organisationsformen aus dem Niederungsgebiet des Petén verschwanden.
In den südlich anschließenden Bergländern gab es ebenfalls den Brandrodungsfeldbau sowie einen weniger ertragreichen Brachefeldbau, deren Kombination eine Herausbildung größerer städtischer Zentren, wie sie im Tiefland stattgefunden hatte, nicht zuließ. Parallel zum Niedergang der Tempelzentren im Petén-Gebiet kam es hier zu einer Entwicklung hin zu weniger komplexen Formen bäuerlich-dörflicher Organisation.
In der Karstlandschaft des nördlichen Yucatán dagegen, in der die vorherrschende Landwirtschaft auch auf dem Brandrodungsfeldbau von Mais beruhte, kam es nach dem Niedergang des Petén-Gebietes zu einer Weiterentwicklung der dortigen Fürstentümer und kleinen Stadtstaaten. Die spanische Eroberung dieses Gebietes im frühen 16. Jahrhundert gestaltete sich deshalb langwieriger, weil es aufgrund der fehlenden Bodenschätze für die spanischen Eroberer nur mäßig interessant war. Ebenso wie bei der Eroberung der Nordanden mußten die kleinen Fürstentümer und Stadtstaaten der Reihe nach erobert werden, was nicht verhinderte, daß diese sich wiederholt gegen ihre neuen Herren erhoben. Die nur langsam fortschreitende Eroberung wurde erst 1697 mit der Unterwerfung der Itzá in Südyucatán, der letzten unabhängigen Herrschergruppe, abgeschlossen.

Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der indianischen Bevölkerung im Süden des Kontinents

Schon die Expansion des Inkastaates fand in Mittelchile und in Nordwestargentinien ihre durch die unterschiedliche Gesellschaftsorganisation gesetzte Grenze. Die jenseits dieser Grenze lebenden Völkerschaften von Feldbauern im nördlichen Bereich, von Jägern, Fischern und Sammlern bis hin nach Feuerland im südlichen Bereich, waren als Stammesgesellschaften ohne weitergehende Arbeitsteilung als jene zwischen den Geschlechtern und den verschiedenen Altersgruppen organisiert. Ihre gesellschaftliche Ordnung beruhte auf komplexen Formen von Verwandtschaftsregeln, die Pflichten und Rechte der Individuen gegenüber den anderen Mitgliedern der Gesellschaft festlegten. Es handelte sich um Gruppen, die zwar Älteste als ratgebende Respektpersonen oder Anführer in Konfliktfällen kannten, aber erbliche Formen von herausgehobenen Herr-schaftsfamilien, wie sie in den bisher besprochenen Bereichen die Regel waren, gab es nicht.
Alle diese Gruppen waren naturräumlich auf die jeweils vorhandenen Ressourcen spezialisiert. Die Pehuenche im chilenisch-argentinischen Andenabschnitt zwischen etwa 38° und 40° südlicher Breite beispielsweise hatten die nußähnlichen Samen der Araukarien als Hauptnahrungsmittel, die Mapuche betrieben regenabhängigen Brachefeldbau, insbesondere von Knollenfrüchten, Mais und Bohnen. Die Puelche und Tehuelche in der argentinischen pampa lebten vom Sammeln und der Jagd auf Guanakos - einem weiteren der Neuweltkameliden - , die Gruppen in Patagonien vor allem vom Sammeln und vom Fischfang.
Derartige Gesellschaften konnten offensichtlich von den spanischen Eroberern nicht in der gleichen Form unter das Kolonialregime gebracht werden, wie dies bei den vorher besprochenen Gesellschaften der Fall war. Zwar erreichten die Spanier schon 1536 den Río Maule in Mittelchile, die südliche Grenze des Inka-Staates, sie konnten aber nur wenig darüber hinaus bis zum Río Biobio vordringen. 1553 wurde der Eroberer Pedro de Valdivia von den Araukanern gefangengenommen und getötet. Insgesamt betrachtet gelang es zwar den Spaniern immer wieder, Expeditionen in die genannten Gebiete voranzutragen, sie vermochten sich aber nur sporadisch für längere Zeit festzusetzen oder gar tatsächlich die Bewohner zu unterwerfen und als koloniale Arbeitskräfte einzusetzen, wie ihnen das etwa im Inkastaat gelungen war. Hingegen kam es zur Aneignung europäischer Agrartechniken und Anbaupflanzen, vor allem aber des Pferdes durch die nicht zu unterwerfende indianische Bevölkerung. Die Einführung von Pferden hatte ähnlich weitreichende Konsequenzen wie in Nordamerika bei den Plains- und Prärieindianern. Sowohl die araukanischen Gruppen in Chile als auch etwa die Bewohner der argentinischen pampa wurden weit beweglicher und konnten somit erfolgreicher den spanischen Eroberungsversuchen Widerstand leisten. Zum Teil gingen sie zu nomadisch-jagenden Lebensformen über. Sowohl in Argentinien als auch in Chile gelang die Unterwerfung der indigenen Bevölkerung erst den nachkolonialen, republikanischen Gesellschaften. In Feuerland wie auch in großen Teilen der argentinischen pampa kam es damit zur weitgehenden Vernichtung der autochthonen Bevölkerungsgruppen.

Die indianischen Bevölkerungen der östlichen Waldländer

Auch die große Zahl unterschiedlicher ethnischer Gruppen der bewaldeten Gebiete im Flußsystem des Amazonas zeichnete sich durch, wenn überhaupt, nur schwach geschichtete Gesellschaften aus. Zwar gab es insbesondere in den Flußuferbereichen, der várzea Amazoniens, Ansätze zu größeren Siedlungen von Fischfang und Feldbau betreibenden Gruppen mit einer beginnenden gesellschaftlichen Schichtung, doch war der Rest des Raumes von einer großen Zahl unterschiedlicher Stammesgruppen besiedelt, die in verschiedenen Sprachfamilien zusammengefaßt werden. Ihre Lebensweise war sehr eng auf die jeweiligen naturräumlichen Verhältnisse ausgerichtet. Hieraus erklärt sich auch der Unterschied zwischen den Gruppen in Flußnähe, die nicht nur Brandrodungsfeldbau, vor allem von Maniok, manchmal auch von Mais in den periodisch überschwemmten und damit nährstoffreicheren Flußauen betreiben konnten, sondern mit dem Fischfang auch über eine weitere wichtige Quelle tierischen Proteins verfügten. Die várzea-Bewohner hatten außerdem durch den Verkehr mit Booten weiträumige Handelsbeziehungen, über die sie sich vor allem mit Salz versorgen konnten. Im Gegensatz dazu war die Wirtschaftsweise in den flußfernen Waldländern eher durch Kargheit bestimmt. Dort gab es weniger ertragreichen Brandrodungsfeldbau von Maniok und die Jagd. Doch sind die amazonischen Regenwälder im Gegensatz zu den landläufigen Vorstellungen eher wildarm. Für die dort lebenden Bevölkerungsgruppen war daher in der Regel das Sammeln von Insekten und auch von pflanzlicher Nahrung wichtiger als die Jagd.
Die Kombination von relativ ertragreichem Maniokanbau, der, außer bei der Brandrodung, keinen größeren Arbeitsaufwand erforderte, und eher ausgedehnteren Sam-mel-expeditionen führte bei diesen Völkern zu einer Begrenzung der Zahl von Familien, die in einer Dorfgruppe gemeinsam wirtschafteten. Diese verfügte über dorfnahe Brandrodungsfelder und ein relativ ausgedehntes sekundäres Sammelareal. Entsprechend konnten die innerdörflichen sozialen Verhältnisse mit Verwandtschaftsregeln organisiert werden. Man kannte hier also zumeist keine zentralen Autoritäten, sondern Verwandtschaftsgruppen-Älteste. Nur bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit benachbarten Siedlungen wurden Kriegshäuptlinge ernannt. Gerieten derartige Dörfer durch das Wachstum in eine Größenordnung, bei der die inneren Konflikte zwischen den einzelnen Verwandtschaftsgruppen und Fraktionen zu stark wurden, boten sich als Lösung eher eine Dorfteilung und der Rückzug einer Dissidentengruppe in die unbesetzten Waldländer an als die Herausbildung von zentralen streitschlichtenden Institutionen.
Diese Umstände bestimmten auch das Verhältnis zu den Europäern, die eine Unterwerfung versuchten. Stets bot sich die Möglichkeit des Rückzugs an. Ein Aufbau von stabilen Herrschaftsverhältnissen über Gruppen, die eine derartige Unterwerfung nicht aus ihrem eigenen Kulturinventar kannten, war ohnehin nicht möglich. Insofern war der Kontakt zwischen Europäern und indianischen Bewohnern der Waldländer, wenn er überhaupt dauerhaft zustandekam, eher handels- und missionsorientiert. Einen verheerenden Einfluß hatten die europäischen Krankheiten, die lange vor dem unmittelbaren Kontakt mit den Europäern selbst vor allem die Gruppen in den Flußniederungen dezimierten, die dichter siedelten und über das Fernhandelsnetz in dauernder Verbindung mit der Außenwelt standen.

Die nomadischen chaco-Indianer

Die Dornensavannen und -steppen Paraguays, Ostboliviens und Nordargentiniens waren aufgrund der vorherrschenden Trockenheit, mit Ausnahme der Flußuferbereiche entlang des Paraná und Paraguay, nicht für den Anbau geeignet. Die dort lebenden Völker waren nomadisierende Jäger und Sammler, die in ihrer Ernährung allein auf die Ergebnisse der Sammeltätigkeit angewiesen waren. Insofern war hier die Besiedlung weniger dicht als in den feuchten Waldländern weiter nördlich; die miteinander kooperierenden Sozialgruppen waren kleiner und umfaßten kaum viel mehr als hundert Personen. Der Kontakt zwischen ihnen und den eindringenden Spaniern und Portugiesen war dementsprechend sporadisch und konnte daher nicht zu dauerhafter Herrschaft führen. Auch hier stand eine langsame Verdrängung und Ausrottung durch Krankheiten im Vordergrund. Eine Ausnahme bildete lediglich die Aufnahme von Kontakten zu Missionszwecken, die insbesondere in Paraguay zu den berühmten »Jesuitenreduktionen« führten. Diese beruhten auf der Einführung von europäischen Wirtschaftstechniken und Sozialformen im Bereich der Flußuferwälder, wobei die von den Jesuiten organisierten Siedlungen (reducciones) für deren Bewohner und die vorher nomadisierende Bevölkerung angrenzender Dornensavannengebiete attraktiv gewesen zu sein scheinen.

Epilog

Die indianische Bevölkerung Lateinamerikas war vor dem Eintreffen der Europäer hinsichtlich ihrer Wirtschaftsweise, ihrer sozialen und politischen Formen sowie in ihrer Weltsicht und ihrem materiellen Inventar äußerst vielfältig. Ihre Zusammenfassung unter dem Begriff »Indianer« ist allein dadurch zu rechtfertigen, daß diese alle eben Einwohner des amerikanischen Doppelkontinents waren. Betrachtet man ihr Schicksal im Gefolge der europäischen Landnahme, so wird deutlich, daß die koloniale Geschichte, soweit sie nicht zu einer Verdrängung und Eliminierung der einheimischen Bevölkerung führte, immer auch als eine Fortsetzung der vorherigen »indianischen« Geschichte, insbesondere der sozialen und politischen Formen sowie der Wirtschaftsweisen verstanden werden muß. Nur dort, wo diese autochthone Geschichte vorher die Möglichkeit der Interaktion in einem Herrschaftsumfeld geschaffen hatte, konnten sich die kolonisierenden Europäer in Amerika einrichten und die bestehenden Verhältnisse gemäß ihren Herrschaftsinteressen umformen.

 

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Quelle: Weltregionen 3: Die Neue Welt. Süd- und Nordamerika in der kolonialen Epoche Herausgegeben von Friedrich Edelmayer, Margarete Grandner, Bernd Hausberger. Wien: Promedia 2001.
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